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»Gut – gut, Herr,« sprach Jarvie; »mags denn nach Eurer Pfeife gehen; aber seht zu, daß ich Euch nicht zum Tanze zwinge, ehe aller Tage Abend ist.«

Zwischen dem Offizier und den Hochländern wurde nun eifrig beraten, aber so leise, daß, sich unmöglich etwas verstehen ließ. Als sie fertig waren, verließen alle das Haus. »Diese Hochländer,« sagte hierauf Jarvie zu mir, »sind von den westlichen Clans und ebensolche Langfinger, wie ihre Nachbarn, und dennoch seht Ihr, wie sie gekommen sind, gegen den armen Robin zu fechten, weil sie einen alten Groll gegen ihn und seinen Stamm haben. Er wird alle Hände voll zu tun haben, der arme Robin, wenn die Sonne über die Berge kommt. Es ist wohl nicht recht, wenn eine obrigkeitliche Person etwas gegen den Lauf der Gerechtigkeit wünscht, aber der Teufel soll mich holen, wenn die Kunde, daß Robin es allen tüchtig heimgezahlt hätte, mir das Herz bräche!«

Zehntes Kapitel

Wir durften den übrigen Teil der Nacht schlafen, so gut es die elende Einrichtung der Schenke zuließ. Aber ermüdet durch die Reise und die nachfolgenden Auftritte, und nicht sonderlich bekümmert wegen unserer Verhaftung, die nur eine vorübergehende Unannehmlichkeit sein konnte, kamen wir bald zur Ruhe, und ich hörte den Stadtvogt, der mit den seltsamen Verhältnissen, in denen wir uns befanden, vielleicht besser zurechtkam als ich, bald auf seinem harten Lager tüchtig schnarchen. Mir blieb nichts weiter übrig, als den Kopf auf den Tisch zu legen, und während des unruhigen Halbschlummers, der mich von Zeit zu Zeit befiel, bekam ich Gelegenheit zu der Wahrnehmung, daß sich in den Bewegungen der Soldaten Zweifel und Unentschlossenheit kundtaten. Es wurden Männer ausgesandt wie auf Kundschaft, die aber, wie ich recht gut merkte, ihrem Anführer keine erfreuliche Kunde meldeten; denn er war sichtlich unruhig und ängstlich und schickte wieder kleine Haufen von zwei bis drei Mann ab, von denen aber einige, wie ich aus dem Geflüster der übrigen vernahm, nicht zurückgekehrt waren.

Der Morgen war angebrochen, als ein Korporal und zwei Gemeine in die Hütte stürmten und mit einer Art von Triumph einen Hochländer herbeischleppten, in welchem ich sogleich meinen Bekannten, den gewesenen Gefängnisschließer, erkannte. Der Stadtvogt, der bei dem Lärm, den sie beim Eintritt machten, in die Höhe fuhr, rief sogleich: »Gott erbarms! Sie haben die arme Kreatur Dougal gekriegt – Hauptmann, ich will Bürgschaft für ihn leisten, hinlängliche Bürgschaft für diesen Dougal.«

Auf dieses Anerbieten, das ohne Zweifel von einer dankbaren Erinnerung an die letzten Dienstleistungen des Hochländers eingegeben wurde, antwortete der Hauptmann, Jarvie möge doch lieber an seine eignen Angelegenheiten denken, statt zu vergessen, daß er gegenwärtig selbst Gefangener sei.

»Ich nehm Euch zum Zeugen, Herr Osbaldistone,« sprach Jarvie, der mit dem bürgerlichen Recht besser bekannt war als mit dem Kriegsrecht, »daß mir der Herr verweigert hat, Bürgschaft zu stellen. Meiner Meinung nach kann Dougal sich wegen unrechtmäßiger Verhaftung beklagen, und ich will ihm zu seinem Rechte verhelfen.«

Der Offizier, Thornton mit Namen, ließ sich durch Jarvies Beschwerden nicht stören, sondern nahm Dougal scharf ins Verhör und nötigte ihm nach und nach die Aussage ab, daß er Robert Mac Gregor kenne und daß er ihn im letzten Jahr, im letzten Halbjahr, im letzten Vierteljahr, im letzten Monat – in letzter Woche, gesehen habe, ja daß er vor knapp einer Stunde mit ihm auseinandergegangen sei. Alle diese Angaben kamen wie Blutstropfen von dem Gefangenen und wurden augenscheinlich nur durch des Hauptmanns Drohung ausgepreßt, ihn an den nächsten Baum hängen zu lassen, wenn er nicht bestimmte und genaue Nachrichten gäbe.

»Und nun, Freundchen,« sprach der Offizier, »wirst Du mir noch sagen, wieviel Leute Dein Herr gegenwärtig bei sich hat.«

Dougal blickte überall hin, bloß nicht auf den Fragesteller, und antwortete, das wisse er selbst nicht und könne es also auch nicht sagen.

»Sieh mich an, Du Hochlandshund,« rief der Offizier, »und bedenke, daß Dein Leben von der Antwort abhängt. ... Wieviel Schelme hatte dieser vogelfreie Schurke bei sich, als Du ihn verließest?«

»Nicht mehr als ein halbes Dutzend, als ich ging.«

»Und wo waren die übrigen Schelme?«

»Mit dem Leutnant gegen die Kerle im Westen gezogen.«

»Gegen die westlichen Clans?« sprach der Hauptmann. »Hm – wahrscheinlich genug, und zu welcher bübischen Tat bist Du hier gewesen?«

»Um zu sehen, was Ihr Und Eure Rotröcke im Dorfe wolltet.«

»Die Kreatur bricht am Ende doch die Treue,« sprach Jarvie; »ich setze mich seinetwegen besser nicht in Unkosten.«

»Und nun, Freundchen,« fuhr der Hauptmann fort, »wollen wir uns miteinander verständigen. Du solltest als Spion am nächsten Baume hängen; aber wenn Du mir einen Dienst erzeigst, erzeig ich Dir einen andern. Du sollst mich mit einigen meiner Leute zu dem Orte führen, wo Du Deinen Herrn verlassen hast, da ich wegen wichtiger Geschäfte mit ihm zu sprechen habe, und ich lasse Dich Deiner Wege ziehen und gebe Dir noch fünf Guineen dazu.«

»Oh! oh!« rief Dougal in äußerster Bekümmernis; »kanns nicht tun,– kanns nicht tun! Läßt sich lieber hängen.«

»Dann sollst Du hängen, und Dein Blut komm' über Dein eigen Haupt. – Korporal Cramp, macht den General-Profos – fort mit ihm!«

Der Korporal hatte dem armen Dougal einige Zeit gegenübergestanden und einen Strick, den er im Hause fand, zusammengedreht. Jetzt warf er denselben um des Angeklagten Nacken und schleifte ihn mit Hilfe zweier Soldaten bis zur Tür, wo aber Dougal, von Todesangst übermannt, ausrief: »Halt! halt! Ihr Herren! – Will tun was der Herr Hauptmann verlangt – halt!«

»Fort mit dem Buben,« sprach Jarvie, »er verdient jetzt mehr als je, gehangen zu werden. – Fort mit ihm, Korporal! Warum bringt Ihr ihn nicht weg?«

»Ich glaube, Herr,« versetzte der Korporal, »wenn Ihr gehangen werden solltet, dann hättet Ihr schwerlich solche Eile.«

Dieses Nebengespräch verhinderte mich, zu hören, was zwischen dem Gefangenen und dem Hauptmann vorging; doch ächzte ersterer mit sehr niedergeschlagnem Tone: »Und wollt Ihr nicht verlangen, daß ich weiter mitgehe, als Euch zu zeigen, wo Mac Gregor ist? Oh! oh!«

»Still mit Deinem Geheul, Du Schelm! Ich gebe Dir mein Wort, daß Du zu weiterm nicht gehalten sein sollst. Laßt die Mannschaft vor dem Hause antreten, Korporal! Führt die Pferde der Herren heraus; wir müssen sie mitnehmen. Ich kann keine Leute entbehren, um sie als Wache hier zu lassen. Vorwärts – marsch!«

Wir wurden mit Dougal als Gefangene hinausgeführt. Als wir die Hütte verließen, hörte ich, wie Dougal den Hauptmann an die fünf Guineen erinnerte.

»Da hast Du sie,« sprach der Offizier und gab ihm Gold in die Hand; »aber laß Dir gesagt sein, wenn Du Dir etwa einfallen lassen solltest, mich irre zu leiten, jag ich Dir eine Kugel durch den Kopf.«

»Die Kreatur ist schlechter, als ich geglaubt habe,« sprach Jarvie – »ein erbärmlicher Wicht! Mein Vater, der Vorsteher, hatte gar recht mit seiner Rede: geprägtes Silber hat mehr Seelen erschlagen, als das nackte Schwert je Leiber erschlug.«

Die Wirtin trat nun vor und verlangte Bezahlung der Zeche, mit Einschluß alles dessen, was Galbraith und die Hochländer verzehrt hatten. Der englische Offizier machte Einwendungen, allein die Frau erklärte, wenn sie nicht dem Namen des edlen Herrn vertraut, auf den sich die Gesellschaft berufen hätte, so würde sie nie einen Tropfen Branntwein hergegeben haben; denn sie möge den Herrn Galbreith wiedersehen oder nicht, ihr Geld werde sie schwerlich bekommen – und sie sei eine arme Witwe, die nichts habe als ihre Kundschaft.

Der Hauptmann machte ihren Reden ein Ende, indem er die Zeche bezahlte, die sich nur auf einige Schillinge belief, obwohl sie nach schottischer Rechnung sich wie eine ganz schreckliche Summe anhörte.