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»Ich will niemand raten, diese Tasche zu öffnen, der nicht das Geheimnis kennt,« sprach Robin der Rote, während er einen Knopf in dieser, den andern in jener Richtung drehte, eine Buckel aufhob, die andre niederdrückte, bis die Oeffnung des Säckels, die mit einer Silberplatte verschlossen war, aufsprang. Er machte mir eine kleine verborgne Pistole bemerkbar, deren Drücker mit der Oeffnung zusammenhing und einen Teil des Kunstwerks ausmachte, so daß sie gewiß losgehen und wahrscheinlich den Unkundigen treffen mußte, der sich das Schloß zu öffnen bemühte. »Dies,« sprach er, »die Pistole berührend, »ist mein Schatzmeister.«

Der Stadtvogt setzte seine Brille auf, um die Einrichtung zu untersuchen, und nachdem ers getan hatte, gab er die Tasche lächelnd und mit einem Seufzer zurück. »Ach, Robin!« sagte er dann, »hielten alle Leute ihre Beutel so wohl verwahrt wie Ihr, dann möchte wohl Eure Tasche nicht so gefüllt sein, wie sie es, dem Gewichte nach zu schließen, heute wohl sein dürfte.«

»Sorgt nicht, Vetter!« antwortete Robin lachend, »sie ist immer offen für eines Freundes Not, oder um eine gerechte Schuld zu bezahlen. – Hier sind Eure tausend Mark,« fuhr er fort und langte eine Geldrolle heraus. »Zählt sie und seht, daß die Summe stimmt!«

Jarvie nahm schweigend das Geld, und nachdem er es einen Augenblick in der Hand gewogen hatte, legte er es auf den Tisch und erwiderte: »Ich kanns nicht nehmen, Robin, mag nichts damit zu tun haben, es kann kein Segen dabei sein. – Ich habe heute zur Genüge gesehen, auf welchem Wege Ihr zu Eurem Geld kommt. Unrecht Gut gedeihet nicht. Gerade heraus gesagt, ich will nichts damit zu tun haben – es sieht aus, als ob Blut daran wäre.«

»Meiner Treu!« sprach der Geächtete mit einer Gleichgültigkeit, die er vielleicht nicht ganz so empfand, »es ist gutes französisches Gold, und war vorher nie in eines Schottländers Beutel. – Seht es an – es sind lauter Louisdor, schön und glänzend, wie aus der Münze.«

»Desto schlimmer, desto schlimmer – eben darum viel schlimmer, Robin,« versetzte Jarvie, seine Augen von dem Gelde abwendend, obgleich ihm die Finger danach zu jucken schienen, wie Cäsar nach der Krone. – »Empörung ist schlimmer, als Hexerei oder Räuberei; das steht in der Bibel.«

»Kümmert Euch nicht darum, Vetter,« sprach der Freibeuter; »Ihr kommt ehrlich zu dem Gelde. Kommt's von dem einen König, so könnt Ihrs dem andern geben, wenn Ihr Lust habt. Es wird grade dienen, einen Feind zu schwächen, und in dem Punkte, wo der arme König Jakob schon der Schwächere ist; denn Gott weiß es, Hände und Herzen hat er genug, aber am Gelde mags ihm wohl fehlen.«

»Dann wird er wohl nicht viele Hochländer auf seine Seite bekommen,« sprach Jarvie, indem er seine Brille wieder aufsetzte und den Inhalt der geöffneten Rolle zu zählen anfing.

»Und Unterländer wohl nicht mehr,« erwiderte Mac Gregor, die Augenbrauen emporziehend. Er sah mich an und blinzelte nach dem Stadtvogt, der, ohne den Spott zu bemerken, mit gewohnter Vorsicht jedes Goldstück wog. Nachdem er die Summe zweimal überzählt hatte, Kapital und Interessen, gab er drei Goldstücke zurück zu einem Kleide für seine Base, wie er sagte, und noch ein paar für die beiden Buben, wofür sie sich nach Gefallen kaufen könnten, nur kein Schießpulver. Der Hochländer erstaunte über seines Vetters unerwartete Großmut, nahm aber freundlich die Gabe an, die er in seine wohlverwahrte Tasche steckte. Jarvie zog darauf den Schuldschein hervor, auf dessen Rückseite er eine Quittung geschrieben hatte, die er, nach Beifügung seines eignen Namens, vor mir als Zeugen unterschreiben ließ. Er sah sich ängstlich nach einem andern um, da die schottischen Gesetze in dergleichen Fällen zwei Zeugen verlangen. »Ihr werdet hier drei Meilen in der Runde schwerlich jemand finden, der schreiben kann, uns drei ausgenommen,« sprach Robin; »aber ich will die Sache leicht abmachen.« Er nahm die Schrift und warf sie ins Feuer, worüber der Stadtvogt nun seinerseits erstaunte. Allein sein Vetter fuhr fort: »Dies ist unsre Art im Hochlande, Rechnungen zu tilgen. –Es könnte die Zeit kommen, Vetter, wo derlei Verschreibungen und Quittungen, wenn ich sie aufbewahren wollte, Freunde in Ungelegenheit bringen könnten, weil sie mit mir zu tun haben.«

Jarvie erhob keinen Einwurf gegen diesen Grund, und unser Abendessen wurde aufgetragen, reichlicher, auch besser und feiner, als man an diesem Ort erwarten konnte. Die meisten Speisen waren kalt, woraus wir sehen konnten, daß sie weit von hier zubereitet sein mochten; ein paar Flaschen guter Franzwein würzten die mancherlei Wildbretpasteten und andern Gerichte aufs angenehmste. Mac Gregor machte gastfreundlich den Wirt und bat um Entschuldigung, daß eine besondre Pastete, die man uns vorsetzte, schon angebrochen sei. »Ihr müßt nämlich wissen,« sagte er zu Jarvie, ohne mich anzublicken, »daß Ihr in dieser Nacht nicht die einzigen Gäste in Mac Gregors Lande seid; sonst wäre meine Frau mit den beiden Jungen auch hier zu Eurem Empfange, wie es sich gebührt.«

Der Stadtvogt schien recht froh darüber zu sein, und ich wäre sicher auch seiner Meinung gewesen, wenn Robins Worte nicht die Vermutung in mir wachgerufen hätten, daß jetzt Diana und ihr Gefährte, den ich mir als ihren Gemahl nun einmal nicht zu denken vermochte, von Robins Familie bewirtet werde.

Aber meine Gedanken wurden durch Robin abgelenkt, der sich jetzt Mühe gab, uns ein besseres Nachtlager zu verschaffen, als wir in der vorigen Nacht gehabt hatten. Zwei leidlich erhaltene Bettstellen, die sich an den Wänden der Hütte befanden, waren mit Heidekraut, das eben in voller Blüte stand, angefüllt, das, mit den Blüten nach oben gekehrt, eine elastische und duftige Matratze abgab. Mäntel und was man an Betten auftreiben konnte, wurden darüber gebreitet und machten es weich und warm. Jarvie schien todmüde zu sein. Ich beschloß darum, meine Mitteilungen bis auf den nächsten Morgen zu sparen, und ließ ihn zu Bett gehen, sobald er reichlich zu Abendbrot gegessen hatte. Obwohl müde und erschöpft, fand ich doch keinen rechten Schlaf, sondern wurde von einer seltenen Unruhe und Angst geplagt, die zu weiterer Unterhaltung zwischen mir und Mac Gregor führte.

Fünfzehntes Kapitel

»Ich weiß nicht, was ich mit Euch machen soll, Herr Osbaldistone,« sagte Robin, als er mir die Flasche zuschob. »Ihr eßt nicht, scheint keine Lust zum Schlaf zu haben, und trinkt auch nicht, obwohl dieser Bordeauxwein aus Sir Hildebrands eignem Keller stammen dürfte. Wäret Ihr immer so enthaltsam gewesen, so hättet Ihr den tödlichen Haß Eures Vetters Rashleigh sicher vermieden.«

»Wäre ich immer so vorsichtig gewesen,« erwiderte ich, errötend über den Auftritt, an den er mich erinnerte, »so hätt' ich wohl noch schlimmeres Uebel vermieden – den Vorwurf meines Gewissens.«

Mac Gregor warf einen scharfen und grimmigen Blick auf mich, als hätte er erforschen wollen, ob der Verwurf, den er offenbar fühlte, mit Absicht erteilt worden sei. Aber er sah, daß ich an mich selbst, nicht an ihn dachte, und wendete das Gesicht tief seufzend nach dem Feuer. Ich folgte seinem Beispiel, und wir blieben ein paar Minuten lang, in peinliche Gedanken vertieft, liegen. Alles in der Hütte schlief jetzt oder war doch still, uns beide ausgenommen.

Mac Gregor brach zuerst das Schweigen in einem Tone, als sei er willens, über einen Gegenstand zu sprechen, über den er lieber schwiege. »Mein Vetter Niklas meints gut,« sagte er; »aber er setzt einem Manne von meiner Gemütsart viel zu hart zu, wenn er davon spricht, was ich war, was ich habe werden müssen, und vor allem, was mich gezwungen hat, das zu werden, was ich jetzt bin.«

Er schwieg, und obwohl ich fühlte, wie heikel die Unterhaltung werden konnte, so konnte ich doch nicht umhin, zu antworten, daß ohne Zweifel seine gegenwärtige Lage vieles enthalten dürfte, was ihm zuwider sei. »Mich würde es gewiß freuen,« setzte ich hinzu, »wenn Ihr Euch auf ehrenvolle Weise herausreißen könntet.«