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Jarvie zog mich darauf in eine Ecke, und nach nochmaligem herzlichen Glückwunsche fügte er, nicht ohne Verlegenheit, hinzu: »Ich möchte gern, Herr Franz, daß von den seltsamen Dingen, die wir im Hochlande erlebten, so wenig als möglich gesprochen werde. Und wird man nicht gerichtlich zu einer Aussage über den schrecklichen Vorfall mit Morris genötigt, möchte es kaum gut sein, darüber viel verlauten zu lassen; und daß es im Ratskollegium nicht gerade als rühmlich gelten möchte, daß einer aus ihrer Mitte mit Hochländern gefochten und ihnen ein Plaid angesengt hat, brauche ich wohl auch nicht erst zu sagen; noch weniger, daß einer von ihnen ohne Hut und Perücke am Strauche gehangen hat.«

Ich konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Der gutmütige Mann wurde verlegen, lächelte aber gleichfalls, indem er mit Kopfschütteln sagte: »Ich sehe, wie's steht – ich sehe, wie's steht. Aber redet nicht davon, und sagts auch Eurem geschwätzigen und eingebildeten Diener, daß er den Mund zu halten habe. Ich möchte nicht einmal, daß die Mathilde was davon erführe. Das Gerede darüber nähme sicher kein Ende.«

Wir verlebten noch einen Tag im gastfreien Hause des Glasgower Stadtvogts. Dann nahmen wir von ihm Abschied. Da er in dieser Erzählung nicht mehr auftreten wird, sei noch kurz bemerkt, daß er in Wohlstand und Ehre sein Leben weiterführte und noch zu den höchsten Würden in seiner Vaterstadt aufgestiegen ist. Nach ungefähr zwei Jahren wurde er des Junggesellenlebens überdrüssig und erhob die sorgsame Mathilde von ihrem Platz am Küchenfeuer auf den ersten Rang an seiner Tafel, als ehrsame Frau Jarvie.

Siebzehntes Kapitel

An dem Morgen, an welchem wir Glasgow verlassen wollten, stürzte Andreas wie ein Wahnsinniger in meine Stube, tanzte herum, hüpfte hin und her und sang und schrie, daß mir die Ohren gellten. Endlich gelang es mir, ihn zum Schweigen zu bringen und zu sagen, was vorgefallen sei. Die Hochländer hätten losgeschlagen, und Robin der Rote würde mit seiner hosenlosen Bande in 24 Stunden in Glasgow sein.

»Schweigt!« rief ich, »Ihr Tropf! Ihr müßt betrunken oder toll sein.«

»Betrunken oder toll?« versetzte Andreas keck. »Wenn man mal was sagt, was vornehme Leute nicht hören mögen, dann heißts gleich, man sei toll oder habe was im Kopfe!«

Ich stand schnell auf und fand meinen Vater und Owen gleichfalls auf den Füßen und in großer Unruhe.

Die Kunde meines Dieners erwies sich nur allzu wahr. Der große Aufstand, der Großbritannien im Jahre 1715 erschütterte, war bereits ausgebrochen. Der unglückliche Graf von Mar hatte in einer schlimmen Stunde die Fahne der Stuarts erhoben, um über viele angesehene Geschlechter in Schottland und England Jammer und Elend zu bringen. Verrat war im Werke gewesen, ihm hatte mein Vetter Rashleigh nicht fern gestanden, und so hatten Georgs des Ersten Räte rechtzeitig Wink von den Dingen bekommen, die im Werke waren, und ihre Gegenmaßregeln treffen können. Dadurch waren die Empörer genötigt worden, früher loszuschlagen, als sie willens waren, früher als alle Vorbereitungen getroffen waren.

Wir berieten uns über die Maßregeln, die uns diese bedenkliche Lage aufnötigte, und stimmten meinem Vater bei, uns sogleich Pässe zu verschaffen und gerades Weges nach London zu reisen. Ich äußerte den Wunsch, in einem der freiwilligen Heerhaufen, die bereits gebildet wurden, dem Staate meine Dienste anzubieten. Mein Vater sagte ohne weiteres Ja hierzu; denn wenn er auch den Krieg als ein Gewerbe mißbilligte, so wäre doch niemand schneller bereit gewesen, sein Leben zur Verteidigung der bürgerlichen und religiösen Freiheit in die Schanze zu schlagen, als er. Wir reisten schnell durch Dumfriesshire und die angrenzenden Grafschaften von England. In der ganzen Gegend waren die Torys bereits in Bewegung, Soldaten und Pferde musternd, wahrend die Whigs sich in den Hauptstädten versammelten, die Einwohner bewaffneten und sich zum Bürgerkriege vorbereiteten. Oft waren wir in Gefahr, angehalten zu werden, und genötigt, Umwege zu machen, um den zusammengezogenen Truppen auszuweichen.

Nach unsrer Ankunft in London schlossen wir sogleich mit Privatbanken und angesehenen Kaufleuten ein Abkommen, die Regierung zu unterstützen und dem Andrang auf die königl. Bank ein Paroli zu bieten, worauf die Verschworenen es hauptsächlich angelegt hatten, in der Hoffnung, einen Staatsbankerott herbeizuführen. Es gelang schnell, Käufer für eine Anzahl von Staatspapieren zu finden, die beim Ausbruche des Aufstandes einen jähen Sturz erlitten hatten. Ich war auch nicht müßig, sondern warb auf meines Vaters Kosten gegen zweihundert Mann, mit denen ich zu General Charpenters Armee stieß.

Unterdessen hatte sich der Aufstand in England verbreitet. Der unglückliche Graf von Darwentwater ergriff die Waffen, mit dem General Foster. Mein armer Oheim, dessen Vermögen durch seine eigne Sorglosigkeit und die Verschwendung seiner Söhne und seines Haushalts fast bis auf nichts herabgekommen war, ließ sich leicht bewegen, der unglücklichen Fahne zu folgen. Ehe er aber diesen Schritt tat, traf er eine Vorsichtsmaßregel, die man ihm nicht zugetraut haben würde – er machte sein Testament!

Nach dessen Wortlaut sollten seine Besitzungen auf seine Söhne, von einem zum andern, und auf ihre männlichen Nachkommen forterben, bis auf Rashleigh, gegen den er zufolge seiner Abtrünnigkeit einen maßlosen Haß hegte: er fertigte ihn mit einem Schilling ab und setzte mich zum nächsten Erben nach seinen Söhnen ein. Gerne hatte mich der alte Herr ja immer gehabt, immerhin ist es nicht unwahrscheinlich, daß er, im Vertrauen auf die Zahl und Körperkraft seiner jugendlichen Söhne, die mit ihm unter die Waffen traten, diese letzte Verfügung für ein totes Wort gehalten hat, vorzüglich darum hinzugefügt, um sowohl öffentlich als privatim seinen Unwillen über Rashleighs Verräterei auszudrücken. Auch vermachte er der Nichte seiner verstorbenen Gemahlin, Diana Vernon, jetzt Lady Diana Vernon Beauchamp, einige Diamanten, die ihrer Tante gehört hatten, und ein großes silbernes Becken, worauf die verschränkten Wappen der Familien Vernon und Osbaldistone eingegraben waren.

Dem Ratschlusse des Himmels gemäß sollte aber sein zahlreicher und rüstiger Stamm schneller untergehen, als er höchstwahrscheinlich vermuten konnte. Bei der ersten Musterung der Verschworenen zu Green Rigg geriet Thorncliff mit einem Edelmann aus Northumberland, der eben so heftig und starrsinnig war als er, über den Vorrang in Streit. Ungeachtet aller Vorstellungen gaben sie ihrem Kommandanten eine Probe, inwieweit er sich auf ihre Manneszucht verlassen konnte; sie fochten ihren Streit mit dem Schwert aus, und mein Vetter blieb auf dem Platze. Sein Tod war ein empfindlicher Verlust für Ritter Hildebrand, da Thorncliff, trotz seiner rohen Gemütsart, ein Paar Gran Verstand mehr hatte, als die übrigen Brüder zusammen, ausgenommen natürlich Rashleigh.

Percival, der Trunkenbold, starb gleichfalls in seinem Beruf. Er ging, als Jakob der Dritte von den Insurgenten zum König ausgerufen wurde, mit einem andern Edelmann eine Wette ein, wer den größten Becher voll starken Branntweins austrinken könnte. Die Aufgabe ging ins Ungeheure. Ich habe das eigentliche Maß, um welches es sich dabei gehandelt hat, vergessen; allein Percival fiel infolge dieser sinnlosen Wette in ein starkes Fieber, und unter dem fortwährenden Rufe: »Wasser! Wasser!« starb er nach drei Tagen.

Richard brach an der Warrington-Brücke den Hals als er mit einem abgerittenen Pferde, das er einem zu den Insurgenten übergetretenen Kaufmann aus Manchester aufschwatzen wollte, über einen Zaun zu setzen versuchte. Das Tier stürzte, und der unglückliche Jockey kam dabei um.

Wilfred, der Narr, hatte, wie es sich zuweilen bei seinesgleichen zuträgt, das meiste Glück in der Familie. Er fiel in der Schlacht bei Preston, in der er mit großer Tapferkeit focht, obwohl er nie recht begriffen haben soll, weshalb gekämpft wurde, und sich nicht immer besinnen konnte, auf welches Königs Seite er die Waffen führte. Auch Johann hielt sich in derselben Schlacht tapfer, war aber nicht so glücklich, auf dem Walplatz zu sterben, sondern wurde nur schwer verwundet.