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»Ich, ich, will«, sagte Dumbiedike, all seinen Mut aufbietend, »ich will gutsagen für zwanzig Pfund,« Doch kaum waren, die Worte aus seinem Munde, so stand er wie starr vor Staunen über die von ihm bekundete Entschlossenheit zu einer großmütigen Handlung.

»Gott möge es Ihnen lohnen, Laird!« rief Jeanie dankerfüllten Herzens.

Laird Dumbiedike, schüchtern von ihr weg auf Saddletree blickend, sagte noch einmaclass="underline" »Ja, zwanzig Pfund, wenn's nicht anders geht, meinetwegen auch dreißig.«

»O, da wird es gehen, gut gehen!« rief Saddletree, sich die Hände reibend, »und an mir soll es nicht liegen, wenn es nicht geht, ich will mein bestes Wissen und Können dran setzen, dem Gelde volles Gewicht zu geben. Lassen Sie mich nur machen! Nenn jemand versteht mit diesen Habichten umzugehen, so bin ich es. Knapp halten muß man sie, knapp halten, und immer vorreden, daß man sie zu noch anderen und besseren Prozessen im Auge habe. Dann legen sie sich ins Zeug! Dann machen sie es gnädig mit der Berechnung, weil sie sich für die Zukunft mehr versprechen.«

»Und ich?« fragte Butler, »kann ich gar nichts tun? Freilich besitze ich kaum mehr als den Rock, den ich auf dem Leibe trage: aber ich bin jung und rüstig, bin der Familie vielen Dank schuldig, kann ich wirklich nichts tun?«

»Sie können freilich was tun, Herr,« erwiderte Saddletree, »indem Sie Zeugen herbeischaffen; und wenn wir bloß einen auftreiben, der unter seinem Eide aussagt, sie habe ihm einen Wink über ihren Zustand gegeben, so ist ihr durchgeholfen. Herr Croßmyloof hat's mir gesagt, daß die Anklage durch den Beweis des Verteidigers widerlegt werden müsse, aber anders ginge es nicht, und Herr Croßmyloof versteht's, darauf können Sie sich, verlassen!«

»Aber die Tatsache, mein Herr,« wandte Butler ein, »daß das Mädchen einem Kinde das Leben gegeben hat, müssen die Ankläger doch erst beweisen?«

Während Lord Dumbiedikes Gesicht, das sich die ganze Zeit über wie auf einer Angel von einem zum andern gedreht, sich aufzuklären anfing, erwiderte Saddletree nach einigem Besinnen: »Das wohl, das wohl! bloß wird's in diesem Falle insofern nicht vonnöten sein, als das Mädchen die Schuld ja doch gestanden hat.«

»Den Mord gestanden?« rief mit erschütterndem Aufschrei die Schwester.

»Das habe ich nicht gesagt,« versetzte Saddletree, »aber daß sie einem Kinde das Leben gegeben, hat sie gestanden.«

»Und was ist aus dem Kinde geworden?« fragte Jeanie weiter voll Angst, »sie hat mir nichts gesagt, bloß geweint und geseufzt.«

»Sie sagt, das Weib, bei dem sie das Kind geboren und die ihr Beistand in ihrer schwerer Stunde geleistet, habe es ihr genommen.«

»Und was für ein Weib war das?« fragte Butler, »durch sie kann die Wahrheit doch ans Tageslicht gebracht werden. Wer ist's? Und wo wohnt sie? Ich will auf der Stelle zu ihr.«

»Schade, daß ich nicht so jung bin wie Sie und mich nicht so schnell bewegen kann wie Sie, und die Worte nicht so gut setzen kann wie Sie,« sagte Dumbiedike.

»Wo finde ich dieses Weib?« fragte Butler ungeduldig, »was ist es für ein Weib?«

»Ja, wer kann das wissen,« sagte Saddletree, »als Effie selbst? aber sie hat sich geweigert, im Verhör auf dergleichen Fragen Antwort zu geben.«

»So will ich auf der Stelle selbst zu ihr gehen,« sagte Butler; »leben Sie Wohl, Jeanie, aber,«– und dabei trat er zu ihr heran – »keinen übereilten Schritt, bis Sie von mir hören! – Adieu!«

»Ich ginge ja auch gern,« sagte Laird Dumbiedike, und aus seiner Stimme klang es wie Verdruß, wenn nicht Eifersucht, »aber ich brächte meinen Klepper auf keinen andern Weg als von Dumbiedike hierher und wieder zurück, um alles in der Welt nicht!«

»Besser wird's ihr nützen,« meinte Saddletree, mit ihm das Haus verlassend, »wenn Sie mir die dreißig Pfund für sie schicken.«

»Dreißig Pfund?« stammelte der Laird, jetzt außer dem Bereiche der Augen, die ihn zu solcher Großmut begeistert hatten, »ich ... habe doch nur ... von zwanzig gesprochen?«

»Zuerst ja,« erwiderte Saddletree, »aber nachher haben Sie dreißig Pfund genannt.«

»Wirklich? Wirklich? Mir ist's nicht mehr in Gedanken,« antwortete Dumbiedike, »aber was ich gesagt, werde ich halten. Haben Sie wohl gesehen, Herr Saddletree, wie ihre Augen glänzten? ganz wie Karfunkelsteine!«

»Auf Weiberaugen, Laird,« erwiderte Saddletree, der nicht zu den empfindsamen Herren gehörtes »verstehe ich mich nicht besonders, mache mir auch nicht viel draus, und wünschte nur, ich wäre vor ihren Zungen ebenso gefeit; obwohl ich sagen darf,« setzte er rasch hinzu, indem ihm auf einmal klar zu werden schien, daß es Pflicht für ihn sei, sein Ansehen als Hausherr zu wahren, »daß schwerlich ein Frauenzimmer in schärferer Räson gehalten wird als meines, denn bei mir gibt's nichts von Rebellion oder laesae majestatis wider meine Ober-Eheherrlichkeit.«

Der Laird erblickte in dieser Antwort Herrn Saddletrees nichts, was Antwort erheischt hätte; und so gingen sie, nach einem stummen Gruße, auseinander, jeder seines Weges.

Elftes Kapitel

Butler hatte die ganze Nacht kein Auge zugetan, und doch empfand er weder Müdigkeit noch das Bedürfnis nach einer Erfrischung. Ueber dem Eifer, zu Jeanies Schwester zu gelangen, vergaß er beides. Er eilte schnellen Schrittes den Pfad entlang, der zur Stadt hin führte, als er mit einem Male zu seiner nicht geringen Verwunderung hinter sich schnaufen und husten und den schweren Tritt eines hochländischen Kleppers hörte. Jetzt wurde auch sein Name gerufen, und als er sich umsah, erblickte er den Laird von Dumbiedike, der hinter ihm her kam, so schnell sein Klepper trotten wollte. Zum Glück hatte er eine Strecke lang den gleichen Weg nach Dumbiedike, wie Butler nach der Stadt, denn sonst hätte er wohl darauf verzichten müssen, diesen noch einmal zu sehen. Im Herzen den Klepper mitsamt seinem Reiter verwünschend, blieb Butler stehen.

»Uf! Uf! Uf!« ächzte Dumbiedike, während er sich alle Mühe gab, sein störrisches Tier neben Butler zum Stehen zu bringen; »uf! uf! das Biest, ist wahrhaftig ein dickköpfiges Biest!«

In der Tat hatte er Butler knapp vor der Stelle eingeholt, wo sich die Straße nach Dumbiedike von der nach Edinburg schied, und darüber hinaus hätte kein Mittel und keine Macht Rory Beans – so hieß nämlich der Klepper – bewegen können, auch nur eine Elle über den Pfad hinaus zu trotten, der ihn seinem Stalle zuführte.

Sobald der Laird das Quantum Atem wiedergefunden hatte, um das er durch den raschen Ritt gebracht worden war, – denn an ein solches Tempo war weder er noch sein Klepper gewöhnt – versuchte er den Grund seiner Umkehr zu sagen, konnte aber noch immer kein Wort zur Kehle herauf bringen, so daß drei ganze Minuten verstrichen, ehe Butler ein zweites »Uf! Uf!« hörte; und erst nach weiteren drei Minuten und mehrmaligem Ansatze fing der Laird an zu stammeln: »Ich ... ich ... es ist ... Herr Butler heute wirklich ein Herbsttag, der sich sehen lassen kann.«

»Ja, Sir,« antwortete Butler verdrießlich, »ein schöner Tag! ich wünsche guten Morgen, Sir!«, und wollte gehen.

»Aber so bleiben Sie doch noch,« antwortete Dumbiedike, der nun schneller sprechen konnte, »ich möchte Ihnen noch was andres sagen,«

»Dann machen Sie es, bitte, kurz ab und nehmen Sie Rücksicht drauf, daß ich es eilig habe. Sie kennen doch das Sprichwort: tempus nemini« [Die Zeit wartet auf niemand].