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»Sie können sich Ihrer Königin gar nicht dienstwilliger zeigen, lieber Herr Herzog,« versetzte Karoline, »als wenn Sie mir Ihre Einsicht und Erfahrung in allen den Dienst beim Könige betreffenden Punkten zu nutze kommen lassen. Ihre Herrlichkeit wissen ja recht gut, daß ich in dem fraglichen Falle nur Vermittlerin sein kann Seiner königlichen Majestät gegenüber; nichtsdestoweniger will ich gern Sorge tragen, daß, wenn das Anliegen Eure Herrlichkeit persönlich angeht, es an Wirksamkeit durch meine Befürwortung nicht einbüßen soll.«

»Es betrifft meine Person nicht, gnädigste Fürstin,« versetzte der Herzog, »sondern eine Angelegenheit, die Ihrer Majestät, als einem Freunde von Gnade und Gerechtigkeit, willkommen sein wird insofern, als sie beitragen wird, die leidigen Mißverständnisse, die zurzeit zwischen dem Hofe und seinen getreuen schottischen Untertanen herrschen, aus der Welt zu schaffen.«

In dieser Antwort des Herzogs berührte zweierlei die Ohren der Königin nicht angenehm: zuerst wurde durch dieselbe der Wahn zerstört, der Herzog suche in der Absicht ihre persönliche Vermittlung, um seinen Frieden mit der Regierung zu machen; in zweiter Reihe war sie ärgerlich, daß der Herzog von den Schotten in dem Sinne sprach, daß es Pflicht sei für England, sie versöhnlich zu stimmen, statt sie zu bestrafen. Von diesem Eindrucke beherrscht, versetzte sie heftig: »Seine Majestät verdankt es Gott und dem Gesetze, daß er gutgesinnte Untertanen in England hat; seine Untertanen in Schottland hingegen verdankt er, meinem Dafürhalten nach, Gott und seinem Schwerte.« Aber sie sah den Irrtum, den sie damit begangen, sogleich ein, als sie die Röte bemerkte, die das Gesicht des Herzogs färbte, und die dieser, trotz aller hofmännischen Gewandtheit, nicht zu verbergen vermochte; sie setzte darum, ohne die geringste Wandlung im Wesen oder im Klang ihrer Stimme zu zeigen, ganz, wie wenn ihre Bemerkung noch nicht zu Ende sei, hinzu: »Und den Schwertern solcher tapferen und ehrlichen Schotten, die dem Hause Braunschweig freundliche Gesinnung entgegenbringen, und zu ihnen gehört ja in erster Reihe unser getreuer Herzog von Argyle.«

»Mein Schwert, gnädigste Fürstin,« antwortete dieser, »ist, wie das meiner Väter und Vorväter, immer auf Befehl meines rechtmäßigen Königs und im Interesse meines Vaterlandes gezogen worden. Daß es nicht möglich sei, die wahren Interessen und Gerechtsame beider zu trennen, ist meine feste Ueberzeugung, Die Angelegenheit aber, in welcher ich im gegenwärtigen Augenblick Ihre Majestät behellige, ist mehr privaten Charakters und betrifft nur eine einzelne, nicht weiter bekannte Persönlichkeit.«

»So bringen Sie die Sache endlich zum Vortrag, Herr Herzog!« rief die Königin; »wovon ist die Rede? Ich möchte nicht, daß sich am Ende noch Mißverhältnisse zwischen uns drängten.«

»Allergnädigste Königin,« erklärte der Herzog, »ich habe mich zum Anwalt eines unglücklichen jungen Mädchens aus Schottland gemacht, das wegen eines Verbrechens, an dem sie aller Wahrscheinlichkeit keine Schuld trifft, den Tod erleiden soll, und nahe mich Ihrer königlichen Majestät mit der untertänigen Bitte, Gnade für das arme Geschöpf bei Seiner königlichen Majestät auszuwirken.«

Jetzt war es an der Königin, die Farbe zu wechseln; ihre Stirn, ihre Wangen, ihr Nacken und Busen wurden mit tiefer Glut überzogen. Im ersten Moment schien sie ihrer Stimme nicht recht zu trauen; darum schwieg sie, wie um sich nicht vom Zorne hinreißen zu lassen; dann aber versetzte sie mit Hoheit und Strenge: »Mylord! Es sei ferne von mir, Sie nach den Gründen zu befragen, die Sie zu solchem Ansuchen bestimmen, das die Umstände zu einem wirklich äußerst ungewöhnlichen stempeln. Der Weg zum Kabinett des Königs steht Ihrer Herrlichkeit frei; Sie können als Pair und Geheimer Rat eine Audienz von Seiner Majestät begehren, mir also diese Mühe wie die ganze Erörterung des Falles ersparen. Sie dürfen mir glauben, daß ich von jeglicher Begnadigung, soweit sie Leute aus Schottland angeht, endgültig Abstand nehmen will, denn die letzten Vorkommnisse haben mich schmerzlich berührt.«

Der Herzog, auf diesen Ausbruch des Unwillens gefaßt, ließ sich dadurch nicht abschrecken, machte zwar keinen Versuch zu einer Gegenrede, blieb aber in der festen, ehrerbietigen Stellung, die er die ganze Zeit über bewahrt hatte. Um ihm keinen Vorteil über sich zu geben, bezwang die Königin ihren Zorn; und in demselben milden Tone, mit dem sie die Unterredung begonnen, fügte sie hinzu: »Sie müssen mir schon gewisse Vorrechte meines Geschlechtes lassen, Mylord, und nicht zu hart von mir denken, wenn mich die Erinnerung an den Schimpf, den Schottlands Hauptstadt unserer königlichen Gewalt angetan, ein wenig unwillig macht.«

»Es ist freilich eine Sache, die sich nicht so leicht vergessen läßt,« erwiderte der Herzog. »Wie ich selbst hierüber denke, ist Ihrer Majestät längst unterbreitet worden, und ich muß mich recht undeutlich ausgedrückt haben, wenn aus meinen Worten nicht der höchste Abscheu vor diesem seltsamen Morde hervorging. Ich war vielleicht so unglücklich, anderer Meinung zu sein als die Ratgeber Seiner Majestät, darüber: inwieweit Gerechtigkeit oder Staatsklugheit es gestatte, den Unschuldigen für den Schuldigen zu strafen. Doch Ihre Majestät werden mir hoffentlich erlauben, da zu schweigen, wo meine Ansichten nicht den Vorzug genießen, mit den Meinungen derer, die weitsehender sind als ich, übereinzustimmen.«

»Wir wollen ein Thema nicht verfolgen, über das unsere Meinungen auseinandergehen müssen,« versetzte die Königin; »ein Wort kann ich jedoch im Vertrauen sagen,« fügte sie etwas leiser hinzu: – »Sie wissen, unsere gute Suffolk ist ein wenig taub, – wenn der Herzog von Argyle die Beziehungen zu seinem König und seiner Königin erneuern will, so wird er Wohl nicht viele Themata finden, über die ihre Meinungen auseinandergehen.«

Der Herzog verneigte sich tief ob dieser schmeichelhaften Aeußerung: »Lassen Sie mir die Hoffnung, allergnädigste Frau,« sagte er, »daß mich nicht das Unglück getroffen, jetzt ein solches Thema gefunden zu haben.«

»Ich muß Euer Herrlichkeit erst, bevor ich Ablaß gewähre, die Pflicht, zu beichten, auferlegen. Woher rührt der besondere Anteil, den Sie an diesem Mädchen nehmen? Es scheint nicht,« – (und sie musterte Jeanie mit dem forschenden Auge der Kennerin.) – »als sei sie sonderlich geeignet, im Herzen meiner Freundin, der Herzogin, Eifersucht zu wecken.«

»Ihre Majestät,« erwiderte der Herzog, gleichfalls lächelnd, »werden hier hoffentlich meinen Geschmack für mich als Bürgen gelten lassen.«

»Dann ist sie wohl,« rief die Königin, »eine Muhme im dreißigsten Gliede aus den endlosen schottischen Geschlechtsregistern?«

»Nein, allergnädigste Frau,« sagte der Herzog, »doch würde es manchem meiner näheren Verwandten nichts schaden, wenn er die Hälfte ihres Wertes, ihrer Redlichkeit und Liebe besäße.«

»So ist sie wohl aus Inverary oder Argyleshire hierher gekommen?«

»Sie ist in nördlicher Richtung nie weiter gekommen, als bis Edinburg, meine allergnädigste Königin.«

»Nun, so bin ich mit meinen Vermutungen zu Ende, und Eure Herrlichkeit müssen sich schon mit der Sache ihrer Beschützerin selbst befassen.«

In jener kurzen, klaren und bestimmten Weise, die nur das gesellschaftliche Leben der höheren Stände verleiht, setzte nun der Herzog jenes seltsame Gesetz auseinander, auf Grund dessen Effie Deans verurteilt worden war, und entwickelte ein ergreifendes Bild von Jeanies Schwesterliebe, die zu jedem Opfer willig sei, sofern es nicht Wahrheit und Gewissen verletze.

Königin Karoline hörte seinen Worten aufmerksam zu; sie liebte es, zu diskutieren, und hatte bald in der Darstellung des Herzogs den Punkt herausgefunden, den sie mit Aussicht auf Erfolg gegen das von ihm vorgebrachte Gesuch geltend machen konnte,