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»O, über den verhärteten, leichtsinnigen Wicht!« dachte Jeanie; »und einem solchen Manne hat sie ihr Glück vertraut? – Effie, Effie, Du hast in den Wind gesät und mußt nun Sturm ernten.« – »Denke nicht schlecht von ihm,« sagte Effie leise, indem sie von ihrem Manne hinweg zu der Schwester trat und sie ein Stück zur Seite führte; »nicht allzu schlecht! Er handelt gut an mir, Jeanie, so gut, wie ich es verdiene. Und er will die argen Wege nicht mehr wandeln. – Drum gräme Dich nicht um Deine Effie; denn es geht ihr besser, weit besser, als sie es verdient. – Aber Du, Du! kannst Du je so glücklich werden, wie Du es verdienst? – Niemals, niemals, Jeanie, denn bis Du in den Himmel eingehst, wo alle, alle so lieb, und gut und brav sind, wie Du. – Jeanie, wenn ich lebend bleibe, wenn es mir wohlgeht, dann sollst Du von mir hören; wo nicht, dann vergiß, daß je ein Geschöpf gelebt hat, Dich zu kränken! – Lebe wohl! – O, lebe wohl!« – Sie entriß sich den Armen ihrer Schwester und eilte zu ihrem Gatten, und augenblicklich waren beide im Gehölz verschwunden. Jeanie war es zu Mute, als erwache sie aus einem Traum. Aber der Ruderschlag, den sie jetzt vernahm, und das kleine Boot, das sie zu jenem Schmugglerschiffe steuern sah, dessen weiter vorn gedacht wurde, und das am Eingang zur Bucht lag, lösten ihre Zweifel und bezeugten ihr, daß sie den Vorgang wirklich erlebt. – Ob er ihr mehr zur Freude war oder mehr zum Schmerz, wer vermöchte es zu sagen? Aber eins war ihr lieb: sie wußte, daß Effie recht- und gesetzmäßig verheiratet war, und daß ihr Mann den Pfad des Lasters nicht mehr wandle, – und das gewährte ihr Trost! Archibald, beunruhigt durch ihr langes Ausbleiben, kam ihr auf halben Wege zu dem Jagdhause entgegen – die Aufregung des Tages war Entschuldigung genug für sie, sich sogleich zur Ruhe zu begeben, und um ihre Gemütsbewegung verborgen zu halten, mußte sie zu dieser Entschuldigung greifen.

Ein unangenehmer Auftritt anderer Art, der sich bald nachher ereignete, blieb ihr auf diese Weise erspart. Knockdunders Boot rannte nämlich gegen ein anderes und kippte, was freilich insofern nicht eben verwunderlich war, als alle Insassen, vom Hauptmann bis zum Floßknecht, sternhagelbetrunken waren. Zum Glück kamen alle mit einem nassen Bade davon, denn die Schiffer des Bootes, mit dem sie zusammenstießen, boten alles zu ihrer Rettung auf. Hauptmann Knockdunder fluchte am andern Morgen wie ein Rohrspatz; da aber das Boot, wie auch das Schmugglerschiff die Bucht bereits verlassen hatten, blieb ihm nichts weiter übrig, als den Verdruß in sich hineinzuschlucken; er wollte es sich indes nicht ausreden lassen, daß es die Schmuggler darauf abgesehen gehabt hätten, ihm damit eins auszuwischen, und verschwor sich, »es diesem Mondscheingesindel tüchtig heimzuzahlen, falls sie es sich noch einmal einfallen ließen, sich in sein Gehege zu verlaufen.«

Zweiundzwanzigstes Kapitel

Es kam der Tag, da Reuben Butler seine häusliche Einrichtung im Pfarrhause vollendete, und der Tag, an welchem das Aufgebot zwischen ihm und Jeanie Deans verkündet wurde; dann jener andere Tag, an welchem Reuben Butler seine Braut vor den Altar führte. Und wieder gab es einen schönen, frohen Tag, das war der Hochzeitstag im neuen Heim des greisen Vater Deans, aber die Freude an ihm war mehr innerlicher als äußerer Art, denn von entweihendem Pfeifer- und Spielvolk oder sündigem Tanze wollte Deans unter keinen Umständen etwas wissen, so sehr auch Hauptmann Knockdunder darüber wetterte. »Hätte er eine Ahnung davon gehabt, daß es bei solcher Hochzeit so quäkerhaft simpel und albern zuginge,« rief er, als er wieder heimging, »da hätten mich zehn Pferde nicht nach Auchingower« – so hieß der Wohnort des Brautvaters – »gebracht«. Seitdem gab es zwischen den beiden alten Herren allerhand »Gestichel«, wie Deans sagte, dem erst ein Ende gemacht wurde durch einen Besuch, den der Herzog von Argyle dem jungen Ehepaare in seiner Pfarrei machte. Hierbei erwies er sowohl diesem, wie Deans, soviel Huld und Gnade, daß es Knockdunder für geraten erachtete, freundlichere Saiten gegen Deans aufzuziehen und zuzugeben, »daß die neuen Pfarrersleute biedere Leute, wenn auch vielleicht ein bißchen zu schroff in ihren Anschauungen seien, und daß man dem neuen Meierei-Aufseher manches von seinen verzopften Grundsätzen seinem Alter zu gut rechnen müsse und nicht darüber vergessen dürfe, daß er mit dem Rindvieh und den Schafen besser als jeder andere umzugehen wüßte.« Frau Butler bewahrte sich im Ehestande die gleichen tüchtigen Eigenschaften – Gemütsruhe, klaren Blick und gesunden Verstand, häuslichen Fleiß und Wirtschaftlichkeit – die sie schon als ledige Person ausgezeichnet hatten; und wenn sie auch nicht Anspruch darauf erhob, es ihrem Manne an theologischer Gelehrtheit gleichzutun, so konnte sich doch kaum ein zweiter Pfarrer in Schottland eines so traulichen, sauberen Heims, einer so gemütlichen Pfarrstube, eines so schmackhaften Essens und solcher Ordnung in Wäsche und Kleidung rühmen wie Reuben Butler. Verfiel Butler in seine schulmeisterliche Schwäche, Bücherweisheit auszukramen, so hörte sie ihm geduldig zu, zeigte aber gemeinhin ein richtigeres und schärferes Urteil, wenn sich die Unterhaltung um praktische Dinge drehte; in der sogenannten feinen Gesellschaft fehlte es ihr wohl hin und wieder, wenn auch nicht am rechten Takte, so doch an sogenannter »Bildung«; solchen »Mangel« ersetzte sie jedoch reichlich durch jene echte Herzensbildung, die auf gesundem Verstand und richtigem Empfinden basiert, und die, vereint mit einer wahrhaft fröhlichen Lebhaftigkeit und einem Zuge von Schalkhaftigkeit, sie jedem, der in Beziehungen zu ihr gelangte, zu einer lieben und werten Gesellschafterin machte. An sich war sie immer die Sauberkeit selbst; wie nirgendswo in ihrem Haushalt, war auch an ihr selbst nie ein Stäubchen oder Fältchen zu sehen, so daß der derbe Hauptmann Knockdunder einmal sich Stein und Bein verschwor, er könne sich nicht anders denken, als daß Nixen und Feen mit ihr im Bunde sein müßten, daß Haus und alles um sie her und an ihr selber so schmuck und rein zu halten, ohne daß mal zu sehen wäre, wie und wann das alles gemacht würde!« – Worauf sie aber dann schlicht und treuherzig meinte, »es ließe sich gar viel am Tage tun, wenn man nur, alles zur rechten Zeit, und ohne Aufschub, täte.«

Drei Kinder, zwei Knaben und ein Mädchen, schenkte sie ihrem Reuben in den ersten fünf Jahren: es waren kräftige, gesunde Kinderchen mit schönem blonden Haar und muntern blauen Augen. Die beiden Jungen bekamen, zur großen Freude des frommen Großvaters, die Namen David und Reuben; das Mädchen, auf ausdrückliches Begehren der Mutter, den Namen Euphemia, doch wurde sie nicht – das mußte Jeanie ihrem Vater und ihrem Manne einräumen, die sich mit dem Namen nicht recht hatten einverstanden erklären wollen, – Effie – wie die gewöhnliche Abkürzungsform des Namens in Schottland lautet – sondern Femie gerufen.

In diesem friedlichen, genügsamen Lebensgenusse wurde das Gemüt der wackern Hausfrau nur durch zwei Dinge getrübt, »ohne welche,« wie sie sagte, »ihr Leben allzu froh und glücklich verlaufen wäre«.. das waren einerseits die häufigen Dispute zwischen ihrem Vater und ihrem Manne über kirchliche Dinge, bei denen sie oft als Vermittlerin eingreifen mußte , . Dem Vater sagte sie dann in der Regeclass="underline" »Ich will ja nicht bestreiten, Vater, daß Du recht hast; aber Du mußt heut mit uns zu Mittag essen; die Kinder haben gar zu große Sehnsucht nach dem Großpapa, und wenn Ihr nicht wieder einmal disputiert habt, Du und Reuben, meine ich, dann können wir gar nicht recht schlafen, Reuben und ich.« – »Disputieren, Jeanie?« erwiderte Deans, »da sei Gott vor! Wie kannst Du meinen, daß ich Disput suchen sollte mit Dir oder jemand, den Du lieb hast?« Damit fuhr er in seinen Sonntagsrock und kam zur Essenszeit ins Pfarrhaus hinüber.

Ihrem Manne gegenüber führte sie das hohe Alter des Vaters, die geringe wissenschaftliche Bildung, die starken Vorurteile, in denen er aufgewachsen, und den schweren Kummer, den er erlitten, als Gründe an, die ihn zur Nachgiebigkeit bestimmen müßten, aber es bedurfte ihrer bei ihm kaum, denn er hatte vor den Grundsätzen des Greises, so starr sie auch waren, eine zu große Achtung, und hielt sich demselben für die ihm, wie der im Grabe ruhenden Mutter und Großmutter erwiesenen Freundschaftsdienste zu viel zu großem Danke verpflichtet, als daß er nicht schon selbst sich nachgiebig hatte zeigen sollen.