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Für Jeanie war es, wenn auch kein unerwarteter, so doch ein recht schwerer Schlag, hatte sie doch seiner Pflege einen großen Teil ihrer Zeit gewidmet und war es ihr doch, als der Greis nicht mehr unter den Lebenden weilte, ganz zu mute, als sei ihre Aufgabe hienieden zu einem nicht unwesentlichen Teile erfüllt. Er hinterließ ein bares Vermögen von 1500 Pfund Sterling, das nicht wenig zur Erhöhung des Wohlstandes der kleinen Pfarrersfamilie beitrug; über die vorteilhafteste Art, dieses Vermögen anzulegen, stellte Reuben die verschiedensten Erwägungen an, fand aber nichts Besseres, als das kleine, knapp zwei Stunden vom Pfarrhause gelegene Gut Craigsture zu kaufen; nur sagte er, daß sein jetziger Eigentümer zweitausend Pfund dafür verlange und schwerlich darein willigen werde, tausend Pfund als Hypothek darauf stehen zu lassen. »Das Geld von anderer Seite zu leihen,« schloß er, »will mir nicht gefallen, denn jedem Gläubiger kann es einfallen, es plötzlich zurückzufordern, oder es könnte Dich, liebe Frau, wenn mich ein schneller Tod ereilen sollte, in ernstliche Verlegenheit setzen.«

»Wir könnten aber, wenn wir mehr Geld hätten,« fragte Jeanie, »das schöne Weideland, auf dem das Gras schon so früh ergrünt, kaufen?« – »Freilich könnten wir das,« erwiderte Reuben, »und Hauptmann Knockdunder, dessen Neffe freilich Verkäufer ist, rät auch dazu; aber ...« – »Nun, Reuben,« antwortete Jeanie, »wie Du einst nach einem Spruch in der Bibel schautest und das Geld, das Dir not tat, fandest, so schlage auch heute wieder jenen Spruch auf.« – Er drückte ihr lächelnd die Hand und sagte: »Ach, Jeanie, Wunder können auch die besten Menschen in dieser Zeit nur einmal verrichten.«

»Nun, so laß uns doch 'mal sehen,« lautete Jeanies schlichte Antwort, worauf sie in das Kämmerlein trat, worin sie den Honig, das Eingemachte, den Zucker und die kleine Hausapotheke aufbewahrte. Dort zog sie hinter einem dreifachen Bollwerk von Töpfen, Krügen und Flaschen einen zerbrochenen irdenen Topf vor, der mit einem Stück Leder zugebunden war und allerhand beschriebenes Papier, achtlos übereinander geschoben, enthielt. Dazwischen lag die alte Bibel ihres Vaters, die er ihr in früheren Jahren, als ihn die zunehmende Augenschwäche zum Kauf einer mit größeren Typen gedruckten nötigte, geschenkt hatte. Die Bibel brachte sie ihrem Manne. Reuben sah sie betroffen an, da er sich nicht erklären konnte, in welchem Zusammenhange das heilige Buch mit der Geldfrage, die sie beschäftigte, stehen sollte. Jeanie aber sagte ihm, er möchte es doch aufschlagen, und als Reuben ihrer Aufforderung folgte, sah er mit Erstaunen, daß aus den Blättern, die er wandte, verschiedene Fünfzigpfund-Noten auf die Erde flatterten.

»Ich hatte mir vorgenommen, lieber Mann,« sagte Jeanie, lächelnd über das verdutzte Gesicht ihres Mannes, »Dich erst auf meinem Sterbelager oder in einem Falle der äußersten Not von der Existenz dieses kleinen Schatzes zu unterrichten; wozu soll er aber hier in solchem Scherben nutzlos modern, wenn er uns zum Erwerb solch nutzbringenden Grundbesitzes dienen kann?«

»Aber, Jeanie, wie kommst Du zu solchem Vermögen?« rief er, die Scheine zählend, »es sind wahrhaftig mehr als zweitausend Pfund!«–»Und wären es zehntausend, Reuben,« antwortete Jeanie, »so laß Dir mit dem Bescheide genügen, daß es redliches Eigentum ist. Frage mich nicht, wie es in meinen Besitz gekommen ist, Reuben; das Geheimnis seiner Herkunft gehört nicht mir allein, sonst wüßtest Du schon lange darum.«–»Aber darauf gib mir Antwort, Jeanie: Ist es wirklich Dein rechtliches und unbestrittenes Eigentum? Eigentum, über das Dir volles Verfügungsrecht zusteht, auf dessen Besitz niemand außer Dir ein Anspruch zusteht?«

»Es war mein Eigentum, gehört aber, nachdem ich meinem Rechte gemäß darüber verfügt habe, von jetzt ab Dir, Reuben; Du bist nun auch ein Bibel-Butler, wie Dein Großvater, den mein Vater, Gott hab ihn selig! nie im Leben hat leiden mögen. Bloß einen Wunsch möchte ich äußern, daß nämlich, nach unserm Heimgange, unsre Femie mehr davon bekäme als die beiden Jungen.«–»So soll es auch gehalten werden, liebe Frau,« versetzte Reuben; »aber nun sage mir bloß, wie kommst Du darauf, Deinen Schatz gerade in der Bibel zu verstecken?«–»Hm, das mag einer von meinen, wie Du sie immer nennst, altmodischen Angewohnheiten sein,« antwortete Jeanie; »aber so ganz unrecht mag ich doch wohl nicht gehabt haben, wenn ich der Meinung war, Donacha Dhu hätte, wenn er 'mal bei uns eingebrochen wäre, wohl zu allerletzt in der Heiligen Schrift nach Geld gesucht!« – Reuben sah sie lächelnd an; sie aber fuhr fort: »Von jetzt ab werde ich aber, falls Dir wieder Geld zufließen sollte, es immer gleich Dir in die Hände geben; bewahre Du es dann auf, wo es Dir am sichersten zu sein scheint.« – »Und ich soll nicht fragen, woher das Geld rührt?« – »Nein, Reuben, das versprich mir! Denn würdest Du mich aufs Gewissen fragen, so würde ich es Dir sagen, Du würdest mich aber zu einer Handlung bestimmen, die ich für ein Unrecht an dem Geber halten müßte.« – »Und das Geld verpflichtet Dich zu nichts?« – »Nein, Reuben, zu nichts; es braucht nicht zurückerstattet zu werden.«

Er überzählte das Geld noch einmal, und als er sich nochmals überzeugt hatte, daß ihn weder Traum noch Täuschung äffe, rief er: »Nun, das muß ich sagen, noch nie hat Gott einem Manne ein Weib beschert wie mir! Denn ihr folgt in allem der himmlische Segen!«

Schnell verbreitete sich in der Gegend die Nachricht, daß Pfarrer Butler das Gut Craigsture gekauft habe. Manche gratulierten ihm dazu; andere beklagten, daß das Gut nicht länger in dem Besitze der Familie bliebe, die es jahrhundertelang bewirtschaftete. Die Pfarrer des Kirchspiels aber benutzten den Umstand, daß Reuben Butler, wegen der Ueberschreibung des Besitztitels, nach Edinburg reisen mußte, ihn zu der alljährlich im Mai stattfindenden Synodal-Versammlung als ihren Vertreter zu entsenden.

Fünfundzwanzigstes Kapitel

Kurze Zeit nach der für Reuben Butler so großen Ueberraschung durch Jeanies Reichtum sollte die launische Göttin Fortuna sich auch gegen Jeanie selbst hold erweisen. Reuben hatte in der Voraussicht, daß sich seine Geldgeschäfte nicht so schnell erledigen würden, daß er bis Ende Mai wieder zurück sein könnte, schon zu Ende Februar Knocktarlitie verlassen. Als Jeanie nun ein paar Tage darauf im Oberstock ihres Hauses nach dem Rechten sah, hörte sie unten zwischen den Kindern Streit, der bald so laut wurde, daß sie sich hinunter begab, ihn zu schlichten. Femie, die nun bald zehn Jahre alt war, klagte die beiden Brüderchen an, daß sie ihr ein Buch hätten fortnehmen wollen, wogegen David der ältere geltend machte, das Buch passe sich für Femie noch nicht, und Reuben der jüngere altklug beifügte: »es stünde was darin von einem bösen Weibe.«