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Der Prinz – wir geben ihm hinfort, wenngleich er zufolge der Sünden und Irrtümer seiner Väter und, dem alten Bibelwort gemäß, daß sich die Sünde der Väter an den Kindern rächt bis ins dritte und vierte Glied, in seinem Beginnen vom Unglück verfolgt wurde, den Titel, der ihm zufolge der Rechte seiner Geburt zusteht – der Prinz hob Waverley vom Boden auf und umarmte ihn mit einer Wärme, die unmöglich als künstlich aufgefaßt werden konnte. Dann dankte er Fergus Mac-Ivor, daß er ihm solchen Parteigänger zugeführt hätte, und stellte Waverley den anwesenden Edelleuten, Häuptlingen und Offizieren vor als einen Edelmann, in dessen kühner, schwärmerischer Ergebenheit er einen erfreulichen Beweis für die Gesinnungen der hohen Adelsgeschlechter Englands in solch schwerer und an Umtrieben so reicher Zeit erblicken zu dürfen meine. Und in der Tat war der Uebertritt eines Waverley zu der Sache der Stuarts auch ein Fall, der leicht zu einer Wendung führen konnte, denn Mißtrauen gegen das Verhalten der jakobitischen Partei Englands hielt noch immer viele Jakobiten im schottischen Adel davon ab, sich offen für die Sache Karl Edwards zu bekennen. So konnte dem »Chevalier" nichts erwünschter kommen, als solche offne Beitrittserklärung eines Waverley. Und das war es, was Fergus vorausgesehen hatte. Ihm war als Mensch wie als Politiker an Waverley unendlich viel gelegen: er hoffte nicht allein, ihn noch mit Flora vereint zu sehen, sondern fühlte recht gut, wie sehr er selbst hierdurch in seiner persönlichen Bedeutung gewinnen mußte. Karl Edward seinerseits schien viel daran zu liegen, daß sich seine Anhänger darüber klar wurden, welchen hohen Wert er auf den neuen Anhänger legte. Darum hielt er es für angezeigt, ihn von den Einzelumständen seiner Lage zu unterrichten.

»Ihr seid von allen Nachrichten abgeschnitten gewesen, Mr. Waverley, aus Ursachen, die mir selbst noch nicht recht klar ersichtlich sind; ich vermute jedoch, daß Euch daran liegen wird, über die wichtigeren Umstände meiner Lage Kenntnis zu erhalten. Ihr dürftet von meiner im fernen Distrikt Moidart erfolgten Landung gehört haben, und daß mich dort, wo ich nur mit sieben Begleitern ankam, eine große Anzahl von Häuptlingen und Clans an die Spitze eines mutigen Heeres stellte, das voll loyaler Begeisterung den Kampf gegen das wohlgerüstete Heer aufgenommen hat, das der Kurfürst von Hannover, in der Absicht, uns eine Schlacht anzubieten, gegen uns aufgeboten und in die Hochlande hat ausrücken lassen, daß sein Feldherr aber einer Schlacht mit uns ausgewichen und nach Aberdeen marschiert ist, uns dadurch im unbestrittenen Besitze der von uns besetzt gehaltenen Distrikte lassend. Da das Unterland infolgedessen für unsere Armee offen lag, habe ich den Entschluß gefaßt, in Edinburg einzurücken, und während noch Magistrat und Bürgerschaft in Zwietracht darüber waren, ob sie sich zur Wehr setzen oder sich ergeben sollten, erhob sie mein wackrer Freund Lochiel aller weiteren Unannehmlichkeiten dadurch, daß er mit fünfhundert Kameroniern in die Tore eindrang. Indessen ist inzwischen die Nachricht eingelaufen, daß der englische Feldherr gestern in Dunbar gelandet sei, offenbar zu dem Zwecke, sich in den Rückbesitz der Landeshauptstadt zu setzen. In meinem Kriegsrat sind nun zwei Meinungen vertreten: die eine Partei vertritt den Standpunkt, daß es für uns, da wir Mangel an Artillerie haben und auch unsre Reiterei nicht sonderlich stark sei, geraten sein möchte, wieder in das Gebirge hinauf zu rücken und uns dort so lange zu verhalten, bis Unterstützung aus Frankreich eingetroffen sei. Die andre Partei will in einer Aufgabe der Hauptstadt ohne Schwertstreich eine Schädigung alles weiteren Ansehens unserer Armee erblicken und befürchtet, daß nicht bloß solche, die vielleicht bereit sein würden, sich uns anzuschließen, hierdurch abgeschreckt, sondern mancher von denen, die sich bereits für unsre Sache erklärten, zum Rücktritt bestimmt werden möchte. Die Offiziere, die diesen Standpunkt vertreten, und zu denen auch Euer Freund Fergus Mac-Ivor gehört, lassen wohl gelten, daß die Hochländer nicht vertraut sind mit europäischer Disziplin, machen aber anderseits geltend, daß die Soldaten, die gegen sie im Felde stehen werden, mit der furchtbaren Angriffsweise von Hochländern noch weniger bekannt seien, daß in die Treue und in den Mut der Häuptlinge kein Zweifel gesetzt werden dürfe, und daß keiner aus ihren Clans zurückbleiben werde, wenn sie sich in den Kampf stürzen ... Würde Mr. Waverley geneigt sein, sich in dieser heiklen Angelegenheit zu äußern?«

Waverley errötete tief ob der in solcher Frage liegenden Auszeichnung und erwiderte entschlossen und schnell, daß er es nicht auf sich nehmen werde, in solcher Sache eine Meinung zu äußern, da er sich nicht im Besitz der hierzu notwendigen Kriegserfahrung zu sein dünke; es werde ihm aber derjenige Rat der genehmere sein, der ihm Gelegenheit gebe, sich mit Eifer für den Dienst königlicher Hoheit zu betätigen.

»Gesprochen wie ein Waverley!« rief Karl Edwards »und nun erlaubt mir, Euch mit derjenigen Würde zu bekleiden, die ich in meinem Heere Euch vorbehalten habe, ich grüße Euch, Herr Major Waverley!«

»Königliche Hoheit wollen verzeihen, wenn ich so lange, bis mir Zeit und Ort erlauben, ein Korps, stark genug, daß es sich im Dienst auch nützlich erweisen kann, zu werben, auf jeden Rang verzichte und mich mit dem Posten eines Freiwilligen in dem Kommando meines Freundes Fergus bescheide.«

Augenscheinlich erfreut über diese Aeußerung Waverleys, erwiderte der Prinz: »Aber dagegen werdet Ihr nichts einzuwenden haben, daß Ihr als Hochländer eingekleidet werdet?«

Mit diesen Worten knüpfte er sich das Schwert los, das ihm an der Hüfte hing und dessen Gehenk mit Silber platiert war, und hing es Waverley um. Dann reichte er ihm ein paar Pistolen und beurlaubte Mac-Ivor für den Abend, der daraufhin mit Waverley aus dem Audienzsaale schritt.

Achtes Kapitel

Die erste Frage, die Fergus an Waverley richtete, als sie die große Steintreppe hinuntergeschritten, war: »Nun, wie gefällt er Euch?«

»Ein Fürst, für den man gern lebt und gern auch stirbt!« lautete Waverleys begeisterte Antwort.

»Daß Eure Meinung so lauten werde,« versetzte Fergus, »wußte ich, und es war schon früher meine Absicht, Euch ihm vorzustellen. Aber Euer hartnäckiger Entschluß, allein nach Edinburg aufzubrechen, machte es mir unmöglich. Gewiß, er ist ein vortrefflicher Herr, aber er hat auch seine Schwächen, und die Irländer, die in seiner Umgebung sind, dienen ihm nur mit schlimmem Rat. Ich habe mit meinem Grafenpatent, das mir schon für zehnjährige treue Dienste in Aussicht steht, mich noch vertrösten müssen, um keine Eifersucht zu wecken. Aber daß Ihr die Majorscharge ausschlugt, Waverley, das war brillant. Ich kanns nicht verstehen, daß der Prinz Euch bloß den Majorstitel anbot. Wer es übernimmt, hundertfünfzig Mann auszuheben, ist doch nicht unter Oberstleutnant zu haben. Aber Geduld, Kamerad! mischen wir unser Kartenspiel gut, dann wird schon alles gut klappen. Zunächst wollen wir Sorge tragen, Euch anständig zu equipieren, denn aufrichtig gesprochen, in dieser Montur seid Ihr für den Hof nicht recht geeignet!«

Sie wandten die Schritte nach einem kleinen gepflasterten Hofe, der seitwärts von der Straße lag, und traten in das Haus einer muntern Witwe, Mitte der Vierziger, die den jungen Häuptling mit freundlichen Blicken empfing. Hier fanden sie auch einen alten Bekannten, Callum-Beg, der sich bei Meister Shemus dem Leibschneider des Häuptlings, verdingt hatte.

»In vier Stunden brauche ich Tartan für den Herrn, auch Strumpfhosen, ferner ein Plaid von Mac-Ivor-Tartan und eine Schärpe, endlich müßt Ihr für eine blaue Mütze Sorge tragen, wie sie der Prinz trägt. Das richtige Maß habt Ihr doch?«