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In dieser Stimmung traf Hauptmann Knockdunder an der Spitze seines halben Dutzends rüstiger Bursche in Hochlandstracht die beiden Damen. – Er verneigte sich vor ihnen und bat Jeanie um Branntwein und andern Proviant, da er schon seit frühem Morgen über Heide und Moor getrabt sei, doch ohne jemand zu treffen. Er bekräftigte seine Worte mit einem derben Fluch, um dann mit ritterlicher Miene, zu Lady Staunton gewendet, fortzufahren: »Es ist mir wenigstens ein Trost, nachdem ich die schwere Arbeit hinter mir habe, daß sie geschehen ist, einer schönen Frau, oder dem Manne einer schönen Frau, zu dienen, was ja auf eins herauskommt; denn wer dem Manne dient, dienet seinem Weibe, wie Frau Butler gar wohl weiß.« – »Ich weiß nicht, Hauptmann,« sagte Lady Staunton, »da diese Schmeichelei mir zu gelten scheint, was Sir Georg oder ich mit Ihren heutigen Wanderungen zu schaffen haben.« – »Gott verdamm mich! das ist hart, meine Gnädige! Als ob es nicht auf besonderen Auftrag des Herrn Agenten Seiner Gnaden zu Edinburg und beigefügten gerichtlichen Verhaftsbefehl geschehen wäre, daß ich Donacha aufsuche, um ihn vor mich und Sir Georg zu stellen, damit er seine gerechte Strafe erleide; den Tod am Galgen nämlich, sowohl weil er Ihre Gnaden so in Angst gejagt hat, als auch wegen anderer Dinge von geringerer Wichtigkeit.« – »Weil er mich in Angst gejagt? Ich habe doch meinem Gemahl keine Silbe von dem Zusammentreffen mit Donacha am Wasserfall geschrieben.« – »Dann muß er es auf andere Weise erfahren haben, denn wie käme er sonst dazu, diesen Schuft sehen zu wollen? mich über Stock und Bein zu hetzen, als könnte mir ein besonderer Gewinn draus erwachsen, wenn ich ihn treffe? Wenn nur mich nicht vorher ein Schuß durchs Gehirn trifft!« – »Verfolgen Sie den Räuber wirklich auf Wunsch meines Gemahls?« fragte die Lady. – »Nun, Gottes Donner! mir war's allein mein Leben nicht eingefallen, ihm das bißchen Ruhe, das ihm von den Englischen noch gelassen wird, zu rauben, so lange er herzogliches Eigentum in gebührlicher Achtung hält. Beliebt's aber, einem Freunde des Herzogs, ihn unter Schloß und Riegel zu wissen, dann muß ich ihn eben hinter Schloß und Riegel bringen. Darum bin ich nun seit Tagesanbruch auf den Beinen mit dem halben Dutzend junger, kräftiger Burschen in Hochlandstracht.« – »Es wundert mich, Herr Hauptmann,« bemerkte Jeanie, »daß Sie den Parlamentsbefehl gegen Hochlandstracht außer acht lassen.– »Gottes Donner!« rief der Hauptmann »wir haben das Gesetz erst ein paar Jahre, und bis es uns in Fleisch und Blut gedrungen, vergeht wenigstens die zehnfache Zahl. Wie sollen denn meine Bursche mit den vermaledeiten Hosen über den Beinen die Berge hinaufkommen? Na, ich weiß doch, wo Donacha seinen Schlupfwinkel hat, bin auch dagewesen, wo er noch gestern gehaust hat, hab das dürre Laub gesehen, auf dem er mit seinen Kameraden gelegen, hab die Asche gerochen, die von ihrem Feuer übrig ist. Aber er muß Unrat wittern, der Donacha, denn ob ich auch alle Schluchten und Höhlen im Gebirg visiert habe, so ist mir doch kein Zipfel seines Rockes zu Gesicht gekommen.« – »Er wird den Loch hinunter bis Cowal gefahren sein,« sagten David und Reuben, die früh am Morgen nach Nüssen im Walde gewesen waren und ein Boot nach der Zigeunerbucht hin hatten steuern sehen, einem ihnen wohbekannten Orte, wenn auch ihrem Vater, der von Abenteuern nichts wissen mochte, nichts davon bekannt war. – »Nun wahrhaftig,« rief Duncan, »dann will ich schnell austrinken und wieder weiter. Vielleicht sind sie gar im Gehölz? Euer Gnaden wollen meinen schnellen Abschied entschuldigen! ich bin gleich wieder zurück, entweder mit dem lebendigen Donacha oder mit seinem Kopfe, was ebensogut ist.«

Unter vielen Verbeugungen verließ Duncan das Pfarrhaus, um mit seinen Mannen das Gehölz zwischen dem kleinen Gebirgstal und der Zigeunerbucht abzusuchen. David, den der Hauptmann wegen seines Mutes gut leiden mochte, ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, ihn auf diesem Zuge zu begleiten.

Siebenundzwanzigstes Kapitel

Duncan war mit seinen Gefährten noch nicht weit in die Zigeuner-Bucht vorgedrungen, als sie schnell hintereinander Schüsse fallen hörten. »Da hör einer, wie die Schufte wieder unter den Rehen aufräumen!« rief er, »nun, Bursche, drauf und dran!« Schwertergeklirr drang zu ihren Ohren und beflügelte ihre Schritte, und nicht lange mehr, so hatten sie die Stelle erreicht, wo Reuben Butler und Stauntons Diener im Handgemenge mit vier Räubern waren. Am Boden hingestreckt, das Schwert noch in der Rechten, lag Georg Staunton da. Kühn wie ein Löwe, riß Duncan das Pistol aus dem Gürtel und feuerte es auf den Anführer der Räuberschar ab. Dann schwang er das Schwert, und mit dem Ruf an seine Mannen: »Claymore! Claymore!« rannte er es dem schon verwundeten Anführer, der kein anderer als Donacha Dunean selbst war, durch den Leib. Schnell waren nun auch die anderen Räuber überwältigt, einen jungen Burschen ausgenommen, der für seine Jahre einen unerhörten Widerstand leistete, aber endlich mit Aufwand großer Mühe bezwungen wurde. Sobald Butler freie Hand hatte, eilte er zu dem am Boden liegenden Sir Staunton, aus dessen Körper jedoch schon alles Leben gewichen war.

»Ein schweres Unglück,« sagte Duncan Knockdunder; »es wird wohl am klügsten sein, wenn ich mich auf den Weg mache und es der edlen Dame selbst melde.« David, es war heute das erste Pulver, das Du gerochen; aber, Junge, Prachtjunge!« rief er, »Du hast Dich trefflich gehalten. Da, nimm mein Schwert und schlage zum Lohne dafür dem Donacha den Kopf vom Rumpfe! Der gnädigen Dame wird es auch wohl lieber sein, wenn sie die Leiche unversehrt sieht. Hoffentlich verweigert sie mir die Anerkennung nicht, daß ich edelmännisches Blut schnell, und wie es sich gehört, zu rächen weiß.«

So sprach ein Mann, der in den Sitten und Bräuchen des Hochlandes ergraut und nicht gewöhnt war, in dem Ausgange solches Scharmützels eine Merkwürdigkeit oder einen erschütternden Vorgang zu erblicken. Die wesentlich andere Wirkung zu schildern, die das gräßliche Unglück auf Lady Staunton hervorbrachte, als sie den Gemahl, den sie frisch und gesund wiederzusehen gehofft, als blutüberströmte Leiche in das Pfarrhaus tragen sah, wollen wir nicht versuchen. Sie vergaß alles Herzeleid, das er ihr zugefügt, und sah in ihm nur den Geliebten der Jugend; möchte er sich an der Welt auch noch so schwer versündigt haben, in ihren Augen besaß er nur die kleinen Fehler und Gebrechen, die reizbaren, übernervösen Gemütern leicht zu eigen werden, wenn Erziehung versäumt, sie rechtzeitig zu ernsten Grundsätzen zu führen. In ihrem maßlosen Schmerze überließ sie sich ganz der wilden Heftigkeit ihres Temperaments, und Jeanie mußte ihre ganze Liebe aufbieten, um ihr den Mund zu verschließen, denn wenig fehlte, so hätte sie das Geheimnis verraten, auf dessen Geheimhaltung jetzt doch soviel ankam. Erst als sich ihr Schmerz einigermaßen ausgetobt hatte, ließ Jeanie die Schwester allein und begab sich zu ihrem Manne, um mit ihm über das weitere Verhalten zu beraten; sie meinte, die Verhältnisse erheischten es, daß Reuben der Amtswaltung des Hauptmanns zuvorkomme und im Namen der Lady Staunton auf alle Schriftstücke und Papiere ihres verstorbenen Gemahls Beschlag lege. Reuben Butler war wie vom Donner gerührt, als er jetzt aus Jeanies Munde den eigentlichen Zusammenhang erfuhr, daß Lady Staunton Effie, daß Effies verstorbener Gemahl identisch sei mit Georg Robertson. Aber in dieser Krisis trat Jeanies Seelenstärke, ihr klarer Blick, und ihre unermüdliche Tätigkeit in das glänzendste Licht; während Knockdunder sich nicht eine Sekunde an der zur Erfrischung notwendigen Zeit kürzen mochte, dann eine umständliche Zeugenvernehmung vornahm und zwar in der gälischen sowohl als in der englischen Sprache, sorgte sie dafür, daß der Leichnam ihres verewigten Schwagers gewaschen, umgekleidet und aufgebahrt wurde. Das Kruzifix und der Rosenkranz, die sich über dem härenen Büßerhemde an seinem Leibe befanden, lieferten Zeugnis dafür, daß er sich, im drückenden Bewußtsein der auf ihm lastenden Schuld, zu jener Religion bekannt hatte, welche lehrt, daß durch leibliche Kasteiung die Sünden des Geistes zu sühnen seien.