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Zwölftes Kapitel

Die Sonne neigte sich zum Untergange, als die Hochländer auf der Hochfläche Aufstellung genommen hatten, die sich nordwärts bis zum Meere hinzieht, und auf der, freilich in beträchtlicher Entfernung von einander, die kleinen Dörfer Seaton und Cockenzie liegen, in deren Mitte ungefähr das größere Dorf Preston liegt. Quer durch diese Hochfläche zieht sich der tiefer liegende Küstenweg nach Edinburg, der sich hinter Preston in ausgedehnten Ländereien verläuft.

Auf diesem Terrain hatte der englische General, weil er es für die Reiterei am vorteilhaftesten erachtete, beschlossen, sich den Weg nach Edinburg zu erzwingen. Er hatte gehofft, die Hochländer in der Ebene zu stellen, weil ihm da die vorteilhafteste Gelegenheit winkte, seine zahlreiche Reiterei zur Geltung zu bringen. Aber in dieser Erwartung hatte er sich getäuscht, denn der Chevalier hatte sich auf sein eignes Urteil in diesem Falle verlassen oder wenigstens denjenigen seiner Berater sich angeschlossen, die ihm den Weg über den Höhenzug rieten, den graden Weg dagegen unbenutzt zu lassen.

Als die Hochländer in Schlachtstellung gerückt waren, erschien der Vortrab der englischen Armee hinter den Hecken und Bäumen von Seaton, von der Absicht geleitet, die Ebene zwischen den Höhen und dem Meere zu besetzen. Der Raum, der zwischen den beiden Heeren lag, war knapp eine Viertelstunde breit, und Waverley konnte deutlich die Dragonerschwadronen erkennen, die nacheinander aus den Defileen hervorbrachen und dem Heere des Prinzen gegenüber in Schlachtstellung rückten. Drei bis vier Regimenter Infanterie marschierten in offnen Kolonnen, mit aufgepflanzten Bajonetten, die wie eine Hecke von Stahl blinkten. Artillerie mit einem weitern Kavallerieregiment beschloß den langen Zug und deckte die Flanke der Infanterie, so daß die ganze Schlachtlinie nach Süden zu Front machte.

Während die Engländer ihren Aufmarsch in dieser Weise vollzogen, entfalteten die Hochländer keinen geringeren Grad von Schnelligkeit und Energie. Sobald die Clane der Feinde ansichtig wurden, erhoben ihre Mannen ein furchtbares Geschrei, das von den hinter ihnen liegenden Hügeln widerhallte. Von seiten der Engländer wurde es mit lauten Herausforderungen beantwortet, dann wurde auf die vorgeschobenen Posten der Hochländer aus Geschützen gefeuert. Hierdurch aufs äußerste gereizt, wollten die Hochländer sofort zum Angriffe schreiten, aber der Boden, auf dem sie hätten hinabsteigen müssen, war von Natur unwegsam, sumpfig und wurde von lockern Steinmauern durchschnitten, hinter denen sich für die im Tale befindlichen Engländer die sichersten Schutzwehren boten. Die Führer der Hochländer traten deshalb mit aller Autorität der Absicht, dem Feinde zum Nahkampf entgegenzustürzen, entgegen; es wurden bloß ein paar Schützenpatrouillen abgesandt mit der Aufgabe, das Terrain abzusuchen und die vorgeschobenen Posten des Feindes durch Plänkeleien zu beschäftigen.

Die beiden Heere, die beide vortrefflich einexerziert waren, freilich jedes in der ihm eignen Kampfweise, und die infolgedessen so verschieden an Kriegszucht waren wie an Aussehen, standen sich einander gegenüber, wie zwei Gladiatoren auf der Arena, und suchten einander gegenseitig die Vorteile abzugewinnen, wie sie sich am besten beikommen konnten. Deutlich erblickte man die kommandierenden Offiziere vor den beiden Fronten, wie sie mit ihren Ferngläsern die beiderseitigen Bewegungen beobachteten, wie sie Befehle austeilten und Rapporte entgegennahmen, und dann sah man die Adjutanten hin und her galoppieren, mit einer Eile, wie wenn von ihnen und ihren Rossen das Schicksal des Tages einzig und allein abhängig sei. Von Zeit zu Zeit knatterte Gewehrfeuer, die Scharfschützen gaben einzeln und kolonnenweis Feuer, sobald sich irgend welche vorteilhafte Schießgelegenheit bot, und oft sah man auch Verwundete aus den Reihen übers Schlachtfeld nach einer Hütte tragen. Aus den vorgenannten Ortschaften sah man öfter Bauern schleichen, klug und vorsichtig, gleich als ob sie darauf aus wären, den Ausgang des Kampfes abzuwarten und ihr weiteres Verhalten danach einzurichten, oder als wenn sie darauf sännen, die Schlachtfelder abzusuchen, wenn der Kampf vorüber sei. In nicht zu großem Abstande lagen in der Bucht unter englischer Flagge zwei Schoner mit aufgespannten Segeln, an deren Marsen und Stengen die Mannschaften hingen, gespannt auf den Ausgang des bevorstehenden Kampfes.

Noch immer währte die Stille vorm Sturm. Da erhielt Fergus Befehl, zusammen mit einem andern Häuptling ihre Clans gegen das Dorf Preston zu dirigieren, um die rechte Flanke der englischen Armee zu bedrohen und sie zu einer Veränderung ihrer Position zu zwingen. Im Verfolg dieser Absicht setzte sich der Häuptling von Glenuaquoich in dem Kirchhofe von Tornent fest, der die Umgegend beherrschte. Um die beiden Clans hieran zu hindern, detachierete der englische Befehlshaber zwei Geschütze mit einem großen Reiterkommando in der gleichen Richtung. Die Soldaten ritten in solcher Nähe, daß Waverley deutlich die Standarte der Schwadron erkannte, die er einst selbst befehligt hatte. Sogar das wohlbekannte Kommando konnte er hören, das die ihm so wohlbekannte Stimme des Regimentskommandeurs erteilte, für den er ehedem so hohe Achtung im Herzen getragen hatte.

Im nächsten Augenblick sah er um sich wieder die hochländischen Clansmänner in ihrer rohen Tracht und ihrem wilden Aussehen, hörte sie in ihrer ungefügen, rauhen Sprache, und dann fiel sein Blick auf die Tracht, die jetzt er trug, und die in so krassem Gegensatze stand zu jener andern Tracht, die er von Kindheit an getragen, und dann fühlte er den innigen Wunsch, aus diesem Zustande zu erwachen, der ihm vorkam wie ein Traum, wie er ihn schrecklicher und unnatürlicher noch nie geträumt hatte.

»Gerechter Gott!« rief er, »bin ich denn wirklich ein Verräter am eignen Vaterlande? ein Deserteur, ein Feind meines angestammten England?«

Die englische Armee hatte sich in neue Schlachtlinie formiert. Ihr einer Flügel lehnte sich an die Küste an, der andre an das Dorf Preston. Fergus Mac-Ivor wurde infolge dessen auf seinen frühern Posten zurückbeordert. Auf diese Weise traten beide Heere wieder zueinander in Parallelstellung. Inzwischen senkte sich langsam die Nacht hernieder, und beide Heere schickten sich an, ihre Lager für die Nacht aufzuschlagen.

»Während der Nacht werden wir wohl Ruhe behalten,« sagte Fergus zu Waverley, »aber ehe wir uns in unsre Plaids hüllen, wollen wir uns doch umsehen, was unser Freund Bradwardine macht.«

Als sie zu dem Posten kamen, den der Baron im Vortrab innehatte, trafen sie den greisen Offizier beim Abendgottesdienst, den er mit seiner Mannschaft abhielt, nachdem er bereits Patrouillen ausgesandt und die Wachtposten ausgestellt hatte. Er las mit heller, klangvoller Stimme, und wenn auch die Brille, die auf seiner Nase saß, und die Anwesenheit des greisen Seneschalls Saunders Saunderson, der im Soldatenrocke Küsterdienste tat, der Szene einen etwas komischen Anstrich gaben, so ließ sich doch der feierlichen Handlung, deren Eindruck durch die gefahrvolle Bühne, auf der sie gehalten wurde, durch das kriegerische Auditorium und durch den ganzen kriegerischen Dekor wesentlich verstärkt wurde, ein gewisser Grad von Bewunderung nicht versagen.

»Ich bin heute zur Beichte gewesen,« flüsterte Fergus Waverley zu, »aber so stockkatholisch bin ich denn doch nicht, daß ich mich weigern würde, mit diesem Manne ein gemeinschaftliches Gebet zu verrichten.«