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»Um der gleichen Ursache willen, Frau, nehme ich Eure Unterwerfung nicht an,« erwiderte der englische Hauptmann; »ich begnüge mich mit der Erklärung, daß Ihr Frieden halten wollt, und nach dem Sinn Eurer Worte zu urteilen, ist daran wohl nicht zu zweifeln.«

»So teilt wenigstens mit uns, was an Vorräten noch in der Burg ist,« sagte Elspath Brydone, »denn Eure Rosse sind erschöpft und Eure Mannschaft bedarf der Erquickung.«

»Nein,« erwiderte der Hauptmann, »ich lehne Euer Anerbieten ab, denn es soll von uns englischem Kriegsvolk nicht heißen, daß wir die Witwe eines tapfern Kriegsmanns mit einem Zechgelage belästigt hätten, als sie noch um den Hausvater trauerte. Kameraden! Doch halt!« setzte er hinzu und schwenkte sein Roß herum, »es streifen in allen Richtungen Parteien herum, sie müssen ein Wahrzeichen finden, daß Ihr unter meinem Schutze steht. Komm her, kleiner Gesell,« sagte er zu dem ältesten Knaben, der etwa neun oder zehn Jahre alt sein mochte, »gib mir mal Deine Mütze!«

Der Knabe wurde rot bis hinter die Ohren, zauderte und blickte finster drein, bis es endlich der Mutter gelang, ihm unter Worten freundlicher Zurechtweisung die Mütze aus der Hand zu nehmen. Sie gab sie dem Hauptmann, der das gestickte rote Kreuz aus seinem Barett löste und an die Mütze steckte. Hierauf sagte er zu der Witwe:

»Durch dieses Zeichen, das all den Unsern heilig ist, werdet Ihr gesichert sein vor jedem Ueberfall.«

Dann setzte er dem Knaben die Mütze wieder auf, aber kaum war es geschehen, als der Knabe trotzig, mit wilden Blicken, ehe die Mutter es ihm wehren konnte, die Mütze vom Kopf gerissen und in den Bach geschleudert hatte. Eilends aber kam der andre Knabe herbeigerannt, lief zum Bache hin und sprang der Mütze nach. Es gelang ihm, sie den Fluten zu entreißen, und er brachte sie der Mutter wieder. Vorher aber zog er das Kreuz aus dem Tuche, küßte es mit tiefer Inbrunst und barg es an seiner Brust. Den Engländer befremdete und ergötzte dieser Auftritt, und mit einem Tone, der zwischen Ernst und Scherz schwankte, fragte er den ältern der beiden Knaben:

»Weshalb hast Du das Kreuz weggeworfen?«

»Weil der heilige Georg bloß im Süden was zu suchen hat,« antwortete mürrisch der Knabe.

»Gut,« sagte der Hauptmann, und dann wandte er sich an den jüngern:

»Und was dachtest Du, kleiner Freund, als Du das Kreuz wieder aus dem Wasser holtest?«

»Der Priester sagt, es sei allen Christen ein Zeichen des Heils.«

»Auch gut erklärt,« sagte der Hauptmann. »Wahrlich, liebe Witfrau, um diese beiden Jungen beneide ich Euch. Gehören sie Euch beide?«

Wenn der Hauptmann diese Frage stellte, so hatte er gewiß Grund dazu, denn Halbert Glendinning hatte rabenschwarzes Haar und schwarze, große, stechende Augen, die unter den gleichfarbigen Brauen düster blitzten, und eine dunkelgebräunte Hautfarbe; sein Gesichtsausdruck war freimütig, fest und bestimmt in einem Maße, wie sein Alter kaum hätte erwarten lassen. Der jüngere Brüder hingegen hatte blondes Haar und blaue Augen, eine zartere Gestalt und einen sanftern Gesichtsausdruck, er sah fast bleich aus und auf seinen Wangen leuchtete nicht der rosige Hauch kräftiger Gesundheit. Indessen sah der Knabe durchaus nicht krankhaft aus, auch mangelte ihm nicht das Ebenmaß der Formen; er war im Gegenteil ein hübsches Kind, dessen milder, liebevoller Blick unmittelbar zum Herzen sprach.

Die Mutter blickte erst stolz, dann zärtlich von einem Knaben zum andern, dann antwortete sie dem Hauptmann:

»Freilich, edler Herr! es sind beides meine Jungens!«

»Und vom gleichen Vater?« fragte der Hauptmann weiter; doch als er die Röte bemerkte, die ihre Wangen überflog, setzte er rasch hinzu: »Nein, kränken wollte ich Euch nicht, liebe Frau; aber ich würde meine Gevatterin drüben in Merry Lincoln auch nicht anders fragen. Na, das muß ich sagen, Ihr habt da ein Paar herrliche Buben, und ich wünschte, Ihr könntet mir einen davon überlassen, denn ich könnt gar gut einen gebrauchen, lebe ich doch mit meiner Frau auf unsrer alten Burg ganz kinderlos. Na, wie steht's, Jungens, wer will von Euch beiden mit mir mitkommen?«

Die Mutter erschrak ob solcher Rede und zog mit beiden Händen die Knaben näher zu sich heran, während beide dem Hauptmann ihre Antworten gaben.

»Ich geh nicht mit Euch mit,« sagte Halbert keck, »Ihr seid ein treuloser Mann aus dem Süden, und die Männer aus dem Süden haben meinen Vater erschlagen, aber ich will auf Tod und Leben mit Euch kämpfen und streiten, kann ich erst einmal das Schwert meines Vaters schwingen.«

»Na, Du kleiner Streithammel,« versetzte der Hauptmann, »der schöne Brauch, auf Tod und Leben miteinander zu ringen, wird ja in unsern Tagen noch nicht verschwinden. ... Na, und Du, mein zarter Flachskopf, Du magst auch nicht mit mir mitkommen und auf hübschen Steckenpferdchen spazieren reiten?«

»Nein,« erwiderte Edward stockend, »denn Ihr seid ja ein Ketzer!«

»Ei, das muß ich sagen, liebe Frau,« erwiderte der Hauptmann, »meine Werbung hat bei Euch schlechten Fortgang, und doch beneide ich Euch um die beiden Jungen.« Weder Harnisch noch Koller konnten den tiefen Seufzer verbergen, mit dem er innehielt, dann aber fuhr er fort: »Na, wer weiß, schließlich setzte es bloß Verdruß mit meiner Hausfrau darüber, welcher von beiden ihr der liebste wäre, denn mir gefiele doch der schwarzäugige besser, und sie entschiede sich doch ganz gewiß für den flachsblonden. Na, was hilft's! wir müssen uns mal drein finden, daß wir keine Kinder haben sollen, und müssen das Glück, Kinder zu haben, glücklicheren Menschen lassen als wir sind. ... Sergeant Brittson, Du bleibst hier, bis Du abkommandiert wirst. Beschütze diese Leute, Du bist mir Bürge für sie. Füge ihnen keinerlei Kränkung und Schaden zu, und sorge dafür, daß dies auch von andern nicht geschieht. Ich halte mich an Dich, verstehst Du? ... Liebe Frau, Brittson ist ein verheirateter Mann, alt und verläßlich. Sorgt, daß er pünktlich sein Essen hat. Aber haltet ihn mäßig im Trinken!«

Abermals bot Frau Glendinning dem Hauptmann Erfrischungen an, aber mit unsicherer Stimme und erfüllt von dem stillen Wunsche, daß er es ablehnen möge; denn da sie, nach dem gewöhnlichen Irrtum von Eltern, annahm, dem Hauptmann möchte es ebenso sehr darum gehen, Kinder zu bekommen, wie ihr, sie zu behalten, so fürchtete sie, es möchte ihn am Ende die Freude über die beiden Jungen, der er so derben Ausdruck gegeben, dazu verleiten, ihr einen davon zu nehmen. Sie umklammerte sie deshalb mit beiden Händen, wie wenn sie mit ihrer schwachen Kraft bereit sei, sie zu beschützen, wenn man Gewalt brauchen sollte, und mit sichtlicher Freude sah sie, wie der kleine Trupp umlenkte und sich anschickte, den Talweg hinunter zu ziehen.

»Ich bin Euch nicht böse drum,« sagte Stawarth Bolton, dem ihre Empfindung nicht entging, »daß Ihr mir argwöhnisch nachschaut, wie der englische Falke über Eurer schottischen Sumpfbrut schwebt. Aber macht Euch keine Sorge! wenig Kinder, wenig Sorgen; und ein kluger Mann holt sich Kinder nicht aus fremdem Hause. Gehabt Euch, liebe Witfrau, und wenn Euer schwarzer Musje mal in die Lage kommt, einen Zug nach England zu unternehmen, dann soll er Weiber und Kinder schonen, und soll nicht vergessen, daß es Stawarth Bolton in Schottland auch so gemacht hat.«

»Gott geleit Euch, Ihr edler Mann aus dem Süden!« sagte Elspath Brydone, doch erst, wie er es nicht mehr hören konnte, denn er gab seinem Rosse die Sporen, um an die Spitze des Zuges zu kommen, und langsam verschwanden Helmbusch und Rüstung hinter der Biegung, die das Tal hier machte, in der Ferne.

»Mutter,« sagte der älterer der beiden Knaben, »wenn hier für solchen Kerl aus dem Süden gebetet wird, dann sag ich nicht Amen dazu.«

»Mutter,« sagte der andere in ehrerbietigerer Weise, »darf man auch für einen Ketzer beten?«

»Darauf kann Gott allein Antwort geben, zu dem ich bete und flehe,« antwortete in schwerer Bedrängnis ob dieser beiden Reden aus Kindermund Witwe Elspath, »aber die beiden Worte: Süden und Ketzer, haben Schottland zehntausend seiner tapfersten und rüstigsten Männer gekostet, haben Euch den Vater und mir den Gatten geraubt, und ich mag die beiden Worte nicht mehr hören, weder als Segnung noch als Verwünschung. Geht mit mir in den Turm, Sergeant Brittson!« sagte sie zu dem Soldaten. »Was wir unser nennen, steht Euch zu Diensten.«