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»Schon gut,« erwiderte Vater Eustachius, »wohl hast Du getan, Hob, Du magst nun gehen. In Zukunft nur sei behutsam, ehe Du im Dunkeln nach etwas wirfst oder schlägst.«

»Mit Verlaub, Euer Ehrwürden, ich will mirs wohl zur Warnung sein lassen,« entgegnete der Müller, »und Zeit meines Lebens will ich keinen heiligen Mann mehr für ein Schwein halten.«

Und der Müller machte eine tiefe devote Verbeugung und ging.

»Nun ist der Bauer weg,« sagte Eustachius, »willst Du nun nicht dem hochwürdigen Herrn bekennen, was Dir zugestoßen ist? Bist Du vino gravatus? Dann sollst Du in Deine Zelle geschafft werden.«

»Wasser, Wasser, kein Tröpflein Wein,« murmelte der Sakristan kraftlos.

»Nun,« erwiderte der Mönch, »wenn Du daran Beschwerden hast, so mag Dir vielleicht der Wein Heilung bringen?«

»Er mag sich umkleiden,« befahl der Abt, »oder noch besser, laßt ihn ins Krankenhaus bringen; denn es könnte unsrer eignen Gesundheit schaden, wenn wir hier seinen Bericht entgegennehmen wollten – dampft und raucht er doch, wie ein aufsteigender Nebelschwaden.«

»Ich will ihn in Verhör nehmen und nachher Euer Hochwürden Bericht erstatten,« sagte Eustachius, indem er den Sakristan in seine Zelle brachte und nach einer halben Stunde zum Abt zurückkehrte.

»Und was ist es mit Vater Philipp?« fragte der Abt. »Wie erklärt er seine sonderbare Verfassung?«

»Er kommt von Glendearg,« erwiderte Eustachius, »und im übrigen erzählt er eine Geschichte, wie sie seit Jahrhunderten im Kloster nicht wieder vernommen worden ist.«

Er berichtete nun dem Abt in großen Umrissen, was dem Sakristan auf seiner Rückkehr zugestoßen war, und setzte hinzu, er habe zuerst sich fast versucht gesehen, den Mann für irrsinnig zu halten, da er unaufhörlich durcheinander geweint, gelacht und gesungen hätte.

»Ein seltsames Ereignis,« sagte der Abt, »daß es dem Satan möglich war, nach einem unsrer geweihten Brüder die Tatzen auszustrecken.«

»Ganz gewiß,« entgegnete Eustachius, »aber es läßt sich zu jedem Text eine Umschreibung finden, und ich habe so eine Ahnung, als sei Vater Philipp nicht ganz ohne Schuld daran, daß er von einem Geist der Hölle solch eine Taufe erhalten hat.«

»Wie?« sagte der Abt, »ich hoffe, Du zweifelst nicht daran, daß es in der Vorzeit dem Satan verstattet worden ist, heilige und fromme Männer zu versuchen und zu peinigen – wie er zum Beispiel den Gottesmann Hiob gemartert hat?«

»Da sei Gott vor, daß ich daran zweifeln sollte,« erwiderte der Mönch und bekreuzigte sich. »So es aber eine nicht ganz auf Wunder gegründete Erklärung von der Geschichte des Sakristans gibt, so halte ich es für nützlich, sie zum mindestens ins Auge zu fassen, wenn man sich auch nicht ganz darauf verlassen mag. Dieser Müller Hob hat ein flinkes Ding von einer Tochter – gesetzt den Fall – ich sage nur, gesetzt den Fall – unser Sakristan ist an der Furt mit ihr zusammengetroffen – denn sie war bei ihrem Oheim, der an der andern Seite der Furt wohnt, zu Besuch, und kam am selben Abend nach Hause – gesetzt den Fall, unser Sakristan hat aus Höflichkeit, damit sie sich nicht erst Schuhe und Strümpfe ausziehen sollte, sie hinter sich aufs Pferd genommen – gesetzt den Fall, er hat seine Liebenswürdigkeit noch weiter getrieben und das Mädchen hat sich das nicht gefallen lassen wollen – da wäre es doch sehr naheliegend anzunehmen, daß das zu seinem unfreiwilligen Bade geführt hat.«

»Und die ganze Geschichte wäre nur erdacht, um uns zu hintergehen?« versetzte der Abt und errötete vor Zorn. »Das soll genau untersucht werden. Wir wollen dem Vater Philipp das Handwerk legen, wenn er versucht, seine schlechten Streiche für Werke des Teufels auszugeben. Gebiete dem Mädchen, daß es morgen vor uns erscheinen solle – wir wollen den Fall untersuchen, und die Strafe soll nicht ausbleiben.«

»Euer Hochwürden mögen verzeihen,« erwiderte Eustachius, »eine solche Strenge würde unklug sein. So wie die Dinge jetzt liegen, sind die Ketzer erpicht darauf, Aergernisse in unsrer Kirche aufzudecken, und haschen nach jedem flüchtigen Gerücht, das auf ein solches zu deuten scheint. Das Unrecht muß ausgerottet werden, aber nicht bloß durch verschärfte Ordenszucht, sondern auch dadurch, daß wir böse Nachrede beschwichtigen und nicht aufkommen lassen. Wenn ich in meinen Vermutungen das Rechte treffe, so wird das Mädchen schon um ihrer selbst willen den Schnabel halten, und Euer Hochwürden mag dem Vater des Mädchens und dem Sakristan Stillschweigen auferlegen. Wenn es dem Sakristan noch einmal einfallen sollte, Schande über unsern Orden zu bringen, so muß er streng, aber insgeheim in Strafe genommen werden.«

Nach diesen Worten gingen die beiden für die Nacht auseinander.

Am folgenden Tage nahm Abt Bonifazius den Bruder Philipp in ein strenges Verhör, aber über die wahre Ursache des Unglücks, das ihm am verflossenen Abend zugestoßen war, konnte er nichts aus ihm herausbringen. Der Sakristan blieb beharrlich bei seinen Angaben, trotzdem es ihm sogar zustieß, daß er einige Einzelheiten verwechselte. Er gab vielfach unzusammenhängende Antworten und konnte sich nicht enthalten, Teile von dem sonderbaren Gesange des Mädchens, die ihm erinnerlich waren, mitten in dem Verhör zum besten zu geben, zum Beweis für den tiefen Eindruck, den der Gesang auf ihn gemacht hätte.

Der Abt fühlte Mitleid mit der Schwäche des Sakristans, die er wirklich auf einen übernatürlichen Anlaß zurückzuführen geneigt war, und glaubte, die naturgemäße Darlegung des Vaters Eustachius klinge wohl wahrscheinlich, entspreche aber nicht den Tatsachen. Wir haben das Abenteuer so wiedergegeben, wie wir es aufgezeichnet gefunden haben, aber wir müssen doch hinzufügen, daß die Klosterbrüder darüber verschiedner Ansicht waren und mehrere unter ihnen der Erklärung, daß die schwarzäugige Müllerstochter hinter der Geschichte stecke, den Vorzug gaben. Darüber aber waren sich alle einig, daß der Vorfall der Lächerlichkeit wegen verheimlicht werden müsse. Bei seinem Gelübde des Gehorsams wurde es daher dem Sakristan untersagt, je wieder von seinem Sturz ins Wasser zu sprechen, und da er durch eine Schilderung des Abenteuers sein Gemüt bereits beruhigt hatte, so läßt sich annehmen, daß er sich dieser Vorschrift willig gefügt hat.

Die Gedanken des Vaters Eustachius weilten indessen weniger bei der wunderbaren Erzählung des Sakristans, als vielmehr bei dem Buche, das er aus dem Turme von Glendearg mitgenommen hatte. Ein Druck der heiligen Schrift in landessprachlicher Uebersetzung hatte sich also in das eigne Gebiet der Kirche eingeschlichen und war im geheimsten, entlegensten Winkel auf den Besitzungen des Klosters unsrer lieben Frauen gefunden worden!

Er hätte das Buch zu gern gesehen, aber der Sakristan konnte ihm den Wunsch nicht erfüllen, da er es verloren hatte – wie er angab – als das übernatürliche Wesen sich von ihm entfernt habe. Vater Eustachius begab sich selber an die Stelle und suchte den ganzen Fleck ab, in der Hoffnung, das Buch zu finden, aber all seine Mühe war umsonst. Er begab sich daher zum Abt zurück und bat um die Erlaubnis, selber im Turme von Glendearg nachzuforschen.

»Wir wollen doch sehen,« sagte er, »ob irgend ein Gespenst oder ein weißes Weib der Wildnis mir auf meiner Hin- oder Rückreise in den Weg treten wird. Habe ich die Erlaubnis und den Segen Eurer Hochwürden zu meinem Vorhaben?« fragte er in einem Tone, als ob ihm an beidem nicht viel gelegen sei.