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»Und wie denkt Ihr nun über das alles, Waverley?« fragte der Oberst, dem Waverley die Schreiben, als er sie gelesen hatte, reichte.

»Was ich denke?« fragte Waverley seinerseits. »Hier verbietet sich alles Denken, Herr Obrist. Wahnsinnig könnte ich werden, wenn ich erwäge, was sich aus dem allen für mich ergeben hat.«

»Ruhig Blut, Freund! sehen wir weiter nach, was das hier für ein unsaubres Stück Schreibarbeit ist.«

Der nun folgende Brief war an einen »Mr. Ruffen« gerichtet und lautete wie folgt:

Mein Lieber! Ein paar von unsern jungen Musjes mochten nicht anbeißen, trotzdem ich ihnen sagte, daß ich ihnen das Siegel vom Squire vorzuweisen vermöchte. Aber Tims wird Euch die Briefe, wie Ihr es wünscht, ausfolgen und wird dem »Alten« melden, er habe sie dem Squire eigenhändig übergeben. Er wird sich im übrigen bereit halten aufs erste Signal, für die Hochkirche und die Partei der Tory aufzustehen.

Euer

H. H.«

»Postscr. ... Meldet doch dem Squire, daß man gern was von ihm gehört hätte, und daß sich, weil er nicht selbst schreibe, Zweifel erhoben hätten. Auch sei Leutnant Bottler stutzig geworden.«

Der Obrist sagte nun:

»Dieser Ruffen ist augenscheinlich kein andrer, als jener Räuber Donald, der Eure Briefe unterschlagen hatte und nun in Eurem Namen einen Briefwechsel mit dem unglücklichen Houghton anknüpfte.«

»Ganz entschieden. Und der Alte?«

»Darunter ist doch kein andrer gemeint als Euer Oberst!«

Die andern Briefe waren zu demselben Zwecke abgefaßt worden. Rasch sollte nun aber noch weitres Licht über die Angelegenheit werden.

Ein gewisser John Hudges, ehedem auch Bursche bei Waverley, war in der Schlacht bei Preston mit in Gefangenschaft geraten, hatte sich nach seinem frühern Herrn erkundigt und trat in diesem Augenblick ins Zimmer, um sich bei ihm wieder zum Dienst anzubieten. Von Hudges erfuhren sie, daß kurz nach Waverleys Abreise aus dem Standquartier des Regiments ein Hausierer des Namens Ruthven, Ruffen oder Rivane, unter den Soldaten als Wily Will [Fauler Wilhelm] bekannt, in der Stadt häufig vorgesprochen habe. Er schien immer viel Geld zu haben, denn alles, was er brauchte, bezahlte er prompt und gut, ließ sich auch nie sonderlich nötigen, jemand in der Kneipe zu traktieren, und machte auf diese Weise bald Bekanntschaft mit dem und jenem aus Waverleys Schwadron, vorzüglich mit dem Sergeanten Houghton und einem Unteroffizier mit Namen Tims. In Waverleys Namen teilte er beiden mit, daß es in seinem Plane liege, das Regiment zu verlassen, und forderte sie auf, mit ihm in die Hochlande zu gehen, wo die Clans im Aufstande begriffen seien. Die in den Grundsätzen der Jakobiten erzognen Leute, denen es recht gut bekannt war, daß auch ihrem Grundherrn Sir Everard solche Grundsätze nachgeredet wurden, waren leicht zu bestimmen, auf solche Pläne einzugehen. Waverleys Aufenthalt in den Hochlanden und sein Ausbleiben vom Dienst ließen es als begreiflich erscheinen, daß er sich zur Besorgung seiner Geschäfte der Vermittlung solch eines Hausierers bediente, und ebenso begriff man leicht, daß er es vermeiden wollte, zu schreiben, und lieber sein Petschaft als Erkennungszeichen mitgab und mündlich ausrichten ließ, was er bekannt geben wollte. Durch vorwitzige Reden von Beteiligten wurde die Sache aber vor der Zeit ruchbar, und der »faule Wilm« machte seinem Namen alle Ehre, denn kaum bekam er Wind davon, daß man der Geschichte auf der Spur war, so ließ er sich nicht mehr sehen. Als aber die Meldung von Waverleys Kassation im Regiment verlautbarte, so brach in seiner Schwadron offne Meuterei aus, die Meuterer wurden sofort überwältigt und in Eisen gelegt. Houghton und Tims wurden zum Tode durch den Strang verurteilt, indes wirkte ihnen der Oberst die Gnade aus, daß einem von ihnen das Leben gelassen werden solle, und zwar sollten sie um ihr Leben losen. Houghton zog das bessre Los, wurde aber degradiert, zeigte jedoch große Reue und bekannte rundheraus, daß »der Squire keine Schuld an der ganzen Affäre gehabt habe, denn er habe nie etwas Ehrloses getan oder angestiftet, sondern alles sei von diesem Hausierer Ruffen oder Ruthven ausgegangen.«

Seine Beteuerung, daß alle an Waverley gerichteten Schreiben, die Tims habe besorgen sollen, diesem Hausierer zur Besorgung übergeben worden seien, daß es also sehr wohl der Fall sein dürfe, daß Waverley sie überhaupt niemals bekommen habe, bewirkten bei dem Regimentskommandeur jenen Meinungsumschwung, dessen schon Obrist Talbot Waverley gegenüber Erwähnung getan hatte.

Was nun Donald Bean zu diesem ganzen Manöver bestimmt hatte, war folgendes: Schon lange und in weit größerm Maße als selbst Fergus Mac-Ivor es geahnt hatte, war Donald Bean Lean, der durch seinen Dienst in Frankreich Anknüpfungspunkte mancherlei Art gewonnen hatte, von den Vertrauten des Chevaliers als Agent und Spion benützt worden, und war nun bemüht, sich durch irgend eine besondre Tat bei seinen Auftraggebern in besondres Ansehen zu setzen und aus der Sphäre seines gefahrvollen und selten wirklich lukrativen Räuberlebens zu erheben. Vorzüglich benützte man seine Dienste, um die Stärke der einzelnen Regimenter, den Charakter der Offiziere und die Herkunft der Mannschaft auszukundschaften, und schon lange hatte er ein Auge auf die Waverley'sche Schwadron geworfen, weil ihm von früher her bekannt war, daß Sir Everard sich zu den jakobitischen Grundsätzen bekannte. Ja, Donald Bean Lean war der Meinung gewesen, daß Waverley selbst in die Komplotte der Stuarts verwickelt sei, und war darin durch den langen Aufenthalt desselben im Edelhofe des Barons von Bradwardine bestärkt worden, und als nun Waverley gar mit den Hörigen Glennaquoichs zu ihm in seine Höhle kam, so hatte er sich nicht denken können, daß dies bloß aus Neugierde geschehe, sondern er hatte sich eingebildet, daß man sich bemühe, ihn für eine Sache von Wichtigkeit zu gewinnen. Auch dadurch ließ er sich nicht beirren, daß Waverley auf all seine Andeutungen und Anregungen, sich offen zu erklären, nicht reagieren wollte. Er erblickte darin nur kluge Zurückhaltung, und um sich in dem Werke, das im Werden war, eine Rolle zu sichern, denn er hatte die Befürchtung, daß man ihn beiseite schieben werde, wenn man seiner Dienste nicht mehr bedürfe, hatte er das Petschaft des Kapitäns, als er es in der Höhle fand, nicht abgegeben, sondern behalten und bei dem Verkehr mit der Schwadron Waverleys als Legitimationszeichen benützt, in der Absicht, Waverley so weit zu verstricken, daß es für ihn kein Zurück mehr gebe, und daß er wohl oder übel Farbe bekennen müsse, um sich nicht auf beiden Seiten zu schaden und unmöglich zu machen. Zudem wußte er, daß kein Dienst von den Freunden des Chevaliers so gut belohnt werden würde, als wenn es ihm gelänge, eine ganze Schwadron oder wenigstens einen Bestandteil derselben zur Abtrünnigkeit zu bestimmen, und so hatte er es nicht unterlassen, zu wiederholten Malen als Hausierer in den Garnisonsort von Waverleys Regiment zu reisen, und es auch so weit gebracht, daß eine Meuterei dort zum Ausbruch kam, die aber durch die Energie des Regimentskommandeurs im Keime erstickt worden war und mit einem schrecklichen Lose für die daran Beteiligten geendet, Waverley hingegen in den Augen seines Kommandeurs und der Kameraden einigermaßen rehabilitiert hatte.