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»Wie Ihr bloß so was reden könnt, Nachbar Hob,« erwiderte Frau Glendinning, »und daß auch der Martin erst über das Mahlrecht hat schwatzen müssen! Dafür will ich ihn schon zurechtsetzen, wies ihm gebührt, darauf könnt Ihr Euch verlassen, so wahr ich eine rechtschaffne Wirtschafterin bin und eine ehrsame Witfrau. Und wieviel eine Frau, wenn sie so allein steht wie ich, mit dem Gesinde zu schaffen hat, das ist Euch doch gewiß nicht fremd.«

»Ihr müßt nur,« sagte der Müller, indem er seinen breiten Gurt aufschnallte, der ihm den Mantel zusammenhielt und worin auch ein breiter Dolch steckte, »Ihr müßt nur nicht böse sein auf den Martin, Frau Elspath, denn ich bin ihm auch nicht gram. Aber meine Pflicht und Schuldigkeit ists halt, auf den Gefällsgroschen zu sehen, der mir ja von Rechts wegen zusteht, und für den ich doch eine gehörige Pacht abzuführen hab, und im übrigen heißts bei mir, wie bei andern Müllern auch:

Ich mahle mein Mehl, wenn der Wind weht,

Und küsse mein Weib, wenn der Hahn kräht,

Und hole den Zins, der im Buch steht,

Und lasse Gott walten, wenns schief geht.«

Dieses Liedchen vor sich her trällernd, hing der Müller ohne Umstände seinen weiten Mantel an ein mächtiges Hirschgeweih, das die nackte Turmwand schmückte, und gleichzeitig den Kleiderrechen vertrat.

Unterdes half die Witwe dem Mädchen, das sie sich zur Schwiegertochter erkoren, beim Ablegen von Hut, Mantel und der andern Reisekleidung, und nun stand Mysie da, wie es sich für die flinke Müllerstochter geziemte, lachend und blühend, im schlohweißen Mieder, das mit grünen Schnüren und Fransen besetzt, auch mit Goldfäden durchwirkt war. Frau Glendinning warf einen schüchternen Blick auf das unverhüllte Mädchengesicht, das von pechschwarzem Haar umwallt war, das von einer grünseidnen, mit Silber durchwirkten Schleife, die prächtig mit dem Mieder harmonierte, im Knoten gehalten wurde. Die ganze Erscheinung, die das Mädchen bot, war liebreizend im höchsten Maße, ihr Auge war dunkel und groß und hatte einen schalkhaften Ausdruck, ihr Mund war kaum größer als ein schottischer Marientaler, ihre Lippen waren lieblich geschwungen, wenn auch etwas voll, dazwischen blitzten wunderweise Zähne in tadelloser Doppelreihe, und am Kinne zeigte sich ein allerliebstes Grübchen. Die Gestalt, die zu diesem fröhlichen Gesicht gehörte, war rund und voll und fest und schön; sie schien zwar darauf hinzudeuten, daß sie mit den Jahren leicht übervoll werden könne, ein Fehler, dem die Schönheiten Schottlands gern verfallen, aber in ihrem sechzehnten Lebensjahre hatte Müllers Mysie so ganz die Gestalt einer richtigen Hebe, wie wir sie uns nach den Statuen, das altklassischen Griechenlands vorzustellen lieben. Und bei all ihrer Voreingenommenheit als Mutter mußte sich die schüchterne Frau Glendinning doch sagen, daß sich für solch schmuckes Ding leicht wohl ein bessrer Mann finden möchte als ihr Halbert. Ein gewisser Zug in ihrem Gesichte schien auf einen etwas losen Sinn zu deuten, und ihr Halbert zählte noch keine neunzehn Jahre, also eilte es bei ihm ja noch nicht mit der Einrichtung eines eignen Hausstandes, aber das blieb für die brave Frau immer der Kernpunkt der Sache, und eine bessre Gelegenheit, sich damit zu befassen, konnte ja eigentlich sich gar nicht wieder finden.

Sie überbot sich nun in vermeintlicher Schlauheit in allerhand Lobreden über ihren liebreizenden Gast, und Müllers Mysie hörte ihr auch während der ersten fünf Minuten unter Erröten ganz vergnügt zu, aber als darüber noch weitere fünf Minuten verstrichen waren, da schien es sie eher lustig als eitel zu stimmen, und endlich wurde es auch der Müller satt, die Tochter gar so herausgestrichen zu sehen, und er fiel der Witwe mit den Worten in die Rede:

»Na, freilich, eine ganz nette Hexe ist sie ja geworden, und wenn sie mal erst fünf Jahre älter ist, dann wird sie einen Mehlsack tragen können, wie die kräftigste Dirne im Sprengel. Aber ich hab mich schon eine ganze Weile nach Euren beiden Jungen umgeguckt, Frau Elspath; bei uns hört man, Euer Halbert sei ein muntrer Springinsfeld geworden, der in Westmoreland wohl noch mal in hellen Mondnächten von sich reden machen dürfte.«

»Das verhüte der liebe Gott in seiner Gnade, mein liebwerter Nachbar,« sagte Frau Glendinning, und zwar kam ihr der Wunsch so recht aus dem Herzen, denn jede Anspielung auf solche Wahrscheinlichkeit, ihren Halbert betreffend, schnitt ihr wie ein Messer durch die Seele; aber aus Furcht, nach dieser Seite vielleicht zuviel Besorgnis gezeigt zu haben, setzte sie flugs hinzu, »daß sie seit dem letzten so schweren Schlage bei Pinkie-Cleuch immer am ganzen Leibe zittre, wenn sie von Speer und Büchse und Kampf und Krieg sprechen höre; indessen schienen ja bis jetzt ihre beiden Söhne, dem Himmel sei Dank, als ehrsame, friedfertige Klostervasallen leben zu wollen, wie ja ihr Vater es auch getan hätte bis zu jener schrecklichen Schlacht, aus der er mit soviel andern wackern Männern nicht wieder heimgekehrt wäre.«

»Davon braucht Ihr mir nichts zu erzählen,« sagte der Müller, »bin ich ja doch auch mit dabei gewesen! und ein doppeltes Paar Beine, das nicht einmal mir gehörte, sondern meinem Gaule, hat mir damals besser gedient als ein Paar Fäuste. Ich hatt mir schon zurechtgelegt, wie es wohl herginge, wenn unsre Leute ausreißen müßten; und wie dann die Hatz losging über Stock und Stein, da hab ich meinem Gaul derb die Sporen in die Weichen gedrückt und mich, so lang es noch Zeit dazu war, auf und davon gemacht.«

»Das muß man sagen, Nachbar,« versetzte die Witwe, »Ihr habts gescheit gemacht! Wenn mein Simon auch so klug gewesen wäre, wie Ihr, dann könnt er heut auch davon erzählen; aber seine gute Herkunft und hohe Verwandtschaft hat ihm halt den Kopf verdreht, und da hat er gedacht, sein guter Ruf täts erfordern, daß er bis zuletzt mit standhielte, mit all den Junkern und Earls und Baronen, die keine Weiber daheim hatten, oder die sich nichts draus machten, wenn ihre Weiber frühzeitig die Witwenhaube aufsetzen mußten ... Aber das ist doch nichts für unsersgleichen! Na, bei meinem Halbert hats, denk ich, keine Not, denn gerät er einmal in die Patsche, so hat er ja die flinksten Beine im ganzen Sprengel, und kann mit Eurem Gaul ganz gewiß um die Wette rennen.«

»So?« meinte der Müller, »kann er das?« Dann sagte er zu der Witwe, auf den eben eintretenden Edward zeigend, »ist er das?«

»Nein, das ist ja mein Edward,« sagte die Witwe, »der jüngre von beiden, der kann lesen und schreiben, so gut wie Unser Lord-Abt selber, wenns nicht sündhaft wär und vermessen, so etwas zu behaupten.«

»So, so,« meinte der Müller, »also der junge Gelehrte, auf den der Abt so große Stücke hält? Die Leute im Dorf reden, der Junge würde es noch einmal weit bringen im Leben, am Ende gar selber mal zum Unterprior! Und warum nicht? der erste lecke Kahn, der ans Land gekommen, wär er doch auch nicht!«

»Um einmal Prior zu werden, Herr Nachbar,« erwiderte Edward, »muß man doch erst Klosterbruder und Priester werden, und dazu wohnt mir, wie mich bedünkt, die richtige Neigung nicht inne.«

»Er wird sich mal hinter den Pflug stellen, Nachbar Müller,« meinte die Witwe, »und das erwart ich von meinem Halbert auch, ganz bestimmt. Ach, ich wünschte, Ihr sähet einmal meinen Halbert. ... Sag doch, Edward, wo steckt denn Dein Bruder?«

»Auf der Jagd wird er wohl sein,« antwortete Edward, »wenigstens ist er heut morgen zum Laird von Huntershope und seinen Hunden gelaufen. Den ganzen Tag hab ich die Köter im Walde bellen hören.«

»Das wär Musik für meine Ohren gewesen,« meinte der Müller, »und mir wärs auf ein paar Meilen Umweg gewiß nicht angekommen!«