Выбрать главу

»Ich bitt Euch, Herr Ritter,« rief der Lord-Abt einmal über das andre, »laßts nun gut sein. ... Aber, Sir Piercie, das hat doch gar keine Art so! ... Benedikt, ruhig! es ist doch ein gutes und ruhiges Tier. Sachte, sachte!« und was der begütigenden Worte sonst noch zu sein pflegen, mit denen ein schlechter Reiter sich aus der Verlegenheit zu ziehen liebt. Mit einem innigen Deo gratias! beschloß er endlich sein Bitten und Beten als er mit einem blauen Auge glücklich den Turmhof erreicht hatte.

Wie auf ein Kommando knieten sämtliche Hausbewohner nieder, dem Lord-Abt die Hand zu küssen, eine Zeremonie, die sich hin und wieder auch die Mönche gefallen lassen mußten. Dem frommen Abt Bonifazius hatten die letzten Ereignisse dermaßen zugesetzt, daß er sich dieser Zeremonie nicht mit der Feierlichkeit unterzog, wie er es zu andern Malen gewöhnt gewesen war. Mit einem schneeweißen Taschentuch trocknete er sich mit der einen Hand die Stirn, während er die andre der handkußdurstigen Schar von getreuen Gliedern seiner Gemeinde überließ. Dann machte er mit weit ausgestrecktem Arme das Zeichen des Kreuzes und rief:

»Gottes Segen über Euch, meine liehen Kinder, Gottes Segen!«

Und dann begab er sich, gar häufig brummend, über die finstre, steile Wendeltreppe in das ihm angewiesene Zimmer und warf sich im Zustande äußerster Erschöpfung und Abspannung auf einen, ich will nicht sagen, bequemen, aber doch auf den bequemsten Stuhl, der sich in dem dürftigen Räume befand.

Sechzehntes Kapitel

Der Lord-Abt war auf diese hochmütige Weise den Blicken seiner harrenden Lehnsleute plötzlich entschwunden, aber der Unterprior war bemüht, diese Unhöflichkeit seines Vorgesetzten wieder gut zu machen, indem er sie herzlich als Familienmitglieder begrüßte, besonders Frau Elspath, ihre Pflegetochter und ihren Sohn Edward.

»Wo ist denn Halbert, der waghalsige Nimrod?« fragte er leutselig.

»Er ist ins Tal hinab gegangen und holt Wildbret, mit Verlaub Euer Ehrwürden,« erwiderte Frau Glendinning. »Sonst wäre er sicher anwesend an einem solchen Ehrentage für mich und die Meinen.«

»Nun freilich,« murmelte der Unterprior, »wir sind auch stets Freunde von einem schmackhaften Wildbraten gewesen. Doch jetzt auf Wiedersehen, gute Frau, ich muß mich zu Seiner Herrlichkeit, dem Vater Abt, verfügen.«

»Ehrwürdiger Herr,« sagte sie, »seid doch so gütig und legt ein Wort für uns ein, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Sagt doch, es sei nicht bös gemeint, und macht ein paar Entschuldigungen, wenn es ja an etwas fehlen sollte. Ihr wißt, wir haben alles Silberzeug verloren.«

»Macht Euch keine Sorge,« erwiderte der Unterprior, »der Mundschenk hat das Eß- und Tafelgeschirr des Abtes mitgebracht, und wenn es bei Eurer Bewirtung an etwas mangeln sollte, wir wissen auch den guten Willen zu schätzen.«

Mit diesen Worten begab er sich ins Speisezimmer, wo, so gut es in der Eile ging, die Vorkehrungen zu einem Mittagsmahl für den Abt und den englischen Ritter getroffen wurden. Der Lord-Abt, für den ein aus allen im Hause vorhandnen Mänteln hergerichtetes Polster noch nicht umfangreich genug geworden war, beschäftigte sich gerade damit, sich in dem geräumigen Lehnstuhl Simons ein weiches, gemütliches Plätzchen herzurichten.

»Ihr irrenden Ritter,« sagte der Abt zu Sir Piercie Shafton, »könnt Euch nicht denken, daß auch unsereins Last und Mühe hat. Aber auch wir sind nicht gewohnt, uns der Hitze und Plage des Dienstes zu entziehen. Kaum hatte ich erfahren, daß Ihr Euch hier befändet, und daß Ihr aus gewissen Gründen nicht ins Kloster kommen dürftet, so habe ich sofort meinen Leuten meinen Entschluß kund getan, nach Glendearg zu reiten. Bruder Timotheus, habe ich gesagt, laß meinen schwarzen Zelter satteln, der Unterprior und ein Dutzend Brüder sollen sich bereit halten; morgen früh, reiten wir nach Glendearg. Und der Küchenmeister und der Mundschenk sollen voraus reiten und den armen Leuten behilflich sein, ein uns angemessnes Mahl einzurichten. Ihr seht also, Sir Piercie, auch wir haben unsre Beschwerlichkeiten gehabt, und Ihr dürft uns keinen Vorwurf machen, wenn nicht alles so gut gegangen, ist.«

»Davon ist wirklich auch keine Rede,« entgegnete Sir Piercie Shafton. »Wenn Ihr so harte Beschwerlichkeiten auf Euch genommen habt, wie Eure Herrlichkeit mir sie schildert, so würde es mir sündigem Kinde der Welt übel anstehen, Beschwerde zu führen über ein Bett, das hart ist wie eine Pritsche, oder über Brot, das genau so schmeckt, als wenn verbrannte Wolle darin wäre, oder über andre Speisen, die ganz nach der rauhen Gegend hier schmecken.«

»Es schmerzt mich,« erwiderte der Abt, »daß Ihr dieses gastfreundliche Haus nicht in bessrer Vorbereitung angetroffen habt, – aber wenn Ihr unser, der heiligen Jungfrau geweihtes Haus mit Eurer Anwesenheit beehren wolltet, so sollt Ihr vollauf zufrieden gestellt werden.«

»Wenn ich Euer Hochwürden die Gründe nennen soll,« antwortete Sir Piercie Shafton, »warum ich vorläufig Eurem wohlbekannten Hause nicht nahen und Eure schätzenswerte Gastfreundschaft nicht genießen darf, – so müßten Euer Hochwürden mir noch ein wenig Zeit lassen oder –« und er warf einen Blich um sich her, »unsre Zuhörer hier vermindern. Denn Eure Weisheit wird einsehen, daß man nicht vorsichtig genug sein kann, wenn der Kopf eines Mannes auf dem Spiele steht.«

Der Abt befahl seinen Begleitern, mit Ausnahme des Unterpriors das Gemach zu verlassen.

»Vor unserm Freunde und Ratgeber, Vater Eustachius, könnt Ihr ohne Scheu sprechen. Er besitzt mein ganzes Vertrauen, und ist auch des Euern würdig.«

Sir Piercie Shafton verneigte sich vor den ehrwürdigen Mönchen, und mit einem Seufzer, der so schwer war, als wollte er ihm den Brustpanzer sprengen, begann er:

»Ich habe wohl Grund dazu, so tief zu seufzen, denn seit ich die prachtvolle Sphäre des englischen Königshofes mit einem entlegnen Winkel in dieser unzugänglichen Wüste vertauscht habe, ist mirs, als wäre ich aus dem Himmel ins Fegfeuer gekommen. Vor kurzem noch brach ich mit meinesgleichen auf dem Turnier eine Lanze, bald für die Liebe der Ehre, bald für die Ehre der Liebe – und jetzt fälle ich die Lanze gegen Landstreicher Und Diebesgesindel. Vor kurzem noch habe ich auf der lustigen Schaubühne des Hofes eine glänzende Rolle gespielt, jetzt sitze ich in einem schottischen Hundestall. Vor kurzem noch umschwebte ich die Schönheiten des englischen Thrones, jetzt muß ich mich mit der kalten Höflichkeit eines schottischen Fräuleins begnügen oder gar mich von einem Müllermädchen anstarren lassen.«

Der Abt hörte diese Reihe von Klagen verblüfft an und wußte nicht, was er darauf erwidern sollte. Der Unterprior, kam seinem Herrn, der ihn ratlos ansah, zu Hilfe und sprach:

»Wir bedauern lebhaft, Herr Ritter, die vielen Unannehmlichkeiten, die das Schicksal Euch aufgebürdet hat, doch können wir uns noch immer nicht erklären, aus welchem Grunde Ihr Euch in eine so mißliche Lage schicken müßt.«

»Ehrwürdiger Herr,« fuhr der Ritter fort, »verübelt es einem unglücklichen Menschen nicht,, wenn er ein Weilchen bei der Aufzählung seiner Leiden verweilte, wie jemand, der in einen Abgrund gestürzt ist, die Höhe mißt, von der er gefallen ist.«

»Ich meine aber doch, es wäre vernünftiger,« versetzte Vater Eustachius, »wenn er denen, die ihn aufzuheben herbeikommen, sagen wollte, welches Nein er gebrochen habe.«

»Ehrwürdiger Vater,« antwortete der Ritter, »Ihr habt da in dem kleinen Zweikampf unsres Geistes einen Meisterstoß geführt, während ich sozusagen meinen Lanzenschaft zerbrochen habe. Verzeiht, daß ich in der Sprache des Turniers rede, in der Ihr ohne Zweifel nicht bewandert seid. – Ach, das Turnier! Die köstliche Versammlung alles Edeln, Schönens und Heitern! O, Ihr himmlischen Schönheiten, die Ihr mit Euern strahlenden Augen dem Ganzen die schönste Weihe verleiht! Piercie Shafton wird nie wieder in die Bahn reiten, das Ziel Eurer bewundernden Blicke – nie wieder wird er seinen Gegner besiegen und die Ehrenrunde reiten, den Lohn empfangen, den die Schönheit der Ritterlichkeit spendet.«