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Er hielt inne, rang die Hände und sah gen Himmel, wie es schien, völlig verloren in Betrachtung seines verlornen Glückes.

Der Unterprior wußte jedoch gezierte Übertreibung von der Irrede des Wahnsinns zu unterscheiden, und er hielt denk Ritter ernstlich vor, daß der Lord-Abt eine so weite Reise, die ihn bei seinem Alter sehr angestrengt hätte, nur aus dem Beweggrunde unternommen hätte, um zu erfahren, ob er Sir Piercic Shafton helfen könne. Dies sei aber nur möglich, wenn er ihn genau darüber unterrichte, warum er in Schottland Zuflucht gesucht hätte.

»Der Tag geht zur Neige,« setzte er hinzu mit einem Blick nach dem Fenster, »und wenn der Abt ins Kloster zurückkehren müßte, ohne das, was er wissen wollte, erfahren zu haben, so wäre das allerdings für beide Teile unerfreulich; die größre Unannehmlichkeit liegt hoch wohl auf Eurer Seite, Herr Ritter.«

Dieser Wink half.

»O, Göttin der Höflichkeit,!« rief »der Ritter. »So weit habe ich Deine Gebote außer acht gelassen, daß ich die Zeit dieser ehrwürdigen Prälaten mit meinen Klageliedern vergeude. So wisset denn, ehrwürdiger Herr, ich, Euer armer Gast, bin durch Geburt dem Piercie von Northumberland verwandt, dessen Geschichte ich Euch in aller Kürze erzählen will –«

»Das ist nicht nötig,« unterbrach ihn der Abt, »wir kennen ihn als einen guten, echten Edelherrn und als tapfern Vorkämpfer unsers Glaubens. Noch gerade weil Ihr mit ihm verwandt seid, Sir Piercie Shafton, erklären wir Euch, Ihr seid uns sehr willkommen, und wir werden Euch nach Kräften beistehen, wenn wir nur erst wissen, wie.«

»Ich bin Euch für ein so liebenswürdiges Anerbieten allezeit verbunden,« antwortete Sir Piercie Shafton, »ich brauche auch für jetzt nicht mehr zu sagen, als daß mein ehrenwerter Vetter von Northumberland nach einer Unterredung mit mir und einer großen Anzahl erlesener Geister unsrer Zeit über die Frage, auf welche Weise und durch welche Maßregeln der Dienst des Herrn gemäß den Satzungen der katholischen Kirche sich in diesem, vom wahren Glauben abgefallnen Königreich England wieder einführen ließe, mich so weit in diese geheime Verbindung hineingezogen hat, daß schon dieses hinreicht, mich vogelfrei zu machen und meine persönliche Sicherheit zu gefährden. Die Prinzessin Elisabeth hat nämlich genaue Kunde von unserm Anschlag erhalten. Mein ehrenwerter Vetter hielt es nun für das Beste, daß ein einzelner für die Gesamtheit Schimpf und Schande auf sich nähme, und hierzu hat er mich erlesen. Ich habe nun diese Bürde um so bereitwilliger auf mich genommen, als mein gütiger, ehrenwerter Verwandter sich von jeher als edelsinniger Freund erwiesen hat, und als ferner mein Vermögen – ich weiß selber nicht, wie das gekommen ist – nicht mehr ausreicht, um den Aufwand zu bestreiten, zu dem wir erlesenen Geister genötigt sind, um uns einigermaßen vom Pöbel zu unterscheiden.«

»Eure Privatverhältnisse haben es Euch also nicht erlaubt,« bemerkte der Unterprior, »ins Ausland zu fliehen? Und diese mißlichen Vermögensverhältnisse sind neben der Vereitlung des Staatsstreiches der Grund, weshalb Ihr in Schottland Zuflucht gesucht habt?«

»Ihr habt den Nagel auf den Kopf getroffen,« antwortete der Höfling. »Und mit knapper Not habe ich meinen Hals vor der Schlinge gerettet. In fliegender Eile bin ich nach Norden geflüchtet, denn ich hielt es für das Beste, meinen ehrenwerten Vetter Northumberland auf einem seiner zahlreichen Schlösser zu besuchen. Bei Northallerton begegnete ich einem gewissen Vaughan, einem Bediensteten meines Vetters, welcher mir mitteilte, ich konnte bei ihm keinen Schutz finden, denn mein Vetter habe dem Befehle, der von Hofe an ihn ergangen sei, nachkommen und Haftbefehle wider mich erlassen müssen.«

»Mir scheint,« erwiderte der Abt, »Euer ehrenwerter Verwandter ist sehr grausam gegen Euch verfahren.«

»Es hat so den Anschein, Hochwürden,« entgegnete Sir Piercie, »allein ich kann für die Ehre meines Vetters von Nothumberland mit meinem Leben eintreten. Vaughan gab mir im Auftrage meines Vetters ein zuverlässiges Pferd, einen Beutel mit Gold, und zwei Grenzreiter, wie man sie nennt, als Führer, die mich nach dem Hause eines gewissen Barons – wenigstens will er für einen solchen gelten – brachten, – ich meine, in das Haus Julians von Avenel, bei dem ich Aufnahme fand. Es gab wenig zu essen dort, aber doch mußte ich beim Abschied noch ganz gut zahlen, denn dem Freiherrn gefiel mein in Silber gearbeiteter kostbarer Dolch so gut, daß mir nichts andres übrig blieb, und ich ihn, bitten mußte, ihn als Geschenk anzunehmen. Er ersparte mir die Mühe, ihn zweimal zu bitten, und steckte das wertvolle Kunstwerk sogleich in seinen schmutzigen Gürtel von Büffelleder, in welchem die edle Waffe, auf mein Wort, Hochwürden, mehr wie das Schlachtmesser eines Metzgers als wie der Dolch eines Edelmannes sich ausnahm.

Wenn ich noch länger bei ihm geblieben wäre, so hätte er mir mit allerlei Komplimenten noch den Rest meiner Garderobe abgegaunert, bis aufs Hemd hätte er mich ausgezogen, das schwöre ich Euch bei den Göttern der Gastfreundschaft! Zum Glück bekam ich einen Brief von meinem Vetter, in welchem er mir mitteilte, er habe meinetwegen an Euch geschrieben und zwei Koffer mit Kleidungsstücken an Euch geschickt, nämlich mein rotseidnes Wams mit den Goldtressen, den dazu gehörigen verzierten Gürtel, ferner zwei Paar schwarzseidne Pumphosen, ein schwarzseidnes Wams mit Pelzbesatz, ferner –«

»Herr Ritter,« unterbrach ihn der Unterprior, »erlaßt uns die weitre Aufzählung Eurer Garderobe. Die Mönche des Klosters unsrer lieben Frauen sind keine räuberischen Freiherren, und was in den Koffern an uns geschickt worden ist, ist aufs ehrlichste heute hierher geschafft worden. Gemäß dem, was Euer Vetter uns mitgeteilt hat, dürfen wir wohl annehmen, daß Ihr vorläufig, soweit es sich mit Euerm hohen Stand und Verdienst verträgt, unbekannt bleiben wollt?«

»Leider, leider, Euer Ehrwürden,« antwortete der Höfling, »eine Klinge kann nicht blitzen, so lange sie in der Scheide steckt – ein Demant kann nicht leuchten, so lange er in der Schatulle liegt, so kann auch das Verdienst, das durch die Verhältnisse gezwungen ist, sich selbst unter den Scheffel zu stellen, die Augen der Welt nicht auf sich lenken.«

»Ich zweifle nicht, hochwürdiger Herr und Vater,« sagte der Unterprior, »daß Ihr in Eurer Weisheit Mittel und Wege finden werdet, diesen Herrn und edlen Ritter in Sicherheit zu bringen, ohne dabei unsre Brüderschaft zu gefährden, denn es ist Euch ja bekannt, daß in diesen abenteuerlichen Zeiten schon Schritte getan worden sind, alle kirchlichen Stiftungen zu vernichten. Wir sind, wenn uns auch schon mehrfach gedroht worden ist, bisher immer mit einem blauen Auge davon gekommen, aber unter den jetzt am Hofe der Königin herrschenden Verhältnissen werden sich diese Verhältnisse sicher noch verschlimmern.«

»Hochwürdiger Herr,«, fiel ihm Piercie Shafton ins Wort, »während Ihr über diesen Punkt beratet, will ich Euch von meiner Gegenwart befreien, denn es liegt mir sehr viel daran, zu erfahren, in welchem Zustande meine Garderobe hier angekommen ist, und ob sie etwa unter der Reise hierher gelitten hat. Denn es sind vier Anzüge von feinstem Stoff und geschmackvollstem Schnitt dabei, außerdem sind meine gestickten Hemden darunter – Ihr werdet sicher verzeihen, wenn ich sogleich nachsehe, wie es damit steht.«

Mit diesen Worten verließ er das Zimmer, und der Unterprior warf ihm einen vielsagenden Blick zu und flüsterte: »Wo Dein Schatz ist, da ist auch Dein Herz.«