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Heut ist der Tag, das Volk der Feen

Klagt, daß ihm kein Trost erscheint.

Die Waldmaid stöhnt im Windeswehn,

Die Meermaid in der Grotte weint:

An diesem Tag ward ein Werk vollbracht,

Doch haben wir nicht teil daran:

Den Kindern des Staubs ward Erlösung gebracht,

Doch für Meer- und Luftvolk ist nichts getan;

Und um die Menschen ist es geschehn,

Die uns am Freitagmorgen sehn.

»Geist,« sagte Halbert Glendinning kühn, »es nutzt nichts, daß man einem droht, dem nichts mehr an seinem Leben liegt. Dein Zorn kann nur töten, aber ich glaube, Du wirst Deine Gewalt nicht so weit anwenden. Der Schrecken, mit dem Euer Geschlecht sonst die Menschen erfüllt, hat auf mich keine Wirkung. Verzweiflung hat mein Herz gegen Furcht gestählt. Wenn mein Geschlecht in der Tat, wie Deine Worte es andeuten, dem Himmel mehr wert ist als das Deine, nun, so kommt es mir zu, zu fragen, und Du hast zu antworten; denn ich bin das edlere Wesen.«

Als er diese Worte sprach, sah die Erscheinung ihn wild und zornig an, und ihre Züge verzerrten sich sonderbar. Ihre Augen wurden kleiner und glühten feuriger, leise Zuckungen gingen über ihre Zuge, und die ganze Erscheinung glich jenen Wahngebilden, die eine durch Opium erhitzte Phantasie vorgaukelt, und die, so schön sie zuerst auch waren, bald, ohne daß wir es hindern können, in das Bizarre und Abenteuerliche ausarten.

Allein, als Halbert zu Ende gesprochen hatte, stand die weiße Frau wieder so starr und wehmütig vor ihm, wie er sie zu sehen gewohnt war. Er war darauf gefaßt, daß die Gestalt in ihrem Zorne sich zu irgend einem grausigen Ungeheuer verwandeln würde, aber die Geistin kreuzte nur die Arme über die Brust und entgegnete:

Kühner Jüngling, es ist Dein Glück,

Daß unter meinem Zornesblick

Dein Herz nicht zagte,

Dein Mut nicht versagte;

Es ist Dein Glück,

Daß Du trotztest dem zornigen Blick

Der Maid von Avenel!

Hättst Du furchtsam Dich geduckt,

Hätte die Wimper Dir gezuckt,

Ja, das leiseste Beben,

Es kostete Dir das Leben!

Und bin ich gebildet aus Aetherblau,

Und ist mein Blut ungefallner Tau,

Und bist Du geschaffen aus Staub allein,

Ist Dein doch die Frage, die Antwort mein.

»Nun denn, so frage ich Dich,« begann der Jüngling, »sind meine Empfindungen und meine Bestrebungen so verwandelt worden, daß mir nichts mehr an der Jagd, an Hund und Bolzen gelegen ist, daß die Grenzen dieses Tales meiner Seele zu enge sind, daß mir das Blut siedend den Kopf durchbraust bei den kränkenden Worten eines Menschen, hinter dessen Pferd ich vor wenigen Tagen noch einen ganzen Vormittag hergelaufen wäre, um zu meiner Freude von einem so stolzen Ritter eines Wörtleins gewürdigt zu werden? Warum treibt es mich jetzt, mich zu Rittern, Fürsten und Edeln zu gesellen? Bin ich noch derselbe, der gestern noch in selbstzufriednem Dünkel verschlafen dahin lebte, und heute vor Ruhmsucht und Ehrgeiz mich nicht zu halten weiß? Sprich, wenn Du kannst – sage mir, was bedeutet diese gänzliche Umgestaltung? Stand ich bis jetzt unter dem Banne eines Zauberwortes, daß ich mich als ein andres Wesen empfinde, und daß ich trotzdem weiß, ich bin noch derselbe, der ich gewesen bin? Sprich! ist diese Verwandlung auf Deinen Einfluß zurückzuführen?«

Die Weiße Frau entgegnete:

Ein höherer Zauberer ist es fürwahr,

Der mächtig alle Welt umfaßt;

Sein ist im Wolkenmeer der Aar,

Die Taube auf dem grünen Ast.

Stets wandelbar, doch hoch und hehr,

Lenkt er die Herzen nach Begehr,

Zu Heil, zu Unheil hin und her

In Hütte und Palast.

»Rede nicht so unklar und dunkel!« sagte der Jüngling, dessen Antlitz, Nacken und Hände von tiefer Röte übergossen waren. »Sprich Deine Meinung deutlich und verständlich aus.«

Der Geist antwortete:

Frage Dein Herz, dessen innerste Zell'

Voll ist von der Jungfer von Avenel!

Frage, was Deinen Stolz verletzt,

Wenn Marys Blick gering Dich schätzt.

Frage, warum Du Dich erhebst,

Nur nach Macht und Wissen strebst.

Hassest Deinen niedern Stand

Und verschmähst den alten Tand;

Warum Du im blut'gen Streit

Tod suchst oder bessre Zeit?

Frag' Dein Herz, das sagt Dir schnell,

Seufzend aus geheimer Zell':

s' ist um die Jungfer von Avenel.

»Sage mir also,« erwiderte Halbert, dessen Wangen noch immer hoch gerötet waren, »da Du mir Dinge gesagt hast, die ich mir selbst nicht zu sagen getraut hatte, wie soll ich meiner Leidenschaft Herr werden? wie soll ich sie entdecken?«

Die weiße Frau antwortete:

So darfst Du nicht fragen!

Ich weiß nichts zu sagen;

Wohl schaun wir zu, wie nimmer ruht

Der Leidenschaften Ebb' und Flut;

Schaun Euren alten Flittertanz,

Wie sterbliches Auge des Nordlichts Tanz;

Wenn tausend Wimpel in Flammenpracht,

Rasch streifen über die Stirn der Nacht;

Der Gaffer schaut ihr wechselnd Licht,

Doch ihren Einfluß verspürt er nicht.

»Und ist nicht, sofern sich die Menschen nicht sehr täuschen,« erwiderte Halbert, »Dein eignes Geschick mit dem Geschick der Sterblichen verknüpft?«

Die Erscheinung erwiderte:

Geheimes Band hält mit den Menschenkindern

Verkettet unser zauberhaft Geschlecht,

Der Stern, der aufging über Avenels Haus,

Als Normann Ulrich sich den Namen gab,

Der Stern in seines Kreislaufs höchstem Punkt

Schoß einen Tropfen Demanttau herab,

Und dieser Born empfing ihn – –

und ein Geist entstieg der Quelle, dessen Lebenszeit

Von gleicher Dauer ist mit Avenels Haus

Und dessen Leitstern.

»Sprich etwas deutlicher!« erwiderte der junge Glendinning, »davon verstehe ich nichts. Sag mir, was hat Deine zauberhafte Schicksalskette an das Haus Avenel geschmiedet? Sag mir vor allem: Welches Los ist diesem Hause beschieden?«

Die weiße Frau antwortete:

Schau meinen Gürtel, diesen Faden Gold,

Dünn ist er, wie die reinste Sommerwebe,

Und hält nicht mehr, kraft eines Zauberspruchs,

Die Falten meines Kleids, wie fein sie sind.

Als schwere Kette wand ich einst ihn um,

Die jenen Judenkämpfer fesseln konnte,