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»Auf solch seltsame Erzählung, Herr Ritter, kann ich nichts weiter sagen,« antwortete der Unterprior, »als daß es wohl kaum jemand zugemutet werden kann, sie zu glauben.«

»Ehrwürdiger Vater,« erwiderte der Ritter, »ich bitte zuvörderst gelten zu lassen, daß ich mich auf eine nochmalige Erörterung dessen, was ich bereits als wahrhaftig verbürgt habe, nur eingelassen habe aus geziemender Rücksicht auf Eure Ordenstracht, und daß ich vor niemand anders als einem Geistlichen oder einer Edeldame oder meinem Landesfürsten einmal Bezeugtes anders als mit der Spitze meines Schwertes bekräftigen würde. Nach dieser Erklärung habe ich bloß noch hinzuzufügen, daß ich meine Ehre als Edelmann und als katholischer Christ zum Pfande dafür setze, daß die Dinge sich genau so zugetragen haben, wie ich sie Euch erzählt habe, und kein Jota anders.«

»Das ist gewiß eine feierliche Versicherung, Herr Ritter,« antwortete der Unterprior, »bedenkt aber, daß es doch immer nur eine Versicherung ist, und daß Ihr keinen einzigen Grund dafür nennen könnt, daß man Dinge für wirklich annehmen soll, die aller Vernunft so gerade entgegengesetzt sind. War das Grab, das man auf Eurem Kampfplatze antrifft, bedeckt oder offen?«

»Offen,« versetzte Sir Piercie, »ich bin dessen so gewiß, wie wenn ...«

»Laßt, bitte, alle Gleichnisse beiseite und gebt acht! Gestern abend war dort noch kein Grab vorhanden, denn der alte Martin ist zufällig auf der Suche nach einem verirrten Schafe, dort vorbeigekommen. Bei Tagesanbruch dagegen ist, nach Eurer Aussage, das Grab ausgeschachtet gewesen, dann hat ein Zweikampf stattgefunden, nur einer der beiden Kämpfer kommt wieder zum Vorschein, und der ist mit Blut befleckt und dem Anschein nach verwundet –-« hier machte Sir Piercie eine Gebärde der Ungeduld – »Nur einen Moment noch, bitte!« sagte der Unterprior, »das Grab ist voll geschüttet, mit Rasen bedeckt ... was läßt sich da anders annehmen, als daß es den Leichnam des andern Kämpfers aufgenommen habe?«

»Unmöglich, beim Himmel, ganz unmöglich!« rief der Ritter, »es müßte denn sein, daß der Jüngling sich selbst umgebracht und in das Grab gebettet habe; um mich als seinen Mörder zu brandmarken.«

»Das Grab soll nachgesehen werden, sobald der Tag graut,« sagte der Mönch. »Ich selbst will es in Augenschein nehmen.«

»Nachdem ich nun hiermit Euer Ehrwürden,« nahm der Schönredner wieder das Wort, »einen vollständigen und ungekünstelten Bericht über alles gegeben habe, was mir in dieser Angelegenheit bekannt ist, überlasse ich es Eurer Weisheit, dasjenige daraus zu entnehmen, was Euch nützlich und verwendbar zu sein scheint. Ich selbst gedenke morgen in aller Frühe mich nach Edinburg zu begeben.«

»Ich bedaure, Herr Ritter,« erwiderte hierauf der Mönch, »Euren Plan stören zu müssen, aber es ist nicht gut möglich, ihn zur Ausführung zuzulassen.«

»Wie, ehrwürdiger Vater?« rief der Ritter mit der Miene des höchsten Erstaunens, »wenn ich es mir vorgenommen habe abzureisen, dann wird es Wohl möglich sein müssen, zu reisen!«

»Ich wiederhole, es wird nicht möglich sein, Euch diesen Plan ausführen zu lassen, so lange wenigstens nicht, bis über die Entscheidung des Lord-Abtes das Nähere bekannt geworden ist.«

»Ehrwürdiger Herr,« rief der Ritter, eine Miene höchster Würde annehmend, »ich bin dem Lord-Abt gewiß auf das tiefste verpflichtet, aber in diesem Falle habe ich mit seinem liebwerten Willen nicht das geringste zu schaffen, sondern bin einzig und allein gesonnen, mich nach meinem und nicht nach seinem Willen zu richten.«

»Bitte um Verzeihung,« versetzte der Unterprior, »dem Lord-Abt in dieser Angelegenheit vorzugreifen ist durchaus unzulässig.«

Sir Piercie Shafton wurde blutrot.

»Was?« rief er, »Euer Ehrwürden wollen mich um des eingebildeten Todes eines gemeinen Grobians willen in meiner Freiheit beschränken, mich, einen Verwandten des ritterlichen Geschlechtes der Piercie Shafton?«

»Herr Ritter,« erwiderte der Unterprior höflich, aber fest, »Eure hohe Abkunft wird Euch in diesem Falle so wenig nützen, wie Euer wieder aufsteigender Zorn. Ihr hättet hier nicht Zuflucht suchen sollen, wenn Ihr hier bloß Blut vergießen wolltet wie Wasser.«

»Ich sage Euch nochmals, daß kein Blut vergossen worden ist,« rief Sir Piercie, »außer meinem eignen.«

»Den Beweis hierfür seid Ihr uns aber noch schuldig geblieben,« antwortete der Prior, »und wir von der Klosterbrüderschaft zu Sankt Marien von Kennaqhueir sind nicht gewohnt, schöne Redensarten für das Leben unsrer Vasallen in Tausch zu nehmen.«

»Und wir vom Hause Piercie Shafton lassen uns weder Drohungen bieten, noch fügen wir uns Zwangsmaßregeln. Ich wiederhole hiermit, daß ich morgen abreisen werde, geschehe, was wolle!«

»Und ich dagegen,« versetzte der Unterprior im gleichen entschiednen Tone, »erkläre hiermit, daß ich Eure Reise verhindern werde, geschehe, was wolle!«

»Wer will mich abhalten,« rief der Ritter, »wenn ich mir den Weg mit Gewalt bahne?«

»Ihr werdet klug tun,« erwiderte der Mönch gefaßt, »Euch erst reiflich zu überlegen, was Ihr tut, bevor Ihrs tut, denn es fehlt im Klostersprengel nicht an Männern, die ihre Rechte gegen jeden, wahren, der sie anzutasten wagt.«

Bei diesen Worten klatschte er in die Hände und rief mit lauter Stimme. Sogleich trat Edward ein in Begleitung von zwei jungen Männern, die sich zufolge seiner Nachricht bereits wohlbewaffnet eingefunden hatten.

»Edward,« redete der Unterprior ihn an, »Du wirst den englischen Ritter in diesem Räume hier mit anständiger Kost für die Nacht versorgen, und ihn im übrigen so behandeln, wie wenn nichts vorgefallen wäre. Aber Du wirst scharfe Wache halten, daß er nicht entkommt. Und sollte er versuchen, Dir Widerstand zu leisten, dann kämpfe mit ihm auf Leben und Tod; doch darfst Du ihm in keinem andern Falle, so gewiß Dich die Verantwortung dafür trifft, ein Haar auf seinem Haupte krümmen.«

»Ihr seid mir in jeder Hinsicht ein Vater gewesen, ehrwürdigster Herr,« sagte Edward Glendinning, »und kennt mich gut genug, um zu wissen, daß meine Hand lieber nach dem Buche griff als nach dem Schwerte, und daß der rasche, kühne Geist mir mangelt, welcher das Eigentum mei ...« hier stockte seine Stimme, er schwieg eine Weile, dann fuhr er entschlossen und mit Heftigkeit fort: »Ich wollte sagen, daß ich meinem Bruder nicht gleichkam an Mut und Kühnheit; aber Halbert ist nicht mehr, und ich stehe nun an seiner Statt und meines Vaters Statt als sein Nachfolger in allen seinen Rechten«, – bei diesen Worten sprühten seine Äugen voll Feuer – »und halte mich für verpflichtet, diese Rechte zu wahren und zu schützen, genau so, wie er es getan hätte. Darum bin ich jetzt ein anderer Mensch, ein Mensch, beseelt von höherm Mute und ausgestattet mit bessern Rechten und Ansprüchen. Und als solcher Mensch, ehrwürdiger Vater, erkläre ich Euch, achtungsvoll aber entschieden und unumwunden: hat dieser Mann meines Bruders Blut vergossen, so soll er dafür büßen, denn Halbert soll nicht vernachlässigt in seinem Grabe schlummern, als wäre mit ihm der Geist meines Vaters für immer entwichen. In meinen Adern rollt sein Blut nicht minder, und so lange Halberts Blut ungerochen ist, so lange wird auch das meinige sich nicht beruhigen. Geduldig will ich den Urteilsspruch des Abtes und der Klosterschaft erwarten und mich bescheiden, wenn sie gerecht am Andenken meines Bruders handeln. Trifft solche Voraussetzung aber nicht zu, dann habe auch ich ein Herz und eine Hand, um solche Irrung zu berichtigen. Denn wer in die Erbfolge meines Bruders tritt, der muß auch seinen Tod rächen.«