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»Wie, Bursche,« rief Morton, »Du wolltest Dich erfrechen, einem Edelmanne Trotz zu bieten?«

»Halbert, still!« kam ihm Murray zuvor, »und Ihr, Mylord von Morton, seht ihm die heftigen Worte nach! Ich sehe ihm die Wahrheit auf der Stirn geschrieben.«

»Ich wünschte, was drin im Buche steht, möchte mit der äußern Aufschrift im Einklange stehen. Nehmt Euch in acht, Mylord, durch Euer allzu großes Vertrauen werdet Ihr Euch noch mal selbst ums Leben bringen.«

»Und Ihr durch Euern Argwohn um Eure Freunde!« erwiderte Murray.... »Doch genug davon! laßt mich hören, was Ihr zu melden habt.«

»Sir John Foster,« berichtete Morton, »steht im Begriff, Truppen nach Schottland zu senden, mit dem Befehle, das Liebfrauenkloster zu verwüsten.«

»Ohne auf meine Einwilligung und Anwesenheit zu warten?« rief Murray. »Wie? will er in das Land unserer Königin als Feind einfallen?« »Ja, auf ausdrücklichen Befehl der Königin Elisabeth, und die läßt bekanntlich nicht mit sich spaßen!« versetzte Morton; »von seinem Einmarsch ist schon mehrmals während unsers Hierseins die Rede gewesen, er ist aber immer wieder aufgegeben worden und hat jetzt in Kennaqhueir keinen geringen Schrecken verursacht. Der alte Abt ist zurückgetreten, und wen, meint Ihr wohl, haben sie an seiner Statt zum Abt erhoben?«

»Natürlich keinen,« erwiderte Graf Murray. »Bevor man dort nicht meinen Willen und den Willen der Königin kennt, wird man sich solcher Wahl nicht erfrechen.«

Earl Morton zuckte die Achseln.

»Den Zögling des alten Kardinals Beatoun hat man gewählt, den pfiffigen, resoluten Kämpen Roms, den Busenfreund unsres tätigen Primas von Sankt Andreas, der bis jetzt Unterprior von Kennaqhueir war. Jawohl, Eustachius ist jetzt Abt von Kennaqhueir, und gleich einem andern Papste Julius hebt er Leute aus und schickt sich zum Kampfe mit Foster an, falls er wirklich einrücken sollte.«

»Solchem Zusammenstoße müssen wir zuvorzukommen suchen,« erwiderte Graf von Murray hastig, »denn welcher der beiden Teile auch das Feld behielte, immer wäre es für uns eine unangenehme Sache. ... Wer ist Befehlshaber über die Truppen des Abtes?«

»Kein andrer, als unser alter, getreuer Freund Julian Avenel,« antwortete Morton.

»Glendinning,« sagte Murray, »laß schleunig zum Aufsitzen blasen! Alle, die es ehrlich mit uns meinen, sollen sich ohne Verzug aufmachen. Jawohl, Mylord, wir stecken in einer recht mißlichen Klemme. ... stellen wir uns auf die Seite unsrer englischen Freunde, so laden wir Schimpf auf uns vor dem ganzen Lande, und zu solcher Handlung dürfen wir nicht schreiten. Zumal meine Schwester, deren Vertrauen ich kaum gewonnen habe, mir darüber höchst ungnädig werden dürfte. ... Leisten wir hingegen dem englischen Grenzwächter Widerstand, so müssen wir damit rechnen, daß uns dies Elisabeth als eine Begünstigung ihrer Feinde auslegen dürfte, und das ist für uns in keinem geringern Grade gefährlich.«

»Die Dame ist freilich wohl die beste Karte in unserm Spiel,« bemerkte Morton, »und doch würde ich nicht ruhig mit zusehen, wenn englische Klingen in schottisches Fleisch hauen wollten. Ich meine fast, wir täten am klügsten, ruhig unsre Straße zu ziehen, indem wir so tun, als könnten unsre Gäule auf den Hundswegen nicht recht vom Flecke. Mögen sie dann sich verhauen, so viel sie wollen, uns kann dann wenigstens von keiner Seite ein Vorwurf treffen, denn wir haben nichts davon gewußt und sind auch nicht dabei gewesen.«

»James Douglas,« erwiderte Murray, »dann würden wir beide Teile einbüßen. Nein, besser, wir rücken mit äußerster Schnelligkeit vor und suchen auf alle Weise den Frieden zwischen beiden Parteien zu erhalten. Hätte der Klepper, der diesen Piercie Shafton über die Grenze trug, bloß den Hals gebrochen! der vermaledeite Hanswurst ist gerade der Kerl danach, alles durcheinander zu wühlen und womöglich gar es zu einem Bürgerkriege zu bringen.«

»Hätten wirs beizeiten erfahren, daß der Kerl über die Grenze wollte,« meinte Douglas, »so hätten wir ihm dort heimlich aufgepaßt und ihn beizeiten um die Ecke gebracht! An Kerlen, die dazu bereit gewesen waren, fehlts doch im Lande nicht! Aber nun aufgesessen, James Stuart! Die Trompeten schmettern. Wir werden bald sehen, wessen Klepper den besten Atem hat!«

Die beiden mächtigsten Barone des Landes setzten sich an die Spitze des aus 300 Mann bestehenden Zuges, um nach Dumfries und von da nach Teviotdale zu reiten, und zwar in solcher Eile, daß an die hundert Pferde zu Falle kamen, und sie knapp 200 Mann noch stark waren, als sie sich dem Platze näherten, wo sich der Zusammenstoß der beiden feindlichen Truppenteile erwarten ließ.

Etwa sechs bis sieben Meilen mochten sie noch von dem Liebfrauenkloster entfernt sein, als ihnen ein Edelmann, den Graf Murray, weil er auf seine Einsicht rechnen zu dürfen meinte, zu sich entboten hatte, mit ein paar Dienern in gestrecktem Galopp ihnen entgegengesprengt kam. Er kam mit der Meldung, daß Foster, nachdem er wiederholt mit seinem Einfalle gedroht hatte, sich über die Kunde, daß Piercie Shafton sich unverhohlen im Klosterbezirk zeige, so ergrimmt habe, daß er die Befehle seiner Königin, die Grenze nicht zu respektieren, um deswillen schon auszuführen willens sei, um sich der Person dieses versäumten Schwätzers zu bemächtigen und den Patron endlich unschädlich zu machen. Der Abt hatte einen Kriegertrupp zusammengebracht, dessen Zahl sich mit derjenigen der Engländer wohl messen könne, wenn er anderseits auch nicht kriegstüchtig sei. Den Befehl habe Julian Avenel übernommen. Wie man allgemein annähme, würde es am Ufer eines kleinen Flusses, der die Grenze des Klostergebiets bilde, zum Zusammenstoße kommen.«

»Wer kennt diesen Platz?« fragte Murray.

»Ich, Mylord,« erwiderte Glendinning.

»Gut,« beschied ihn der Graf, »nimm Dir zwei Dutzend der besten Reiter mit und eile dorthin! Sage beiden, ich sei unterwegs mit einer großen Streitmacht und würde jeden ohne Gnade und Barmherzigkeit über die Klinge springen lassen, der den ersten Streich führen sollte. Davidson,« wandte er sich an den Ritter, der ihm die Meldung gebracht hatte, »Ihr bleibt als Führer bei mir. Du aber, Glendinning, tummle Dich und sage Foster, ich ließe ihm raten, wenn ihm sein Dienst bei der Königin Elisabeth lieb sei, mir nicht in den Kram zu pfuschen. Dem Abte dagegen tue kund und zu wissen, daß ich ihm den roten Hahn auf sein Klosterdach setzen lasse, wenn er sichs einfallen lassen sollte, loszuschlagen, ehe ich an Ort und Stelle wäre. Dem Hund Avenel aber bestelle, er hätte nun schon so, viel auf dem Kerbholz bei mir, daß ich ihn um einen Kopf kürzer machen ließe, wenn er sich etwa erfrechen sollte, noch für weitere Kreidestriche Sorge zu tragen. Und nun los! Schone weder Sporen noch die Weichen Deines Pferdes!«

»Zu Befehl, Mylord!« rief Glendinning und sprengte von dannen.

Noch hatte er mit seinem kleinen Kommando nicht die Hälfte des Weges zurückgelegt, als ihm ein paar Leute entgegenkamen, die einen dritten schleppten, der schwer verwundet sein mußte, Halbert erkannte Klostervasallen in ihnen und rief sie an. Aber im selben Augenblick glitt der Verletzte zur Erde, und die andern beiden stiegen ab, um dem Sterbenden die letzte Tröstung zu spenden, und so konnte Halbert nichts von ihnen vernehmen. Er sprengte weiter, und mit um so größerer Hast, als er jetzt immer mehr Leute erblickte, die das Sankt Andreas-Kreuz auf Sturmhaube und Harnisch trugen, und allem Anschein nach, wie die drei ersten, denen er begegnet war, das Schlachtfeld geräumt hatten. Aber auch von ihnen konnte Halbert keine Kunde erlangen. Die meisten ritten dem heranziehenden Reiterhaufen aus dem Wege oder hielten sich rechts oder links in solchem Abstande, daß es nicht möglich war, sich mit ihnen zu verständigen. Aber Halbert zweifelte nun nicht länger mehr, daß die Klösterlichen in die Flucht geschlagen worden seien, und unsäglich besorgt um das Schicksal seines Bruders, der dort sicher an dem Treffen teilgenommen hatte, trieb er sein Roß zu solcher Eile an, daß kaum ein halbes Dutzend seiner Leute mit ihm Schritt halten konnte. Endlich hatte er einen Hügel erklommen, an dessen Fuße die Ebene sich erstreckte, in welcher das Treffen sich abgespielt hatte.