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In verhältnismäßig kurzer Zeit hatten sie den Hafen erreicht.

»Und nun, Obrist Talbot, lebt wohl!« sagte Waverley. »Möchtet Ihr alles nach Wunsch antreffen! Wer weiß, wir sehen uns vielleicht in nicht zu langer Zeit wieder, denn bei uns wird von einem Marsche nach England gesprochen.«

»Sagt mir nichts darüber,« wehrte ihm der Oberst, »denn ich möchte keinerlei Nachricht kriegerischer Natur von Euch mit hinweg nehmen.«

»Nun, dann ein letztes Lebewohl, Herr Oberst! Bestellt, bitte, die innigsten Grüße an Sir Everard und Tante Rachel, desgleichen, sofern Ihr Gelegenheit findet, sie auszurichten auch an meinen Vater ... und dann, Herr Oberst, gedenkt meiner mit aller Freundlichkeit, die Ihr für mich übrig habt ... und wenn es Euer Gewissen erlaubt, so sprecht auch freundlich über mich! ... Nochmals Lebewohl!«

»Lebt wohl, mein lieber Waverley, und seht zu, daß Ihr bald das Plaid los werdet, bei der ersten besten Gelegenheit, die sich Euch bietet! Ich werde Eurer immer mit Dankbarkeit gedenken, und mein herbster Tadel soll in der Phrase liegen: Que diable allait-il faire dans cette galère?« [Was zum Teufel hat er bloß bei diesem Kram zu tun im Sinne?]

Und damit schieden sie von einander.

Einundzwanzigstes Kapitel

Anfang November wurde vom Chevalier beschlossen, in das Herz von England einzumarschieren. An der Spitze von sechstausend Mann wurde das Unternehmen gewagt, trotzdem man im schottischen Lager genau unterrichtet war über die gewaltigen Vorkehrungen, die zum Empfange der Gegner von seiten der englischen Heeresleitung getroffen worden waren. Der Zug wurde begonnen bei einem Wetter, das jedem andern Heere den Vormarsch verleidet hätte; aber die harten Söhne des Gebirgs erblickten in solchem Umstande gerade einen Vorteil für sich, angesichts eines Feindes, der bei weitem weichlicher war und Strapazen bei schlechter Witterung nur mühsam ertrug. Sie hatten sich in ihren Erwartungen auch nicht getäuscht, denn es gelang ihnen, nach kurzer Belagerung Carlisle zu erobern.

Den Vortrab bildete der Clan Mac-Ivors. An der Spitze befanden sich ununterbrochen Fergus und Waverley. Der letztere war jetzt jedem Bergschotten an Ausdauer und Wetterfestigkeit gewachsen. Aber über die Tüchtigkeit ihrer Truppe waren beide sehr verschiedner Anschauung, und über die Fortschritte, die sie inzwischen errungen hatten, nicht minder. Fergus hatte bei seinem feurigen Temperament nur den einen Gedanken, daß ihn jeder Marschtag so und soviel Meilen näher nach London bringe, und war voll Zuversicht in seinen Clan gegen eine ganze Welt von Waffen. Er träumte davon, die Stuarts noch einmal auf den Thron Schottlands und Englands zu führen, und erhoffte sich von ihnen Gnaden über Gnaden.

Ganz anders sah Edward die Dinge an. Ihm als wirklichem Soldaten konnten die Mängel des Schottenheeres nicht entgehen, und als scharfem Beobachter ebenso wenig, daß in allen Ortschaften, wo »König Jakob der Dritte« ausgerufen wurde, kein Mensch »Den König segne Gott« nachrief oder sang. Der Pöbel gaffte und horchte, dumm und blöde, gab aber nur selten ein Zeichen jenes feurigen Sinnes, der ihn sonst so leicht mit fortreißt. Man hatte den Jakobiten weis gemacht, in den Gegenden des nordwestlichen Englands wimmle es von Anhängern der weißen Rose, aber von den reicheren Tories ließen sich nur sehr wenige sehen, manche flohen von ihren Landgütern, andre stellten sich krank, andre unterwarfen sich als verdächtig der Regierung. Von den übrig bleibenden entsetzten sich die Laien über das wilde Aussehen, die rauhe, ungelenke Sprache und die fremden Gestalten und Gesichter der Clansleute, und die klügeren darunter mutmaßten aus der urwüchsigen Bewaffnung, aus der zusammengewürfelten Art baldiges Scheitern der ganzen Affäre und ein Ende mit Schrecken, an dem sich auch nur im geringsten zu beteiligen der helle Wahnsinn sei. So gesellten sich bloß solche Elemente zu den Scharen der Hochländer, die entweder dumm vor Loyalität oder in ihren Verhältnissen so weit herunter waren, daß sie nichts mehr zu verlieren hatten.

Wenn der Baron von Bradwardine gefragt wurde, was er von diesen Zuzüglern hielte, so pflegte er zu sagen, nachdem er eine Prise genommen und zu den Sternen, wie um sich dort Rat zu holen, aufgeschaut hatte: »Er könne, da sie aufs Haupt den Gefährten glichen, die sich an den guten König David in der Höhle Adullam anschlossen, bloß die vorteilhafteste Meinung von ihnen hegen; videlicet, allerlei Volk, das in Schulden war, und allerlei Volk, das mißvergnügt, und allerlei Volk, das, wie es in der Vulgata steht, bittern Herzens war; »und so denke ich denn, sie werden sich handfest und tapfer erweisen und werdens wohl auch müssen, denn ich hab sie schon manchen sauren Stoßseufzer tun hören.«

Fergus jedoch kümmerte sich um keine einzige dieser Rücksichten, sondern bewunderte die herrlichen Landschaften, durch die sie der Weg führte, sowie die Lage der Landsitze, an denen sie vorbeizogen.

»Ist Waverley-Würden auch so groß wie dieses Schloß dort?« so fragte er Waverley einmal.

»Um die Hälfte größer.«

»Ist der Park Eures Oheims auch so schön wie der hier?« fragte er ihn ein andermal.

»Wohl dreimal so groß, Fergus. Sieht er doch schon mehr aus wie ein Wald, denn wie ein Park.«

»Flora wird eine glückliche Gattin werden.«

»Ich hoffe, Floras wartet noch höheres Glück, ein Glück, das mit Waverley-Würden in keinem Zusammenhang steht.«

»So hoffe ich auch. Aber Herrscherin über solchen Platz zu sein, wird doch zur Totalsumme eine kleine Ergänzung bilden.«

»Eine Zugabe, die ohne Frage, wenn sie ausbleiben sollte, auf andre Weise Ersatz finden wird.«

»Wie soll ich das deuten?« rief, kurz abbrechend, Fergus. »Hatte ich das Vergnügen, Mr. Waverley, Eure Worte recht zu verstehen?«

»Vollständig recht, Fergus.«

»Ihr wünschet also nicht länger mehr Beziehungen zu meiner Schwester zu unterhalten?«

»Eure Schwester, Fergus, hat die Beziehungen zu mir ausgeschlagen, nicht allein geradezu und unverblümt, sondern auch durch jene gang und gäben Mittel, deren sich Damen zu bedienen pflegen, wenn sie Körbe austeilen.«

»Mir ist es durchaus unbegreiflich, wie eine Frauensperson es sich einfallen lassen kann, Beziehungen von der Hand zu weisen, die der ihr vom Gesetz gestellte Vormund gutgeheißen hat, und wie in solchem Falle ein Mann sich an solche Faxe einer Frauensperson kehren kann!« rief unwillig Fergus.

»Diesen Punkt, Oberst, müßt Ihr selbst mit Eurer Schwester klar stellen, ich habe mich nicht mehr drein zu mischen, gebe aber zu, daß ich über die hierüber im Hochlande herrschenden Gepflogenheiten nicht unterrichtet bin. Was aber mein persönliches Recht angeht, mich mit einem Korbe zufrieden zu geben, ohne mich in solchem Falle um Euren persönlichen Vorteil dabei zu bekümmern, so erkläre ich Euch rundheraus, ohne übrigens der anerkannten Schönheit und Bildung Eurer Schwester im geringsten nahe treten zu wollen, daß ich die Hand der schönsten Dame und brächte sie mir die Mitgift eines Königreichs, ausschlagen würde, wenn ich sie nicht mir selbst, sondern der Fürsprache von Vormündern oder Eltern verdanken sollte.«

»Ein Engel mit der Mitgift eines Königreichs dürfte,« erwiderte mit einem Anflug von Hohn der Häuptling, »schwerlich einem Junker von ...shire aufgenötigt werden. Aber, Mr. Waverley,« fuhr er in verändertem Tone fort, »wenn auch Flora Mac-Ivor nicht über ein Königreich als Mitgift gebietet, so ist sie doch meine Schwester, und dieser Umstand ist ausreichend, sie vor jeder Behandlung zu schützen, die irgendwie nach Geringschätzung aussieht.«

»Sie ist Flora Mac-Ivor, Oberst, und das ist für mich ein weit wirksamerer Schutz, wenn ich überhaupt im stande wäre, ein Weib geringschätzig zu behandeln.«

Die Stirn des Häuptlings verfinsterte sich ganz, aber Edward fühlte sich von dem unbilligen Tone, den derselbe angeschlagen hatte, so schwer beleidigt, daß er nicht gewillt war, den drohenden Sturm durch Nachgiebigkeit zu bannen. Sie standen beide still, und Fergus schien willens, die Situation durch eine noch schärfere Aeußerung auf die Spitze zu treiben, unterdrückte jedoch, wenn es ihm auch sichtlich schwer fiel, seine Aufwallung. In dumpfem Schweigen schritten sie weiter. So ging es wohl eine Stunde lang. Dann begann Fergus die Unterhaltung wieder in andrer Tonart.