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»Obrist Mac-Ivor,« redete ihn Waverley an, ohne ihn zuvor zu grüßen, »ich muß Euch melden, daß von einem Manne Eures Clans aus einem Schlupfwinkel soeben auf mich geschossen worden ist.«

»Bis auf besagten Schlupfwinkel ein Vergnügen, das ich mir selbst bald verschaffen wollte,« antwortete Fergus. »Drum möcht es mich freun zu hören, welcher von meinen Leuten sich herausgenommen hat, mir die Vorhand zu spielen.«

»Ich stehe jederzeit zur Disposition, Oberst,« erwiderte Waverley, »und der Mann von Euch, der den Schuß auf mich abgegeben hat, ist Euer Bursche Callum-Beg.«

»Vorgetreten, Callum-Beg!« kommandierte Fergus mit Donnerstimme. »Hast Du auf diesen Mann hier geschossen?«

»Nein,« versetzte Callum-Beg trotzig, ohne zu erröten.

»Du bists gewesen,« rief Alick, der Bursche Waverleys, der von seinem Ritte zum Baron Bradwardine im tollsten Galopp wieder zurückkehrte, »ich hab Dich so deutlich gesehen, wie dort drüben den Kirchturm.«

»Du lügst,« versetzte Callum-Beg mit hartnäckiger Verlogenheit.

Der Streit wäre gewiß zwischen den beiden Burschen früher ausgebrochen als zwischen ihren beiden Herren, aber der Häuptling forderte seinem Burschen das Pistol ab. Der Hahn war herunter, Pfanne und Mündung waren schwarz von Pulverdampf; es stand also außer aller Frage, daß mit dem Pistol eben erst geschossen worden war. Mit dem Zuruf: »Hier, nimm, was Dir zukommt,« schlug Fergus dem Burschen den Knauf des Pistols über den Schädel, daß dieser wie ein Stück Holz zu Boden niederschlug.

»Stillgestanden!« donnerte Fergus seinen Clansleuten zu, »dem ersten, der es wagt, sich zwischen mich und Mr. Waverley zu drängen, schlag ich das Gehirn ein, wie dem da!«

Die Leute standen da, ohne sich zu rühren. Bloß auf dem Gesichte von Evan Dhu malte sich einiger Verdruß. Callum-Beg lag auf dem Boden in seinem Blute, aber keiner wagte die Hand für ihn zu rühren.

»Und Ihr, Mt. Waverley, werdet die Güte haben, auf zwanzig Ellen weit mit mir auf das Blachfeld vorzureiten.«

Waverley folgte dem Vorausreitenden. Als sie sich aus der Marschkolonne entfernt hatten, richtete Fergus mit affektierter Kälte das Wort an Waverley, der ihm mit stoischer Ruhe zuhörte.

»Ich konnte nicht umhin, Mr. Waverley, über Euren wunderlichen Geschmack von vorgestern Euch meine Verwunderung auszusprechen. Aber Ihr sagtet ja selbst, kein Engel hätte Reiz für Euch, wenn er Euch nicht ein Königreich als Mitgift brächte. Das ist mir eine bündige Erklärung zu diesem dunklen Texte.« »Etwas andres in Euren Worten zu finden, Oberst Mac-Ivor, als die Absicht, mich mit Gewalt zum Zweikampf zu nötigen, ist mir ein Ding der Unmöglichkeit.«

»Diese geheuchelte Unkenntnis, Mr. Waverley, soll Euch von keinem Nutzen werden. Der Prinz selbst hat mich mit Euren Manövern bekannt gemacht, aber halb und halb habe ich schon selbst gemerkt, daß Eure Beziehungen zu Miß Bradwardine der Grund zu dem Bruche mit meiner Schwester für Euch waren. Und fast will es mir scheinen, wie wenn meine Aeußerung, daß der Baron von seiner Verschrobenheit eines Mannslehns seiner Güter abgekommen sei, für Euch den Grund abgegeben habe, Euch an Miß Bradwardine heranzumachen.«

»Der Prinz soll Euch das gesagt haben? – – Unmöglich!«

»Es ist, wie ich sage, Herr! Darum zieht blank und schlagt Euch mit mir, es sei denn, Ihr entsagtet Euren Ansprüchen an die Dame in aller Form.«

»Das ist ja bare Tollheit,« rief Waverley, »oder eine schrecklicher Irrtum.«

»Keine Ausflüchte!« schrie der Häuptling, wie rasend vor Grimm, »zieht blank!« und legte sich in Kampfstellung. »In solchen Kampf soll ich mich einlassen?«

»Es sei denn, Ihr entsagtet all Euren Ansprüchen auf Miß Bradwardine für jetzt und immer!«

»Welches Recht habt Ihr zu solcher Sprache gegen mich?« fragte Waverley, der seiner ganzen Ruhe verlustig ging, »Ihr oder jemand sonst auf Erden!« und auch sein Schwert flog aus der Scheide.

In diesem Augenblick sprengte der Baron von Bradwardine heran, in Begleitung einiger Herren aus seinem Zuge. Als der Clan Mac-Ivor seiner ansichtig wurde, setzte er sich auf der Stelle in Bewegung, um seinen Häuptling zu decken, und nun begann ein Auftritt, dem an einem blutigen Ausgange fürwahr wenig zu fehlen schien. An die hundert Zungen gerieten auf einmal in Bewegung. Der Baron hielt eine Vorlesung, der Häuptling ritt auf und ab, die Hochschotten schrien gälisch durcheinander, die Reiter fluchten in ihrem schottischen Platt dazwischen. Endlich kam die Sache so weit, daß der Baron drohte, auf den Clan einhauen zu lassen, worauf die Clanleute damit antworteten, daß sie die Gewehre anschlugen. Der Wirrwarr wurde immer schlimmer, als sich plötzlich ein neues Geschrei erhob.

»Platz! Platz!«

Und mit einem Haufen Fitz-James'scher Dragoner, der seine Leibwache bildete, erschien der Chevalier auf dem Platze. Seine Ankunft schuf einigermaßen Ordnung. Die Hochländer bildeten wieder Rotten, die Reiter schlossen sich zur Schwadron, und der Baron wie auch der Häuptling verhielten sich ruhig.

Nachdem er von der Ursache zu dem Auftritt Kenntnis genommen, befahl er, daß Callum-Beg dem Generalprofoß übergeben werde, wogegen aber der Häuptling sogleich protestierte, weil das einen Eingriff in seine patriarchalischen Rechte bedeute. Dagegen anzustoßen, erschien dem Prinzen als unpolitisch, er überließ also den Verbrecher dem Gerichte seines Clans.

Nunmehr verlangte der Prinz die Gründe zu hören, die zu der Fehde zwischen Waverley und Fergus geführt hätten. Hier aber zeigte es sich, daß die Anwesenheit des Barons für die beiden jungen Männer ein undiskutierbares Hindernis war, sich auszusprechen. Beide senkten betreten den Blick zu Boden. Der Prinz aber erachtete die Wiederherstellung eines guten Einvernehmens als unerläßliches Bedingnis. Erzogen zwischen den mißvergnügten, ständig unter Intrigen lebenden Hofleuten von Saint-Germain, machte es ihm keinerlei Schwierigkeit, ein hierfür geeignetes Mittel ausfindig zu machen. »Monsieur de Beaujeu!« rief er.

»Monseigneur!« antwortete ein schneidiger junger Kavallerieoffizier aus seinem Gefolge.

»Stellt die Gebirgsleute wieder in richtige Formation,« befahl er ihm auf französisch, »und die Kavallerie desgleichen, Euch ist ja das Englische so geläufig, daß es Euch keine Mühe machen wird.«

»Ah, pas du tout, Monsieur, pas du tout« [Durchaus nicht, mein Herr], antwortete der Graf von Beaujeu, das Haupt bis auf den Hals seines kleinen, trefflich zugerittnen Pferdes beugend, und sprengte, wiewohl er kein Wort Gälisch und sehr wenig Englisch verstand, munter und zuversichtlich an die Spitze von Mac-Ivors Clan.

Der Clan, mehr aus den Gesten als aus den Worten schließend, um was es sich drehte, stellte sich eiligst in Reih und Glied.

»Ah, das haben Sie gemacht serr gut! serr gut!« rief der Graf von Beaujeu, »wilde Herren sein das, aber gemacht serr gut, serr gut!« Dann wandte er sich zu den Reitern, »Gentilshommes! Sie wollen wenden Ihre visages auf die Seite rechts! so! auch Sie haben gemacht diese évolution serr gut! fort bien, fort bien! ... und nun par file [Schließt Euch in Reihen], was soviel soll sein wie in Gliedern! ... Marsch, marsch! Mais très bien cela, très bien, Messieurs! Marsch, marsch! Sie haben gemacht Ihr Marsch, marsch auch serr gut! serr gut! Sie sind alles brave Leute, serr brave Leute!« Dann aber trat ein Intermezzo ein. Es war ein Mann von der Bradwardine'schen Schwadron gestürzt ... Ah, par foi, Messieurs! ick doch nicht haben gesagt »absitzen!« ... ick sein in Furcht, der dicke, fette Herr haben sich serr wehe getan! – Ah, mon Dieu, c'est le Commissaire, qui nous a apporté les premi res nouvelles de ce maudit fracas. Je suis trop fâché, Monsieur, [Ach du mein Gott! das ist ja der Herr Kommissär, der die ersten Nachrichten von diesem vertrackten Spektabel hergebracht hat. Ich bin zu sehr betrübt, mein Herr.] daß Euch hat müssen passieren so was!«