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Der arme Schösser Macwheeble, der jetzt mit einem mächtigen Säbel an der Seite und einer weißen Rose am Busen von der Größe eines Pfannkuchens bei der Armee des Prinzen als Kommissarius figurierte, war in dem Durcheinander, das bei den Reitern entstanden war, um schnell an die Seite des Prinzen zu gelangen, von seinem Klepper gepurzelt und kroch nun, unter dem allgemeinen Gaudium der Reiterei, mit lahmer Schulter zum Nachtrabe hinter.

»Eh bien, Messieurs, bitte, schwenken Sie doch rechts!.... Ei, das haben Sie gemacht auch wieder serr gut, serr gut!« Und dann wandte er sich selbst um zu dem Baron von Bradwardine ... »Eh bien, Messieurs, ick bitten sich zu setzen an die tête de votre régiment! denn ick sein maintenant ganz marode, ganz marode!«

Wem Baron von Bradwardine blieb nichts weiter übrig, als sich dem Wunsche des Grafen von Beaujeu zu fügen, nachdem dieser mit seinem bißchen Englisch vollständig zu Rande war. Aber der Zweck, den der Chevalier verfolgt hatte, war erreicht. Die Gedanken der Soldaten von beiden Heerhaufen waren aus dem brausenden Kanale, in den sie sich verrannt hatten, in ein andres Bett abgeleitet worden.

Der Prinz war kaum allein mit den beiden jungen Kampfhähnen, so wandte er sich mit den Worten an sie:

»Hätte ich Eurer uneigennützigen Freundschaft nicht so außerordentlich viel zu verdanken, wie es tatsächlich der Fall ist, so wäre das wohl eine Veranlassung, recht ungehalten auf Euch zu sein darüber, daß Ihr solch ungebührliche, grundlose Verwirrung angerichtet habt in einem Augenblicke, wo der Dienst meines Vaters mit solcher Entschiedenheit die vollkommenste Eintracht fordert. Aber das ist nun einmal das Unglück in meiner Lage, daß meine besten Freunde die Freiheit zu haben meinen, um der geringsten Capricen willen sich selbst und die Sache, der sie sich geweiht haben, ins Verderben zu stürzen.«

Die beiden jungen Männer erklärten sich bereit, dem Prinzen die Entscheidung zu überlassen.

»Ich wüßte nicht, welches Verschulden mich treffen sollte,« sagte Edward Waverley. »Ich habe den Obrist Mac-Ivor lediglich in der Absicht aufgesucht, ihm von dem auf mich versuchten Meuchelmord Kenntnis zu geben. Daß er sich anders als mißbilligend darüber äußern und dazu stellen werde, konnte ich nicht erwarten. Und was der Grund zu offner Fehde ist, die er mir ankündigt, so kann ich mir nicht anders denken, als daß es irgend welche ungerechte Anschuldigung, eine Dame betreffend, sein müsse.«

»Sollte hier etwa ein Irrtum obwalten,« sagte der Häuptling, »so ist er einer Unterhaltung entsprungen, die ich heut morgen mit königlicher Hoheit zu führen die Ehre hatte.«

»Mit mir?« wiederholte der Chevalier, »wie kann mich Oberst Mac-Ivor so mißverstehen?« Er führte Fergus beiseite und sprach etwa fünf Minuten lang mit ihm. Dann sprengte er wieder zu Edward.

»Ists möglich, Mr. Waverley,« rief er – »aber reitet doch heran, Oberst Mac-Ivor – – ists möglich, daß ich mich darin geirrt habe, Euch für einen Verehrer von Miß Bradwardine zu halten?... Ich war, wenn auch nicht infolge direkter Benachrichtigung von Euch, meiner Sache doch so gewiß, daß ich heute morgen in dem Gespräch mit Vich-Ian-Vohr geäußert habe, Euer neues Verhältnis müsse doch alle früheren Beziehungen zu Damen unhaltbar machen.«

»Königliche Hoheit müssen hier auf Umstände gefußt haben,« sagte Waverley, »die mir vollständig unbekannt sind, wenn mir Dieselben die Ehre erweisen, mich für einen Bewerber, noch dazu einen begünstigten Bewerber um die Hand von Miß Bradwardine zu halten. Die Ehre, die in solcher Auszeichnung liegt, weiß ich vollkommen zu würdigen, aber Anspruch habe ich nicht darauf.«

Der Chevalier schwieg einen Augenblick, blickte beiden fest ins Auge, dann sagte er:

»Auf mein Wort, Mr. Waverley, Ihr seid der Glückliche nicht, für den ich Euch halten zu sollen meinte. Aber gestattet mir nun, meine Herren, in dieser Angelegenheit Schiedsrichter zu sein, nicht als Prinzregent, sondern als Karl Stuart, als Ihr Kampfgenosse in der gleichen gerechten und kühnen Sache. Ich bitte, laßt meine Ansprüche jetzt ganz außer acht und richtet Euer Augenmerk einzig und allein auf Eure Ehre, und ob es gut und förderlich sein kann, unsern Feinden den Vorteil und unsern Freunden das Aergernis zu schaffen, daß wir, sogar bei unsrer geringen Stärke, nicht einmal die Einigkeit zu wahren vermögen. Erlaubt mir sodann noch den weitern Hinweis, daß die Namen der beiden Damen auf höhere Achtung unserseits Anspruch zu machen haben, als daß wir sie zu einem Gegenstande der Zwietracht zwischen uns machen sollten.«

Er nahm Fergus von neuem beiseite und sprach eine Weile mit ihm. Sodann wandte er sich zu Waverley und sagte, er meinte nun, den Oberst Mac-Ivor überzeugt zu haben, daß er sich in einem Irrtum befunden habe, wozu er selbst die bedauerliche Ursache gewesen sei. »Euch, Mr. Waverley, halte ich für einen zu edlen Charakter, als daß Ihr in Euren Erinnerungen etwas von dem beklagenswerten Vorfalle nachtragen könntet, wenn ich Euch jetzt die Versicherung gebe, daß es sich in der Tat so verhält, wie ich Euch gesagt habe.... Euch dagegen, Fergus Mac-Ivor, bitte ich, den Fall Euerm Clan in der richtigen Weise auseinanderzusetzen, damit keine Wiederholung dieses unverantwortlichen Vorfalls sich ereigne.«

Fergus verbeugte sich.

»Und nun eins noch, Ihr Herren!« schloß der Prinz seine Rede, »macht mir die Freude, daß Ihr Euch einander wieder die Hände zum neuen Bunde reicht!«

Kalt und gemessenen Schrittes rückten sie einander näher, jedem sah man es an, daß er nur mit Widerstreben sich fügte, aber sie reichten einander die Hand und gingen mit respektvoller Verbeugung an dem Chevalier vorüber.

Eine halbe, Meile lang ritt dieser noch neben dem Mac-Ivors her, sich mit einigen gälischen Worten abmühend zu ihrem Lobe, dann galoppierte er zu Bradwardines Reiterei, ließ sie halten, musterte ihre Tracht und Haltung, unterhielt sich mit den angesehensten Personen aus Bradwardines Umgebung, erkundigte sich nach dem Befinden ihrer Gemahlinnen, spendete den Pferden sein Lob und ritt zuguterletzt noch eine halbe Stunde weit mit dem Baron zusammen und hörte sich drei lange Geschichten vom Feldmarschall Herzog von Berwick an, die der Baron mit dem bekannten Beiwerk von Zitaten und fremdsprachlichen Phrasen zum besten gab.

»Ah, Beaujeu, mon cher ami,«» sagte er, als er wieder zu seinem Platz im Zuge zurückgekehrt war, que mon métier de prince errant est ennuyant, par foi!« [Ach, mein lieber Beaujeu, wie ist doch mein Handwerk so ärgerlich, meiner Treu.]

Dreiundzwanzigstes Kapitel

Karl Stuart ahnte Schlimmes, und seine Ahnung sollte sich erfüllen. Am 5. Dezember hielten die Hochschotten zu Derby Kriegsrat und beschlossen, zum unsäglichen Verdruß ihres jungen Führers, keinen Schritt weiter in England vorzudringen, sondern zurück in ihre Berge zu marschieren. Ohne allen Verzug, ohne auf Gegenreden zu achten, setzten sie ihren Entschluß ins Werk und so schnell, daß es ihnen gelang, sich allen Verfolgungen des Herzogs von Cumberland, der mit einem starken Heere gegen sie anrückte, zu entziehen. Fergus hatte mit Erbitterung gegen diesen Rückmarsch gesprochen und gestimmt, war aber überstimmt worden und hatte sich fügen müssen. Der Rückzug hatte mehrere Tage gedauert, da wurde Waverley zu seiner nicht geringen Verwunderung am 12. Dezember früh in seinem Quartier in einem Weiler halbwegs zwischen Shap und Penrith, vom Häuptling Glennaquoich aufgesucht.

Seit seinem Bruch mit ihm hatte Waverley allen Verkehr abgebrochen. Er wartete mit einiger Ungeduld auf eine Erklärung dieses unvermuteten Schrittes. Das Aeußere des Häuptlings nahm ihn sehr wunder. Das wilde Feuer seines Auges war verblaßt, seine Stimme hatte an Schärfe verloren, selbst sein Gang war nicht so elastisch wie ehedem, und seine Kleider schlotterten ihm am Leibe.