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»Das muß man sagen, die Mutschekuh hat ein besseres Quartier als alle übrigen Wesen, die sich in diesem Gebäude aufhalten.«

»Also wär's wohl am besten, Ihr ließet Euch bei ihr nieder,« neckte das Mädchen, »und schüfet ihr Ersatz für den Sprößling, der ihr so unglücklicherweise abhanden kam.«

»Wenigstens will ich Euch dabei helfen, dem Tiere die Streu herzurichten, da Ihr nun doch mal damit beschäftigt zu sein scheint,« sagte Roland.

»Das laßt ja hübsch sein,« versetzte Katharina, »denn einmal versteht Ihr nichts von solcher Arbeit, und dann schafft Ihr bloß Ursache zu Schelten für mich, und an Schelten fehlt's mir ohnedem nicht.«

»Was? Schelte? weil ich Euch helfe? und dabei soll ich Euch doch Beistand und Helfer in ganz andern Dingen sein! ... Das ginge doch wider alle Vernunft, und nun sagt mir, da mich grade die Rede drauf führt, was ist denn das für eine große Unternehmung, die ich mit ins Werk setzen soll?«

»Ich denke mir, es wird wohl ein Vogelnest sein, das Ihr ausnehmen sollt,« sagte mit Lachen das Mädchen, »solcher Gedanke liegt wenigstens nahe, wenn man sich den Kämpen ansieht, den sie sich dazu erkoren haben.«

»Nun, nun, schöne Fee, ein Bursche, der in den Felsklüften von Palmoodie ein Falkennest ausgenommen hat, darf schließlich auch ein wenig den Mund auftun,« verwahrte sich Roland, »aber das liegt ja nun alles hinter mir, und der Schinder mag Falkennest und Falkenbeize holen, denn um dieses Zeugs willen ist mir ja bloß das Los beschieden worden, auf Reisen zu gehen. Hätt ich nicht wenigstens Euch dabei erwischt, holde Kallipolis, möcht ich vor Aerger schier schwarz werden, das kann ich Euch wohl sagen! Aber da wir Reisekameraden werden sollen ...«

»Leidenskameraden wohl, aber nicht Reisekameraden,« erwiderte das Mädchen, »denn zu Eurem Troste müßt Ihr wissen, daß die gnädige Aebtissin mit mir morgen früher aufbrechen wird als Ihr mit Eurer lieben Frau Gräme, und daß ich Euch zum Teil diese kurze Zwiesprach nur darum gewähre, weil wohl geraume Zeit verstreichen wird, bis wir einander wieder begegnen werden.«

»Beim heiligen Andreas, so soll die Abmachung nicht gelten!« rief Roland, »sofern wir nicht gekoppelt jagen, dann pfeif ich auf die ganze Jagd!«

»Ich befürchte, wir werden in diesen und andern Punkten wohl tun müssen, was uns befohlen wird.« --

»Aber, horcht doch, Kallipolis! ist das nicht Eurer Muhme Stimme?«

Im selben Augenblick trat auch Dame Brigitte schon herein und warf einen Blick grimmiger Strenge auf ihre Nichte, während Roland auf den glücklichen Einfall kam, sich an der Halfter der Kuh zu tun zu machen.

»Ach, der junge Herr hat mir bloß dabei geholfen, die Kuh anzubinden, die sich losgemacht hatte. In der letzten Nacht ist sie bis vor ans Fenster gelaufen und hat mit ihrem Gebrüll die ganze Gegend aufrührerisch gemacht. Wir kommen ja entweder auf diese Weise bei dem Ketzervolk bloß in den Verdacht der Zauberei oder büßen am Ende gar unsre Kuh ein!«

»Darum laß Dir lieber kein graues Haar wachsen, mein Kind,« erwiderte etwas spöttisch die Aebtissin, »denn die Person, die die Kuh gekauft hat, wird im Augenblick da sein, und sie abholen.«

»Ach, dann gute Nacht, meine arme Mutsche,« sagte Katharina, indem sie dem Tier auf den Rücken klopfte, »hoffentlich fällst Du in liebe Hand, denn in der letzten Zeit waren es die freundlichsten Stunden für mich, da ich mit deiner Abwartung zu tun hatte ... ach, wäre ich doch bloß zu was anderm als solcher Arbeit auf die Welt gekommen!«

»Pfui über Dich, Du weltlich und niedrig gesinntes Wesen!« sagte die Aebtissin; »ist das eine Sprache, würdig des Namens Seyton, den Du doch führst? schickt sich solche Rede für die Schwester solches Ordens? obendrein in Gegenwart eines fremden Jünglings! ... Begib Dich auf der Stelle in Deine Betstube und lies Deine Horen, bis ich hinaufkomme. Dann will ich Dir den Text lesen energisch genug, daß Du die Segnungen schätzen lernst, die hienieden Dein Teil geworden sind!«

Katharina wollte sich schweigend zurückziehen, mit einem halb trübseligen, halb komischen Blicke auf Roland Gräme, wie wenn sie sagen wollte: »Na, da seht Ihr's doch, wie's mir hier geht und was ich auszustehen habe,« änderte aber plötzlich ihren Entschluß, trat auf den Pagen zu, gab ihm die Hand und wünschte ihm eine gute Nacht. Noch ehe die Matrone, die darob ganz perplex war, es zu verhindern vermochte, hatten sich ihre Hände ineinander gelegt, und dann sagte Katharina: »Verzeiht mir, Mutter, wir haben ja gar so lange schon kein Gesicht mehr gesehen, das uns freundlich anblickt. Immer nur finstre, grimmige Fratzen! und zwar so lange schon, seit diese schlimmen Unruhen unsre friedliche Stätte zerstört haben. Ich sage dem Jünglinge ein freundliches Lebewohl, weil er hergekommen ist mit einem freundlichen Herzen und weil es wohl kaum wahrscheinlich ist, daß wir uns einander im Leben noch einmal sehen. Ahnt mir doch schon jetzt, als seien die Pläne, in die Ihr Euch verwickelt, viel zu mächtiger Art, als daß Eure Hand sie zu leiten vermöchte, daß Ihr vielmehr einen Stein in Bewegung bringt, der Euch im Rollen zerschmettern muß. Drum sage ich dem armen Jüngling, der gleich mir zum Schlachtopfer erkoren worden ist, ein herzliches Lebewohl.«

In einem Tone tiefen Ernstes und innigen Gefühls wurden diese Worte gesprochen, der durchaus nicht zu dem so leichtfertigen, lustigen Tone, den sie dem Jüngling gegenüber bisher gefunden hatte, passen wollte, und der deutlich erkennen ließ, daß sich hinter dem lustigen Temperament der Jugend ein weit größerer Schatz von Verstand und Empfindung barg, als sich aus ihrem bisherigen Benehmen auch nur im entferntesten hätte mutmaßen lassen.

Eine Weile lang stand die Aebtissin stumm da und sah dem Mädchen, das mit dem letzten Wort aus ihrem Munde auch aus dem Zimmer verschwunden war, entgeistert nach. Der harte Verweis, den sie erteilen wollte, blieb ihr im Halse stecken. Es war, als sei sie von dem ernsten prophetischen Tone tief ergriffen, in welchem ihre Nichte ihr den Nachtgruß geboten hatte. Und schweigend ging sie voraus nach dem Zimmer, in welchem sie vordem geweilt hatten und wo eine kleine Erfrischung bereit stand aus Milch und Gerstenbrot.

Frau Gräme wurde gerufen, an dieser Erfrischung teilzunehmen. Sie trat aus einem anstoßenden Zimmer, aber die Maid ließ sich nicht wieder sehen.

Es wurde während des Essens nur wenig gesprochen, und als man damit fertig war, wurde Roland zur nächsten Zelle geführt, wo zu einem Nachtlager die notwendigsten Vorkehrungen getroffen waren. Die wunderliche Lage, in die er sich versetzt sah, übte die gewöhnliche Wirkung, sie brachte ihn um den Schlaf. Das hatte aber den Vorteil für ihn, daß er ein Gespräch noch mit anhörte, das zwischen den beiden Greisinnen geführt wurde, sobald er aus dem Zimmer den Fuß gesetzt hatte, und bis in die tiefe Nacht hinein dauerte. Als sie endlich auseinandergingen, hörte er aus dem Munde der Aebtissin ganz deutlich die Sätze:

»Kurz und gut, Schwester, Euren Charakter und das Ansehen, zu dem Euch meine Vorgesetzten erhoben haben, schätze und ehre ich, nichtsdestoweniger will es mir notwendig erscheinen, bevor wir uns auf eine so gefahrvolle Bahn begeben, den Rat eines der Väter unsrer Kirche einzuholen.«

»Und wo sollten wir einen treuen Bischof oder Abt finden, dessen Rat sich einholen ließe?«, fragte die Gräme. »Der getreue Eustachius ist nicht mehr. Wohin sollen wir uns noch wenden?«

»Der Himmel wird für die Kirche sorgen,« versetzte die Aebtissin, »und die getreuen Väter, denen man den Aufenthalt im Kloster zu Kennaqhueir noch gestattet hat, werden zur Wahl eines Abtes schreiten. Daß der Krummstab am Boden liege und niemands Haupt die heilige Inful schmücke, das werden die frommen Männer von Kennaqhueir nun und nimmer dulden.«

»Das werde ich morgen erfahren,« antwortete die Gräme, »aber wer übernimmt jetzt den Dienst auch nur eine einzige Stunde, es sei denn, er teilte ihn mit dem kirchenschänderischen Gesindel, um Teil zu haben an der Plünderung? ... Der kommende Tag wird uns lehren, ob einer von den tausend Heiligen, die aus dem heiligen Marienkloster hervorgegangen sind, dem Kloster in seiner schweren Bedrängnis helfen und beistehen wird ... Lebt wohl, Schwester, auf Wiedersehen in Edinburg!«