Выбрать главу

Sie hielten am Ausgang der Straße, da wo das hohe Portal altgotischen Stiles sich quer vor ihr erhebt, und ritten hindurch in den düstern Hof, der von einem wirren Haufen von Klosterbauten bedeckt war, von denen heute noch eine ganze Front steht, während andre dem unter Karl dem Ersten erbauten neuen Palaste haben weichen müssen.

Dort gab der Falkner die Rosse einem Lakeien mit dem wichtigtuerischen Befehle, ja gut für sie zu sorgen. Dann schritt er dem Knappen voraus in den Palast von Holyrood.

Vierzehntes Kapitel

Der Page Roland blieb am Eingange zum Hofe stehen und warf einen Blick voll des lebhaftesten Interesses über das Bild, das seinen Augen sich hier bot. Allerhand Gruppen von Leuten standen umher. Solche in glänzender Tracht, aber mit nachdenklichen Mienen, offenbar bedrückt, entweder durch öffentliche, oder durch persönliche Angelegenheiten -- greise Staatsmänner mit gebietenden Blicken, im pelzverbrämten Mantel und in Zobelschuhen, Kriegsmänner in Büffelwams und Stahlhaube, mit dichtem Schnauzbart und finstrer Stirn, die ihr langes Schwert klirrend hinter sich auf dem Pflaster herschleiften, dazwischen Dienstmannen, unterwürfig gegen den Herrn und Gebieter, keck, frech und schlagfertig gegen jeden, der im Range unter ihnen stand; dann armes Bittstellervolk mit verzagten Mienen und schüchternen Blicken, Beamte, erfüllt von der bescheidnen Würde, die ihnen anheimfiel, stolze Priester, auf den Fang einer fetten Pfründe, noch stolzere Barone, auf den Fang eines noch fettern Stückes Kirchenland erpicht, Räubervolk aus dem Landadel, das Pardon suchte für andern Leuten angetanen Schaden, und ausgeraubte Hörige und Bauern, die Ersatz forderten für erlittnen Schaden ... dort hielten Scharwächter Musterung ab über ihre Kommandos, hier wurden Boten abgeordert oder empfangen, vorm Tore wieherten und stampften Rosse, drinnen blitzten Waffen, klirrten Sporen, wehten Standarten und Federn. Kurz, es war ein Durcheinander von Farben und Pracht und Staat, daß für ein jugendliches Auge den Höhepunkt alles Schönen und Sehenswürdigen bildet, dem Auge des erfahrenen Mannes aber als ein Meer von Ungewißheit, Trug und Falsch- und Hohlheit, von Hoffnungen, die nie Wirklichkeit werden, von Verheißungen, die nie Erfüllung finden, erscheint.

Adam Woodcock war des Bildes bald überdrüssig, in dessen Anblick sein jugendlicher Gefährte noch immer versunken stand, und freute sich lebhaft, in einem stattlichen Diener des Hofgesindes unter tiefgrüner Mütze mit wallendem Federbusch ein bekanntes Gesicht zu erblicken.

Im andern Augenblick schon ertönte aus beider Leute Mund der Ruf: »Schockschwerenot! trügen mich nicht meine Augen? Seid Ihr's wirklich, alter Kamerad?« und dann setzte der eine der Frager den Namen Adam Woodcock, der andre den Namen Michael Wingthewind hinzu.

Und dann kam die Unterhaltung rasch in Fluß.

»Na, was macht denn die Windspielhatz?« fragte Woodcock.

»Damit wird's alle Jahre schwächer, wie mit den Kräften auch. Vier Beine tragen keinen Hund ewig, wir halten die Hatz zur Zucht, und auf diese Weise entgeht sie dem Ersäufen. -- Sonst wär sie schon lang um die Ecke. Doch was steht Ihr und gafft? Der gnädige Herr Regent hat schon wiederholt gefragt, ob Ihr schon da seiet?«

»So? Graf Murray hat sich erkundigt nach mir? der Reichsregent nach Adam Woodcock?« fragte der Falkner.

»Hm, diesen Morgen war Graf Morion bei ihm. Er kam in gar böser Stimmung. Wenn ihm was im Kopfe steckt, diesem Herrn, dann sieht er aus wie der leibhaftige Teufel. Ich war grade im Zimmer drin, weil ich Instruktion einholen mußte wegen einer Falkenhecke, die von Danoway geholt werden soll, da wetterte Graf Morton los, ob das ehrliches Spiel sei, für seinen Bruder sei ihm die Kommenthurei von Kennaqhueir in Aussicht gestellt worden mit der festen Zusage, daß eine königliche Domäne draus geschaffen werden solle zu seinen gunsten, und nun hätten die falschen Mönche die Frechheit gehabt, einen neuen Abt zu wählen, der nun seinem Bruder mit seines Rechten in den Weg treten würde. ... Zudem hat das Gesindel aus der Nachbarschaft alles, was in der Abtei noch niet- und nagelfest war, verbrannt und zerschlagen und ausgeplündert, so daß der Grafenbruder, wenn er die faulen Hunde von Pfaffen hinausgejagt hätte, nicht einmal wüßte, wohin er sein Haupt legen solle. Mein gnädiger Herr hat ihm freilich drauf gesagt, wenn daran was Wahres sei, dann hätte ihm Ritter Halbert Glendinning gewiß schon berichtet, vornehmlich wenn im Kloster ein Abt gewählt, oder die Abtei zerstört worden sein solle. Da hat denn der Graf gesagt, der neu gewählte Abt sei der Bruder von Glendinning, und er habe schon immer, wenn auch leeren Ohren, gepredigt, man dürfe sich auf diesen in den Adel erhobnen Bauerssohn nicht allzu viel verlassen. Das hat aber mein gnädiger Herr nicht aufkommen lassen, sondern hat Euern Herrn mächtig herausgebissen, an dessen Treue sei nicht zu zweifeln, und dafür stehe er ein, u. s. w., wenn aber, was Wahres dran sei, dann erwarte er von Glendinning die Kutte eines gehängten Mönches und den Kopf eines der aufrührerischen Bauern zu bekommen, und zwar als Opfer einer gestrengen und prompten Justiz! Da ist denn Graf Morton still geworden und hat das Feld geräumt, wenn auch, wie mir vorkam, in etwas bedrückter Stimmung. Aber seitdem hat mein gnädiger Herr schon ein paarmal gefragt, ob denn noch immer kein Bote von Glendinning da sei ... Und wenn ich Euch das erzählt habe, Woodcock, so ist's darum geschehen, weil ich dachte, Ihr könntet Eure Rede danach einrichten, wenn Euch mein gnädiger Herr ausfragt, denn ich vermute, wenn so was verlautete, wie Graf Morton hat verlauten lassen, dann möcht's mit der guten Laune und Wohlmeinenheit bei meinem Herrn vorbei sein!«

Ob mancher Dinge in diesen Mitteilungen zog sich Woodcocks Gesicht gewaltig in die Länge, und er fragte beklommen:

»Was war's, was dieser grimmige Graf Morton von einem Bauerntropfe sagte?«

»Aber das war ja nicht der Graf Morton, sondern mein gnädiger Herr, der Regent selber!« erwiderte Michael Wingthewind; »der sagte, er rechne drauf, daß Euer Ritter, wenn sich Gesindel an der Abtei vergriffen hätte, ihm den Kopf des Rädelsführers überschicke.«

»Ach, von Zerstörung ist ja gar nicht die Rede gewesen,« erklärte Woodcock mit wachsender Beklommenheit, »höchstens sind bei dem bißchen Radau ein Paar bunte Scheiben eingeschlagen, und ein paar Heilige in ihren Gräbern gestört worden. Um die Abtei, in Brand zu stecken, ist ja gar nicht mal Zünddocht da gewesen, geschweige Lunte oder Feuerstahl. Darauf habe ich bei der Affäre von Anfang an gesehen.«

»Was sagt Ihr da, Woodcock?« rief sein Kamerad, »Ihr habt doch hoffentlich nicht die Hand dabei im Spiele gehabt? Da sollt's mir leid tun, Euch in Schrecken jagen zu müssen, zudem Ihr grade erst von der Reise kommt. Aber ich kann Euch bloß sagen, der Graf Morton hat von Halifax eine Jungfer mitgebracht, so was habt Ihr in Eurem Leben noch nicht gesehen! die umarmt Euch und behält Euren Kopf in den Armen, während Euer Leib in einen Trog zu ihren Füßen kollert.«

»Schwatzt nicht solches Zeug! ich bin doch zu alt, daß mir solche Vettel noch den Kopf verdrehen könnte! Lord Morton mag ja schmücken Dirnen gern nachlaufen. Aber was braucht er darum nach Halifax zu laufen, und wenn er sich dort ein Liebchen holt, was hat das mit meinem Kopfe zu schaffen?«

»Hm, eine ganze Menge!« meinte Michael Wingthewind, »die Herodias hats Kopfabsäbeln nicht schlechter verstanden als diese Mortonsche Jungfer aus Halifax! Das Beil fällt ganz von selbst herunter und erspart alle Henkersarbeit ...«

»Meiner Treu, eine hundsföttische Erfindung, vor der einen der Himmel bewahren möge!« sagte Woodcock.

Dem Pagen schien über dieser Unterhaltung der beiden alten Kameraden die Geduld auszugehen. Er unterbrach sie jetzt durch die Bemerkung, ob Woodcock nicht besser tun möchte, den Brief an den Regenten abzugeben, den ihm der Ritter zur Befolgung mitgegeben habe?