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»Was? und Ihr seid Page bei Sir Halbert Glendinning?« fragte der Regent.

»Ich bin als Page der Schloßherrin erzogen worden,« erklärte der Jüngling, »und habe das erste Mal in meinem Leben den Fuß aus dem Schlüsse von Avenel gesetzt.«

»Page der Schloßherrin?« wiederholte wie in Gedanken der Regent. »Sonderbar, in solch wichtiger Angelegenheit den Pagen seiner Frau zu schicken! Morton wird sagen, es sei das Gegenstück zur Abtwahl des Bruders, und doch ist in gewisser Hinsicht dieser unerfahrene Jüngling der tauglichste Bote: Was ist Dir denn während Deiner Lehrzeit beigebracht worden, mein Sohn?«

»Ich hab die Jagd betrieben und auch die Beize,« versetzte Roland Gräme.

»Wohl die Kaninchenjagd und die Drosselbeize?« fragte der Regent lächelnd, »denn das sind ja die Belustigungen der Damen und ihrer Begleiter.«

Roland, errötete tief, und nicht ohne Schärfe erwiderte er:

»Wir haben Rotwild gejagt, wenn, es die Krone ansetzt, und Reiher gebeizt. Vielleicht sagt man bei Hofe dafür Kaninchen jagen und Amseln beizen? Indessen kann ich auch ein Schwert schwingen und eine Lanze einlegen, wie es bei uns an der Grenze heißt, bei Hofe aber sagt man da wohl, Wasserlilien und Heidebinsen?«

»Deine Worte haben metallnen Klang,« meinte der Regent, »der Wahrheit zuliebe sei der Stachel verziehen ... Es ist Dir also bekannt, was einem Kriegsmann für Pflichten obliegen?«

»Was sich ohne wirklichen Dienst im Feld?, also durch bloße Uebung erlernen läßt, ja,« versetzte Roland, »aber das Glück, ein Schlachtfeld zu sehen, ist mir noch nicht beschieden gewesen.« »Das Glück?« wiederholte der Regent, mit einigermaßen zweifelhaftem Lächeln, »junger Freund, Du darfst es mir aufs Wort glauben, Krieg ist das einzige Spiel, aus dem beide Teile mit Verlust hervorgehen.«

»Doch wohl nicht immer,« antwortete kühn der Page, »sofern das Gerücht nicht trügt.«

»Was willst Du damit sagen, Bursche?« fragte der Regent, der vielleicht in diesen Worten eine Anspielung auf sein eignes Glück im Kriege erblickte.

»Weil dem, welcher sich tapfer im Kriege hält,« antwortete Roland, ohne seinen Ton zu ändern, »Ruhm im Leben oder Ehre im Tode anheimfallen muß. Also ist Krieg doch ein Spiel, aus dem keiner mit Verlust hervorgehen kann.«

Der Regent schüttelte lächelnd das Haupt. Da ging die Tür auf, und Graf Morton trat herein.

»Verzeiht, lieber Graf, ich komme mit Hast, infolge wichtiger Nachricht und infolgedessen unangemeldet ... Die Sache ist, wie ich gesagt habe, Edward Glendinning ist zum Abte gewählt, und -- --«

»Still, Mylord, ich weiß es,« sagte der Regent; »aber ...«

»Vielleicht habt Ihr es früher gewußt als ich, Mylord Murray,« und Mortons finstre, rote Stirn verfinsterte und rötete sich noch tiefer, während er dieser Vermutung Worte lieh.

»Laßt mich mit Eurem Argwohn in Ruhe, Morton,« versetzte Murray, »und tretet meiner Ehre nicht zu nahe! ... ich habe genug von den Verleumdungen meiner Feinde zu leiden, werdet Ihr nicht Ursache, daß ich mich noch gegen ungerechten Argwohn von Freunden zu wehren habe... Wir sind nicht allein,« setze er hinzu, sich besinnend, »sonst könnte ich Euch mehr sagen.«

Er führte den Grafen in eine Nische, die einen günstigen Platz für geheime Zwiesprache bot. Zuerst sprachen sie leise, so daß Roland von ihren Worten nicht hören konnte. Als ihre Unterhaltung aber ernsthafter wurde, sprachen sie auch lauter und vergaßen zuletzt wohl überhaupt, daß der Page noch im Zimmer war, was um so begreiflicher war, als derselbe an einer Stelle stand, die ihre Augen nicht erreichten, und so konnte Roland, ohne daß er es besonders darauf anlegte, manches deutlich hören, andres durch Vermutungen ergänzen.

»Es ist alles im Gange,« sagte z. B. Murray, »und Lindesay ist wohl schon auf dem Wege. -- Länger besinnen darf sie sich nicht! Du siehst, ich handle nach Deinem Rat und verschließe mich milderen Erwägungen.«

»Nur in Ordnung, Mylord,« entgegnete Morton. »Gilt es, Macht zu erringen, so zeigt Ihr Euch nicht unschlüssig, sondern steuert energisch aufs Ziel; aber bewahrt Ihr auch das Errungne mit gleicher Energie? ... Wozu eigne Dienerschaft? Hat Eure Mutter nicht Dienerschaft genug zur Aufwartung für eine Person mehr? war es notwendig, diese überflüssige und zudem gefährliche Bedingung zu erfüllen?«

»Morton, schämt Euch! Ihr sprecht von einer Fürstin und meiner Schwester! sollte ich ihr standesgemäße Dienerschaft weigern?«

»Das ist der Flug aller Eurer Geschosse,« erwiderte Morton,, »sie schnellen kräftig vom Bogen und sind nicht ungeschickt gezielt, aber schädliche Zuneigung lähmt sie im Fluge und bringt den Pfeil aus der Richtung.«

»Morton, ich leide solchen Tadel nicht,« versetzte Murray mit Ungeduld, »was ich getan habe, das habe ich getan, und was ich noch tun muß, werde ich tun und will ich tun. Aber aus Stahl und Eisen wie Du bin ich nicht, und Erinnerungen vermag ich nicht zu bannen ... Genug jetzt! mein Entschluß ist gefaßt.«

»Ich bin fest überzeugt,« sagte Morton, »die Wahl dieser Dienerschaft wird auf ...«

Er, flüsterte nun Namen, die Roland nicht hören konnte. Murray antwortete gleichfalls flüsternd, aber gegen den Ausgang hin wurden die Stimmen wieder deutlicher, und so hörte Roland ganz deutlich:

»Und seiner halte ich mich versichert, auf Glendinnings Empfehlung hin ...«

»Die vielleicht ebenso vertrauenswürdig ist wie jüngst sein Verhalten bei der Abtwahl ... Ihr habt doch gehört, daß sein Bruder gewählt worden ist? Er scheint eben soviel brüderliche Zuneigung zu hegen wie Ihr!«

»Beim Himmel, Morton, für solche Spöttelei sollte ich Euch den Fehdehandschuh hinwerfen, indessen will ich sie Euch nachsehen, ist ja doch Euer Bruder auch dabei beteiligt. Aber, diese Wahl soll kassiert werden. So lange ich das Schwert des Reiches für meinen königlichen Neffen in meiner Hand halte, so lange soll mir weder ein Lord noch ein Ritter in Schottland mein Ansehen streitig machen. Das sage ich Euch, Graf Morton, und das mag sich gleich Euch jeder andre gesagt sein lassen. Beleidigungen meiner Freunde ertrage ich einzig und allein um deswillen, weil ich es mit Freunden nicht verderben mag und weil ich weiß, daß sie es wert sind, daß ihnen Torheiten nachgesehen werden.«

Morton murmelte etwas wie Entschuldigung, und der Regent murmelte hierauf ein paar Worte in milderem Tone, dann fuhr er fort:

»Außerdem habe ich neben Glendinnings Bürgschaft noch ein weiteres Unterpfand für seine Treue: die nächste Verwandte von ihm hat sich als Geisel für ihn selbst in meine Hand gegeben, damit ich mit ihr verfahre, wie seine Aufführung es verdient.«

»Das läßt sich wohl hören,« murmelte Morton, »und doch muß ich Euch in treuer Liebe und guter Absicht wiederholt bitten, auf der Hut zu sein. Unsre Feinde rühren sich wieder, erst heute morgen hat sich Georg Seyton mit etwa zwanzig seiner Leute mit den Leslies geschlagen, auf offner Straße ... bis vom Magistrat aus Hellebardierer anrückten und die Kampfhähne auseinandertrieben...«

»Ich weiß, Graf Morton, denn auf meinen Befehl ist die Scharwache ausgerückt,« erwiderte der Regent. »Sind Leute verwundet?«

»Lord Seyton selbst, vom schwarzen Leslie ... hol' der Teufel diesen Stoßdegen, daß er nicht gleich mitten durchfuhr! ... der schwarze Ralph hat eins über den Schädel bekommen von einem Pagen, den niemand kennt ... Fritz Seyton ist durch den Arm gestochen worden, und ein paar andre haben wohl noch leichten Aderlaß bekommen. Im übrigen ist von edlem Blute nichts bei der Rauferei geflossen, aber ein paar Kriegsknechten sind die Beine gebrochen und die Ohren heruntergeschlagen worden, die Kneipwirtsweiber haben die Halunken von der Straße aufgehoben und klagen nun wegen Mordes.«

Douglas, Ihr nehmt die Sache sehr leicht,« erwiderte der Regent, »solche Fehden auf offner Straße gereichten aber nicht einmal der Residenz des Großtürken zur Ehre, geschweige uns! Doch auch diesem Unfuge soll, wenn ich lebe, Abhilfe geschehen! es soll von mir in der Geschichte nicht heißen, ich hätte das Ansehen nicht zu wahren gewußt, das mir nach der Entthronung meiner Schwester anheimfiel. Nein, ich werde es wahren zum Heile des Gemeinwesens ...«