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Edward fühlte die ganze alte Liebe zu dem urwüchsigen Naturkinde wieder aufleben, und um die trüben Bilder von seinem Gemüte zu scheuchen, erbot er sich, von dem Baron die Erlaubnis zu erwirken, daß er so lange bei ihm im Quartier bleiben dürfe, bis sein Korps heran sei. Hierüber schien der Häuptling eine große Freude zu fühlen, lehnte aber das Anerbieten ab.

»Ihr wißt, Waverley, daß wir Mac-Ivors den Nachtrab bilden, daß wir der Gefahr am meisten ausgesetzt sind ...«

»Und daß Euch auch die höchste Ehre winkt ...«

»Nun, Waverley, so laßt wenigstens Euer Pferd von Eurem Burschen in Bereitschaft halten, falls wir überfallen werden sollten. Ich bin gewiß nicht böse, wenn Ihr mir Gesellschaft leisten wollt.«

Der Marsch ging über eine Moorwiese. Die Glieder mußten sich auflösen. Der enge Pfad, der über das Moor führte, gestattete nur den Gänsemarsch. Mann für Mann rückte der Nachtrab in das kleine Dorf des Namens Clifton.

Die Wintersonne war untergegangen, und schon begann Edward den Freund mit seiner abergläubischen Furcht zu necken. Dieser aber verwies es ihm ernst.

»Noch sind die Iden des März nicht vorbei,« rief er.

Und kaum waren diese wenigen Worte über seine Lippen, als ein zahlreicher Reitertrupp sichtbar wurde, der über die, düstre Moorwiese auf einem andern, augenscheinlich breitern Pfade wogte.

Fergus wies mit der Hand auf ihn. Dann war er von Waverleys Seite hinweg und an die Spitze seines Zuges gesprengt. Das Dorf war von Mauern eingeschlossen, wie zur damaligen Zeit noch viele, zum Schutz vor Ueberfällen durch räuberische Horden. Fergus ließ die Mauern besetzen und auch die Straße, auf der die feindlichen Leute nur den Zugang gewinnen konnten, sichern. Aber die feindlichen Dragoner schienen zu rücksichtslosem Draufgehen entschlossen, und die Hochländer blieben trotz der inzwischen hereinbrechenden Nacht nicht lange mehr in Ruhe. Ein Kommando schickte sich zum Sturm auf die Mauern an, ein andres versuchte auf der Straße vorzudringen. Aber beide wurden von einem so kräftigen Feuer empfangen, daß ihre Reihen in Unordnung gerieten. Fergus, in seinem Feuerdrange nicht zufrieden mit diesem ersten Erfolge, schwang sein Schwert, und stieß den Schlachtruf seines Clan hervor, und »Claymore! Claymore!« dröhnte es über das Moor. ... Entflammt durch dieses Beispiel seines Häuptlings, warf sich der Clan mitten hinein in den Feind. Und außer stande, dem wilden Ansturm zu widerstehen, flohen die Dragoner zurück über das Moor. Da aber brach der Mond durch die Wolken und zeigte den Feinden die geringe Schar der Clanleute, und neue Schwadronen rückten zur Unterstützung heran, die Fliehenden aufhaltend und gegen die Hochländer von neuem anstürmend. Diese suchten wieder Schutz hinter den Einfriedigungsmauern zu gewinnen, aber ein Teil von ihnen, die sich zu weit in die Feinde hineingewagt hatten, wurde abgeschnitten, mit ihnen der Häuptling. Und noch ehe es den andern gelang, sich wieder bis zu ihnen vorzuarbeiten, waren die meisten in die Pfanne gehauen, und der Häuptling, durch einen Hieb in Schulter und Arm getroffen, gestürzt und überwältigt. Waverley sah noch, wie Evan Dhu und Callum-Beg ihn gegen ein Dutzend Feinde zu verteidigen suchten, dann traf auch Evan Dhu das gleiche Los wie den Häuptling, während Callum-Beg von einem Säbelhieb der Schädel gespalten wurde, der dem Schlag des Häuptlings mit der Pistole noch getrotzt hatte.

Waverley seinerseits war außer stande, den Freunden zu Hilfe zu eilen, denn der Mond hatte sich jetzt wieder hinter Gewölk verkrochen, und es war weder Weg noch Steg mehr zu sehen. Mit schwerer Mühe gelang es ihm, sich vor den Dragonern, die nach der Flucht der übrigen Hochländer jetzt das ganze Terrain absuchten, zu verbergen; aber sich bis zu dem eigentlichen Heere derselben weiter zu arbeiten, gelang ihm nicht, und langsam verhallten die Klänge seiner Sackpfeifen in der Ferne.

Was aus Fergus geworden war? war er in Gefangenschaft geraten oder gefallen? Waverley wußte es nicht, und während er sann über das Schicksal des Freundes, da fiel ihm der Spuk ein mit dem Bodach Glas, und mit Grausen fragte er sich: Kann denn in diesem seltsamen Falle der Teufel tatsächlich wahrsagen?

Vierundzwanzigstes Kapitel

Was für Edward noch betrübender war als all das Verhallen der Dudelsackklänge, war der Schall der Pauken und Trompeten der englischen Feindestruppen, der ihm von der Straße her entgegendrang. Er erkannte hieraus, daß sich die letzteren zwischen ihn und die hochländische Nachhut gedrängt hatten. Es blieb ihm also nichts andres übrig, als auf Umwegen zu den Freunden zu gelangen. Ein ausgetretner Fußpfad, der von der Heerstraße nach links zu führte, schien ihm hierzu benützbar, aber der Pfad war weich und lehmig, und bei dem nächtlichen Dunkel, das über der Gegend lag, war es sicher nicht ungefährlich, den Weg über die Moorwiese zu wagen. Aber er ließ solche Erwägungen nicht aufkommen, die Furcht, den Engländern in die Hände zu fallen, überwog alle andern Besorgnisse.

Nach einer Stunde Wegs erreichte er endlich ein Dörfchen. In der Dorfschenke herrschte muntrer Lärm. Er lauschte. Da drangen englische Flüche an sein Ohr, und schnell eilte er weiter, an einem kleinen Zaune hin, der ihm einige Deckung bot. Jetzt pries er die Finsternis, die ihn vor den Blicken der Soldaten schützte, die das Dorf besetzt hielten. Der Zaun führte nach einer Weile an einem Bauernhaus vorbei, in welchem, augenscheinlich verdeckt, noch ein trübes Licht brannte. Schon wollte er daran vorüberschleichen, als die Hand, die er vor sich hingestreckt hielt, um sich weiter zu tasten, von einer weichen Frauenhand ergriffen wurde. Gleichzeitig erklang flüsternd eine Stimme: »Edward, bist Dus?«

Da waltet doch ein Irrtum ob, dachte Waverley bei sich und wollte seine Hand aus der fremden befreien.

»Sei kein Narr, Edward, sonst kriegen Dich die Rotröcke auch noch, sie haben ja schon alles mit weggeschleppt, was an der Schenke vorbei gelaufen ist. Alles wird in ihre Transportwagen gesteckt und zur Festung geschafft. Komm herein und warte bei uns den Tag ab!«

Waverley glaubte nun, den Leuten trauen zu dürfen, und folgte dem Mädchen ins das Haus hinein. Aber kaum hatte sie ein Licht angezündet, um über den Flur in die Stube zu leuchten, als ihr vor Schreck, einen fremden Menschen vor sich zu sehen, das Licht aus der Hand fiel und sie angstvoll aufschrie: »Ach, Vater, Vater!«

Ein handfester Pächter, schon bei Jahren, kam auf den Ruf hin aus der Stube gerannt. Sein Anzug, die lederne Hose, die über den bloßen Beinen saß, und das Westmoreländer Staatsgewand, sein härenes Hemd, in dem er sich zeigte, und die nackten Beine ließen vermuten, daß er eben aus dem Bett gefahren war. In der Rechten schwang er ein Schüreisen als Waffe, das er vom Boden aufgerafft hatte.

»Mädel, was ist Dir denn?« fragte er barsch.

»Ach,« rief das arme Ding, vor Angst schier außer sich, »ich hab gedacht, Ned Williams seis, und nun ists einer von den Plaidleuten.«

»So? der Ned seis hast gedacht? Na, was hast denn zu solcher Nachtzeit mitm Ned zu schaffn?« fragte brummig der Pächter.

Auf diese Frage, die wahrscheinlich auch manch andres Persönchen femini generis aus dem Konzept gebracht hätte als solch schlichtes Dorfmädel, erfolgte keine Antwort, bloß Schluchzen wurde vernehmlich.

»Na, und Du, Kerl,« wandte der Pachter sich an Waverley, »Du wirsts wohl spitz gekriegt ham, daß die Rotröck das Dorf in Beschlag ham? he? die spalten Dir doch 'n Schädel wie 'ne Kohlrübe, wenn sie Dich erwischen!«

»Ich weiß, daß mein Leben in schwerer Bedrängnis ist,« erwiderte Waverley, »aber wenn Ihr mir helfen könnt, dann bitt ich drum, ich wills Euch reichlich lohnen. Ich bin kein Schotte, sondern ein Engländer, und durch allerhand unglückliche Umstände in solche Not geraten.«

»Magst du Schotte sein oder keiner,« versetzte der brave Pächter. »Ich gehör nit zu denen, die andre Leut noch mehr in die Patsche bringen. Aber lieber wärs mir schon, du wärst auf der andern Wandseite. Hier sind die Rotröcke jetzt obenauf. Gestern hats noch von Plaidmännern hier gewimmelt. Waren ganz fidele Kameraden, haben sich auch manierlich betragen und alles bezahlt, was sie verzehrt ham im Dorfe. Da war nichts zu tadeln, so wild sie auch aussahn. Aber ein alter, dürrer Kerl, der hat sie stramm in Räson gehalten, das muß man sagen. Eine Freude wars, das mit anzusehn.«