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Als Roland inne wurde, daß der Regent eine Antwort zu erwarten schien, fragte er: »Darf ich wissen, wem ich meine Dienste widmen soll?«

»Das sollt Ihr später erfahren,« versetzte der Regent, dann fügte er mit sichtlichem Widerstreben hinzu: »Oder warum soll ich's Euch nicht gleich sagen? erfahren müßt Ihr's doch ... in den Dienst der erhabensten und doch unglücklichsten Frau von ganz Schottland sollt Ihr treten, in den Dienst Marias von Schottland ...«

»Ich in den Dienst der Königin, gnädiger Herr?« rief der Page, völlig außer stande, sein Staunen zu unterdrücken.

»Die einst Königin war!« sagte Murray mit seltsamer Mischung von Unmut und Verlegenheit im Tone seiner Stimme, »Ihr dürft nicht außer acht lassen, daß ich an ihrer Statt das Regiment in Schottland führe.«

»Werde ich Königlicher Hoheit am Orte ihrer Gefangenschaft zu dienen haben?« fragte der Page mit treuherziger Unbefangenheit, durch die er den Staatsmann halb und halb aus der Fassung brachte. »Sie ist nicht in Gefangenschaft, das verhüte Gott!« erwiderte der Regent verdrießlich, »bloß entfernt von Staats- und öffentlichen Geschäften, bis sich die Verhältnisse wieder so weit beruhigt haben, daß sie sich ihrer unbeschränkten Freiheit wieder erfreuen darf, ohne ihren königlichen Sinn den Ränken schlimmer Menschen ausgesetzt zu sehen. Da sie,« setzte er hinzu, »von Rechts wegen mit einer ihrer abgeschiednen Lage angemessnen Dienerschaft umgeben werden muß, auf deren Klugheit ich mich verlassen kann, ist, was den Pagendienst angeht, meine Wahl auf Euch gefallen. Ihr seid anstellig, in Euren Mienen lese ich, daß Ihr Verständnis für die Aufgabe habt. Hier in diesem Schriftstück sind die Obliegenheiten niedergelegt, die Ihr zu erfüllen habt. Aber was vor allem von Euch erwartet wird, ist Treue. Ihr sollt wachen, über jeden Versuch, über jede aufkeimende Neigung, mit irgend einem der im Westen des Landes sässigen Lords, mit Hamilton, Seyton, Fleming u. s. w., die sich zu Häuptern der uns feindlichen Partei aufgeworfen haben, Beziehungen oder Verkehr anzuknüpfen. Es wird Euch demnach zur Pflicht gemacht, über alles, was Euch in Eurem Dienste auffällt, meiner Mutter, bei der sich zurzeit meine Schwester als Gast aufhält, zu berichten, über jeden Verdacht, der Euch aufsteigt, meine Schwester könne sich mit der Absicht tragen, ihren Aufenthaltsort zu wechseln, oder gar etwa mit Angehörigen fremder Staaten Verbindungen anzuknüpfen. Sollte aber sich irgend etwas von Bedeutung tatsächlich ereignen, so sollt Ihr ohne allen Verzug direkte Boten an mich absenden, und zur Bewerkstelligung all dessen, was in solchem Falle von nöten, nehmt hier diesen Ring, der Euch jedem ausweist als meinen Vollmachtträger. Und nun geh, mein Sohn!« verabschiedete ihn der Regent und legte wiederum die Hand auf Rolands Schulter, diene mir treu, und so wahr ich Graf Murray bin, Dir soll hoher Lohn werden!«

Roland verneigte sich und stand im Begriffe, sich zu entfernen, da gab ihm der Graf ein Zeichen, noch zu verweilen.

»Ich habe großes Vertrauen in Dich gesetzt, mein Sohn, denn Du bist der einzige meines Gefolges, der auf meine eigne Empfehlung zu meiner Schwester gesandt wird. Ihre Kammerfrauen hat sie sämtlich sich selbst gewählt. Sie solches Vorrechts berauben zu wollen, wäre übertriebne Härte gewesen, wenn auch einige Mitglieder des Staatsrats hierfür stimmten ... Du bist jung und ein schmucker Gesell. Mach ihre Torheiten mit, aber achte darauf, daß hinter Torheiten sich nichts Ernsteres verbirgt, und werden Minen gelegt, dann lege Du Gegenminen! Im übrigen betrage Dich mit allem Anstand und aller Ehrerbietung gegen Deine Herrin, denn sie ist Fürstin, wenn auch vom Unglück beherrscht, und sie war Königin, Königin von Schottland! wenn sie es auch, leider! jetzt nicht mehr ist -- Und nun leb wohl! -- Doch halt, noch eins! Du reitest mit Lord Lindesay. Sieh Dich vor, ihm nicht zu nahe zu treten! er ist ein rauher Herr, der keinen Spaß versteht ... und Du, mein Sohn, sollst, wie ich vernommen, zuweilen vorlaut, man hat sogar gesagt, naseweis sein.« Diese letzten Worte sprach er mit freundlichem Lächeln. Dann fügte er noch hinzu: »Mir wäre es freilich lieber gewesen, der Staatsrat hätte einen Lord von bessrer Bildung mit solcher Botschaft beordert.«

»Und warum, Mylord?« fragte Graf Morton, der grade ins Zimmer trat, um diese Schlußworte noch zu hören. »Der Staatsrat hat entschieden, daß Lord Lindesay der beste sei für diese Aufgabe, denn es fehlt uns wahrlich nicht an Proben von Halsstarrigkeit dieser Dame, und eine Eiche, die der scharfen Axt von Stahl widersteht, muß durch rauhen Eisenkeil gespalten werden ... So? dies soll der Page sein? Nun, Mylord hat Euch wohl instruiert, junges Bürschchen, wie Ihr Euch zu verhalten habt. Indessen will ich Euch doch einen kleinen Wink noch beifügen. Ihr steht im Begriffe, Euch nach einem Douglas-Schlosse zu begeben. Vergeßt nicht, Knabe, daß noch in keinem Douglas-Schlosse Verrat gedieh! die erste Spur von Verdacht wäre der letzte Augenblick, Eures Lebens ... Mein Vetter William Douglas ist ein wilder Gesell. Wittert er Argwohn gegen Euch, dann tanzt Ihr, ehe die Sonne über seinem Zorne untergeht, auf den Schloßzinnen Schwebewalzer im Winde! ...« Dann wandte er sich an den Regenten: »Und einen Beichtvater soll die Dame auch erhalten?«

»Gelegentlich,« versetzte der Regent, »denn ihr den geistlichen Trost vorenthalten zu wollen, wäre doch mehr als grausam.«

»Mylord, immer wieder weichherzig?« fragte Graf Morton. »Solch falscher Priester ebnet ihren Klagen nicht bloß den Weg zu unsern Widersachern in Schottland, sondern auch zu den Gassen in Frankreich und zu den Glaubensgenossen in Rom und Madrid!«

»Seid ohne Sorge!« erwiderte der Regent, »es sollen Maßregeln getroffen werden, die jede Verräterei unmöglich machen.«

Hierauf wandte sich der Regent zu dem Pagen, wie wenn ihm einfiele, derselbe sei nun lange genug bei einer Unterredung, die ihn eigentlich nichts mehr anginge, anwesend gewesen, und befahl ihm, ohne Säumen aufzusitzen, da Lord Lindesay bereits fertig zum Ausritt sei. Roland verneigte sich und verließ das Zimmer.

Im Hofe hielt ein Kommando von etwa dreißig Berittenen unter einem Befehlshaber, dem man Zorn und Ungeduld deutlich genug ansah.

»Ist das der Maulaff von Page, auf den wir so lange haben warten müssen?« fuhr er Michael an, »Lord Ruthven wird nun vor uns im Schloß eintreffen.«

Michael bejahte die Frage, fügte aber bei, daß der Regent den Pagen nicht früher zu entlassen geruht habe. Lord Lindesay brummte einige unverständliche Worte, die sich anhörten wie, daß man sich mehr bieten lassen müsse, als auf eine Kuhhaut ginge; dann rief er einen Reiter heran, der noch grimmiger aussah als der Lord selbst, und rief ihm zu:

»Nimm den Musje unter Deine Obhut, Edward! Außer mit Dir soll er mit niemand reden!«

Dann wandte er sich an einen bejahrten Herrn von ehrwürdigem Aussehen, den er mit »Sir Robert« anredete und der der einzige in dem Trupp zu sein schien, der ihm an Rang gleichstand, mit der Bemerkung, es sei nun an der Zeit aufzubrechen. Während dieses Gesprächs der beiden Lords hatte Roland Zeit, sie sich anzusehen.

An Lord Lindesay von Byres, dem Führer des Zuges, waren die Jahre gewissermaßen spurlos vorübergegangen. Die stramme aufrechte Haltung und sein kräftiger Gliederbau ließen erkennen, daß er den Beschwerden des Krieges noch immer gewachsen sei. Ueber den großen, von düstrer Glut lodernden Augen hingen dichte Brauen, die ins Graue zu spielen anfingen. Eine Anzahl von Schrammen, Zeuginnen der Schlachten und Kämpfe, die er bestanden, mehrte noch den strengen, abstoßenden Ausdruck seiner Züge. Eine Stahlhaube mit vorspringendem Schirm, doch ohne Visier, überschattete den obern, ein graumelierter Bart, der von der Kinnkette gekreuzt wurde, bedeckte den untern Teil des grimmigen Gesichts. Er trug ein ledernes Wams, das einst mit Stickerei besetzt und mit Seide eingefaßt gewesen war, jetzt aber die Spuren von allerhand Strapazen deutlich an sich trug. Unter dem Wams saß ein Panzer, einst von poliertem Stahl und fein vergoldet, jetzt aber durch Rost stark entstellt. Ein Schwert von seltsamer Größe und altertümlicher Form, mit beiden Händen zu führen, hing an einem Wehrgehenk über beiden Schultern und reichte quer über den ganzen Mann hinweg, so daß der gewaltige Griff über die linke Schulter aufragte, die Spitze aber fast an die Ferse hinunterreichte. Dieses Ungetüm von Waffe, das damals aus dem Brauche zu kommen anfing, ließ sich nicht anders aus der Scheide ziehen als so, daß man den Griff über die linke Schulter hob, denn keines Menschen Arm war lang genug, es auf die gewöhnliche Weise zu bewerkstelligen. Das ganze Bild, das der Mann bot, war das eines rauhen, in seiner äußern Erscheinung den Menschenfeind aufs schärfste markierenden Kriegers, und der abgerissne, strenge Ton, den er gegen sein, Gefolge anschlug, verriet unbedingten Mangel an Bildung.