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»Ihr sprecht in Rätseln, Mylord,« sagte Maria, »die Auflösung enthält, will ich hoffen, nichts als Beleidigung?«

»Urteilt selbst, gnädige Dame,« erwiderte Lindesay, »mit diesem guten Schwerte wurde Archibald Douglas, Graf von Angus, umgürtet an jenem denkwürdigen Tage, als er sich den Spitznamen »Vald der Rattenfänger« holte. Vor den Augen Eures Urgroßvaters Jakobs des Dritten hob er einen Schwarm von Günstlingen und Speichelleckern auf und ließ sie über der Brücke von Lauder zum warnenden Exempel für alles Luder, das sich dem schottischen Throne so gern naht, an Pfähle knüpfen. Mit derselben Waffe spaltete derselbe unentwegte Verfechter schottischer Ehre und schottischen Adels den Höfling Eures Großvaters Spens von Kilspindie bei Tafel den Rumpf, weil er sich erfrechte, in des Königs Gegenwart leichtfertig von ihm zu sprechen.«

»Mylord,« erwiderte errötend die Königin, »meine Nerven sind zu fest, daß sie durch solche gruselige Erzählungen erschüttert werden könnten. Indessen darf ich wohl fragen, wie solche Klinge aus dem Besitz der Douglas in den der Lindesay hat übergehen können? Ich hätte gedacht, sie müsse einem Geschlecht als heilig gelten, das sich in den Glauben gewiegt hat, alles was es wider das Königshaus tue, tue es zum Heile des Vaterlandes.«

»O, gnädigste Frau,« rief, ihr ängstlich ins Wort fallend, Sir Robert Melville, »stellt nicht diese Frage an Lord Lindesay! ... Und Ihr, Mylord, sofern Ihr Gefühl noch hegt für Scham und Schicklichkeit, so scheut Euch, Antwort drauf zu geben.«

»Es ist Zeit, daß solches Weib die Wahrheit höre,« rief grimmig Lord Lindesay.

»Und laßt Euch versichern, Mylord,« sprach Maria Stuart, keins Eurer Worte, möget Ihr sprechen, was Ihr wollt, wird die Frau, mit der Ihr sprecht, zum Zorne reizen. Es gibt Fälle, wo gerechte Verachtung stets gerechtem Zorne obsiegt.«

»Dann wißt,« versetzte Lindesay, »daß ich auf dem Plane von, Caxberry-Hill, als der falsche, ruchlose Verräter und Mörder Jakob, einst Graf von Bothwell, mit dem Spottnamen Herzog von Orkney, jedem der Adelinge, die gekommen waren, ihn zur Verantwortung zu ziehen, sich zum Zweikampf erbot, die Herausforderung annahm und von Graf Morton Douglas dafür mit diesem edlen Schwert beschenkt wurde, den Strauß zu bestehen. Ha, hätt er ein Körnchen mehr Mut und ein Korn weniger Feigheit besessen, so wahr mir der Himmel helfe, ich hätt seinen elenden Verräterleib mit diesem guten Stahl so zugerichtet, daß er Hunden und Raben ein leckeres Futter gewesen wäre.«

Als Maria den Namen Bothwell hörte, erlag der Mut der Königin beinahe, knüpfte sich doch an ihn eine ganze Reihe von Schuld und Scham und Unglück! ... Aber die großsprecherische Art Lindesays gab ihr Zeit zur Fassung, und mit einer Miene kalter Verachtung erwiderte sie:

»Einen Feind zu besiegen, der nicht in die Schranken tritt, ist leicht. Hätte aber Maria Stuart mit ihres Vaters Szepter auch sein Schwert geerbt, dann sollten die verwegensten ihrer Rebellen nicht Klage an diesem Tage führen, daß niemand da sei, es mit ihnen aufzunehmen. Eure Herrlichkeit wird mir es nachsehen, wenn ich dieses Gespräch abkürze. Von solchem blutigen Kampfe ist eine kurze Erwähnung schon lang genug, die Neugierde einer Dame zu stillen; und hat Lord Lindesay uns nichts Wichtigeres mitzuteilen als Dinge vom »Bald dem Rattenfänger«, die er wohl gern nachgemacht hätte, wenn Zeit und Umstände sich dazu schickten, dann wollen Wir uns in unser Kabinett zurückziehen, wo Ihr uns, liebe Fleming, Weiteres vorlesen mögt aus dem lustigen Büchlein Des rodomontades Espagnolles [Ueber spanische Großprahlereien].

»Entschuldigt, gnädige Dame,« versetzte Lindesay, dessen Wangen jetzt auch Röte färbte, »ich kenne Euren schnellen Witz von früher her zu gut, daß ich nach einer Unterredung hätte geizen sollen, die Euch Gelegenheit geben konnte, seine Schärfe auf Kosten meiner Ehre zu zeigen. Lord Ruthven und meine Wenigkeit kommen in Begleitung Sir Robert Melvilles im Auftrage des Staatsrates, Euer Gnaden Anträge zu stellen, von denen die Sicherheit Eures Lebens und die Wohlfahrt des Staates abhängen wird.«

»Im Auftrag des Staatsrats?« fragte die Königin. »Auf wessen Vollmacht besteht und handelt er, während man mich, die ihn zu seiner Würde erhob, hier in Gefangenschaft hält? Aber es mag so sein! Was Schottlands Wohl erheischt, wird Maria Stuart recht kommen, gleichviel woher es komme -- und was ihr eignes Leben anbetrifft, so hat sie, auch wenn sie erst ein Alter von fünfundzwanzig Jahren erreichte, doch lange genug schon gelebt, um ihres Lebens überdrüssig zu sein ... Wo bleibt Euer Kollege, Mylord? ... und warum zögert er?«

»Er kommt, gnädigste Dame!« sagte Sir Robert Melville.

In diesem Augenblicke trat, mit einer Rolle in der Hand, Lord Ruthven ins Zimmer, und Leichenblässe bedeckte das Gesicht der Königin, als sie seinen Gruß erwiderte. Aber sie gewann ihre Fassung schnell, als hinter dem edlen Lord, dessen Erscheinung ihren Busen in solche Wallung zu setzen schien, Georg Douglas, jüngster Sohn des Ritters von Lochleven, der in Abwesenheit des Vaters und der Brüder auf dem Schlosse den Dienst eines Seneschalls versah, hinter ihm ins Zimmer trat.

Ende des ersten Bandes

Zweiter Band

(Zugleich Fortsetzung des Romans »Das Kloster.«)

Erstes Kapitel

Was das Gemüt der Königin so erregte, als Lord Ruthven, der durch Blick und Haltung den Krieger und Staatsmann verriet und dessen Lederkoller nichts von der schmutzigen Nachlässigkeit zeigte, durch die Lindesays Anzug sich auffällig machte, war der Anteil, den derselbe an der Ermordung des Sängers David Rizzio genommen hatte. Sein Vater, wenn auch durch lange Krankheit an das Siechbett geheftet, hatte diese Greueltat vor den Augen seiner Fürstin verübt und sein Sohn hatte ihm als Werkzeug dabei gedient. Die Königin hatte die grauenvolle Tat mit angesehen, und so war es kein Wunder, daß die Teilnehmer derselben sie fort und fort mit Schrecken und Entsetzen erfüllten. Nichtsdestoweniger erwiderte sie die Begrüßung Lord Ruthvens mit Anmut und reichte Georg Douglas die Hand, der ehrfurchtsvoll niederkniete und einen Kuß darauf drückte; und dieser Handkuß war das erste Zeichen von Untertanenhuldigung, das Roland Gräme seiner gefangenen Fürstin darbringen sah.

Eine kurze Stille trat ein. Der Hausmeier des Schlosses, ein Mann von düsterm Aussehen und finstrem Blick, stellte einen Tisch zurecht und setzte ein Schreibzeug darauf. Roland Gräme rückte einen Armsessel heran. Der Hausmeier entfernte sich mit tiefer Verbeugung, und die Königin brach das Schweigen mit den Worten:

»Mit Eurem gütigen Verlaub, Mylords, will ich mich setzen. Wenn auch meine Spaziergänge jetzt beschränkt sind und kaum ermüden können, so fühle ich doch mehr als sonst das Bedürfnis nach Ruhe.«

Sie ließ sich nieder und stützte die schöne Hand gegen ihre Wange. Dann richtete sie einen festen, durchdringenden Blick auf jeden der drei Abgesandten.

»Ich erwarte Eure Botschaft, Mylords,« hob die Königin an, als sie eine Minute gesessen hatte, ohne daß jemand das Wort, ergriff, »die Botschaft von Eurem sogenannten Staatsrat. Ich rechne, daß Ihr Euch naht, mich auf den Thron zurückzugeleiten, der mir gebührt, und mich bitten wollt um Gnade für die, die sich erfrechten, mich vom Throne zu drängen.«

»Gnädigste Dame,« nahm nun Ruthven das Wort, »es ist ein peinliches Amt für uns, einer Fürstin, die so lange über uns geherrscht hat, mit herber Wahrheit zu nahen. Aber wir stehen nicht hier, um Gnade zu bitten, sondern um Gnade zu bieten, mit einem Wort, gnädigste Dame, der Staatsrat entsendet uns mit diesen Urkunden, Eure Unterschrift dafür zu fordern, geleitet von der Ueberzeugung, daß solches die öffentliche Ruhe wiederherstellen, das Wort Gottes zu Ehre und Ansehen und Euer eignes künftiges Wohlergehen fördern werde.«