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»Und von mir erhofft man, daß ich diese schön in die Ohren klingenden Worte auf Treu und Glauben hinnehme! oder darf ich, Mylord, den Inhalt dieses versöhnlichen Schriftstücks kennen lernen, ehe man mir die Unterschrift zumutet?«

»Unbedenklich, gnädigste Frau! es ist unser Wunsch und unser Wille, daß Ihr leset, was Ihr unterzeichnen sollt,« erwiderte Ruthven.

»Sollt?« fragte die Königin; »doch lassen wir's! der Ausdruck paßt gut zur Sache. Lest vor, Mylord!«

Lord Ruthven las den Text der Urkunde vor, die, aufgesetzt im Namen der Königin, erklärte, sie sei in früher Jugend zur Herrschaft über Schottland und zur Verwaltung seiner Krone berufen worden und habe sich aller Regierungsgeschäfte so lange mit Eifer und Liebe angenommen, bis sie durch leibliche und seelische Abspannung verhindert worden sei, diese Lasten weiter zu tragen. Da sie nun durch Gott den Herrn mit einem Knaben gesegnet sei, sei sie von dem Wunsche beseelt, ihm noch bei Lebzeiten die Thronfolge zu sichern, die ihm von Gott und Rechts wegen als Erbe gebühre. »Und deswegen haben Wir,« lautete die Urkunde weiter, »vermöge der mütterlichen Liebe, die Wir zu Unserm Sohne hegen, verzichtet und Uns begeben und verzichten und begeben Uns durch diesen Unsern Brief, aus freiem guten Willen, der Krone, der Regierung und der Verwaltung des Königreiches Schottland zu gunsten Unsers Sohnes, auf daß er Uns als Unser Kronprinz nachfolge genau so, als wäre der Thron durch Unser Absterben und nicht durch Unsre eigne Verzichtleistung erledigt. Und damit diese Unsre eigne Entsagung königlicher Macht um so feierlicher und vollgültiger erscheine und niemand dessen Unkunde vorschützen könne, bewilligen und übertragen Wir volle, freie und offne Vollmacht Unsern vielgetreuen Vettern Lord Lindesay von Byres und William Lord Ruthven, in Unserm Namen vor allen Adelingen des Reiches, vor der gesamten Geistlichkeit und Bürgerschaft, soviel deren zu Schloß und Stadt Stirling zusammenberufen werden mögen, zu erscheinen und in Unserm Namen und zu Unserm Behuf öffentlich und in aller Gegenwart auf die Krone, Leitung und Regierung dieses Unsres Königreichs Schottland zu verzichten.«

Hier unterbrach ihn die Königin mit einer Miene des höchsten Erstaunens ... »Was bedeutet das, Mylords?« rief sie, »sind meine Ohren mir untreu worden, daß sie mich durch solch seltsame Töne berücken? Sagt, ich sei im Irrtum, Mylords, sagt's, um Eurer eignen, um der Ehre des schottischen Adels willen, daß meine vielgetreuen Vettern von Lindesay und Ruthven, zwei Barone von kriegerischem Ruf und altem Adel, nicht die Gefängnisstätte ihrer gütigen Gebieterin in solcher Absicht aufgesucht haben, wie dieses Schriftstück sie zu künden scheint. Sagt um Eurer Untertanentreue willen, um des Eides willen, den Ihr Unsrer königlichen Majestät geleistet habt, daß meine Ohren mich trügen.«

»Nein, gnädigste Frau,« versetzte Ruthven ernst, »Eure Ohren trügen nicht! das Land vermag die Herrschaft einer Frau nicht mehr zu ertragen, die sich nicht selbst zu beherrschen vermag, deren Ohren stets der Schmeichelei von Verrätern und Speichelleckern, von fremdländischen und heimischen Günstlingen offen standen und über persönlichem Tand das Wohl von Land und Untertanen außer acht ließen! und darum ersuche ich Euch, in den letzten, noch übrigen Wunsch Eurer Ratgeber und Untertanen Euch zu fügen und Euch und uns die weitere Erörterung eines so verdrießlichen Gegenstandes zu ersparen.«

»Und das Mylord, ist alles, was meine lieben und getreuen Untertanen von mir fordern?« fragte Maria im Tone bittrer Ironie. »Verlangen sie wirklich bloß von mir, ich solle die Krone, die mir gehört durch das Recht der Geburt, auf ein Kind übertragen, das kaum das erste Lebensjahr vollendet hat? ich solle um solches Wurmes willen das Szepter von mir werfen und zur Spindel greifen? ... Ach, solche Bitte getreuer Untertanen ist doch gar zu bescheiden! Die andre Rolle enthält sicher etwas Weiteres noch, wohl schwerer noch zu bewilligen als das erste, aber geeignet vielleicht, meinem Willen, mich in das Ansinnen meiner Lieben und Getreuen zu fügen, in den Augen Schottlands höhern Wert zu leihen?«

»Dieses Pergament,« nahm Lord Ruthven wieder in ungemindertem Ernste das Wort, indem er das Papier aufrollte, »ist eine Urkunde, durch die Ihr den ehrenwertesten und treuergebensten Euren Untertanen, zugleich Euren nächsten Blutsverwandten, während der Minderjährigkeit des jugendlichen Königs als Regenten über Schottland einsetzt. Vom Staatsrat ist er schon dazu ernannt.«

Ein Schrei entfuhr der Königin, und sie rief, indem sie die Hände ineinander schlug: »Aus diesem Köcher also schwirrt der Pfeil? Von meines Bruders Bogen ist er abgeschossen? Ach, und auf seine Rückkehr aus Frankreich hoffte ich als auf die einzige, wenigstens nächstliegende Möglichkeit meiner Befreiung! Ach, und selbst als ich horte, er habe die Regentschaft übernommen, da habe ich noch geglaubt, er werde sich schämen, sie in meinem, im Namen seiner Schwester zu führen!«

»Mir liegt die Pflicht ob, gnädigste Frau, im Namen des Staatsrats um Antwort zu bitten,« sagte Lord Ruthven.

»Im Namen des Staatsrats!« wiederholte die Königin; »sagt lieber, im Namen einer Räuberbande! die vor Ungeduld, die Beute, die sie in Zähnen und Fängen hält, zu teilen, brennt! Auf solches Ansinnen, Uns gestellt durch den Mund eines Verräters, dessen Schädel, hätte nicht weibische Weichherzigkeit es gehindert, längst vor den Toren der Hauptstadt prangen müßte, hat Maria von Schottland keine Antwort.«

»Gnädigste Frau,« nahm Lord Ruthven wieder das Wort, »ich will unumwunden mit Euch sprechen. Eure Regierung, von der unglücklichen Schlacht bei Pinkie-Cleuch, wo Ihr noch als Kind in der Wiege lagt, bis heute, da Ihr als erwachsne Frau vor uns steht, war ein solches Drama von Verlusten, Unglücksfällen, inneren Fehden und auswärtigen Kriegen, wie seinesgleichen in unsern Chroniken nicht wieder zu finden ist. Kein Jahr ist verflossen ohne Empörung und Blutvergießen, ohne Verbannung von Adelingen und Bedrückung von Bürgern. Schottland ist der Kriegsschauplatz zwischen Franzosen und Engländern. Der Bruder erschlägt den Bruder, der Vater den Sohn. Das zu ertragen, ist unser Volk nicht mehr im stande und nicht mehr willens. Und deshalb ersuchen wir Euch, als eine Fürstin, der Gott die Gabe versagt hat, weisem Rate Gehör zu leihen, und auf deren Beginnen und Tun niemals göttlicher Segen ruhte, einem andern Regiment und einer andern Verwaltung Raum zu geben, damit noch ein Ueberrest von Wohlfahrt diesem zerrütteten Lande erhalten bleibe.«

»Mylord,« sagte Maria, »mir scheint, als häuftet Ihr auf mein unglückliches, dem Verderben geweihtes Haupt die Schuld alles Unheils, das ich doch, mit weit größerm Rechte, der unbändigen und wilden Sinnesart der Lords dieses Landes beimäße! Beginnt Ihr nicht Fehden unter einander, übt Ihr nicht Grausamkeit gegeneinander, rücksichtslos gegen alles Gesetz im Lande, als ob es gar keinen König im Lande gäbe? als ob jeder ein König auf seiner eignen Hufe wäre? Und nun werft Ihr die Schuld auf mich, deren Leben verbittert, deren Schlaf gestört, deren Glück zertrümmert wurde durch Euren Zwiespalt? Bin ich nicht selbst genötigt gewesen, an der Spitze eines Häufleins getreuer Begleiter durch Wildnisse und Gebirge zu ziehen, um Frieden zu erhalten und der Unterdrückung zu steuern? ... Trug ich nicht selber Harnisch und Pistolen, weiblichem Sinne und königlicher Würde entsagend, um meinem Gefolge ein Beispiel zu geben?«

»Wir wollen gelten lassen,« erwiderte Lindesay grob, »daß Euch die durch Eure schlechte Regierung hervorgerufenen Unruhen zuweilen auf einem Maskenball oder bei einer andern Lustbarkeit erschreckt haben mögen, oder daß sie den Götzendienst einer Messe oder den ränkevollen Vortrag eines französischen Gesandten gestört oder aufgehalten haben. Aber die beschwerlichste Reise, die Euer Gnaden wohl je unternommen haben, war die von Hawick nach Schloß Hermitage, soweit wenigstens ich zurückdenken kann. Dem Gewissen Euer Gnaden bleibe es anheimgestellt zu beurteilen, ob bei derselben das Staatswohl oder Eure Privatehre gewonnen hat.«