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»Ich hätt nichts dawider,« rief Katharina, und ihr geistvolles Gesicht errötete vor Verdruß, »wenn er sich mit seinen Kumpanen auf und davon machte, und statt seiner ein Page den Weg hierher fände, der treu zu seiner Königin und seinem Glauben hielte.«

»Eure Wünsche, mein gnädiges Fräulein, können zu gewissem Teil Erfüllung finden,« erwiderte Roland, außer stände, über die Behandlung, die ihm von den Damen widerfuhr, seinen Unmut länger zu verbergen, und wollte grade noch beifügen, daß er dem Fräulein von Herzen einen andern an seiner Statt zur Gesellschaft wünsche, der besser imstande sei, Weibermucken zu ertragen, ohne sie sich zu Heizen zu nehmen wie er ... da besann er sich aber noch rechtzeitig auf die Reue, die er empfunden hatte, als er sich bei einer ähnlichen Veranlassung von seinem Temperament hatte fortreißen lassen, und biß sich auf die Lippen, daß ihm die Worte auf der Junge erstarben, die in Gegenwart einer Königin noch um so ungeziemender gewesen wären.

»Warum steht Ihr da wie an den Boden gewurzelt?« fragte die Königin.

»Ich warte auf die Befehle von Euer Gnaden,« erwiderte der Page.

»Ich hab keine Befehle für Euch – schert Euch!«

Auf dem Weg nach dem Boote hörte er noch deutlich die Worte der Königin zu einer ihrer Zofen: »Da seht Ihr, in welche ärgerliche Situation Ihr uns gebracht habt!«

Dieser kurze Auftritt war bestimmend für Rolands Entschluß, den Aufenthalt in Lochleven so viel wie möglich abzukürzen und noch heute mit Douglas darüber zu sprechen, wie er am schnellsten in dieser Hinsicht zum Ziele kommen könne. Douglas saß wie immer still und schweigsam in dem kleinen Kahne, den sie auf ihren Angelfahrten benützten, Roland stieg mit ein und sie ruderten nun ein Stück weit in den See hinaus.

Da sagte Roland zu Georg Douglas:

»Ich möchte gern mit Euch über etwas sprechen, Douglas, wenn's Euch recht wäre.«

Der schwermütige Zug in dem Gesichte des jungen Mannes wich unvermutet dem scharfen Blick eines auf seiner Hut befindlichen Herrn, der einer wichtigen Nachricht beunruhigenden Charakters entgegensieht.

»Mir ist der Aufenthalt in diesem Schlosse bis in den Tod zuwider,« sagte Roland.

»Weiter nichts?« versetzte Douglas. »Ich wüßte niemand im Schloß, dem's nicht ebenso ginge,«

»Mag sein, aber ich bin weder hier geboren, noch sitze ich hier in Gefangenschaft; deshalb darf ich wohl vernünftigerweise den Wunsch hegen, Lochleven zu verlassen.«

»Euer Wunsch möchte an Vernunft kaum einbüßen, wenn eins von beidem der Fall wäre,« erwiderte Douglas. »Ich habe aber nicht bloß das Leben hier satt, sondern will fort von hier,« sagte Roland Gräme.

»Leichter gesagt als getan,« sagte Douglas,

»Leicht getan, wenn's Euch und Eurer Frau Mutter recht ist,« sagte Roland.

»Ihr seid im Irrtum, Roland,« erwiderte Douglas, »und werdet bald erkennen, daß hierzu die Einwilligung von zwei andern Personen nicht minder unerläßlich ist, und zwar einerseits der Lady Maria, Eurer Herrin, anderseits des Regenten, meines Oheims, der Euch an diesen Platz beorderte und es schwerlich angemessen finden dürfte, daß die Lady so schnell mit ihrem Diener wechselt.«

»So müßte ich bleiben, auch wider meinen Willen?« fragte der Page, ziemlich betroffen über eine Auffassung, die ihm, wäre er erfahrener gewesen, selbst hätte kommen müssen.

»Wenigstens werdet Ihr so lange bleiben müssen, bis es meinem Onkel passen wird, Euch gehen zu lassen.«

»Offen gestanden,« sagte der Page, »sollte ich mich hier als Gefangnen anzusehen haben, so sage ich Euch als einem Edelmann, den ich keines Verrats für fähig halte, daß mich weder Ringmauern noch Fluten lange in meinem Kerker halten sollten.«

»Offen gestanden,« erwiderte Douglas, »könnt ich Euch solchen Versuch auch nicht verdenken. Aber bei dem allen würde Euch sowohl mein Vater, als mein Onkel, Graf Morton und jeder meiner Brüder, wie jeder königliche Diener, dem Ihr in die Hände gerietet, aufknüpfen lassen wie einen gemeinen Hund oder wie eine Schildwache, die von ihrem Posten gelaufen ist. Und entkommen dürftet Ihr ihnen schwerlich, darauf geb ich Euch Brief und Siegel ... Aber haltet dort auf die kleine Insel zu. Dort gelingt uns sicher ein guter Fang. Haben wir uns mit Angeln eine Stunde die Zeit vertrieben, dann wollen wir über das, was Ihr angeregt habt, uns näher besprechen.«

Als die von Douglas gesetzte Zeit verstrichen war, nahm er das Ruder und gab Roland das Steuer. Mittwegs zwischen Insel und Landungsplatz ließ er die Ruder ruhen und sagte, sich behutsam umsehend, zu seinem Gefährten:

»Ich könnt Euch was mitteilen, aber es ist ein so tiefes Geheimnis, daß ich es selbst hier zwischen Himmel und Flut, wo niemand uns belauschen kann, nicht auszusprechen wage.«

»Zieht Ihr die Ehre dessen, der allein Euch hören kann, in Zweifel, dann laßt's ungesprochen,« erwiderte Roland. »Nicht Eure Ehre ziehe ich in Zweifel, doch Ihr seid jung, unbedacht, wankelmütig,« sagte Douglas.

»Wer hat Euch gesagt, ich sei wankelmütig!« fragte Roland.

»Jemand, der Euch vielleicht besser kennt als Ihr Euch selbst!«

»Vermutlich Katharina Seyton,« sagte der Page mit klopfendem Herzen, »aber sie ist selbst fünfzig mal wetterwenderischer als die Wasserfläche, über die wir jetzt fahren.«

»Katharina Seyton, junger Freund, ist ein Fräulein von edler Abkunft, über das man so leichthin sich nicht äußern darf,« sagte Douglas.

»Herr Georg Douglas,« versetzte Roland, »es scheint, als solle etwas, was wie Drohung aussieht, Euren Worten Nachdruck leihen, ich mochte aber zu bemerken bitten, daß ich mir aus einer Drohung nicht mehr zu machen pflege wie aus einer Forellenflosse, und nebenbei muß ich sagen, daß ein Kämpe, der sich um jedes vornehmen Fräuleins willen, das die Männer eines veränderlichen Sinnes zeiht, in die Gefahr eines Zweikampfes stürzen wollte, bald alle Hände voll zu tun haben dürfte.«

»Still, still,« sagte der Seneschall, doch in gutgelauntem Tone, »Ihr seid ein wunderlicher Kauz, mit dem sich darüber reden läßt, wie man ein Netz wirft oder einen Falken steigen läßt, aber über nichts andres.«

»Dreht sich Euer Geheimnis um Katharina Seyton,« sagte der Page, »so läßt es mich kalt, und Ihr dürft's ihr ruhig sagen, wenn's Euch beliebt. Ich weiß ja, sie findet schon Gelegenheit mit Euch zu sprechen.«

Die jähe Röte, die Douglas in die Wangen schoß, verriet dem Pagen, daß er richtig geraten, wenn er auch nur auf den Strauch geschlagen hatte, aber die Ueberzeugung, daß es so war, fuhr ihm wie ein Dolchstich durch das Herz, Sein Kamerad griff wieder, ohne weitere Erwiderung, zu den Rudern und setzte sie erst wieder ab, als sie zum Schloß und Eiland gelangt waren. Hier nahmen die Diener die gewonnene Beute in Empfang, die beiden Angler aber verfügten sich jeder in seine Stube,

Eine Stunde lang mochte Roland in seinem Grolle gegen Schloß und Menschen dagesessen haben, als ihn sein Dienst zur Tafel der Königin rief. Verdrießlich kleidete er sich um und verdrießlich stellte er sich hinter dem Stuhle seiner Gebieterin auf; sie mochte es bemerken und wahrscheinlich zu der altern Zofe ein paar Worte darüber äußern, denn diese lachte, während Katharina sie halb lächerlich, halb empfindlich aufzunehmen schien. Da aber Roland seine Miene nicht änderte, schien die Königin sich anders zu besinnen, es schien ihr leid zu tun, daß sich das junge Blut grämte, und sie machte nun mit dem ihr eignen Zartgefühl, das kein Weib in höherm Grade besessen haben dürfte als sie, das Unrecht wieder gut, indem sie erst die Fische lobte, die er gefangen, und die ihr zum Fasttage eine so herrliche Speise gebracht hätten, dann die schönen Farben der Fische lobte, dann von dem Fangorte, über die Größe und Schmackhaftigkeit, zuletzt über die Vorzüge plauderte, die den im Gebirgswasser gefangnen Forellen gegenüber den See-Forellen zuzusprechen seien ... und Rolands Mißmut schwand wie Schnee vor der Sonne, er pries die Herrlichkeiten von Schottlands Bergen und Tälern, er erzählte von den prächtigen Forellen im Tale des Nith und von der ganz eigentümlichen Art, die im Schloßsee von Lochmaben gefangen werde, und er geriet in solches Feuer, daß seine schwärmerische Begeisterung die Königin ansteckte. Ihr Lächeln schwand, und nicht lange, so standen ihr Tränen in den Augen. Und da hielt er plötzlich inne und fragte bewegt, ob er, ohne sein Wissen, etwas gesagt habe, das ihr Kummer bereitet habe?