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»Nicht doch, mein Knabe,« sagte die Königin mild, »Eure Schilderungen der Flüsse und Seen meines schönen Landes weckten die Sehnsucht in meinem Herzen, und da spielte mir meine Phantasie einen Streich und riß mich hinaus in das malerische Tal des Nith und zu den majestätischen Türmen Lochmabens. O du liebliches Land, über das meine Ahnen so lange Jahrhunderte herrschten! Dem ärmsten Bettler ist's vergönnt, was Deiner Königin verwehrt ist, Du kannst mit Deinem Stab in der Hand von einem Platz zum andern ziehen, und ich, ach, ich, muß mein Leben vertrauern in diesen kalten finstern Mauern!

»Eure Hoheit,« sagte Lady Fleming, »möchten gut tun, sich zurückzuziehen.«

»Gewiß, Fleming, komm mit,« sagte die Königin, »wie sollte ich so jugendliche Herzen wie diese beiden durch meinen Gram vergiften!«

Mit einem Blicke inbrünstiger Schwermut verließ sie Roland und Katharina.

Eine Weile lang saß das junge Paar schweigend einander gegenüber. Der Page fühlte sich wundersam beklommen, während Katharina gleich einem zögernden Geiste, der sich der Furcht bewußt ist, die er dem armen Sterblichen einflößt, ihm aber Zeit läßt, sich zu sammeln, eine geraume Zeit vergehen ließ, ehe sie es aufgab zu warten, daß er spreche, und selbst die Unterhaltung eröffnete.

»Glaubt mir, Roland, alle, die Euch wohlwollen, sind recht besorgt um Euch,« sagte sie.

»Ich glaube, ihre Zahl ist ziemlich beschränkt, und ihre Besorgnis wird schwerlich tiefer liegen, als daß sie nicht binnen zehn Minuten zu heilen wäre.«

»Die Zahl ist größer, als Ihr meint,« versetzte Katharina, »mancher aber scheint sich um Euch zu sorgen, ohne damit recht zu tun, wißt Ihr doch, Euch am besten selbst zu beraten. Wenn Ihr der Ehre und Pflicht und dem Glauben Eurer Väter Gold und Kirchengüter vorzieht, warum sollte da Euer Gewissen Euch stärkere Fesseln anlegen als andern?«

»Sei mir der Himmel Zeuge!« rief Roland, »daß, wenn ich Zweifel bezüglich der Religion hege, diese Zweifel aus Ueberzeugung meines Herzens, zufolge der Stimme meines Gewissens, hervorgegangen sind!«

»Zufolge der Stimme Eures Gewissens?« wiederholte sie mit Nachdruck. »Gewiß, Euer Gewissen ist Euch Deckmantel, ein gar bequemer Deckmantel, wie ich gern gelten lasse, birgt er doch die schwere Last eines der schönsten Lehen der Abtei des heiligen Marienklosters von Kennaqhyeir, jüngst unserm Königlichen Krongut anheimgefallen durch ihren Abt und ihre Brüder, und nun übertragen durch den großmächtigen Murray, den Verrätergraf, dem lieben Frauenritter Roland für seine Dienste als Hilfsspion und Vize-Kerkermeister seiner rechtmäßigen Fürstin Maria.«

»Ihr verkennt mich grausam,« erwiderte der Page, »Gott ist mir Zeuge, daß ich diese arme Dame schützen und retten möchte mit Leibes- und Lebensgefahr! aber was kann ich, was irgendwer zu ihrer Rettung tun?«

»Tun läßt sich vieles! genug, alles, wenn Männer sich treu und ehrenhaft bewähren wie in den Tagen eines Bruce und eines Wallace. Ach, Roland, welchem Unternehmen entzieht Ihr Euch, entzieht Ihr Eure Hand und Euer Herz aus bloßem Wankelmut und aus Mangel an Feuergeist!«

»Wie kann ich mich einem Unternehmen entziehen, das mir noch gar nicht bekannt ist?« fragte Roland. »Hat die Königin, habt Ihr, hat sonst jemand einen Dienst von mir begehrt, dessen ich mich geweigert hätte? Habt aber nicht vielmehr Ihr mich ferngehalten von all Euren Beratungen, als sei ich ein treuloser Kundschafter?« »Wer sollte dem Freunde, Schüler und Genossen eines Ketzerpriesters wie Henderson vertrauen? Wahrlich, einem bessern konntet Ihr Euch nicht zuwenden an Stelle des edlen Paters Ambrosius, der jetzt von Haus und Hof gejagt ist, wenn er nicht irgendwo im Kerker schmachtet, weil er den Schergen des Grafen Morton sich widersetzte, an dessen Bruder die irdischen Besitztümer des hehren Gotteshauses gegeben worden sind.«

»Ist das möglich? in solcher Not befände sich Pater Ambrosius?« fragte der Page.

»Das solltet Ihr nicht wissen?« fragte Katharina, »da Ihr doch geschlürft habt von dem Gifte, das Ihr von den Lippen schleudern solltet? Oder stellt Ihr's in Abrede? Ist Euer Glaube nicht im Wanken, wenn nicht gar schon unterlegen? Rühmt sich nicht dieser ketzerische Mucker schon Eurer Eroberung? stellt Euch die ketzerische Schloßherrin nicht andern schon als Muster auf? Glauben nicht die Königin und Lady Fleming an Euren Abfall? Und gibt's wohl jemand außer einer einzigen Person – nun, warum soll ich's nicht unumwunden sagen? ... gibt's außer mir wohl jemand noch, der auch nur die schwächste Hoffnung noch besäße, daß Ihr Euch noch so bewähren möchtet, wie alle einst von Euch erwarteten?«

»Ich weiß nicht,« sagte darauf Roland, in großer Verlegenheit darüber, was man von ihm erwartet hatte, nach den Reden einer Person, an der sich sein Interesse durch den langen gemeinschaftlichen Aufenthalt im Schlosse Lochleven ganz sicher nicht verringert hatte ... »ich weiß nicht, was man von mir erwartet hat oder von mir fürchtet. Ich bin hierher gesandt worden zum Dienst bei der Königin Maria und gelobe ihr Dienerpflicht auf Leben und Tod. Hat sich jemand andrer Dienste von mir gewärtig gehalten, dann bin ich nicht tauglich gewesen, sie zu leisten. Zu den Lehren der reformierten Kirche bekenn ich mich weder, noch verwerfe ich sie ... Soll ich Euch sagen, wie ich in dieser Hinsicht denke und meine? Mir will es vorkommen, als sei die katholische Geistlichkeit durch gewisse Schlechtigkeiten selbst schuld an diesem Strafgericht, das über sie hereingebrochen ist; und meinem Dafürhalten nach kann solches Strafgericht nur beitragen zu ihrer Besserung ... Was aber den Verrat betrifft an dieser edlen Königin, so bin ich, Gott sei Dank! frei von jeglichem Gedanken daran. Und dächt ich schlimmer über sie als ich vom Standpunkt eines Dieners aus möchte und von dem eines Untertans aus dürfte, so würde ich selbst dann nicht zum Verräter an ihr werden...« »Genug! genug!« rief Katharina und klatschte in die Hände, »Du verläßt uns also nicht, wenn sich Mittel und Wege zeigen sollten, unsrer Gebieterin den Weg zur Freiheit zu zeigen, Mittel und Wege zur Beilegung des Zwistes zwischen ihr und ihren meuterischen Untertanen?«

»Ja, aber, Holdeste der Holden,« warf der Page ein, »hört doch, bitte, was der Regent zu mir sagte, als er mich hierher sandte!«

»Hört lieber, was der Teufel sagte!« rief erbittert Katharina, »statt daß Ihr hört, was solch ein falscher Untertan und Bruder und Freund und Berater gesagt hat! Von einem armseligen, auf kleinen Gnadengehalt gesetzten Subjekt durch die Großmut seiner Schwester emporgehoben zum Verweser, der wie ein Pilz aufgeschossen und gewachsen ist einzig durch die Wärme schwesterlicher Gunst, und der nun zum Dank hierfür Ränke gegen sie spann, durch die sie den Weg hierher in dieses Kerkerloch gefunden hat, durch die er sie gezwungen hat zur Entsagung, zum Verzicht auf Thron und Land – O, ermorden ließe er sie, wenn er es wagte um der andern Höfe, um Schottlands, um ihrer letzten Anhänger willen!«

»So schlecht denke ich nicht vom Grafen Murray,« erwiderte Roland Gräme, »und grade heraus gesagt, holde Kallipolis, einiger Bestechung wäre es nun doch wohl nötig, um mich zu einem festen, verzweifelten Entschluß zwischen den beiden Parteien zu bringen.«

»Nun, wenn es bloß darauf ankommen soll,« rief Katharina in begeistertem Tone, »so werden Euch die Gebete unterdrückter Untertanen, die Gebete einer beraubten Geistlichkeit, eines verhöhnten Adels, die Segnungen kommender Geschlechter, die Dankbarkeit der Zeitgenossen, Ruhm auf Erden und Seligkeit im Himmel wohl ein genügendes Entgelt sein können, aber Euer Vaterland, Eure Königin werden Euch danken, die Männer werden Euch ehren, die Frauen Euch preisen, und ich, durch frühern Schwur schon an Euch gebunden zur Befreiung der Königin, werde Euch herzlicher lieben als eine Schwester je den Bruder liebte.«