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»Und was hast Du zu schaffen mit Katharina Seyton?« fragte die Greisin mit strenger Betonung; »ist das eine Zeit oder eine Welt, den Dirnen nachzulaufen oder um einen Maienbaum zu tanzen? da doch die Kriegstrompete jeden treugesinnten Schotten zur Fahne seines rechtmäßigen Fürsten ruft? Und da findest Du Zeit am Putztische eines Weibes zu vertrödeln?«

»Beim Himmel, nein!« erwiderte Roland Gräme, »weder Zeit für den Putztisch eines Weibes noch Zeit zur Haft in den alten Mauern einer Inselburg! Ich wollte, die Trommeten erklängen jetzt, denn kein schwächerer Schall wird, fürchte ich, die Geister bannen können, von denen ich zurzeit umgeben bin.«

»Zweifle nicht, er wird ertönen,« sprach die Greisin, »und so fürchterlich wird er durch Schottland schmettern, durch Berg und Tal, daß Schottlands Volk wähnen wird, den Posaunenlärm des jüngsten Gerichts zu vernehmen! ... Unterdes aber, mein Roland, sei brav und bleibe standhaft, diene Gott und ehre Deine Fürstin! und beharre bei Deinem Glauben! ... ich kann und will nicht fragen, ob die schrecklichen Gerüchte, die mir zu Ohren gekommen sind über Deinen Abfall von der alleinseligmachenden Kirche, wahr sind; ich traue mich nicht, danach zu fragen! ... Geh, wenn Du anfingst, diesen Weg des Fluches zu wandeln, nicht weiter! und Du kannst, selbst zu dieser späten Stunde noch, werden, was ich vom Sohne meiner Hoffnung erhoffte, ... was sage ich: meiner Hoffnung? von Schottlands Hoffnung, Schottlands Stolz und Schottlands Ruhm! ... Selbst Deine närrischen Wünsche können sich erfüllen! aber soviel merke Dir, Roland! Katharina Seyton wird ihre Liebe nur dem schenken, der ihre Gebieterin in Freiheit setzt. In Deiner Gewalt wird es also liegen, dieser glückliche Liebhaber zu werden! ... Hinweg also mit Furcht und Zweifel! bereite Dich zu dem, was die Religion von Dir erwartet, wozu die Religion Dich auffordert! ... bereite Dich zu dem, was Dein Vaterland von Dir erwartet, was Deine Untertanenpflicht von Dir fordert, was Deine Pflicht als Diener Deiner Königin Dir auferlegt! ... Und wenn Du hierin treu bist, dann werden sich, des sei überzeugt, Deine Hoffnungen am ehesten erfüllen, am schnellsten und leichtesten erreichen lassen!«

Sie hörte auf zu sprechen. Ein zweimaliges Klopfen erschallte an der Tür. Schnell rückte die Greisin ihr Tuch wieder zurecht, nahm ihren Platz am Herde wieder ein und fragte, wer da sei?

»Salve in nomino sancto! [Seid willkommen im geheiligten Namen (Gottes)!]« ertönte es von draußen.

»Salvete et vos! [Und Ihr desgleichen!]« lautete die Antwort der Greisin.

Ein Mann trat ein. Er trug die gewöhnliche Tracht eines Reisigen im Gefolge eines Edelmanns und am Gürtel das Schwert und die Tartsche.

»Ich suchte Euch, Mutter,« sagte der Mann, »und den jungen Mann, den ich bei Euch sehe,« hierauf wandte er sich an Roland Gräme: »Solltest Du nicht ein Päckchen besorgen von Georg Douglas?«

»Das Päckchen habe ich,« sagte der Page, sich plötzlich dessen erinnernd, was ihm an diesem Morgen von dem Enkel der Lady Lochleven übergeben worden war. »Aber nicht jedem darf ich es ausfolgen, nur dem, der sich durch ein Zeichen als berechtigt ausweist, es mir abzufordern.«

»Ihr habt recht,« antwortete der Reisige und flüsterte ihm ins Ohr: »Was ich von Euch fordere, ist der Wochenbericht an Georg Douglas' Vater. Ist das genug als Ausweis?«

»Es ist genug,« erwiderte der Page. Hierauf nahm er das Päckchen aus seinem Busen und übergab es dem Manne.

»Ich kehre augenblicklich wieder,« sagte der Reisige und verließ die Hütte.

Roland Gräme hatte sich von dieser neuen Ueberraschung bald hinreichend erholt, um seine Großmutter zu fragen, warum er sie in solch seltsamer Vermummung und an solchem doch gewiß nicht ungefährlichen Orte treffe.

»Welchen Haß die Lady Lochleben gegen alle hegt, die Eures oder vielmehr unsers Glaubens sind, kann Euch nicht unbekannt sein, Großmutter,« sagte er, »und Eure jetzige Verkleidung setzt Euch mancherlei Argwohn andrer Art aus, der nicht minder verhängnisvoll werden kann, sei es als Katholikin oder als Zauberin oder als Parteigängerin der unglücklichen Königin, die sich innerhalb des Grenzbereiches Douglasscher Macht befindet. Und an dem Lochlevenschen Kämmerer dürftet Ihr wohl auch keinen Freund haben.«

»Nein,« rief die Greisin mit blitzenden Augen, »das weiß ich freilich, daß der auf seine Mixturen versessene Narr wie der Teufel mich haßt, seitdem ihm zu Ohren gekommen ist, daß die Heiligen mein Gebet gesegnet haben, daß Reliquien aus meinem Schrein bessere Heilung brachten als seine Arzneien. Aber der Magd des Herrn wird kein Leid geschehen, bis des Herrn Werk vollbracht ist. Und wann diese Stunde schlägt, dann mögen sich die Schatten der Nacht unter Blitz und Ungewitter auf mich niedersenken, und willkommen soll die Zeit mir sein, die meine Augen befreit vom Anblick der Sünde und meine Ohren vom Hören der Lästerworte. Aber Du sei standhaft und spiele Deine Rolle, wie ich die meinige gespielt habe und spielen werde, und Erlösung wird mir winken wie dem gebenedeiten Märtyrer, den die Engel des Paradieses willkommen heißen mit Psalmen und Lobgesängen, unter deren Schall der Hohn und die Verwünschungen der Erde ersticken.«

Als sie geendigt hatte, trat der Reisige wieder in die Hütte und sagte: »Es ist alles gut, die Zeit ist festgesetzt auf morgen nacht.«

»Welche Zeit ist festgesetzt? und was ist festgesetzt?« rief Roland, »ich habe doch hoffentlich Douglas' Auftrag an keinen Unrechten besorgt?«

»Seid ohne Sorge, junger Mann,« versetzte der Reisige, »Ihr habt mein Wort und mein Zeichen.«

»Vom Zeichen weiß ich nicht, ob es das rechte ist, und auf das Wort eines Fremden lege ich keinen besondern Wert,« erwiderte der Page.

»Und hättest Du auch den Auftrag eines Meuterers gegen die Königin einem getreuen Untertan in die Hände gespielt, so brauchte das Versehen Dich nicht zu grämen, Roland Gräme!«

»Beim heiligen Andreas!« rief da Roland, »das wäre freilich ein erbärmlicher Irrtum; denn treu meinem Worte zu sein, liegt auf dieser ersten Stufe des Rittertums mir ob als heiligste Pflicht. Und hätte mir der Teufel in Person einen Auftrag erteilt und mein Wort für die Besorgung in Händen, so verriete ich seinen Anschlag an keinen Engel!«

»Ha, erwürgen konnte ich Dich mit eigner Hand, bei der Liebe, die ich einst für Dich empfunden!« sprach die Greisin, »höre ich Dich faseln von einer Treue, die Du Ketzern und Empörern schuldig zu sein meinst, wenn es sich um das Heil Deiner Kirche und Deiner Fürstin handelt.«

»Seid ruhig, liebe Schwester,« sagte der Reisige, »ich will ihm Gründe namhaft machen, die seine Zweifel beseitigen werden. Die Gesinnung, die ihn dazu bestimmt, ist löblich, wenn auch hier vielleicht zur Unzeit angebracht ... Folgt mir, junger Mann!«

»Ehe ich mit diesem Manne gehe, mich zu überzeugen von der Nichtigkeit seiner Worte, eine Frage noch, Mutter: kann ich nichts tun zur Erleichterung Eurer Lage?«

»Nichts, mein Sohn, außer was Dich zur Ehre führen wird!« sprach die Greisin streng – »wandle den Pfad des Ruhms, der Dir vorgezeichnet ist, und gedenke meiner als einer Person, die sich freuen wird, Gutes von Dir zu hören! Und nun geh und folge dem Fremden! er hat Nachricht für Dich, wie Du sie kaum erwartet haben wirst!

Mit raschen Schritten ging der Fremde voraus und aus der Hütte, dem Gäßchen entlang, und nun bemerkte Roland, daß sich bloß auf der einen Seite desselben Hütten befanden, und daß die andre Seite von einer alten, hohen Mauer eingeschlossen war, über die ein paar Bäume ihre Zweige reckten. Nach einem kurzen Stück Wegs kamen sie an eine niedrige Tür. Der Fremde blieb ein paar Augenblicke stehen, sich umzusehen, ob er nicht beobachtet werde, dann zog er einen Schlüssel aus der Tasche, öffnete die Tür und trat über die Schwelle, dem Pagen winkend, ihm zu folgen. Dann schloß der Fremde behutsam die Tür wieder ab.