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Achtes Kapitel

Der helle Mondschein machte für Roland die nur wenige Schritte von seinem Verstecke befindlichen Gestalten, die im ernsten und vertrauten Gespräch begriffen waren, leicht erkennbar. An der schlanken Gestalt und tiefen Stimme verriet sich ihm Georg Douglas und an dem auffälligen Anzüge des andern erkannte er den Pagen aus dem Wirtshause von Sankt Michael. »Ich bin an der Tür des Pagen gewesen,« hörte er Douglas sprechen, »er ist aber nicht in seiner Kammer, oder er hat keine Lust zu antworten. Vielleicht schläft er auch heute fester als sonst. Er riegelt sich immer ein, durch seine Kammer können wir mithin nicht.«

»Ihr vertraut dem Fant zuviel,« erwiderte der andre; »mir gefällt sein veränderlicher Sinn und heißes Hirn nicht sonderlich.«

»Mir ist es ebenso gegangen in dieser Hinsicht wie Euch,« sagte Douglas, »mir ist aber versichert worden, daß er sich willig zeigen werde, wenn man ihn dazu auffordere, denn..« hier wurden seine Worte so leise, daß es Roland nicht möglich war zu verstehen, so verdriesslich es ihm auch war, denn er hatte die Empfindung, daß die Worte ihn noch stärker betrafen als die vorherigen.

»Nichts da,« rief der andre lebhafter, »ich hab ihn bislang immer noch mit schönen Redensarten abgespeist, Euch aber rate ich, da Ihr ihm im Augenblicke der Entscheidung mißtraut, ihn mit dem Dolch aus dem Wege zu schaffen.«

»Das wäre Vorwitz,« sagte Douglas; »zudem ist, wie ich Euch ja sage, seine Stubentür verriegelt. Ich will aber nochmals zusehen, ob ich ihn wecken kann.«

Roland sagte sich ohne weiteres, daß die beiden Fräulein bemerkt haben mußten, daß er sich noch im Garten aufhalte, und deshalb, um nachts über nicht gestört zu werden, die Vorzimmertür abgesperrt hatten. Aber wie kam dann Katharina Seyton, wenn sich die Königin mit der Fleming noch in ihren Wohnräumen befand und der Zugang verriegelt war, ins Freie?.. »Ich hab keine Lust, mich länger noch mit diesen Heimlichkeiten äffen zu lassen. Zudem darf ich doch nicht unterlassen, meiner holden Kallipolis, wenn sie es wirklich ist, für den freundlichen Wink mit dem Dolche meinen Dank abzustatten.. ich merke, sie sind auf der Suche nach mir, und sie sollen sich nicht umsonst bemühen.«

Douglas war zurück nach dem Schlosse geschlichen, und der fremde Page stand, mit den Armen über der Brust, die Augen ungeduldig auf den Mund gerichtet, wie wenn er ihm um seines hellen Scheines willen grolle, allein im Garten. Im andern Augenblick stand Roland Gräme vor ihm.. »Eine liebliche Nacht, Fräulein Katharina,« sagte er, »für eine junge Dame, in solcher Vermummung sich Stelldichein zu geben im lauschigen Garten mit Mannsbildern.« »Ruhig, Du ewiger Streithammel,« erwiderte der fremde Page, »sag' rund heraus: bist Du Freund oder Feind?«

»Wie sollt ich jemands Freund sein, der mich mit aalglatten Worten hintergeht und einem Douglas rät, sich meiner durch einen Dolchstich zu entledigen?

»Soll doch der Teufel dem Douglas und Dir Durchgänger in den Nacken fahren!« rief der andre, »heraus wird doch bald alles sein, und dann heißt Tod die Parole.«

»Katharina,« sagte Roland, »Ihr seid unehrlich und lieblos mit mir verfahren, jetzt ist die Zeit günstig für eine Aussprache zwischen uns, und ich will ihr so wenig aus dem Wege gehen wie Euch selbst.«

»Ich heiße weder Kathi noch Käthe,« erwiderte der andre, »und ich sollte meinen, der Mond schiene gerade hell genug, daß es nicht schwer fallen könnte, Hirsch und Hindin voneinander zu unterscheiden.«

»Solche Ausflüchte sollen Euch nichts helfen, schöne Dame,« rief Roland, den Mantelzipfel des Pagen fassend; »diesmal wenigstens soll es mir offenbar werden, mit wem ich es in Euch zu tun habe.«

»Laßt ab von mir,« rief sie, bemüht, sich von ihm loszumachen, und es kam Roland so vor, wie wenn ihre Stimme sich zwischen Unwillen und Lachlust bewegte, »wie könnt Ihr Euch so unmanierlich gegen eine Seyton benehmen?« Als jedoch Roland, in der Meinung, ihre Lachlust berechtige ihn zu einiger Kühnheit, ihren Mantel noch immer nicht losließ, rief sie ihm im Tone nicht mißzuverstehender Entrüstung energisch zu: »Die Hände weg, Du rasender Wicht! Leben und Tod hängen an dieser Minute, Dir einen Denkzettel zu geben, liegt noch nicht in meinem Willen, aber Du tust doch gut, Dich in dieser Hinsicht in acht zu nehmen.«

Bei diesen Worten machte sie einen schnellen Versuch, ihn beiseite zu stoßen und zu entfliehen; dabei entlud sich eine Pistole, die sie in der Hand gehalten haben mußte, und der Knall brachte im Nu das Schloß in Bewegung. Der Turmwart blies in sein Horn und zog die Turmglocke, und von seiner Zinne herab schrie er laut, daß es weithin dröhnte: »Verrat! Verrat! Wachet auf! wachet auf!«

In der ersten Bestürzung ließ Roland den Mantel des fremden Pagen los, und im Nu war Katharina Seyton in der Dunkelheit verschwunden. Ruder plätscherten auf dem See, und gleich darauf knallte von den Turmzinnen ein halbes Dutzend Büchsenschüsse, zu denen sich auch der Donner aus einer Feldschlange gesellte.

Völlig außer Fassung durch diese Vorgänge, zeigte sich Roland kein andrer Weg als seine Zuflucht zu Douglas zu nehmen, denn er vermutete Katharina Seyton in dem Kahne, der über den See fuhr, und hinter dem her die Schüsse gefeuert wurden, und wollte bei Douglas alles aufbieten, das Mädchen zu schonen. In dieser Absicht rannte er die Treppe hinauf nach dem Zimmer der Königin, aus welchem starker Lärm und laute Stimmen drangen. Dort sah er sich inmitten einer wirren Gruppe, deren Anblick ihn auf der Schwelle gebannt hielt. Am obern Ende des Zimmers stand die Königin, in Reisekleidern, neben ihr nicht allein Lady Fleming, sondern auch der kleine Ueberallundnirgends Katharina Seyton, in ihrer weiblichen Tracht, mit einem Kästchen in der Hand, worin die Königin die wenigen Juwelen, die man ihr vergönnt hatte, aufzubewahren pflegte. Am andern Zimmerende stand Lady Lochleven, im losen Hausgewande, das sie sich, durch den plötzlichen Lärm erschreckt, schnell übergeworfen hatte, umringt von ihrer Dienerschaft, die zum Teil Waffen trugen, zum Teil Fackeln schwenkten. Zwischen beiden Gruppen sah Roland Georg Douglas mit verschränkten Armen, den Blick zu Boden gesenkt gleich einem auf frischer Tat ertappten Verbrecher, stehen.

»Sprich, Georg Douglas,« rief Lady Lochleven, »und reinige Dich von diesem Deinem Namen anklebenden Verdacht! Sage mir: nie gab es einen wortbrüchigen Douglas, und ich bin ein Douglas! sage mir das geliebter Sohn, nichts weiter, zur Rettung Deines Namens! sage, daß es bloß Arglist war von dieser unglücklichen Frau und diesem treuvergessnen Knaben, die solch unheilvolle Flucht ersann, unheilvoll für Schottland und vernichtend für Deines Vaters Haus.«