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»Sehr verbunden, Fürstin,« erwiderte die Lady, »verwöhnt durch königliche Huld wurde das Haus Douglas nie, und so lange mein Wille gilt, wird es seine schlichte Redlichkeit auch nicht aufgeben für höfische Auszeichnungen, wie sie Maria von Schottland zurzeit noch zu verschenken hat.«

»Wer sich gut aufs Nehmen versteht,« erwiderte die Königin, »meint sich gern frei von der Verbindlichkeit, die mit dem Empfangen verknüpft ist. Und daß mir jetzt so wenig zu bieten bleibt, ist doch niemands Schuld als der Adelsgeschlechter vom Namen Douglas und Konsorten.«

»Eure Gnaden bringen das strenge Weib noch ganz von Sinnen,« flüsterte Lady Fleming der Königin zu; »bedenkt doch, darum flehe ich, daß sie schon aufs tiefste beleidigt ist, und daß sie uns doch völlig in ihrer Gewalt hat.«

»Ich will sie nicht schonen, Fleming,« erwiderte die Königin, »sie hat meine aufrichtige Teilnahme mit Schimpf und Hohn erwidert. Es geht mir wider die Natur, ihr anders als mit gleicher Münze zu dienen. Sind ihr die Worte zur Erwiderung zu stumpf, die ihre Zunge ihr gibt, so mag sie mir doch, wenn sie es wagt, mit ihrem Dolche erwidern.«

»Lady Lochleven täte doch sicherlich besser, sich jetzt zu entfernen,« wandte die Fleming sich unmittelbar an die Lady, »Ihre Gnaden, meine gütige Herrin, benötigt doch ernstlich der Ruhe.«

»Jawohl,« versetzte die Lady, »damit Ihre Gnaden und Hochdero Schoßkinderchen hübsch Zeit behalten, sich zu besinnen, welch andre dumme Fliege sich in ihrem arglistigen Spinngewebe fangen könnte? ... Mein ältester Sohn ist Witmann: sollte er schmeichlerischen Betörungen nicht leichter noch zugänglich sein als sein Bruder es war? ... Freilich, das eheliche Joch wurde ja schon dreimal abgeschüttelt, aber bei den Römlingen herrscht ja doch, trotzdem sie die Ehe für ein Sakrament erklären, die Ansicht, man könne an solchem Sakrament nicht oft genug Teil haben.«

»Die Bekenner des Genfer Glaubens,« erwiderte die Königin, vor Empörung errötend, »sollen dagegen, weil sie in der Ehe kein Sakrament erblicken, von dieser heiligen Zeremonie zuweilen entbinden.« Im andern Augenblick erschrak sie aber selbst über die Folgen dieser herben Anspielung auf die Irrungen in dem frühern Wandel ihrer Feindin, und sie wandte sich zu ihrer Hofdame: »Komm, Fleming, wir erweisen unsrer Wirtin zuviel Huld durch diesen Wortwechsel, und wollen uns nun zur Ruhe begeben. Sollte sie noch einmal Neigung verspüren, uns in unsrer nächtlichen Ruhe zu beschweren, so müßte sie die Tür einschlagen lassen.« Hierauf begab sich die Königin in ihr Schlafgemach. Lady Lochleven aber, durch die letzten Reden der Königin im tiefsten Herzen getroffen, blieb wie angewurzelt am Boden stehen. Dryfesdale und Randal bemühten sich, sie durch Fragen wieder zu sich zu bringen.

»Was soll vorderhand weiter geschehen, gnädigste Herrin?« fragte der eine.

»Sollen die Wachen verdoppelt werden? soll ich im Garten bei den Booten eine Sonderwache aufziehen lassen?« fragte der andre.

»Soll eine Meldung an Sir William nach Edinburg abgehen?« fragte dann Dryfesdale wieder; »sollte nicht auch Kinroß alarmiert werden? für den Fall, daß sich am Seeufer noch ein feindlicher Rückhalt befände?«

»Handle nach Deinem besten Wissen, Dryfesdale,« versetzte Lady Lochleven, die langsam ihre Besinnung wiederfand, »es heißt ja von Dir, Du verständest das Kriegshandwerk. Triff also alle Vorsichtsmaßregeln, die Dir als notwendig erscheinen – Gott im Himmel! daß ich so offnen Schimpf erleiden mußte!«

»Wär's Euer Wille, diese Person – diese – Lady, durch strengere Maßregeln zu zwiebeln?« fragte Dryfesdale.

»Nein, Kerl!« fuhr die Lady ihn an, »mich dürstet nach andrer Rache, solch gelinde Dosis wäscht nicht die Schmach von mir!«

»Und solche Rache soll Euch werden, gnädigste Herrin,« versetzte Dryfesdale; »bevor die Sonne zum andern Male untergegangen, soll Ihr zufrieden sein!«

Die Lady erwiderte nichts hierauf: sie hatte vielleicht die letzten Worte gar nicht vernommen, da sie eben schon das Zimmer verließ. Dryfesdale entließ die Dienerschaft, er selbst blieb zurück, und Roland Gräme war nicht wenig verwundert, den grämlichen Greis mit einer freundlicheren Miene, als er sonst an ihm gewohnt war, auf sich zukommen zu sehen, und um so verwunderter, als sich diese Miene gar nicht recht zu dem finstern Ausdruck des ganzen Gesichts schicken mochte.

»Junger Wicht,« hub Dryfesdale an, »es will mich bedünken, als hätte ich Dir hin und wieder unrecht getan – die Schuld daran trifft aber Dich selbst, denn Dein Benehmen war immer so leicht wie die Feder, die Du auf dem Hute trägst. Aber mein Urteil über Dich ist zu hart gewesen. Heute nacht hab ich aus meinem Fenster gesehen, wie Du Dich gegen den Kameraden des ungetreuen Sohnes dieses Hauses wandtest, der davon abgetrennt werden muß wie ein wilder Schößling – ich war nämlich neugierig, wie Du Dich für die Nacht allein im Garten einrichten würdest – als ich sah, wie Du den Eindringling am Mantelzipfel faßtest, wollte ich Dir schon zu Hilfe kommen: da knallte die Pistole, und der Turmwart, ein falscher Halunke, den ich im Verdacht habe, sich bestechen zu lassen – mußte wohl oder übel Lärm blasen – was er bis dahin, wahrscheinlich mit guter Absicht, unterlassen hatte. Um mein Unrecht wieder gut zu machen, möcht ich Euch eine kleine Liebe antun.«

»Die wäre?« fragte der Page.

»Du sollst die Nachricht von dem Fluchtversuch nach Holyrood melden. Dort kannst Du Dich dadurch in große Gunst setzen, beim Grafen Morton, wie auch bei Sir William Douglas.«

»Vielen Dank, Herr Hausmeier,« erwiderte Roland, »aber ich habe keine Lust, Eure Botschaft auszurichten, denn einmal bin ich ja als Page der Königin hier, und mithin zum Dienste ihr verpflichtet; sodann kann ich mir nicht recht denken, daß die genannten Herren demjenigen sonderlich gnädig sein möchten, der ihnen die Nachricht von der Treulosigkeit eines ihnen so nahe verwandten Junkers überbringt.«

»Hm,« brummte Dryfesdale, halb verwundert, halb verdrießlich, »bei allem Flattersinn scheint's, als ob Ihr Euch in der Welt doch forthelfen würdet.«

»Ich will Euch bloß zeigen, daß mich keine selbstsüchtigen Grundsätze leiten, sondern daß mir Ehrlichkeit für besser gilt als ein grämlicher Sinn, und Lustigkeit für besser als Arglist. Mir kommt's weiter so vor, Herr Hausmeier, als daß Ihr mir nie im Leben so wenig grün wäret, wie eben jetzt, daß Ihr mir aufrichtiges Vertrauen nicht schenken mögt, weiß ich ja; und darum wundert Euch nicht, daß ich falsche Zusicherungen nicht für bare Münze nehme. Bleibt nur mir gegenüber der alte: das ist für uns beide schon das beste – beargwöhnt mich nach wie vor aus vollem Herzen, und haltet mich, wie bisher, hübsch unter der Fuchtel – ich komm dabei ganz gut zurecht, denn Trotz biet ich Euch so oder so – an mir habt Ihr nun mal einen gefunden, der's mit Euch aufnimmt.«

»Musje! beim Himmel!« rief erbost der Hausmeier, »wagst Du Verrat gegen Lochleven zu spinnen, dann soll Dein Kopf auf der Turmwarte in der Sonne rösten!«

»Wer Vertrauen von sich weist, trägt sich wohl nicht mit Gedanken an Verrat,« erwiderte Roland; »und mein Kopf, mein lieber Dryfesdale, sitzt fest auf meinen Schultern, wie ein Turm, vom besten Baumeister gezimmert.«

»Na, dann gute Nacht, Musje Federhut!« sagte höhnisch der Hausmeier.

»Gute Nacht, Signor Ohrenbläser,« erwiderte lachend der Page und legte sich, sobald der alte Griesgram verschwunden war, aufs Ohr.

Neuntes Kapitel

Um andern Morgen wurde zur üblichen Stunde vom Hausmeier mit üblicher Förmlichkeit das Frühstück aufgetragen ... »Es möge von jetzt ab, junger Musje, Euer Amt sein, den Vorschneider zu machen – zu lange schon ist mit diesem Dienst bei der Lady Maria ein Douglas betraut gewesen.«