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Während sie so zusammen sprachen, hatten sie das aufgetragne Frühstück in der Weise, wie Katharina geraten hatte, aufgeräumt, und so leise wie möglich verfügten sich die beiden Fräulein in das Schlafzimmer der Königin. Gleich darauf pochte es wieder an der Tür, und als Roland öffnete, sah er Lady Lochleven draußen stehen. Mit der Erklärung, es tue ihm leid, daß er die Lady vorhin hätte warten lassen müssen, ließ er sie in das Vorzimmer und setzte hier hinzu, er dürfe auch jetzt noch niemand zur Königin lassen, da sie gleich nach dem Frühstück in einen tiefen Schlaf gesunken sei.

»Also hat sie doch von dem Frühstück genossen?« fragte Lady Lochleven.

»Ei freilich,« antwortete der Page, »Ihre Gnaden fasten doch nur an den Fasttagen.«

»Der Krug ist leer?« rief Lady Lochleven, einen Blick hinein werfend, »hat Lady Maria allein davon getrunken?«

»Wohl das meiste, gnädige Frau! ich habe bloß gehört, daß das jüngere Fräulein sich bei dem andern darüber beschwerte, für sie bleibe ja bloß noch ein schäbiger Rest, nachdem die andre von dem was die Königin übrig gelassen, auch über die Hälfte getrunken habe.«

»Sind die beiden Damen unpaß?«

»Fräulein Fleming klagte über große Müdigkeit, und Fräulein Katharina klagte, der Schwindel, der sonst in ihrem Kopfe rumore, sei heute viel ärger als sonst.« Bei den letzten Worten verstärkte er merklich seine Stimme, weil ihm offenbar daran lag, diesen Schmerz auch zu Katharinens Ohren gelangen zu lassen.

Lady Lochleven wandte sich jetzt energisch an den Pagen: »Ich will ins Schlafgemach der Königin – mein Anliegen ist dringlicher Art.«

Da hörte man aber auf der Stelle Katharinas Stimme: »Ins Zimmer hinein darf niemand! die Königin schläft.«

»Ich lasse mir von solch jungem Dinge keine Vorschriften machen,« versetzte die Lady, »an der Tür ist meines Wissens kein Riegel. Ich möchte also wissen, wer mir den Zutritt wehren sollte.«

»Der Riegel fehlt freilich an der Tür, nicht durch unsre Schuld,« antwortete Katharina; »aber die Haken, an denen er gehangen, sind noch da, und da hinein steck ich meinen Arm, jener Ahnfrau von Euch nachahmend, die in edlerem Bemühen, ihrer Fürstin Schlafgemach gegen Mörder zu schützen, sich also in die Bresche warf. Probiert denn Eure Kraft! seht zu, ob eine Seyton es einem Mädchen namens Douglas an Kräften gleichtut, oder nicht.«

»Auf solche Bedingung hin will ich es lieber lassen,« versetzte Lady Lochleven höhnisch, lenkte aber ein und sagte: »Mein Kind, mein Ehrenwort darauf, daß mich nur der Wunsch, der Königin zu dienen, herführt. Wenn Du sie lieb hast, so wecke sie auf und rate ihr, mir den Zutritt zu gestatten. Wenn es gewünscht wird, will ich gern von der Tür zurücktreten.«

»Du wirst doch die Königin nicht etwa wecken?« fragte Maria Fleming; »Du wirst, wenn Du es tust, bloß einen neuen Anfall heraufbeschwören.«

»Das möge der Himmel verhüten!« fügte Katharina; »aber es bleibt uns doch keine andre Wahl! wir müßten denn warten wollen, bis Lady Lochleven selbst die Rolle der Kammerzofe spielt; denn ich vermute, ihr Geduldfaden möchte bald reißen. Zudem muß ja die Königin drauf vorbereitet sein, mit ihr zu sprechen! ich meine sogar, sie wird in dieser furchtbaren Entscheidung recht wohl im stande sein, selbst einen Entschluß zu fassen. Dich aber, liebe Fleming, möchte ich recht sehr bitten, nach Deinen besten Kräften Dich matt und trübe zu stellen.«

Katharina trat zu dem Lager der Königin und küßte ihr zu wiederholten malen die Hand, bis es ihr gelang, sie munter zu machen, ohne sie zu erschrecken. Sie war verwundert, daß sie in ihren Kleidern im Bett lag, richtete sich jedoch auf und war so ruhig wieder, daß Katharina es für das beste hielt, sie ohne weiteres darüber aufzuklären, was inzwischen vorgegangen war. Die Königin wurde bleich und bekreuzte sich, gewann aber sogleich Verständnis für alle mit solcher Lage verbundnen Gefahren und Vorteile. »Ich wüßte nicht,« sagte sie zum Schluß einer raschen Unterredung mit ihrer jungen Dienerin, während sie sie an ihr Herz zog und ihr einen Kuß auf die Stirn drückte, »was wir Klügeres und Besseres tun könnten als nach dem von Deiner tapferen Liebe ersonnenen Plane zu handeln. Mach der Lady die Tür auf, mein Kind! sie soll erkennen, daß Wir es an List mit ihr aufnehmen, wenn auch nicht an Untreue. Zieh die Vorhänge zu und Du, Fleming, tritt dahinter, denn Dein Platz ist weniger auf der Bühne als in der Garderobe, atme recht tief, ächze und seufze auch ein paarmal, das gehört zu der Rolle, die Wir für Dich bei der neuen Komödie bestimmen – Doch horch! sie kommen – Nun, Katharina von Medici! möge Dein Geist jetzt in mich fahren! denn für solchen Auftritt ist ein kaltes nordisches Hirn zu plump.«

So leise wie möglich trat Lady Lochleven, von Katharina Seyton geführt, in das von dem Zwielicht nur halb erhellte Zimmer. Bleich und erschöpft von der schlaflosen Nacht und von der erregten Szene am Morgen, lag Maria so matt und müde auf ihrem Bett, daß ihre Wirtin die schlimmsten Befürchtungen nur allzu begründet halten konnte. All ihren Stolz beiseite lassend, warf sich Lady Lochleven neben dem Bett auf die Kniee und rief: »Nun, Gott verzeih uns unsre Sünden! es ist nur allzu wahr! Maria ist ermordet!«

»Wer ist denn hier?« fragte Maria wirr, wie wenn sie aus schwerem Schlafe erwachte. »Fleming, Seyton! wo seid Ihr? ich höre eine fremde Stimme – wer ist bei mir? – Ruft Courcelles!«

»Ach! wenn auch ihr Leib in Lochleven ist,« sagte die Lady, »mit dem Geiste ist sie noch immer zu Holyrood! O, verzeiht, gnädigste Frau, wenn ich Eure Aufmerksamkeit auf mich ziehe – ich bin Margaret Erskine, aus dem Hause Mar, verehelichte Douglas von Lochleven,«

»Sieh da, unsre herzliebe Wirtin,« erwiderte Maria, »die soviel Sorge trägt für unsre Behausung und unsre Beköstigung? Wir belästigen Euch wirklich schon viel zu lange, gute Lady Lochleven; aber Wir rechnen zuversichtlich darauf, daß es nicht lange mehr notwendig sein dürfte, Eure Güte in Anspruch zu nehmen.«

»Wie ein Dolch durchbohren mich ihre Worte,« sprach Lady Lochleven bei sich, setzte aber laut hinzu: »Ich bitte Eure Gnaden mit blutendem Herzen, mir mitzuteilen, woran es Euch fehlt, damit ich, so lange es noch Zeit ist, Abhilfe schaffen kann.«

»Mir fehlt gar nichts, nein, nein!« versetzte die Königin, »ein bißchen Schwere in den Gliedern, ein bißchen Schüttelfrost; aber daran leiden Gefangne wohl in der Regel – frische Luft und Freiheit möchten mich ja schnell auf die Beine bringen! aber meinen Ständen hat es nun doch einmal beliebt zu bestimmen, daß allein der Tod die Schlösser meines Kerkers brechen soll.«

»O, gnädigste Frau,« rief die Lady, »vermochte Freiheit Euch die Gesundheit wiederzugeben, so wollte ich lieber dem Zorne des Regenten und meines Sohnes William mich aussetzen, als Euch in diesem Schloß sterben und verderben lassen.«

»Ach, gnädige Frau,« mischte sich hier Lady Fleming ein, die es jetzt für angezeigt hielt, erkennen zu lassen, daß sie durchaus nicht in geistiger Hinsicht so geringwertig sei, wie man es zu meinen liebe – »es wäre doch wohl ganz gut, durch einen Versuch festzustellen, welche Wirkung Freiheit auf uns üben möchte – ein freier Spaziergang auf grünem Wiesengrund würde meinen Nerven sicher recht gut tun.«

Einen durchdringenden Blick auf die ältere Kranke werfend, richtete Lady Lochleven sich von dem Boden auf und fragte: »Befindet Ihr Euch wirklich so schlecht, Lady Fleming?«

»Nun, gut ist es mir freilich nicht, besonders nicht seit dem Frühstück,« antwortete Lady Fleming.

»Hilfe, Hilfe!« rief da Katharina, lebhaft besorgt, eine Unterredung zum Abbruch zu bringen, die für ihren Plan nichts Gutes prophezeite – »Hilfe, Hilfe! hört denn niemand? Die Königin ist im Verscheiden – Lady Lochleven, so helft doch der Königin! seid Ihr denn kein Weib?« – Lady Lochleven beeilte sich den Kopf der Königin zu stützen; diese aber lenkte mit tiefer Mattigkeit die Augen nach ihr und sagte: