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»Für Dich Esel,« fuhr die Lady ihn an, »ist solcher Rat klug genug. Ich will also meinen Groll unterdrücken, bis Du mit der Vettel gesprochen hast.«

In diesem Augenblick aber erhob sich Magdalena Gräme, wandte das Gesicht zur Königin, tat einen Schritt vorwärts, streckte den Arm aus und nahm die Haltung einer verrückten Sibylle an; unter ihrer Haube vor quoll das graue Haar, ihre Augen sprühten Funken, und über ihre Züge flog eine an Wahnsinn grenzende Begeisterung. Ihr Aussehen erfüllte alle Anwesenden mit Grauen. Die Königin selbst richtete sich, wie unter einem Banne, auf ihrem Lager in die Höhe, außer stande, ihre Blicke von der Dämonengestalt abzuwenden, die jetzt, wie eine zweite Pythia, Worte von ihren Lippen schleuderte in so reichem Flusse, daß sie – und vielleicht stand die Schwärmerin selbst unter diesem Wahne – als höhere Eingebung gelten konnten ..

»Steh auf, Königin von Frankreich und England! steh auf, Löwin von Schottland! ohne Zagen vor den Netzen, mit denen Deine Jäger Dich umgarnen! Tritt den Verrätern, denen Du bald im offnen Felde gegenüberstehen wirst, schon jetzt mit offnem Visier gegenüber! meide Verstellung! Deine Sache wird entschieden werden durch Kampf, und der Herr der Heerscharen, in dessen Hand alles Krieges Wohl und Wehe liegt, wird für Dich sein! Hinweg mit allen Künsten Niedriggeborner, und brauche nur die, die einer Königin geziemen. Wahrhaftige Verfechterin des einzigen Glaubens! Dir steht die himmlische Rüstkammer offen. Getreue Tochter der Kirche, nimm die Schlüssel des heiligen Petrus, zu binden und zu lösen! Königin des Landes, ergreife das Schwert des heiligen Paulus, zu strafen und zu vernichten! Dunkelheit waltet über Deinem Schicksal, nicht in diesen Türmen, nicht unter der Gewalt dieser stolzen Frau soll es sich erfüllen! nicht in Schottland soll die Königin von Schottland lange gefangen bleiben, und das Schicksal der königlichen Stuarts liegt nicht in den Händen des Verräters Douglas .. und wenn die Lady Lochleven ihre Riegel noch so verdoppelt und ihre Kerker noch so vermauert, so werden sie nicht im stande sein, Dich hier zu halten ... alle Elemente vielmehr werden sich vereinen, Dir beizustehen in Deiner Beschwernis, Dich zu erlösen aus Deiner Gefangenschaft ... vernehmet Ihr alle dies! zittert Ihr alle darob! Ihr all, die Ihr ankämpfet gegen das Licht, denn sie spricht solches, der es zugesichert wurde!«

Sie schwieg; der Arzt aber rief betroffen: »Hat es je ein vom Dämon besessenes Weib gegeben, dann ist sie es! keinen zweiten Teufel gibt es, der mit der Zunge eines Weibes spricht als hier dieses!«

»Larifari,« rief die Lady, die sich von ihrem Erstaunen erholt hatte, »betrügerische Kunstgriffe! ... In das Verließ mit ihr!«

»Lady Lochleven,« nahm Maria nun das Wort, indem sie sich von ihrem Bette erhob und mit der ihr eignen Würde vortrat, »vernehmt nur ein Wort von mir, ehe Ihr in Unsrer Gesellschaft, in Unsrem Gemache jemand verhaftet. Ich war erst der Meinung, Ihr hättet von dem Anschlag Eures Dieners auf unser Leben gewußt; ich habe Euch dadurch getäuscht, daß ich Euch in dem Glauben ließ, der Anschlag sei dem Verworfnen geglückt. Das war unrecht von mir, Lady Lochleven, denn ich habe nunmehr erkannt, daß es wirklich in Eurer Absicht lag, mir beizustehen – wir haben von Eurem Getränk weder gekostet, noch befinden Wir Uns unwohl – abgesehen davon, daß Wir nach Unsrer Freiheit schmachten.«

»Das ist ein Bekenntnis, einer Maria von Schottland würdig,« rief Magdalena Gräme, »wisset auch, daß die Königin ruhig den Trank hätte leeren können bis auf den letzten Tropfen, denn der Trank war so unschädlich wie Wasser aus dem heiligen Brunnen. Habt Ihr etwa gemeint, Ihr stolzes Weib,« wandte sie sich jetzt an Lady Lochleven, »ich hätte so verrucht sein können, einem Knechte des Hauses Lochleven Gift in die Hände zu spielen, da ich doch wußte, wer hier gefangen gehalten wird! Da hätte ich ebenso leicht einen Trank bereitet zur Ermordung meines eignen Kindes!«

»Soll mir solcher Schimpf angetan werden in meinem eignen Schlosse?« rief empört die Lady. »In das Verließ mit ihr! sie soll die Strafe leiden, die denen nach Recht und Gesetz zukommt, die Gift verkaufen und Zauber üben!«

»Einen Augenblick noch, Lady Lochleven,« nahm Maria wieder das Wort, »Ihr aber, Magdalena Gräme, schweigt! auf mein Geheiß! Euer Hausmeier, Lady Lochleven, hat nach seinem eignen Bekenntnis, mir und meiner Dienerschaft nach dem Leben getrachtet, dieses Weib hingegen hat getan was in ihren Kräften stand, uns zu retten. Da sollten Wir nun meinen, Wir trügen Euch einen gerechten Tausch an, wenn Wir Eurem Diener Verzeihung böten gegen Verzeihung, die Ihr hier diesem Weibe gewährt. Denn Wir meinen überzeugt zu sein dürfen, daß Ihr es dem Weibe nicht als Verbrechen anrechnet, etwas Unschuldiges an Stelle des löblichen Giftes, das von ihr begehrt wurde, gegeben zu haben?«

»Da sei der Himmel vor,« erwiderte die Lady, »daß ich etwas als Verbrechen ansehen möchte, was mein Haus vor solch gemeiner Verletzung der Ehre und des Gastrechts behütet hat. Wir haben bereits unserm Sohne Mitteilung von dem Vorgefallnen gemacht, denn wir sind der unerschütterlichen Meinung, daß unser Diener seine Strafe, die wahrscheinlich der Tod sein wird, erleiden muß! aber dieses Weibes Tun ist verdammenswert nach der Schrift, und nach den weisen Gesetzen unsrer Vorfahren zu sühnen nicht minder als ein Kapitalverbrechen. Auch sie muß darum ihre Strafe leiden.« »Habe ich denn gar keine Ansprüche an das Haus Lochleven wegen des mir in seinen Mauern soeben zugefügten Unrechts?« fragte stolz die Königin, »zumal ich nichts weiter begehre als Rücksicht für eine hinfällige Greisin, deren Verstand unter dem Alter gelitten zu haben scheint, wie ja Ihr selbst auch einsehen werdet!«

»Was das Unrecht, von dem Lady Maria in unserm Hause bedroht gewesen zu sein meint, anbetrifft,« erwiderte die unbeugsame Lady, »so mag sie es als Ausgleich nehmen dafür, daß ihre Anschläge dem Hause Douglas die Verbannung eines Sohnes kosten.«

»Saget kein Wort weiter, huldreiche Fürstin, zu meinem Nutzen,« nahm jetzt Magdalena wieder das Wort, »erbittet von diesem stolzen Weibe nicht soviel wie ein graues Haar von meinem Kopfe! Mir ist die Gefahr, in die ich mich hier begab, nicht unbekannt gewesen, aber ich war immer bereit, meiner Kirche und meiner Königin zu dienen auf Kosten meines Lebens. Es liegt ein Trost für mich darin, daß das Haus, dessen Ehre sie mit so vollem Munde rühmt, das Maß seiner Schmach dadurch voll machen wird, daß es sich an meiner Person vergreift, sei es, daß es mir mein armseliges Leben nimmt, sei es, daß es mich meiner Freiheit beraubt, denn es verletzt in beiden Fällen ein feierliches, zudem schriftlich gegebenes Versprechen, mir alle Sicherheit zu gewähren.« Bei diesen Worten überreichte sie der Königin ein Schriftstück, das sie in ihrem Busen verborgen gehalten hatte ...

»Es ist eine feierliche Verbriefung von Sicherheit und Leben,« sagte die Königin, »ausgefertigt und unterzeichnet mit dem Siegel des Kämmerers von Kinroß, und giltig auf die Zeit von vierundzwanzig Stunden, sofern sie sich dazu verstehen will, den Fuß hinter die eisernen Tore der Burg Lochleven zu setzen.«

»Schurke,« fuhr Lady Lochleven den Kämmerer an, »wie durftest Du es wagen, dem Weib einen solchen Geleitsbrief auszustellen?«

»Gnädigste Herrin,« erklärte Lundin, »es ist geschehen auf Euer ausdrückliches Gebot, mir gemeldet durch Randal, wie er es jederzeit zu bezeugen bereit sein wird.«

»Ach, ich besinne mich,« rief da die Lady, »aber ich hatte gemeint, die Zusicherung sollte nur ausgefertigt werden, wenn sie sich unter andrer Gerichtsbarkeit befunden hätte, um sie dann vor einem Haftbefehl unserseits sicher zu stellen.«

»Trotzdem ist Lady Lochleven gebunden, dem Weibe das freie Geleit zu halten, das ihm durch ihren Kämmerer gewährt worden,« sagte die Königin.

»Gut, so soll Randal sie zurück nach Kinroß schaffen; aber, um sie zugleich für die weitere Zukunft zu sichern, über unsre Grenzen weisen, und Eure Weisheit,« wandte sie sich zu dem Kämmerer, »mag ihr Gesellschaft leisten!«