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»Ihre Majestät,« sagte die Fleming hierauf, indem sie auf den Titel besondern Nachdruck legte, »soll erfahren, daß Lady Lochleven um die Ehre bitten läßt, ihr aufzuwarten.«

Maria Stuart erschien sogleich und richtete das Wort mit einer Höflichkeit an die Lady, die nicht frei sogar von einer gewissen Herzlichkeit war. »Das ist sehr edel von Euch, denn wenn wir auch selbst unter Eurem Dache keine Gefahr für uns befürchten, so sind doch unsre Damen lebhaft durch den unliebsamen Vorfall beunruhigt worden. Durch Eure Gesellschaft wird unsre Mahlzeit ja um so angenehmer. Ich bitt Euch, Platz zu nehmen.«

Lady Lochleven kam der Aufforderung nach, und Roland verrichtete, wie immer, seinen Dienst als Vorschneider und Vorleger der Speisen. Die Mahlzeit verlief aber, trotz der huldvollen Worte der Königin, steif und ungemütlich, es wurde kein Wort gewechselt, und alle Mühe der Königin, eine Unterhaltung in Gang zu bringen, ging durch die gemessnen und kühlen Antworten der Lady Lochleven verloren. Endlich mußte die Königin sich hierdurch beleidigt fühlen, sie warf ihren Damen einen bezeichnenden Blick zu, zuckte leicht mit den Achseln und schwieg. Eine Pause folgte. Dann nahm Lady Douglas das Wort zu der Bemerkung, daß es ihr vorkomme, als störe sie die Gesellschaft, und sie bäte deshalb um Entschuldigung, wenn sie sich zurückzöge. ... »Ich bin Witwe, von meinem Enkel verlassen, von meinem Diener verraten, stehe allein einem unglückseligen Auftrag gegenüber, und bin kaum der Gnade wert, die Ihr mir dadurch erweist, daß Ihr mich auffordert, an Eurer Tafel Platz zu nehmen, von deren Gästen, wie ich bemerke, Witz und muntre Einfälle zur Kürzung von Zeit und Weile erwartet werden.«

»Wenn Lady Lochleven sich in ernster Stimmung fühlt,« sagte die Königin, »dann wundern wir uns, wie sie auf den Einfall kommen kann, unsre Mahlzeiten seien jetzt von Heiterkeit gewürzt. Lebt sie doch als Witwe geehrt und ohne Einschränkung und ist Herrin über den Haushalt ihres verstorbnen Gemahls. Ich aber weiß von einer Witwe, die es in so empfindlicher Weise erfahren hat, was es bedeutet, verlassen und verraten zu werden, daß es besser sein möchte, diese Worte in ihrer Gegenwart nicht auszusprechen.«

»Es war nicht meine Absicht, dadurch, daß ich von meinen Unfällen sprach, Euch die Eurigen in das Gedächtnis zu rufen,« sagte die Dame.

Dann trat wieder Totenstille ein, und endlich wendete sich Maria an Lady Fleming.

»Todsünden, meine Liebe, können wir hier nicht begehen, dazu sind wir zu gut bewacht und unter zu getreuer Aufsicht. Könnten wir es aber, dann möchte diese Kartäuserstille als Buße von Vorteil sein, und ist etwa Dir, liebe Fleming, das Versehen passiert, daß Du mir das Busentuch nicht recht gesteckt hast oder Katharinen, daß sie im Stickrahmen sich versehen, oder Roland, daß er eine Wildente im Fluge gefehlt und statt ihrer eine Glasscheibe im Turmfenster zerschossen hat, dann ist die Zeit jetzt da, Eurer Sünden zu gedenken und sie zu bereuen.«

»Ich spreche mit aller Ehrerbietung, gnädigste Frau,« sagte Lady Lochleven, »aber ich bin alt und darf auf das Vorrecht des Alters Anspruch erheben. Es möchten sich für Eure Dienerschaft wohl angemessenere Ursachen zur Reue finden, als solche Geringfügigkeiten, von denen Ihr sprecht. Ich bitte um Verzeihung, aber ich möchte es in meinem Hause doch lieber sehen, wenn mit Sünde und Reue kein Spott getrieben würde.«

»Ihr habt den Vorkoster unsrer Speisen gemacht, Lady Lochleven,« sagte die Königin, »Mir scheint, Ihr möchtet nun auch dazu übergehen, unsern Beichtvater abzugeben. Und da Ihr nun den Wunsch aussprecht, Wir möchten Uns in Unsrer Unterhaltung größeren Ernstes befleißigen, so möchte wohl die Frage Unsrerseits am Platze sein, warum das Versprechen des Regenten, für Unsern geistlichen Trost zu sorgen, bis jetzt noch immer keine Erfüllung gefunden hat?«

»Gnädigste Frau,« erwiderte Lady Lochleven, »Graf Murray war freilich schwach genug, Euren religiösen Vorurteilen Rechnung zu tragen, insoweit daß ein papistischer Geistlicher hier erschien, aber in seinem Schlosse Lochleven ist Douglas Herr, und ein Douglas wird nicht dulden, daß seine Schwelle auch nur auf einen Moment verunreinigt werde durch einen Abgesandten des römischen Bischofs.«

»Dann möchte es wohl gut sein, der Prinzregent schickte mich irgend wohin, wo geringere Bedenken, aber größere Christenliebe heimisch ist,« versetzte Maria.

In diesem Augenblick trat Randal mit so bestürzter Miene ein, daß Fräulein Fleming aufschrie und die Königin erschrak, Lady Lochleven aber, zu stolz, ihre Unruhe zu verraten, hastig die Frage hervorstieß, was denn vorgefallen sei.

»Dryfesdale ist erstochen worden, gnädigste Frau,« lautete die Antwort, »der junge Seyton hat ihn ermordet, als er ans Land trat.«

Jetzt war die Reihe, zu erbleichen, an Katharina Seyton.

»Ist der Mörder des Dieners vom Hause Douglas entkommen?« fragte Lady Lochleven weiter.

»Es war niemand zur Stelle, ihn zur Rechenschaft zu ziehen, bloß unser alter Kärrner Auchtermuchty, ein schwacher Greis, der es mit dem kecksten Jüngling in ganz Schottland, der gewiß auf Spießgesellen in der Nähe rechnen durfte, allerdings nicht aufnehmen konnte.«

Wieder trat eine Pause ein. Die Königin und Lady Lochleven maßen einander mit Blicken, als sinne jede von ihnen darauf, wie sie in dem ständigen Zwist, der zwischen ihnen herrschte, den Vorfall am vorteilhaftesten für sich ausnützen könne. Katharina Seyton hielt das Tuch vor die Augen und weinte.

»Da habt Ihr einen flagranten Beweis für die blutigen Lehren und Grundsätze irre geleiteter Papisten!« sagte Lady Lochleven.

»Bekennt lieber, meine Dame,« versetzte die Königin, »daß der Himmel ein gerechtes Strafgericht vollziehen ließ an einem kalvinistischen Giftmischer.«

»Dryfesdale war weder der Genfer noch der schottischen Kirche anhängig,« erwiderte hastig die Lady.

»Aber ein Ketzer war er doch,« erwiderte Maria, »es gibt bloß einen einzigen treuen Führer, welcher nimmer irrt, alle andern aber führen auf Irrwege.«

»Freilich gebe ich mich der Hoffnung hin, daß es Euch mit Eurer Einsamkeit aussöhnen werde, in diesem Verbrechen einen Beweis von der Gesinnung derjenigen zu erblicken, die Eure Freiheit wünschen. Blutdürstige Tyrannen und grausame Mörder sind es alle, vom Clan Ronald und Tosach im Norden bis zu Ferniherst und Buccleugh im Süden, den Mordgesellen Seyton im Osten, und –«

»Ihr vergeßt wohl, Lady Lochleven, daß ich eine Seyton bin?« sagte Katharina empört, indem sie das Tuch von ihrem Gesicht nahm.

»Hätt ich's vergessen, hätt Euer keckes Wesen, Fräulein, wohl daran erinnert?« erwiderte die Lady.

»Hat mein Bruder einen Elenden erstochen, der seine Fürstin und seine Schwester zu vergiften plante, so tut mir dabei bloß leid, daß er dem Henker vorgegriffen hat. Im übrigen war es für ihn eine Ehre, wie für den besten Douglas nicht minder, durch das Schwert eines Seyton zu fallen.«

»Mädchen Eures Schlages, mein keckes Mamsellchen,« sagte die Lady, »sehen Sausewinde und Raufbolde in Trab, und Burschen, die einer Dirne von solchem Temperament gefallen wollen, müssen natürlich drauf aus sein, gegen alle hergebrachte Sitte im Lande zu verstoßen,« Darauf machte sie der Königin eine Verbeugung und fuhr fort: »Auch Euch, gnädigste Frau, möchte ich mich empfehlen bis auf den Abend, wo ich Euch wieder beim Essen aufzuwarten gedenke, wenn auch vielleicht in zudringlicherer Weise, als Euch recht sein möchte.« Dann wandte sie sich zu Randaclass="underline" »Komm, Randal, und erzähle mir mehr von dieser grausen Tat!«

»Ein seltsamer Vorfall,« sagte die Königin, als sich die Lady entfernt hatte, »aber ein so böses Subjekt der Hausmeier auch war, so hätt ich doch lieber gesehen, es war ihm Zeit geblieben zur Reue und Buße. Wir wollen Sorge dafür tragen, wenn Wir je wieder in den Besitz Unsrer Freiheit gelangen, daß ein paar Messen für sein Seelenheil gelesen werden ... Aber sprich, Katharina, besteht zwischen Dir und Deinem Bruder noch immer diese seltsame Aehnlichkeit?«