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»Es soll noch immer beschränkte Menschen geben, gnädigste Frau,« erwiderte Katharina, »die uns kaum zu unterscheiden vermögen, besonders dann, wenn meinen Bruder die Laune anwandelt, sich als Mädchen zu maskieren.«

Bei diesen Worten heftete sie einen schelmischen Blick auf Roland, in dessen Herzen diese Worte einen Lichtstrahl entzündeten heller als je einer in den Kerker eines Gefangnen gedrungen sein mag durch den Spalt der zu seiner Befreiung sich öffnenden Tür.

»Es muß ein hübscher Rittersmann sein, Dein Bruder, wenn er Dir in so hohem Maße ähnelt,« versetzte Maria; »er hat die letzten Jahre wohl in Frankreich zugebracht, denn am Hofe zu Holyrood habe ich ihn nicht gesehen?«

»An seinem Aussehen ist wohl nie etwas zu tadeln gewesen, gnädigste Frau,« sagte Katharina, »bloß wünschte ich, es wäre ihm ein geringeres Maß Seytonscher Hitzigkeit überkommen, als der schlimme Zeitenlauf in unsern Junkern großgezogen hat .. Warum mußte er mit solchem alten Herrendiener Streit beginnen und seinen Namen durch solchen Hader, seine Hände mit solch gemeinem Blute beflecken?«

»Nicht doch, Katharina, beruhige Dich! Du darfst mir meinen wackern Ritter nicht schelten. Mit Heinrich Seyton als meinem Ritter und mit Roland Gräme als meinem Knappen komme ich mir vor wie eine Prinzessin im schönsten unsrer Ritterromane, die in kurzem den Verließen und Waffen aller bösen Zauberer Trotz bieten wird ... Aber mir schwirrt es im Kopfe von all den erschütternden Ereignissen dieses Tages. Komm, liebe Fleming, wir wollen einen kurzen Spaziergang durch den Garten machen.«

Sie winkte Katharina zurückzubleiben und war mit der ältern ihrer Zofen bald in ein Gespräch vertieft, das mit leiser Stimme geführt wurde, aber, wie die Chronisten zu melden wissen, nichts Ernsteres betroffen haben soll als eine Parallele zwischen dem Aussehen einer hohen und einer tiefen Halskrause. Roland mag sich aber hierum nicht sonderlich bekümmert haben, denn er hätte einfältiger sein müssen, als ein junger Verliebter wohl je war, wenn er solch günstige Gelegenheit hätte unbenutzt sein lassen.

»Ich habe schon den ganzen Abend, schönste Katharina, Euch fragen wollen,« begann er, »wie albern und mißtrauisch ich Euch habe vorkommen müssen, da ich Euch mit Eurem Bruder habe verwechseln können!«

»Daß mein Benehmen so leicht mit dem eines Jünglings zu verwechseln ist, gereicht mir wohl kaum zu besondrer Ehre. Aber mit der Zeit werde doch auch ich verständiger, und so bin ich auch entschlossen, nicht an Eure eignen Torheiten zu denken, sondern mich der meinigen zu entledigen.«

»Diese Aufgabe ist gewiß nicht schwer,« antwortete Roland.

»Das ist mir doch nicht so recht wahrscheinlich,« meinte Katharina, »wenigstens kommt es mir vor, als seien wir beide ganz unverzeihlich albern gewesen!«

»Von Sinnen bin ich gewesen, von Sinnen, Katharina,« sagte Roland, »Ihr aber, schönste Katharina ...«

»Ich aber,« ergänzte Katharina in dem gleichen bedächtigen Tone, »ich habe Euch zu lange gegen mich einen solchen Tun erlaubt, und darf es Euch, wie ich fürchte, nicht länger mehr erlauben, mich so anzureden, denn es möchte Euch Verdruß schaffen, und ich hätte mir dann Vorwürfe zu machen.«

»Und was kann sich ereignet haben, das zu solch jäher Aenderung unsers bisherigen Verhältnisses Ursache geben konnte?« fragte Roland bestürzt.

»Ich kann es kaum sagen,« antwortete Katharina, »außer daß die Ereignisse des Tages mir diese Notwendigkeit nahegelegt haben. Ein Vorfall wie der, den wir heute erlebt haben, könnte meinen Bruder leicht von den geringfügigen Beziehungen unterrichten, die zwischen uns bestanden haben oder bestehen, und bei der Heftigkeit seines Charakters bin ich nicht frei von Sorgen darum, was daraus am Ende entstehen konnte!«

»Deshalb, schönste Katharina, brauchtet Ihr Euch wohl keiner Beunruhigung hinzugeben,« erwiderte der Page, »denn vor Gefahren solcher Art könnte ich mich wohl selbst schützen.«

»Das heißt, Ihr wolltet Euch in Schlägerei einlassen mit meinem Zwillingsbruder, um bei der Schwester Euch in Respekt zu setzen! Ich hab erst neulich aus dem Munde der Königin gehört, die Männer seien in Liebe und Haß die eigennützigsten Geschöpfe der Erde, und die Gleichgültigkeit, die Ihr in unserm Falle zeigt, kommt wohl auf ganz dasselbe hinaus. Doch schämt Euch hierüber nicht allzusehr! Ihr seid, wenn auch nicht besser, in dieser Hinsicht doch auch nicht schlechter als andre.«

»Ihr tut mir unrecht, Katharina, ich dachte nur, mir drohe ein Schwert, dachte aber nicht weiter, von welcher Seite es mir drohen könne; wäre Euer Zwillingsbruder, Euch in allem so zum Verwechseln ähnlich, mein Gegner, dann, glaubt mir, möchte er eher mein Blut vergießen, als daß ich mich versucht fühlen könnte, einem Angriffe von ihm Widerstand zu leisten.«

»Ach, Ihr gedenkt bloß der seltsamen Umstände, die uns zusammengeführt haben, nicht aber, daß sich zwischen uns ein unüberbrückbarer Abgrund auftun wird, sobald ich wieder in mein väterliches Haus den Fuß zurücktrete. Die einzige Verwandte von Euch ist eine schwärmerische Greisin, von wildem, seltsamem Wesen, aus einem feindseligen, versprengten Stamme, von Eurer andern Sippschaft ist nichts bekannt –, nie wird mein Vater, verzeiht mir diese Aufrichtigkeit, eine Verbindung zwischen uns gut heißen wollen!«

»Die Liebe, schönste Katharina, sieht verächtlich auf Stammbäume!«

»Die Liebe schon, nicht aber mein Vater, nicht der Lord Seyton!« wandte das Mädchen ein.

»Die Königin, unser beider Gebieterin, wird für uns sprechen bei Deinem Vater. O, schick mich nicht von Dir, Mädchen, nicht jetzt, wo ich mich glücklicher wähnte als je im Leben! ... Und sollte ich zu ihrer Befreiung behilflich sein, so sagtet Ihr doch selbst, wäre sie und wärest Du mir zu Dank verpflichtet, wäre sie und Du meine Schuldnerinnen.«

»Ganz Schottland wäre Dein Schuldner,« rief Katharina; »was aber die Beweise unsrer Dankbarkeit anbetrifft, so dürft Ihr nicht vergessen, daß ich in dieser Hinsicht abhängig bleibe von meinem Vater, während die Königin zunächst wohl abhängig bleiben wird von den Adelingen ihrer Partei.«

»Und wenn auch!« rief Roland, »durch meine Taten will ich alle Vorurteile ans der Welt schaffen. Die Welt ist in Gärung, und ich will mir meinen Anteil an dem Ruhme, der dabei zu gewinnen ist, sichern. Der Ritter von Avenel, jetzt ein so hochgestellter Herr, ist auch von niedriger Herkunft, gleichwie ich!«

»Das ist das rühmliche Wort des mannhaften Ritters, der sich Bahn zu der Geliebten seines Herzens brechen will durch Drachensaat und Feindeshaufen,« sagte schwärmerisch Katharina, und Roland fiel ihr ins Wort:

»Und kann ich der Prinzessin die freie Willensmeinung schaffen, auf wen wird ihre Wahl dann fallen?«

»Erlöset die Prinzessin aus der Haft, und sie wird es Euch sagen im Vertrauen!« antwortete Katharina. Dann brach sie die Unterhaltung rasch ab und gesellte sich zur Königin.

Kurz nachher erschien die Schloßherrin, und die Diener kamen mit dem Abendessen. Beharrlich dem gefaßten Entschlüsse, die Gegenwart dieser Dame mit Gleichmut und Standhaftigkeit zu ertragen, verhielt sich die Königin ruhig, wenn sie es auch vermied, ein Wort zu sprechen. Aber bald sollte eine neue Erscheinung, die bisher nicht zum Schloßzeremoniell gehört hatte, ihre Geduld auf eine harte Probe stellen. Als sich der eine Diener entfernt hatte, trat Randal herein mit den an einem Ringe befestigten Burgschlüsseln und behändigte sie der Lady mit der Meldung, die Wachen seien ausgestellt und sämtliche Tore verschlossen. Die Königin wechselte mit ihren Namen einen Blick der Ueberraschung und des Verdrusses. Dann sagte sie laut: