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»Die Rache des Hauses Douglas wird den armen Greis erreichen, « sagte die Königin. »Gott helfe mir! ich richte jeden zu grunde, dem ich nahe komme.«

»Für seine Sicherheit ist gesorgt,« sagte Seyton, hier darf er nicht bleiben, sondern wird nach einem Orte überführt, wo er sichrer sein wird. Doch ich wollte, Euer Gnaden säßen bereits im Sattel ... Zu Pferde! zu Pferde!« Durch die bei den Pferden zurückgebliebne Dienerschaft vermehrte sich die Begleitung von Seyton und Douglas um etwa ein Dutzend. Die Damen saßen alsbald auf und erreichten, unter der Führerschaft von Georg Douglas, das offne Feld. Dann jagten sie in gestrecktem Galopp von dannen.

Vierzehntes Kapitel

Lange vor Tagesanbruch kamen sie vor den Toren von Niddrie an, einem Schlosse in Westlothian, das dem Lord Seyton gehörte. Heinrich Seyton kam Georg Douglas zuvor, der Königin beim Absteigen zu helfen, und sich auf ein Knie niederlassend, ersuchte er sie, einzutreten in das Haus seines Vaters, ihres allzeit getreuen Dieners.

»Hier kann Eure Majestät in völliger Sicherheit ausruhen, das Schloß ist bereits von streitbaren Kriegern zu Eurem Schutze besetzt, und ich habe meinem Vater durch expressen Boten zu wissen getan, daß Ihr hier seid. Wir dürfen seiner schnellen Ankunft mit einer Schar von 500 Mann uns gewärtig halten. Erschreckt also nicht, wenn Euer Schlaf durch Pferdegetrappel gestört wird, sondern denkt bloß, daß wir noch weiteren Zuwachs von vermessenen Seytons bekommen.«

»Und von bessern Freunden als ihnen kann keine Königin Schottlands bewacht werden!« erwiderte Maria. »Mein Zelter hat ja den alten leichten Trab behalten, aber es ist so lange her, daß ich nicht mehr über Feld und Heide geritten bin, und ich fühle mich recht matt. Ach, Ruhe wird mir recht willkommen sein! ... Katharina, mein Lieb, Du mußt heut nacht mit in meinem Zimmer schlafen, und mich morgen Deinem Vater zuführen. Dank, vielen Dank meinen Befreiern insgesamt! Was kann ich ihnen anders bieten als Dank und gute Nacht? Doch erklimme ich noch einmal die Höhe von Fortunens Rad, dann will ich nicht Fortunens Binde tragen, sondern will meine Augen offen halten und Freund und Feind zu unterscheiden wissen.. Seyton, es wird kaum von nöten sein, den hochwürdigen Abt, unsern Douglas und meinen Pagen Roland Eurer Gastfreundschaft zu empfehlen?«

Heinrich Seyton verneigte sich, und Katharina verfügte sich mit Lady Fleming in das für die Königin hergerichtete Gemach. Hier überließ sich die Königin, während sie scherzend meinte, heute wäre es mit dem Offenhalten der Augen schwerlich das Rechte der Ruhe und erwachte erst, als der Morgen schon weit vorgerückt war.

Ihr erster Gedanke, als sie erwachte, war, ob sie auch wirklich die Freiheit wiedergewonnen habe, und sie sprang, einen Mantel über die Schulter werfend, ans Fenster, um sich davon zu überzeugen... O des herrlichen Anblicks, der sich hier bot! Von dem glatten Wasserspiegel, der sich in Lochleven ihren Blicken gezeigt hatte, sobald sie ans Fenster trat, keine Spur! Ueberall wohin sie sah, Wald und Moor, und der ganze Park um das Schloß dicht angefüllt von Kriegerscharen ihrer getreuesten Edlen!

»Steh auf, Katharina, steh auf!« rief die entzückte Fürstin, »steh auf und komm her! Sieh, wie die Schwerter und Speere blitzen, wie die Sonne auf den Rüstungen glitzert! da sieh die Fahnen im Winde spielen!.. Großer Gott! ist das eine Lust für meine matten Augen, ihre Wappen zu ermitteln! Da weht die Fahne Deines tapfern Vaters! und dort die des fürstlichen Hamilton, dort die des getreuen Fleming!.. O sieh, sieh Katharina! sie haben mich gesehen und drängen sich näher zum Fenster heran!«

Sie riß das Fenster weit auf, und nicht achtend der ungezwungenen Toilette nicht achtend der Locken, die fessellos ihr schönes Haupt umwallten, nicht achtend der Blöße ihres Arms, erwiderte sie durch Mienen und Gebärden das Jauchzen der Krieger, das von weit und breit zu ihr herüber brauste... und dann ward sie der leichten Kleidung, die ihren herrlichen Leib deckte, inne, und rasch trat sie zurück vom Fenster, errötend und die Hände vor die Augen führend, aber draußen erriet man den Grund, weshalb sie so schnell zurückwich, und ein Jubel von Begeisterung brach aus über diese holde Fürstin, die in der Eile, ihren Untertanen ihren Dank zu künden, ihres Ranges und der ihrem Range schuldigen Rücksicht vergessen hatte... Maria warf sich in den nächststehenden Sessel und rief, noch immer errötend, mit unterdrücktem Lächeln:

»Mein Lieb! was werden sie von mir denken? wie konnte ich mich ihnen zeigen barfuß in Pantoffeln? bloß in diesem losen Mantel! mit dem fliegenden Haar um die nackten Schultern und Arme? ... O, das beste, was sie denken, mag sein, daß mir der lange Aufenthalt im Kerker den Verstand verwirrt habe! Aber meine Untertanen haben mich schmucklos gesehen und im tiefsten Schmerze, warum sollt ich diesen wackern und treuen Männern gegenüber ein kälteres Zeremoniell zeigen? ... Ach, rufe die Fleming! .. Sie hat hoffentlich das kleine Päckchen nicht liegen lassen, das ich ihr gab, ehe wir Schloß Lochleven verließen. Es barg meine bessern Kleider. Wir müssen Uns doch so stattlich zeigen wir irgend möglich.«

»Nein, gnädigste Frau, unsre gute Fleming war nicht im stande, auch nur an das Geringste zu denken,« sagte Katharina.

»Du scherzest, Katharina?« fragte, nicht frei von Empfindlichkeit, die Königin, »es liegt doch wirklich nicht in ihrer Art, ihrer Pflicht für meine Garderobe zu sorgen, dermaßen uneingedenk zu sein!«

»Roland Gräme, gnädigste Frau,« sagte Katharina, »hat sich des Pakets angenommen und es, ehe er zurückrannte, das Tor zu verschließen, ins Boot geworfen, mir wär's beinahe auf den Kopf gepurzelt ... wirklich, mir ist ein größerer Tolpatsch von Page noch nie vor die Augen gekommen!«

»Das soll er Dir abbitten!« sagte lachend die Königin, »nebst allen Dir sonst zugefügten Kränkungen .. Aber rufe die Fleming! sie soll sich mit unsrer Toilette befassen, daß Wir vor Unsern Lords angemessen und würdevoll erscheinen.«

Lady Fleming entledigte sich ihrer Aufgabe mit außerordentlichem Talent, und bald trat Maria Stuart, geschmückt als Königin, vor ihre Lords und mit der ihr eigentümlichen Grazie sprach sie nicht bloß jedem einzelnen von ihnen Dank aus für seine Anhänglichkeit und Treue, sondern zeichnete neben den vornehmeren auch manchen der geringeren Barone durch huldvolle Ansprache aus.

»Und wohin nun, meine Lords?« fragte sie. »Welche Route habt Ihr in Euren Beratungen festgestellt?«

»Nach Schloß Draphane,« antwortete Lord Arbroath, »sofern es Eure Majestät gut heißen. Von da nach Dumbarton. Dort werden Eure Majestät in völliger Sicherheit sein. Und wir, wir werden abwarten, ob die Verräter sich wirklich in offner Feldschlacht uns stellen werden.«

»Und wann brechen wir auf?«

»Nach dem Frühstück, sofern Eure Gnaden nicht zu sehr angegriffen sein sollten,« sagte Lord Seyton.

»Eure Wünsche, Mylords, sind auch die meinigen,« antwortete die Königin; »Wir richten Unsre Reise ganz nach Eurer Weisheit ein und hoffen, künftighin durch Eure Weisheit Herrscherin zu sein in Unserm Lande. Doch werdet Ihr meinen Damen und mir, meine lieben Lords, gestatten mögen, in Eurer Gesellschaft unser Frühstück einzunehmen.. Wir müssen uns jetzt als halbe Krieger ansehen und höfisches Zeremoniell beiseite setzen.«

Manch behelmtes Haupt verneigte sich tief bei diesem huldreichen Erbieten.. da bemerkte Maria, daß unter den versammelten Führern Douglas sowohl als Roland Gräme fehlte, und sie flüsterte Katharina eine diesbezügliche Frage ins Ohr.

»Sie sitzen mißmutig in der Kapelle, Majestät,« erwiderte Katharina, und die Königin bemerkte, daß die Augen ihres Lieblings von Tränen gerötet waren.

»Das soll nicht sein,« sagte die Königin. »Unterhalte Dich mit der Gesellschaft. Ich will mich nach ihnen umsehen.«

Sie begab sich in die Kapelle, wo sie zuerst Douglas sah, der in einer Fensternische lehnte, mit dem Rücken gegen die Wand gelehnt, und die Arme über der Brust zusammengeschlagen hielt. Als er der Königin ansichtig wurde, schreckte er zusammen. Dann verklärte sich seine Miene, aber gleich wieder wich seine jähe Freude ebenso jäh einem Anfluge von Schwermut.