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»Das doch nicht, gnädige Fürstin!« warf Heinrich Seyton ein, »denn wenn die Lieder und Erzählungen, die über diesen Vorfall berichten, die Wahrheit künden, dann war Julian von Avenel ein falscher, treuloser Ritter, und seine Mutter eine Buhlerin, wenigstens ein schwaches, leichtgläubiges Mädchen.«

»Jetzt, beim Himmel, Seyton, lügt Dein Mund!« rief Roland, indem er mit der Hand nach seinem Schwerte fuhr.

Aber der Eintritt Lord Seytons machte dem Auftritt ein Ende. –

»Rettet mich, Mylord!« rief die Königin, »und bringt diese beiden ungestümen Jünglinge auseinander!«

»Wie, Heinrich!« sprach der Baron, »sind mein Schloß und die Anwesenheit unsrer Königin für Deinen Hochmut keine Schranken? ... Und mit wem haderst Du? ... Trügt mich dies Zeichen nicht, so steht der Jüngling vor mir, der mir im Streite mit den Leslies so wacker zur Seite stand! Zeig mir das Medaillon, mein Sohn! Beim heiligen Benediktus! es ist derselbe! Heinrich, ich befehle Dir, laß ab von diesem Zwiste, so wahr Dir mein Segen lieb ist!«

»Und so weit Dir Meine Huld lieb ist!« setzte die Königin hinzu, »denn fürwahr! mir leistete Roland getreuesten Dienst!«

»Jawohl, hohe Fürstin,« rief Heinrich Seyton, »als er das Briefchen in der Scheide Seytonschen Schwertes zu Euch brachte, ohne von Schwert und Scheide mehr zu wissen als das Packpferd, das es auf dem Sattel schleppt!«

»Aber ich, die den Jüngling dem großen Werke weihete,« nahm Magdalena Gräme das Wort, »durch deren Rat und Mitwirkung diese rechtmäßige Fürstin unseres Reiches aus ihrer entwürdigenden Haft befreit wurde, ich flehe diese Königin jetzt an, diesen Jüngling einzusetzen zum Erben des schwachen Lohns, den ich mir durch mein Tun verdient habe! ... Hier geht mein Geschäft zu Ende. Huldreiche Königin, Ihr seid frei, seid unumschränkte Fürstin, steht an der Spitze eines mutigen Heers, seid umringt von treuen, tapferen Baronen! ... Meine Dienste könnten Euch in der öffentlichen Meinung nicht mehr nützen, sondern eher schaden. Denn hinfort ruht Euer Glück auf den Schwertern dieser Krieger! Möge ihre Tapferkeit und Treue sich nicht schlechter bewähren als die Treue Eurer weiblichen Untertanen!«

»Ihr werdet Uns nicht verlassen, fromme Mutter,« erwiderte die Königin. »Denn wieviel Wir Euch zu danken haben, wissen Wir gar wohl; Ihr habt große Gefahren bestanden, Ihr habt Großes gewagt und habt Großes gewonnen, habt die Augen unsrer Feinde geblendet und den Mut unsrer Freunde befeuert... Nein! fromme Mutter, Ihr werdet nicht von Uns gehen, werdet Uns nicht verlassen in der Morgenröte Unsers wiedererwachenden Glückes, werdet bleiben, bis Wir Zeit gehabt haben, Euch kennen zu lernen, Euch zu danken.«

»Ihr könnt diejenige nicht kennen lernen, die sich selbst nicht kennt. Es gibt Zeiten, da wohnt in dieser weiblichen Hülle die Stärke eines Saul, und in diesem gequälten Hirne die Weisheit eines Joseph.. und dann liegt wieder über mir eine Nebelkappe, daß meine Stärke zur Ohnmacht, meine Weisheit zur Torheit wird. Ich habe vor Fürsten und Kardinalen gesprochen, ja selbst vor den Fürsten Deines Stammhauses Lothringen, edelste der Fürstinnen, und nimmer hab ich gewußt, woher mir die Worte kamen, solche Unterredungen zu führen, wie ich die Reden fand, die den Weg fanden zu solchen Ohren... Und jetzt, da ich dieser Worte am meisten bedürfte, jetzt liegt etwas über mir, das den Fluß dieser Worte hemmt, das den Lippen die Kraft raubt, sie auszusprechen.«

»Kann ich Dir irgend etwas gewähren zu Deiner Freude, das in meiner Gewalt steht, Dir zu geben,« sprach die Königin, »dann brauchst Du der Beredsamkeit nicht, sondern es genügt der schlichte Name.«

»Mächtige Fürstin,« sagte die Gräme, »es beschämt mich, daß in einem Augenblick solcher Erhabenheit einer greisen Frau, deren Gelübde die Heiligen erhörten, deren Arbeit und Mühe in einer gerechten Sache die Gunst des Himmels zu teil wurde, eine Spur menschlicher Schwäche anhaften muß. Aber das wird wohl bleiben, so lange die Welt steht, so lange sterbliche Wesen auf dieser Erde wandeln. Ich will dieser Schwachheit nicht widerstreben, aber es soll die letzte sein, die dieses Herz beschleicht.« Bei diesen Worten nahm sie Roland bei der Hand, führte ihn zur Königin, hieß ihn niederknieen und ließ sich selbst auf ein Knie nieder.. »Hochedle Fürstin,« bat sie, »blickt auf diese Blume! ein mitleidiger fremder Mann fand sie auf einem Schlachtfelde, und lange währte es, ehe meine Augen sahen und meine Arme umschlungen hielten was von meiner Tochter mir allein zurückgeblieben. Um Euretwillen, um des heiligen Glaubens willen konnte ich es über mich gewinnen, die zarte Blume fremder Pflege zu überlassen, ja sie Feinden in die Hände zu geben, denen es vielleicht eine Freude gewesen wäre, sie verkümmern und eingehen zu lassen. Wer mag es denken, was ein ketzerischer Glendinning wohl getan hätte, wenn ihm bekannt gewesen wäre, daß er den Erben der Avenels in seinem Hause hielte? Seitdem habe ich mein Kind nur wiedergesehen in Stunden der Gefahr und in Augenblicken des Zweifels, und nun scheide ich von dem Kinde meiner Liebe für immer, ach! für immer! O, gnädigste aller Fürstinnen, um der vielen beschwerlichen Schritte willen, die ich in Eurer gerechten Sache getan habe, gewährt ihm Euren Schutz! ihm, meinem Roland, den ich nicht mehr Kind nennen darf.«

»Ich schwöre Euch zu, Mutter,« sagte tiefbewegt die Königin, »daß um Euret- und seiner selbst willen sein Glück und seine Wohlfahrt Unsre ständige Sorge sein soll.«

»Ich danke Euch, erhabne Fürstentochter,« antwortete begeistert die Gräme und drückte ihre Lippen erst auf die Hand der Königin, dann auf die Stirn ihres Enkels. »Und nun,« fuhr sie fort, indem sie ihre Tränen trocknete und sich mit Würde erhob, »nun hat die Erde ihren Anteil, das andre gehört dem Himmel... Löwin von Schottland, zeuch hin und siege! Die Gebete einer Gottgeweihten sollen in fernen Landen und vor fernen Altären für Dich aufsteigen zum Himmel. Wie ein Geist will ich schweifen von Tempel zu Tempel, und wo man selbst meines Heimatlands Namen nicht kennt, soll der Priester fragen, wer ist die Königin des fernen Landes im Norden, für die diese Pilgerin so brünstig zu ihrem Gott betet? Königin, lebe wohl! Möge Dir Ehre werden und irdisches Gedeihen, sofern es des Höchsten Wille ist, und beschließt Er anders, dann möge die Buße, die Du hienieden tun mußt, die ewige Seligkeit Dir bürgen. Ich bitte Dich, laß niemand mir folgen, niemand zu mir sprechen! mein Entschluß ist gefaßt, mein Gelübde muß vollbracht werden!«

Mit diesen Worten, und den letzten Blick auf ihren Enkel gerichtet, war sie verschwunden. Roland wollte aufstehen und ihr nacheilen, aber die Königin und Lord Seyton wehrten es ihm.

»Beliebt es Euer Gnaden,« sagte Lord Seyton, »nachdem einem jungen Ritter sein Recht geworden, unser karges Morgenmahl mit uns zu teilen? Wir müssen aufsitzen, so zeitig wie möglich, denn bald sollen unsre Fahnen sich spiegeln im Clyde. Ritter Roland Avenel, denn dieser Name und Rang gebühren Euch hinfort, kommt mit uns!«

Fünfzehntes Kapitel

In der Woche, die auf die Flucht der Königin aus dem Schlosse Lochleven folgte, hatten ihre Anhänger ein stattliches Heer gesammelt, das über sechstausend Krieger zählte. Zu Hamilton hielt sie ihr Hauptquartier, und dorthin drängten sich noch immer neue Ritter und Krieger. Aber auch der Regent hatte, im Namen des Königsknäbleins, ein Heer um sich geschart, das an Zahl dem der Königin zwar nachstand, ihm aber an tüchtigen Führern, wie dem in Frankreich und den Niederlanden gebildeten Murray, dann Morton und dem Laird von Grange, überlegen war. Unter diesen Umständen wäre es für die Königin wohl am geratensten gewesen, eine Schlacht zu vermeiden und durch Verhandlungen mit den Gegnern sich zu sichern, was sie bisher erreicht hatte, aber das Ungestüm ihrer Lords sollte diesen Plan ihrer weiseren Berater zu nichte machen. Wohl war beschlossen worden, mit dem Heere nach Dumbarton zu marschieren und in seinem festen, uneinnehmbaren Schlosse die Person der Königin in Sicherheit zu bringen. Wohl fand in der Ebene von Hamilton eine der glänzendsten Musterungen statt, die über ein schottisches Kriegsheer je abgehalten worden, wohl führte die Gegenwart der von erlesener Edelwache umgebnen Königin Begeisterung in aller Herzen, wohl wuchs das königliche Heer nicht bloß durch profane Krieger, sondern auch geistliche Herren scheuten sich nicht, zu den Waffen zu greifen und ihr Blut für die Königin einzusetzen. Wohl rückte das königliche Heer in sieghaftem Zuge bis vor die Mauern von Glasgow, mit Entfaltung alles kriegerischen Prunkes damaliger Zeit. Dort aber sollte es zur Schlacht kommen, denn hier stellten die Gegner der Königin sich ihrem Heere.