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»Heut leben wir zusammen oder finden zusammen den Tod,« rief er, »haltet Euch fest, bis wir aus dem dichtesten Gewühl heraus sind. Dann ist mein Roß Euer.«

Seyton hörte ihn und bot die letzten Kräfte auf, sich an dem Rosse zu halten. Aber kaum war Roland zu der Stelle gelangt, von wo aus er den Ritter von Glendinning aus dem Hinterhalte hervorbrechen sah, so ließ Seyton die Mähne des Rosses fahren und sank, aller Bemühungen Rolands, ihn zu stützen, ungeachtet, rücklings zu Boden.

»Laß mich liegen,« sagte er mühsam zu Roland, während ihm das Blut aus Mund und Nase hervorschoß, »es war meine erste und letzte Schlacht. Ich hab zuviel von ihr gesehen, als daß es mich nach dem Ende noch verlangen sollte. Reite zur Königin, rette sie und sag Katharina einen letzten Gruß, Jetzt wird sie niemand mehr mit mir verwechseln ... oder mich mit ihr ... der letzte Hieb, den ich von den Wichten bekam, ohne ihn parieren zu können, hat mir den Rest gegeben.«

»Laßt mich Euch auf mein Pferd hinaufheben!« rief Roland eifrig. »Noch immer könnt Ihr gerettet werden. Ich kann mich zu Fuße zurückfinden. Wendet mein Roß bloß nach Westen, und es wird Euch wie der Wind zurück und in Sicherheit schaffen,«

»Ich setze keinen Fuß mehr in einen Steigbügel,« versetzte der Jüngling, »leb wohl, Roland! Du bist mir im Tode lieber geworden, als ich mir im Leben je hätte denken können. Aber bleib nicht müßig stehen bei einem Sterbenden, sondern eile zur Königin! ... Eins noch, Roland! ich wär froher, wäre meine Hand rein vom Blute des alten Hausmeiers ... Sancte Benedicte! ora pro nobis! [Heiliger Benedikt, bete für uns!] «

Die letzte Anstrengung, die es ihm verursachte, diese Worte hervorzustoßen, kostete ihn den letzten Hauch, und er sank tot nieder. Roland erinnerte sich, als er den Jüngling verscheiden sah, der ihm fast aus der Erinnerung gewichenen höheren Pflicht, aber er war nicht der einzige, der die letzten Worte des Sterbenden vernommen hatte.

»Die Königin! wo ist die Königin?« rief eine Stimme, deren Klang ihm nicht fremd war, und als er sich umdrehte, erkannte er seinen alten Dienstherrn Sir Halbert Glendinning, der, von einigen Reisigen gefolgt, herangesprengt kam. Roland gab keine Antwort, sondern wandte sein Roß und sprengte, was sein treues Tier rennen konnte, weg in der Richtung auf Schluß Crookstone.

Mit eingelegter Lanze, aber in schwerer Rüstung und auf minder flinkem Rosse, setzte Sir Halbert hinter ihm drein und rief ihm zu:

»Haltet, Ihr mit dem Palmenzweig! und beweist Euer Recht, ihn als Helmzier zu tragen! Halt, Memme, oder ich renn Dir die Lanze von hinten durch den Leib wie einem Feigling! .. Ich bin der Ritter Avenel, Halbert Glendinning, und keiner außer mir trägt den Palmzweig als Helmzier mit Recht!«

Roland fühlte aber kein Verlangen, mit seinem ehemaligen Herrn einen Kampf zu bestehen, zumal er wußte, daß die Sicherheit der Königin von seiner Eile abhing. Mit keiner Silbe erwiderte er auf die Schmährufe des Ritters, sondern ritt in rasendem Galopp in der Richtung nach dem Schlosse weiter. Um ein paar hundert Schritte war er dem Verfolger voraus, da sah er unter dem Eichenbaum die Königin bereits auf ihrem Zelter halten. So laut er konnte, rief er:

»Feinde! Feinde! Reitet, schöne Frauen! reitet, so schnell Ihr es vermögt! Und Ihr, tapfre Kampfgenossen! erfüllt Eure Pflicht, sie zu schützen!«

Im andern Augenblick hatte er seinen Gaul gewandt und rannte gegen den vordersten aus der feindlichen Schar mit solcher Wucht seine Lanze, daß Roß und Mann zu Boden schlugen. Während er sich nun gegen den nächsten wandte, ritt der Ritter mit der schwarzen Rüstung, der sich von dem Gefolge der Königin getrennt hatte, um die Feinde aufzuhalten, auf Sir Halbert Glendinning ein. Mit solcher Wucht prallten sie wider einander, daß beider Rosse zu Falle kamen und beide Reiter sich auf dem Boden wälzten. Keiner von beiden konnte aufstehen, denn der schwarze Reiter war von Glendinnings Lanze durchbohrt worden, und diesen drückte die Last seines Pferdes, daß er sich in nicht viel bessrer Lage befand als sein auf den Tod verwundeter Gegner.

»Ergebt Euch, Herr Ritter von Avenel, auf Gnade und Ungnade!« rief Roland, der einen zweiten Knappen des Ritters soeben in den Sand gestreckt hatte und es sich angelegen sein ließ, den Ritter von weiterem Kampfe abzuhalten.

»Ich kann leider nicht anders,« versetzte der Ritter, »aber ich schäme mich, das Wort zu solch einer Memme, wie Dir, zu sagen.«

»Braucht solches Wort nicht, Sir Halbert,« rief Roland und schlug sein Visier zurück, während er seinem Gefangnen unter dem Pferde hervorhalf ... »ich hätte mich Euch gestellt, wie es einem rechtlichen Manne zusteht, hätte mich nicht die Erinnerung an die gütige Behandlung, die mir in Eurem Schlosse von Euch, mehr aber noch von Eurer Gemahlin zu teil geworden ist, davon zurückgehalten.«

»Der Page meiner Frau!« rief außer sich vor Verwunderung Sir Halbert. »Ha, Elender! von Deinem schimpflichen Verrat in Lochleven habe ich vernommen!«

»Mach ihm keinen Vorwurf, Bruder!« sprach Abt Ambrosius. »Er war nur Werkzeug in Gottes Hand.«

»Zu Pferde! zu Pferde!« rief Katharina Seyton, »sitzt auf, oder wir sind verloren! Ich sehe unser stattliches Heer in wilder Flucht. Hochwürdiger Abt, zu Pferde! Roland, aufgesessen! Gnädigste Fürstin, da steht Euer Zelter. Wir hätten schon eine Stunde weit sein können.«

»Seht hier diese Züge,« sprach die Königin, auf den tödlich verwundeten Ritter in schwarzer Rüstung zeigend, dem eine mitleidige Hand den Helm aufgeschnallt hatte; »blicket auf sie und sagt mir, ob die Frau, die alle ins Verderben stürzt, die ihr in Liebe zugetan sind, einen Fuß breit fliehen sollte, ihr unglückliches Leben zu retten.«

Was das Herz der Königin geahnt hatte, das sah sie jetzt! es waren die Züge des unglücklichen Georg Douglas, denen der Tod jetzt sein Siegel aufdrückte.

»Seht ihn Euch recht an!« rief die Königin, »so erging es allen, die Maria Stuart liebten! Nichts vermochte sie zu retten, weder den edlen Franz sein königlicher Rang, noch Chatelet sein Witz, noch den heitern Gordon sein Rittermut, noch Rizzio der Wohllaut seiner Stimme, noch Darnley seine edle Gestalt und jugendliche Anmut, noch Bothwell die kecke Gewandtheit und das einschmeichelnde Wesen, noch den wackern Douglas die treue Ergebenheit jugendlicher Schwärmerei ... nichts hat sie retten können! sie richteten den Blick auf die unglückliche Maria, und genug war es für sie, Maria geliebt zu haben, um einen frühen Tod zu leiden! ... Dringt nicht in mich so stürmisch hinein! ich mag nicht weiter fliehen! ich kann ja doch bloß einmal sterben, und ich will hier den Tod erwarten!«

In reichem Strome flossen ihre Zähren über das Antlitz des edlen Jünglings, der die Augen mit einer Glut auf sie heftete, die selbst der Tod nicht zu löschen vermochte.

»Klaget nicht um mich,« sagte er mit matter Stimme, »sondern bleibt bedacht auf Eure Sicherheit, Ich sterbe als ein Douglas und sterbe, beweint von Maria Stuart!«

Mit diesen Worten verschied er. Die Königin, deren Herz so weich und liebevoll war, daß sie die holdeste Gattin abgegeben hätte, wenn ihr das Schicksal einen würdigeren Gatten als Darnley zuerteilt hätte, blieb an seiner Seite und weinte die bittersten Tränen, bis es dem Abt gelang, sie zum Bewußtsein ihrer selbst zurückzubringen. Aber er mußte, um Gehör zu finden, einen Ton anschlagen, den er bisher noch nie geführt hatte.