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»Was soll diese Widersetzlichkeit, Herr Priester?« fragte der Landvogt. »Ich kam hierher auf den Wunsch Eurer Königin, ihr zu Dienst zu sein. Und sobald sie es befiehlt, entferne ich mich wieder, denn so lautet die Weisung, die ich aus London erhielt. Ist es zu verwundern, daß bei den Wirren, die Euer Land zerfleischen, die Weisheit unsrer huldvollen Königin solchen Schritt ihrer königlichen Schwester voraussah? .. Ist sie zu tadeln, weil sie es für weise und gerecht hielt, ihrer königlichen Schwester gastfreie Aufnahme zu entbieten, aber einem geschlagenen Heere den Uebertritt über die Landesgrenzen zu verbieten?«

»Ihr hört es,« sprach Maria, indem sie huldvoll lächelnd ihr Gewand aus den Händen des Abtes freimachte ... »Ihr hört es, daß Wir aus freier Wahl dieses Ufer verlassen, und sicher wird es Unserm Willen auch unbenommen bleiben, Uns hinüber nach Frankreich zu begeben, je nachdem Wir Uns in Zukunft zu entschließen für angemessen erachten werden. Zudem ist es jetzt zu spät, Unsern Entschluß noch zu ändern. Euren Segen, frommer Vater, und dann lebt wohl! lebt alle wohl!«

»Herrgott, erbarme Dich ihrer!« betete der Abt inbrünstig, »Herrgott, behüte sie und gehe nicht von ihr! ... Aber mein Herz sagt mir, ich sah Dich zum letzten Male, huldvollste aller Königinnen!«

Die Segel wurden gespannt, die Ruderer ließen die Riemen ins Wasser fallen, und schnell durchflog das Fahrzeug den Frith, der die Grenze zwischen Schottland und England bildet, oder im engern Sinne genommen, zwischen Galloway und Cumberland. Aber so lange das Fahrzeug noch in Sicht blieb, so lange verweilten die bekümmerten, ihres Dienstes entlassnen Begleiter der schönsten und doch unglücklichsten aller Königinnen am Gestade. Und noch lange, noch lange unterschieden sie in der Ferne das Tuch ihrer Fürstin, mit dem sie der Heimat und den getreuesten ihrer Getreuen ihr letztes Lebewohl, das Lebewohl auf Nimmer-, Nimmerwiedersehen zuwinkte!.

Siebzehntes Kapitel

Mehrere Tage blieb Roland mit dem Abt Ambrosius in Dundrennan. Dann kam eines Tages Nachricht, und zwar von keiner geringern Seite als von Ritter Halbert Glendinning. Sie sollte ihm Trost bringen über die Trennung von der Geliebten wie auch über das Schicksal der Königin. Atemlos kam der Bote auf dem Schlosse an, und zwar kein andrer als Adam Woodcock war es mit einem Briefe eines Herrn an den Abt, der noch immer nicht, zu des greisen Bonifazius Verdruß, seinen Stab weiter gesetzt hatte. In dem Schreiben wurde Abt Ambrosius dringend aufgefordert, ein paar Tage Schloß Avenel zum Aufenthalt zu nehmen.

»Durch die Milde des Regenten,« hieß es in dem Schreiben, »wird Euch Pardon gewährt, Dir sowohl, lieber Bruder, als Roland; aber der Regent knüpft die Bedingung daran, daß Ihr Euch einige Zeit unter meine Aufsicht stellt. Zudem habe ich Dir mancherlei mitzuteilen über Rolands Herkunft, was nicht bloß von Interesse sein wird zu vernehmen, sondern was mir, als dem Manne der ihm am nächsten verwandten Person, die Berechtigung zu gewisser Ueberwachung seiner weiteren Schicksale gibt.«

Als der Abt dieses Schreiben gelesen hatte, überlegte er still, in welcher Weise er sein Verhalten am besten einrichte. Inzwischen nahm der Falkner Roland beiseite.

»Nehmt Euch nur von jetzt ab wenigstens in acht, Herr Roland,« sagte er, »daß weder Euch noch den Priester wieder irgend welcher pfäffischer Kram vom rechten Pfade abbringe. Da, lest das! und seid Eurem lieben Herrgott dankbar, daß er den alten Bonifazius einen Weg hat ziehen lassen, der ihn uns in die Hände geführt hat. Ein paar von den Seytonschen Leuten haben ihn nach Dundrennan geleitet. Als wir ihn visitierten, in der Erwartung, Nachrichten bei ihm über Eure Heldentat in Lochleven zu finden, die manchem braven Mann das Leben und mir ein paar Knochen geraubt hat, da haben wir Dinge bei ihm gefunden, die besser für Euch taugen, Herr Robert, als für uns.«

Nach diesen Worten behändigte Woodcock dem jungen Gräme ein Schriftstück, das sich als ein schriftliches Zeugnis des Bruders Philipp, Sakristans und Mönchs im Sankt-Marienkloster, erwies und den folgenden Inhalt hatte:

»Unter Gelobung des Geheimnisses habe ich den Ritter Julian Avenel, Schloßherrn von Avenel, und Katharina Gräme durch das heilige Sakrament der Ehe verbunden. Indem nun aber der Ritter von Avenel es nachher bereut hat, diese Ehe geschlossen zu haben, hat er mich, der diese Ehe eingesegnet hat, als Pater und Sakristan der Abtei von Sankt-Marien, sündlicherweise bestimmt, das arme Fräulein, gemäß einem von ihm ersonnenen Plane, dahin zu bereden, daß sie glauben solle, das Band der Ehe sei ungültig, weil es von einem Geistlichen geschlossen sei, welchem die heilige Weihe fehle, und deshalb völlig außer stande, irgend welche gesetzlichen Folgen zu bewirken. Ich Unterzeichneter erkenne in dieser sündhaften Entstellung einer richtig vollzogenen Ehe den Grund dafür, daß ich einem Zauber unterlegen bin und von einem Wasserkobold irre geführt wurde, daneben von besagter Zeit ab auch stark von Gicht und Podagra geplagt wurden bin. Darum habe ich bei meinem Abte Bonifazius solches gebeichtet und schriftliches Zeugnis darüber hinterlegt, sub sigillo confessionis [unter dem Siegel der Beichte]. Diesem Schriftstück lag ein andres bei, nämlich ein Brief Julians, aus welchem erhellte, daß sich der Abt Bonifazius in dieser Sache auch wirklich bemüht und von dem Baron Julian die ehrenwörtliche Zusage erhalten habe, daß er die Ehe mit Katharina Gräme öffentlich anerkennen wolle. Aber der Tod sowohl des Ritters als seiner ihm angetrauten und von ihm in ihrem Rechte doch so beeinträchtigten Ehefrau, zusammen mit der Abdankung des Abtes Bonifazius, sowie nicht zum wenigsten mit seiner völligen Unkenntnis des Schicksals, das über das unglückliche Kind hereingebrochen sei, und dem ihm anhaftenden trägen und gleichgültigen Sinne hatten die Angelegenheit vollständig in Vergessenheit geraten lassen, und erst eine zufällige Unterredung mit dem Abt Ambrosius über die Schicksale, von denen die Familie Avenel betroffen worden, hatte die Aufmerksamkeit wieder auf sie gelenkt. Abt Bonifazius hatte, auf das Verlangen seines Nachfolgers hin, sich nach dem Zeugnis des Bruders Philipp umgesehen; da er aber von fremder Mithilfe, unter den gewissenhaft aufbewahrten Amtsgeheimnissen zu suchen, nichts wissen mochte, hatte es bei seiner Trägheit und Bequemlichkeit leicht geschehen können, daß diese Angelegenheit wieder im Sande verlief, und das Schriftstück auf immer verborgen geblieben wäre, hätte nicht Halbert Glendinning persönlich sich dazu entschlossen, eine genaue Nachforschung vorzunehmen.

»Und so wird es denn nun zum Schlusse noch so kommen,« sagte Adam Woodcock, »daß Ihr Erbe von Avenel werdet, Herr Roland, sobald mein gnädiger Herr und seine Frau Gemahlin das Zeitliche gesegnet haben werden. Ich habe nun bloß noch eine einzige Bitte an Euch, und darum versehe ich mich darauf auch einer günstigen Antwort.«

»Steht es in meiner Macht, Woodcock, Euch die Bitte zu gewähren, so dürft Ihr freilich darauf rechnen,« sagte Roland.

»Ei, wenn ich's erlebe, daß Ihr die Schloßherrschaft bekommt, Herr Roland,« rief Adam Woodcock keck, »dann füttre ich die jungen Falken wie bisher mit ungewaschnem Fleische weiter!«

»Na, meinetwegen,« erwiderte unter Lachen Roland, »füttre sie, wie es Dir paßt. Ich bin zwar bloß um ein paar Monate älter geworden, seit ich Schloß Avenel den Rücken gewandt habe, aber soviel habe ich doch gelernt, daß es mir nicht mehr beikommen wird, einem Manne, der seinen Beruf versteht, in der Ausübung desselben zu widersprechen.«

»Nun, daraufhin tausche ich nicht mit dem Falkner des Königs und nicht mit dem Falkner der Königin,« rief Adam Woodcock, »aber die Königin, du meine Güte, wird ja, wie es heißt, eingesperrt, wird also keinen Falkner wieder brauchen! und ich sehe es auf Eurem Gesichte, Herr Roland, die Erinnerung hieran macht Euch betrübt, und mir könnte es ja freilich auch so ergehen, aber was hilft's, das Glück geht nun mal seinen Weg ganz nach seiner Laune, und wenn man sich heiser schriee danach, ändern würde man hierin doch nichts!«