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»Das ist ein schurkisches Vorhaben, – sich so in meine Privatangelegenheiten hineinzudrängen,« erwiderte Foster, »aber Du warst von je ein bösartiger Hund.«

»Ihr sollt keine Ursache haben, das zu sagen, es sei denn, Ihr weist meinen höflichen Vorschlag ab,« sagte Michael Lambourne, »wenn Ihr aber das tut, dann hüte Dich vor mir, Herr Ritter, wie es in der Romanze heißt. Ich will entweder an Euern Plänen beteiligt sein oder sie vereiteln, denn ich bin hierher gekommen, um tätig zu sein, entweder im Verein mit Dir oder gegen Dich.«

»Gut,« sagte Anton Foster, »da Du mir eine so billige Wahl stellst, so will ich lieber Dein Freund sein als Dein Feind. Du hast recht, ich kann Dich in den Dienst eines Herrn bringen, der genug hat, uns beide zu versorgen und noch hundert andre. Kühnheit und Geschicklichkeit verlangt er – die Gerichtsbücher legen Zeugnis ab zu Deinen Gunsten. In seinen Diensten gibt es kein Stutzen aus Rücksichten, und man darf sich nicht an Skrupeln stoßen – ei, und wer hätte da wohl je bei Dir ein Gewissen vermutet? – Keckheit muß der haben, der einem Höfling dienen will – und Deine Stirn ist undurchdringlich wie ein mailändisches Visier. Nur eins würde ich gern in Dir abgefeilt sehen.«

»Und was ist das, mein Goldantonchen?« versetzte Lambourne, »denn beim Kissen der Siebenschläfer schwör ich, ich will nicht säumen, den Fehler abzulegen.«

»Nun, eben gibst Du wieder eine Probe davon,« sagte Foster. »In Deiner Redeweise krakehlst Du noch zu sehr in der alten Manier und schmückst sie in jedem Satze mit absonderlichen Flüchen aus, die einen papistischen Beigeschmack haben. Überdies ist auch Dein Aeußeres zu wüst und lotterig für einen Anhänger seiner Lordschaft, denn er hat einen hohen Ruf in den Augen der Welt zu behaupten. Du mußt Deinen Anzug ein wenig ändern – in einen mehr ernsten und gesetzten Schnitt. Und dann – geh in die Kirche – oder noch besser, in den Gottesdienst, wenigstens einmal im Monat. Schwöre bloß bei Deinem Glauben und Deinem Gewissen – lege Deine martialische, großspurige Miene ab und greife nie nach Deinem Degen, außer wenn Du in allem Ernste blank ziehen willst.«

»In der Hinsicht, Anton, bist Du einfach verrückt,« antwortete Lambourne, »und hast mir jetzt katzenbuckelnd eher den Portier einer Puritanerin als den Untergebnen eines ehrgeizigen Höflings bezeichnet! Ja, so ein Ding, wie Du aus mir machen möchtest, muß wohl ein Buch am Gürtel tragen statt eines Dolches, aber wer im Gefolge eines Edelmanns mitmachen will, der muß flott und protzig auftreten.«

»O, gebt Euch zufrieden, Freundchen,« erwiderte Foster, »es ist anders geworden, seit Ihr aus der englischen Welt hinaus seid, und wir haben ihrer, die ihr Ziel auf den gefährlichsten und geheimsten Wegen verfolgen und doch nie ein prahlerisches Wort oder einen Fluch oder einen gottlosen Ausdruck in ihrer Rede fallen lassen.«

»Das heißt,« entgegnete Lambourne, »sie stehen in Handelsgemeinschaft und betreiben des Teufels Geschäfte, ohne seinen Namen in der Firma mit anzuführen. Na, ich will mir alle Mühe geben, es Euch nachzumachen, ehe ich in dieser neuen Welt Boden verliere. Aber, Anton, wie heißt der Edelmann, in dessen Dienst ich mich zum Heuchler ausbilden soll?«

»Aha, Meister Michael! Guckt Ihr aus der Luke?« fragte Foster mit einem boshaften Lächeln. »Und ist das die Kenntnis, die Ihr von meinen Angelegenheiten zu wissen vorgebt? Woher wißt Ihr denn, daß es eine solche Person in rerum natura gibt oder daß ich Euch nicht einen Bären aufgebunden habe?«

»Du und mir einen Bären aufbinden, Du dummöhriger Hornochs?« antwortete Lambourne, nicht im mindesten eingeschüchtert, »ei, so finster und schmutzig Du auch denkst, so wollt ich doch binnen einem Tage Dich und Deine Geheimnisse klar durchschauen.«

In diesem Augenblick wurde ihr Gespräch durch einen lauten Schrei unterbrochen, der aus dem anstoßenden Zimmer kam.

»Beim heiligen Kreuz von Abingdon,« rief Anton Foster und vergaß in seiner Bestürzung ganz seinen Protestantismus, »ich bin zu Grunde gerichtet.«

Mit diesen Worten stürzte er in das Gemach, aus dem der Schrei kam, und Michael Lambourne ihm nach.

Wie der Leser weiß, wurde, als Lambourne mit Foster in das Nebenzimmer ging, Tressilian in dem alten Empfangsraume allein gelassen. Sein dunkles Auge sah ihnen mit einem Blicke der Verachtung nach, die sich zum Teil sogleich wider ihn selber kehrte, daß er sich auch nur für einen Augenblick zum vertrauten Genossen dieser beiden herabgewürdigt hatte.

»Das also ist der Umgang, Amy,« so sprach er zu sich selber, »zu dem Deine grausame Leichtsinnigkeit und Deine unbedachte und ganz unverdiente Falschheit einen Mann verurteilt haben, von dem seine Freunde einst andres erhofften und der jetzt sich selber verachtet, wie er von andern verachtet wird, wegen der Niedrigkeit, zu der er sich entwürdigt aus Liebe zu Dir. Aber ich will nicht nachlassen, Dich zu verfolgen, an der ich einst in reinster und hingebendster Liebe hing, – jetzt freilich kannst Du für mich nur noch ein Ding sein, um das ich Tränen vergieße. – Ich will Dich vor Deinem Verräter und vor Dir selber retten – ich will Dich Deinen Eltern – und Deinem Gotte – zurückgeben.«

Ein leises Geräusch in dem Gemach schreckte ihn aus seiner Träumerei; er sah um sich, und in der schönen, reichgekleideten Frau, die jetzt hereintrat, erkannte er sie, die er suchte. Sein erstes in der Ueberraschung dieser jähen Entdeckung war, daß er sein Gesicht mit dem Mantelkragen bedeckte, bis sich ihm ein günstiger Augenblick bieten würde, sich zu erkennen zu geben. Aber die junge Dame, die noch nicht über achtzehn Jahre alt war, vereitelte sein Vorhaben, indem sie freudig auf ihn zulief, ihn am Mantel zog und neckisch zu ihm sagte:

»Mein süßer Freund, nachdem ich so lange auf Euch gewartet habe, kommt Ihr doch nicht in mein Versteck, Mummenschanz zu treiben. Ihr seid des Verrats an treuer Liebe und zärtlicher Zuneigung bezichtigt, und Ihr müßt vor die Schranken treten und Euch mit unverhülltem Gesicht verteidigen – was habt Ihr zu sagen: schuldig oder nicht?«

»Ach, Amy!« sagte Tressilian leisen und schwermütigen Tones und ließ sich den Mantel vom Gesicht ziehen. Der Klang seiner Stimme und noch mehr der unerwartete Anblick seines Gesichts brachte im Augenblick die Dame aus ihrer scherzhaften Stimmung. – Sie taumelte zurück, bleich wie der Tod, und schlug die Hände vors Gesicht. Tressilian selber war für den Augenblick ganz überwältigt, aber plötzlich schien er sich wieder bewußt zu werden, daß er eine Gelegenheit ausnützen müsse, die vielleicht nie wiederkehren konnte, und sagte leise:

»Amy, fürchte mich nicht.«

»Warum sollte ich Euch fürchten?« fragte die Lady, ihre Hände von ihrem schönen Gesicht wegnehmend, das jetzt mit Purpurröte überzogen war, – »warum sollte ich Euch fürchten, Herr Tressilian? Doch wozu seid Ihr in meine Wohnung gedrungen, uneingeladen, Herr, und unerwünscht?«

»Eure Wohnung, Amy!« sagte Tressilian. »Ach, ist ein Gefängnis Eure Wohnung? – Ein Gefängnis, das bewacht wird von einem der schmutzigsten Menschen, der aber doch noch kein größers Scheusal ist als sein Gebieter?«

»Dies Haus ist mein,« sagte Amy, »mein, so lange es mir paßt, darin zu wohnen. Wenn es mir Spaß macht, in Abgeschiedenheit zu leben, wer will es mir verwehren?«

»Euer Vater, Jungfrau,« antwortete Tressilian. »Euer Vater, dem das Herz gebrochen ist, der mich abgesandt hat, nach Euch zu forschen, und mir jene Vollmacht erteilt hat, die er selber nicht in Person ausüben kann. Hier ist sein Brief – beim Schreiben hat er die Schmerzen gelobt, die seinen Körper peinigen, weil er über ihnen die Seelenqual nicht so tief empfindet.«