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»Es ist der Mann, von dem wir vorm Mittagessen gesprochen haben,« sagte Foster, durchs Fenster guckend, – »es ist Michael Lambourne.

»O, den laß auf jeden Fall herein,« sagte der Höfling. »Er bringt uns Bescheid über Tressilian – und es liegt uns viel daran, zu erfahren, was dieser Bube vornimmt. Laß ihn herein, sag ich, aber bring ihn nicht hierher – ich werde gleich nach der Bibliothek kommen und Euch dort treffen.«

Foster ging hinaus, und der Höfling durchmaß ein paarmal in tiefen Gedanken das Zimmer, die Arme über der Brust gekreuzt.

»Es ist nur zu wahr,« sagte er bei sich selber, indem er plötzlich stehen blieb und die rechte Hand auf den Tisch stützte, an dem sie gesessen hatten, »dieser gemeine Kerl hat den wahren Grund, die ganze Tiefe meiner Furcht ermessen, und ich bin nicht imstande gewesen, ihm das zu verbergen. – Sie liebt mich nicht – ich wollte, es ließe sich ebenso wahr sagen, daß ich sie auch nicht liebte! – Ich Tor, der ich war, daß ich sie für mich selber zu gewinnen trachtete, da doch die Klugheit es erheischte, daß ich Mylord als treuer Kuppler diente! – Und dieser verhängnisvolle Irrtum war ein gefährlicher Fehltritt, und seit dieser Stunde kann ich sie nicht mehr ansehen, ohne daß Furcht und Haß und Liebe sich so seltsam in mir vermischen, daß ich nicht weiß, ob ich, wenn es mir frei stünde, sie besitzen oder zu Grunde richten möchte. Aber sie darf aus diesem Versteck nicht heraus, ohne daß ich mir Gewißheit verschafft habe, auf welchem Fuße wir ferner zueinander stehen sollen. Ich muß eine Anteilnahme in ihr erwecken, ob nun aus Liebe oder aus Furcht – und wer weiß, ob ich nicht noch die süßeste und vollste Rache ernte für ihre frühere Verachtung? – – das wäre in der Tat ein Meisterstück der Höflingskunst. Nur einmal laßt mich ihr Ratgeber sein – nur einmal soll sie mir ein Geheimnis vertrauen, beträfe es auch nur den Raub eines Hänflingnestes, und, schöne Gräfin, Du bist mein!«

Wieder durchschritt er das Zimmer schweigend, blieb stehen, goß sich einen Becher voll und trank ihn aus, wie um sich zu beruhigen, dann murmelte er: »Nun ein verschlossenes Herz und eine offene, glatte Stirn!« und ging hinaus.

Sechstes Kapitel

Vier Räume im Westflügel des alten Vierecks von Cumnor-Place waren auf das prunkvollste hergerichtet worden. Dies war die Arbeit von mehreren Tagen gewesen. Handwerker waren von London hergeschickt worden und durften das Haus nicht eher verlassen, als bis die Arbeit beendet war. Sie hatten die Gemächer in diesem Flügel des Gebäudes aus dem verfallnen Zustande eines halb in Trümmer gesunkenen Klosters in den Pomp und Glanz eines königlichen Palastes versetzt. All diese Arbeiten waren geheim gehalten worden, und bei Nacht waren die Arbeiter gekommen und wieder gegangen.

An dem Abend – von dem jetzt die Rede ist – war die neue und prachtvoll dekorierte Folge von Zimmern zum erstenmal erleuchtet, und zwar in einem Glanze, den man weit hätte sehen müssen, wenn nicht eichene Fensterläden und Vorhänge von Seide und Sammet verhindert hätten, daß auch der leiseste Schimmer nach außen gedrungen wäre.

In der Hauptsache waren es, wie wir gesehen haben, vier Zimmer, die ineinander liefen. Man gelangte zu ihnen auf einer großen, steilen Treppe von ungewöhnlicher Länge und Höhe, die an der Tür eines Vorzimmers endete, das sich wie eine Galerie ausnahm. Von diesem Vorzimmer aus kam man in das Speisezimmer, das nicht sehr groß war, aber so prächtig ausgestattet war, daß der Reichtum der Möbel den Beschauer blendete. Die ehedem so kahlen, geisterhaften Wände waren jetzt mit himmelblauem Sammet mit Silberstickerei behangen. Die Stühle waren aus Ebenholz und reich geschnitzt, die Polster entsprachen dem Wandbehang. An Stelle der silbernen Leuchter, die die Antichambre erhellten, hing hier ein großer Kronleuchter aus dem gleichen, kostbaren Metall. Der Boden war mit einem spanischen Teppich bedeckt, auf dem Blumen und Früchte in so glühenden und naturgetreuen Farben dargestellt waren, daß man sich fast scheute, den Fuß auf eine so kostbare Arbeit zu setzen. Der Tisch von altem englischen Eichenholz war bereits mit schneeweißem Linnen gedeckt.

Das dritte Zimmer war das sogenannte Gesellschaftszimmer. Es war mit feinsten Tapeten behangen. Der am meisten ins Auge fallende Sitz dieses Zimmers war eine Art Staatssessel, der sich um zwei Fuß etwa vom Boden erhob und groß genug für zwei Personen war. Ein Baldachin erhob sich darüber, der aus rotem Sammet war und mit Perlstickerei geziert war. An der Spitze trug er zwei Kronen, die wie die eines Earl und die einer Gräfin aussahen. Stühle mit Sammetbezug und ein paar Polster waren an Stelle der üblichen Rohrstühle in diesem Zimmer. Außerdem sah man darin Musikinstrumente, Stickrahmen und andere Artikel zum Zeitvertreib für Damen.

Das Schlafzimmer, das zu dieser prächtigen Reihe von Zimmern gehörte, war in weniger prunkendem Geschmack dekoriert, aber doch nicht weniger reich als die anderen. Zwei mit wohlriechendem Oel gespeiste Lampen verbreiteten zugleich einen kostbaren Duft und einen zitternden, zwielichtartigen Schimmer in dem stillen Gemach. Es war so dick mit Teppichen belegt, daß der lauteste Tritt nicht gehört werden konnte, und das reich mit Daunen gefüllte Bett war mit einer großen Decke von Seide und Gold bedeckt. Auf dem Toilettentisch stand ein schöner venetianischer Spiegel in einem Rahmen von Silberfiligran. Daneben stand eine goldene Sahnenschüssel für den Nachttrunk. Ein Paar Pistolen und ein in Gold gearbeiteter Dolch lagen in der Nähe des Kopfendes: das waren die Nachtwaffen, wie sie damals jedem in Ehren gehaltenen Gaste dargeboten wurden.

Die Gottheit, für die dieser Tempel geschmückt worden war, war die Kosten und die Mühe wert, die man hier aufgewendet hatte. Sie saß in dem Gesellschaftszimmer, das wir eben beschrieben haben, und betrachtete mit dem freudigen Auge natürlicher und unschuldiger Eitelkeit den Glanz, der ihr zu Ehren so plötzlich geschaffen worden war. Zum erstenmal an diesem Abend sah sie selber diesen Teil des Herrenhauses, der von den ihr bisher bekannten Gemächern so verschieden war, daß er ihr im Vergleich zu jenen wie ein verzauberter Palast erschien, denn sie war ängstlich davon fern gehalten worden, damit keiner der Arbeiter sie zu Gesicht bekommen sollte. Und sie betrachtete all diese Pracht mit der wilden, zügellosen Freude einer ländlichen Schönen, die sich plötzlich mit einem Luxus umgeben sieht, wie ihn ihre überschwenglichsten Wünsche sich nicht hatten träumen lassen, und zugleich auch mit dem feinen Gefühl eines liebenden Herzens, das sich bewußt ist, daß all der Zauber um sie her das Werk der großen Tausendkünstlerin Liebe ist.

Die Gräfin Amy – denn zu diesem Range war sie durch ihre geheime, aber feierliche Verbindung mit Englands stolzestem Grafen erhoben worden – war eine Zeitlang von Zimmer zu Zimmer geeilt und hatte jeden neuen Beweis von dem Geschmack ihres Liebhabers und Bräutigams bewundert, dann streckte sie sich im Gesellschaftszimmer auf einen der orientalischen Sessel und ruhte hier, halb sitzend, halb zurückgelehnt.

In dieser Haltung, mit einem Ausdruck halb lässiger Sorglosigkeit und halb gespannter Erwartung in dem feinen, ausdrucksvollen Gesicht hätte man wohl See und Land durchsuchen können, ohne etwas halb so Ausdrucksvolles oder halb so Liebreizendes wieder zu finden. Das Gewinde von Brillanten, das sich mit ihrem braunen, dunklen Haar vermischte, konnte sich nicht an Glanz mit dem haselbraunen Auge messen, das eine hellbraune, in feinster Zartheit gezeichnete Braue und lange Wimpern derselben Farbe zugleich erhellten und beschatteten. Nach der Hast, mit der sie eben durch die Zimmer geeilt war, und infolge der erregten Spannung und befriedigten Eitelkeit waren ihre feinen Züge in warme Glut getaucht. Die milchweißen Perlen ihres Halsbandes – desselben, das sie eben als ein Liebesangebinde von ihrem Liebhaber erhalten hatte – wurden an Reinheit von ihren Zähnen und der Farbe ihrer Haut übertroffen, nur an einigen Stellen hatte die Freude und Selbstzufriedenheit den Hals mit einem Schatten leichter Röte überzogen.