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»Du bist wie alle Welt, Amy,« sagte der Earl und ließ sie gewähren, »Juwelen, Federn und Seide gelten Dir mehr als der Mann, den sie zieren – doch manche armselige Schneide sieht sehr elegant aus in einer Scheide von Sammet.«

»Das aber können die Leute von Dir nicht sagen, Du edler Graf,« sagte seine Dame, als der Mantel auf den Boden fiel und sie ihn vor sich sah in der Tracht, die Fürsten beim Ausreiten anlegen, – »Du bist der gute, wohlerprobte Stahl, dessen innerer Wert den äußern Zierat verdient und doch gering schätzt. Denke nicht, daß Amy Dich in dieser prächtigen Tracht inniger lieben könnte als damals, da sie in den Wäldern dem Mann in dem braunen Kittel ihr Herz schenkte.«

»Und auch Du, mein Lieb,« sagte der Graf, indem er sie anmutig und hoheitsvoll auf den Staatssessel führte, der für sie beide hergerichtet war, »auch Du, meine Liebste, hast ein Deinem Range geziemendes Gewand angelegt, das aber doch Deine Schönheit nicht zu erhöhen vermag. Was denkst Du von dem Geschmack bei uns zu Hofe?«

»Setz Dich hierher,« sagte sie, »als etwas, das die Menschen anbeten und bewundern müssen.«

»Ja, Lieb,« sagte der Graf, »wenn Du meine Pracht mit mir teilen willst.«

»Nicht so,« sagte die Gräfin, »ich will auf diesem Sessel Dir zu Füßen sitzen, daß ich Deinen Glanz betrachte und zum erstenmal lerne, wie Fürsten angezogen sind,«

Und mit kindlicher Verwunderung, die ihre Jugend und ländliche Erziehung nicht nur entschuldbar, sondern allerliebst erscheinen ließ, und einer in zärtlichem Getändel betätigten Gattenliebe untersuchte und bewunderte sie von Kopf bis zu Füßen die edle Gestalt und das fürstliche Kleid des Mannes, der die stolzeste Zierde am Hofe von Englands jungfräulicher Königin war, so berühmt dieser Hof auch für glänzende Höflinge und weise Hofräte war. Als der Carl zärtlich seine reizende Braut betrachtete und sich befriedigt ihrer zwanglosen Bewunderung überließ, da sprachen aus seinen dunklen Augen und den edlen Zügen sanftere Leidenschaften, als der herrische und hochfahrende Ausdruck, der sonst auf seiner breiten Stirn saß und aus dem durchdringenden Glanz seines dunkeln Auges sprühte.

»Und nun, meine Geliebte,« sagte der Graf, als sie all den Zierat bewundert und er ihr die Herkunft aller seiner Orden und die daran geknüpften Geschichten erzählt hatte, – nun ist Dein Wunsch erfüllt, und Du hast Deinen Vasallen in aller Pracht gesehen, soweit er sie über einen Reitanzug anlegen kann; denn Staatsgewänder und Kronen sind nur für fürstliche Hallen.

»Ja, aber,« sagte die Gräfin, »mein Wunsch hat, wie gewöhnlich, kaum befriedigt, schon wieder einen neuen geboren.«

»Und was ist es, was Du erbitten und ich Dir verweigern könnte?«

»Ich wünschte, meinen Earl diese entlegene und geheime Behausung in all seiner fürstlichen Pracht besuchen zu sehen,« sagte die Gräfin, »und nun dünkt mich, sehne ich mich danach, in einer seiner fürstlichen Hallen zu sitzen und ihn in einfachem, braunem Wamse hereintreten zu sehen, wie er es damals trug, als er der armen Amy Robsart Herz gewann.«

»Dieser Wunsch ist leicht zu erfüllen,« sagte der Graf, »das schlichte Wams soll morgen angelegt werden, wenn Du willst.«

»Aber soll ich,« sagte die Dame, »mit Euch auf eines Eurer Schlösser gehen?«

»Ei, Amy,« sagte der Earl und schaute sich um, »sind nicht diese Gemächer prächtig genug ausgestattet? Mich dünkt, meine Weisungen sind recht gut ausgeführt worden, – wenn Nu aber mir etwas nennen kannst, was noch zu tun wäre, so will ich unverzüglich Order erteilen.«

»Nein,, Mylord, nun spottet Ihr meiner,« versetzte die Gräfin, »die bunte Pracht dieses, reichen Hauses überflügelt meine Phantasie und gibt mir mehr, als ich verdiente. Aber soll nicht Deine Gattin – wenigstens nun binnen kurzem – mit all den Ehren umgeben werden, die ihr als der Gemahlin des stolzesten Grafen von England zukommen?«

»Binnen kurzem?« fragte ihr Gatte. »Ja, Amy, eines Tages wird das gewiß geschehen, und glaube mir, Du selber kannst diesen Tag nicht sehnlicher herbeiwünschen als ich. Mit welcher Freude könnte ich mich von meinen Staatsgeschäften und den Arbeiten und Sorgen des Ehrgeizes zurückziehen, um mein Leben in Würden und Ehren auf einer meiner großen Domänen mit Dir, meine reizende Amy, meiner Freundin und Gefährtin zu verbringen! Wer daß kann noch nicht sein, und diese süßen, doch verstohlnen Zusammenkünfte sind alles, was ich der liebwertesten und geliebtesten ihres Geschlechts gewähren kann.«

»Aber warum kann das nicht sein,« drang die Gräfin in ihn in den sanftesten Tönen der Ueberredung, »warum kann sie nicht unverzüglich stattfinden – diese vollkommenere und keiner Trennung mehr ausgesetzte Bereinigung, nach der Ihr Euch sehnt, wie Ihr sagt, und die die Gesetze Gottes und der Menschen zugleich erheischen? – Ach, wenn Ihr nur halb so sehr, als Ihr sagt, danach verlangtet, wer oder was könnte Euch, der Ihr so mächtig seid und in so hoher Gunst steht, an der Erfüllung Eures Wunsches hindern?«

Der Graf machte ein finsteres Gesicht.

»Amy,« sagte er, »Ihr sprecht da von etwas, was Ihr nicht versteht. Wir, die wir an Höfen arbeiten, sind wie Leute, die einen Berg von losem Sande hinanklimmen. Wir dürfen nicht Halt machen, ehe nicht ein vorspringender Fels uns sichern Ruhepunkt bietet – wenn wir eher rasten, dann gleiten wir durch unser eignes Gewicht wieder hinunter und fallen dem allgemeinen Gelächter anheim. Wenn ich meine Heirat bekannt geben wollte, so würde ich selber meinen Sturz herbeiführen. Aber glaube mir, ich werde einen Punkt erreichen, und das bald, wo ich Dir und mir Gerechtigkeit erweisen kann. Inzwischen vergifte nicht die Freude am gegenwärtigen Augenblick durch die Sehnsucht nach dem, was zurzeit noch nicht sein kann. Laß mich lieber wissen, ob hier alles nach Deinem Gefallen eingerichtet ist. Wie benimmt sich Foster gegen Euch? In allen Dingen respektvoll, nehme ich an, sonst soll der Bursche es büßen.«

»Ich habe nichts zu klagen,« antwortete die Lady, »er entledigt sich seiner Pflicht in aller Treue gegen Euch. Und seine Tochter Jeanette ist die liebste, beste Gefährtin meiner Einsamkeit. Der ihr eigene Zug von Frömmigkeit steht ihr gar zu gut.«

»So, so?« sagte, der Graf. »Wer Dir Freude macht, darf nicht unbelohnt bleiben. Komm her, Mädchen.«

»Jeanette,« sagte die Dame, »komm her zu Mylord.«

Jeanette kam herzu, und der Graf mußte unwillkürlich lächeln über den Kontrast zwischen der großen Schlichtheit ihres Kleides, der gezwungenen Sittsamkeit ihrer Miene und einem wirklich hübschen Gesicht mit schwarzen Augen, die trotz alles Bemühens ihrer Besitzerin, ernst drein zu schauen, stets lachten.

»Ich bin Dir verbunden, hübsche Maid,« sagte der Graf, »daß diese Dame so sehr mit Dir zufrieden ist.« Mit diesen Worten zog er einen wertvollen Ring vom Finger und gab ihn Jeanette Foster. »Trag dies,« setzte er hinzu, »um ihret- und meinetwillen.«

»Es ist mir Freude genug,« antwortete Jeanette spröde, »daß mein bescheidner Dienst meiner Lady angenehm ist, aber wir von der Gemeinde des ehrenwerten Meister Holbforth trachten nicht danach, wie die Töchter dieser Welt uns Gold um die Finger zu schlingen oder Steine um den Hals zu tragen, wie die eiteln Weiber von Tyrus und Sidon.«

»Ei, Nu bist eine gestrenge Jüngerin dieser frommen Schwesternschaft,« sagte der Graf, »und ich glaube, Dein Vater ist bei derselben Gemeinde, nun, ich mag Euch deshalb nur um so lieber leiden; denn in dieser Gemeinde ist für mich gebetet worden. So nimm denn dies, mein Mädchen, und wende es an nach Deinem Gefallen.«

Mit diesen Worten legte er ihr fünf große Goldstücke in die Hand.

»Ich würde auch dieses Gold nicht annehmen,« sagte Jeanette, »hoffte ich nicht, daß ich es einmal zum Segen für uns alle anwenden könnte.«

»Nun geh, ich bitte Dich, und sag den Leuten, sie sollen sich mit der Abendmahlzeit beeilen.«

»Ich habe Herrn Varney und Herrn Foster eingeladen, mit uns zu speisen, Mylord,« sagte die Gräfin, als Jeanette ging, um die Befehle des Grafen auszuführen, »ist Dir das recht?«