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»Du schaust mich finster an, Anton,« sagte er, »als hätte ich Dich um den Abschiedsgruß von Deinem Herrn gebracht, aber ich habe ihn bewogen, daß er Dir ein bessres Andenken für Deinen treuen Dienst hinterläßt. Sieh hier! Eine Börse voll so gutem Golde, als je unter der Faust eines Geizhalses geklimpert hat. Ja, zähle sie nur, Bursche,« sagte er, als Foster sie mit grimmigem Lächeln entgegennahm, »und tu dazu noch das gute Trinkgeld, das er gestern abend der Jeanette gegeben hat.«

»Was? Was?« rief Anton Foster rasch. »Hat er der Jeanette Geld gegeben?«

»Gewiß, Mann, warum nicht? Der Dienst, den sie seiner schönen Dame erweist, erfordert doch auch seine Belohnung.«

»Sie soll nichts davon behalten,« sagte Foster, »sie soll es wieder zurückgeben. Ich weiß, er ist nur kurze Zeit immer in ein Lärvchen vernarrt, aber dafür um so gründlicher. Seine Liebe ist veränderlich wie der Mond.«

»Ei, Foster, Du bist verrückt – auf so ein gutes Glück hoffst Du doch nicht etwa, daß Mylord ein Auge auf Jeanette haben sollte? Wer in des Teufels Namen lauschte wohl der Drossel, wenn die Nachtigall singt?«

»Drossel oder Nachtigall, dem Vogelsteller ist alles gleich – und ich will nicht, daß meiner Tochter eine solche Gunst erwiesen werde, wie Ihr schon manchem armen Mädchen erwiesen habt. – Lachst Du? – Ein Glied meiner Familie wenigstens soll vor den Klauen Satans bewahrt werden, darauf magst Du Dich verlassen. Sie soll das Gold zurückgeben.«

»Oder es Dir zum Aufheben überlassen, Toni, was eben so gut ist,« antwortete Varney, »aber ich habe etwas zu sagen, was ernster ist. – Unser Herr kehrt in einer für uns nicht günstigen Stimmung nach Hofe zurück. Er trägt sich mit dem Gedanken, dem Hofe Valet zu sagen, um ihretwillen. Dann wäre freilich alles verloren, aber ich denke doch, Cumnorplace soll vorerst noch ein Freigut werden. Nur folge meinem Rate und verrate nicht, daß dieser Tressilian hier gewesen ist – nicht ein Wort, bis ich Dir einen Wink gebe.«

»Und warum das?« fragte Foster mißtrauisch.

»Blödes Vieh!« versetzte Varney. »Wo Mylord jetzt so gestimmt ist, so wäre das der leichteste Weg, ihn in seinem Entschlusse zu bestärken – man brauchte ihn nur wissen zu lassen, daß seine Dame in seiner Abwesenheit von einem solchen Gespenst heimgesucht wird. Er selber würde den Drachen über seinem Kleinod abgeben wollen, und dann wäre Dein Dienst, zu Ende! Doch lebe wohl – ich muß ihm folgen!«

Er wandte sein Pferd, gab ihm die Sporen und ritt hinter seinem Herrn her zum Torweg hinaus.

»Ich wollte, Dein Dienst wär zu Ende oder Du hättest Dir schon das Genick gebrochen, verfluchter Kuppler!« brummte Anton Foster hinter ihm drein. »Kein verderblicher Hauch soll Jeanetten streifen – sie soll rein bleiben wie ein Engel, wäre es auch nur, um für ihren Vater Gott zu bitten. Ich bedarf ihrer Fürbitte, denn es steht schlimm um mich. Seltsame Gerüchte über meine Lebensweise sind im Umlauf. Die Gemeinde sieht mich kalt an, und als Holdforth letztens von Heuchlern sprach, die wie Grabmäler aussehen, innen aber voller Totengebeine sind, da war mirs, als sähe er mich voll an. Der römische Glaube war bequem, Lambourne hat recht – da brauchte man bloß seine Rosenkränze zu beten, eine Messe zu hören, zu beichten – und man hatte Absolution. Diese Puritaner gehen einen härtern und rauhern Pfad. Aber ich will erst eine Stunde in der Bibel lesen, ehe ich wieder meine eiserne Geldkiste öffne.«

Varney ritt inzwischen hinter seinem Herrn her, den er am Hinterpförtchen das Gartens wartend fand.

»Ihr vertrödelt die Zeit, Varney, und die Zeit drängt,« sagte der Earl. »Ich muß bis nach Woodstock, ehe ich meine Verkleidung ablegen kann, und bis dahin ist mein Weg nicht geheuer.«

»Wenn Ihr schnell reitet, seid Ihr in zwei Stunden dort, Mylord,« sagte Varney, »ich habe mich nur versäumt, um diesem Foster noch einmal Eure Befehle einzuschärfen und nach der Wohnung des Herrn zu fragen, den ich für das Gefolge Eurer Lordschaft an Trevors Stelle vorschlagen möchte. Er verspricht, sich gut zu eignen. Und wenn Euer Lordschaft geruhen wollte, weiter zu reiten, so könnte ich nach Cumnor zurückreiten und ihn nach Woodstock mitbringen.« »Gut, sorgt dafür, daß Ihr bei mir seid, wenn ich aufbreche.«

Mit diesen Worten gab er seinem Pferde die Sporen und ritt weiter, während Varney auf der Verkehrsstraße nach Cumnor zurückritt. Er hielt am Tor des »Schwarzen Bären« an und begehrte Herrn Michael Lambourne zu sprechen. Dieser Ehrenmann erschien sogleich vor seinem neuen Gönner, aber mit niedergeschlagenen Blicken.

»Du hast die Spur Deines Kameraden Tressilian verloren,« sagte Varney. »Das seh ich Dir an Deinem langen Gesicht an. Ist das Deine Gewandtheit, Du unverschämter Bursche?«

»Potzblitz!« sagte Lambourne. »Nie ist eine Spur so fein verfolgt worden. Hier bei meinem Onkel hab ich ihn einkehren sehen – ich hab mich an ihn gehängt wie Pech – ich hab aufgepaßt, bis er in, sein Zimmer gegangen war, und presto – am nächsten Morgen war er verschwunden, selbst der Gastwirt weiß nicht, wohin.«

»Das klingt, als wolltest Du mir eine Nase drehen, Bursche,« sagte Varney, »und wenn sich das herausstellt, so sollst Du es bei meiner Seele bereuen!«

»Herr, der beste Hund kann einmal fehlgehen,« antwortete Lambourne. »Ihr mögt den Wirt fragen – den Kellner, den Hausdiener, wie scharf ich Tressilian im Auge behalten habe, solange er auf den Beinen war; es war doch nicht zu erwarten, daß ich wie ein Krankenwärter über ihm wachen sollte, als ich ihn hübsch hatte zu Bett gehen sehen.«

Varney erkundigte sich in der Tat bei dem Personal und erfuhr, daß Lambourue ihm die Wahrheit gesagt hatte. Tressilian war plötzlich und unerwartet zwischen Nacht und Morgen abgereist.

»Aber ich will ihm kein Unrecht tun,« sagte der Wirt, »er hat auf dem Tisch seines Zimmers den vollen Betrag seiner Rechnung zurückgelassen und noch ein Trinkgeld für die Bediensteten obendrein, was eigentlich gar nicht nötig war, da er ja sein Pferd ohne Beistand des Stallknechts ganz allein gesattelt hat.«

Also beruhigt über Lambournes Verhalten, sprach Varney zu ihm über das, was er mit ihm vorhabe, da er von Foster gehört habe, daß er nicht abgeneigt sei, in den Dienst eines Edelmanns zu treten,

»Bist Du je am Hofe gewesen?« fragte Varney.

»Nein,« antwortete Lambourne, »aber seit meinem zehnten Lebensjahre habe ich einmal wöchentlich geträumt, ich wäre an einem Hofe und machte mein Glück.«

»Vielleicht ist es Deine Schuld, wenn sich Dein Traum nicht erfüllt. Weißt Du, was der Gefolgsmann eines großen Herrn am Hofe haben muß?«

»Ich habe es mir selber ausgedacht, Herr,« antwortete Lambourne. »So zum Beispiel ein flinkes Auge – einen verschlossenen Mund – eine rasche, kühne Hand – einen scharfen Witz und ein stumpfes Gewissen.«

»Und bei dem Deinen,« sagte Varney, »hat sich jedenfalls die Schneide schon lange abgestumpft.«

»Allzu scharf ist seine Schneide nie gewesen, soviel ich mich erinnere,« erwiderte Lambourne. »Als ich noch jung war, hatte ich wohl ein paar Grillen, aber auf dem rauhen Schleifstein des Krieges habe ich sie zum, Teil abgeschliffen, und was übrig blieb, haben die breiten Wogen des Atlantischen Ozeans mit weggespült.«

»Du kannst mir und meinem Lord und Dir selber gute Dienste tun,« sagte Varney nach einer Pause. »Aber merke wohl, ich kenne die Welt, – und antworte mir der Wahrheit gemäß: Kannst Du treu sein?«

»Wenn Ihr die Welt nicht kenntet,« antwortete Lambourne, »so wäre meine Pflicht, ja zu sagen, ohne weitere Umstände, und bei meinem Leben und meiner Ehre und so weiter darauf zu schwören. Da Euch aber lieber mit ehrlicher Wahrheit als mit schlauer Liebe gedient zu sein scheint – so antworte ich Euch: Ich kann treu sein bis zum Fuße des Galgens, ja bis zur Schlinge, die daran herunter hängt – wenn der Dienst gut ist und ordentlich bezahlt wird – sonst nicht.«