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»Und wenn Ihr mir einen ganzen Obstgarten geben wolltet,« sagte Dickie Schlamm, »so kann ich Euch doch nicht besser führen, als ich getan habe. Legt Euer Geld dort auf den flachen Stein – pfeift dreimal – und setzt Euch dann an der Westseite des Gestrüpps dort nieder. Ich will bei Euch sitzen, und es soll Euch freistehen, mir den Hals umzudrehen, wenn Ihr nicht den Schmied gleich darauf werdet arbeiten hören.«

»Ich sehe mich vielleicht versucht. Dich beim Wort zu halten, wenn Du mich zum besten hast« sagte Tressilian, »aber ich will Deinen Spuk probieren, Ich binde also mein Pferd hier an den aufrecht stehenden Stein an – hierher muß ich mein Geld legen, sagst Du? – und nun muß ich dreimal pfeifen?«,

»Ja, aber Ihr müßt lauter pfeifen,« sagte die Range, als Tressilian, halb beschämt über die Dummheit des ganzen Treibens, nur leise pfiff. – »Ich sehe, ich muß den Schmied für Euch herbeirufen.«

Und Dickie pfiff so scharf und schrill, daß es Tressilian durch Mark und Bein ging.

»Das nenne ich pfeifen,« sagte der Junge, »und nun ins Versteck, ins Versteck!«

Tressilian fragte sich, was wohl dieses ganze Possenspiel zu bedeuten habe, war aber doch überzeugt, daß irgend etwas dabei herausschauen müsse, und ließ sich von dem Jungen, der sich so vertrauensvoll in seine Gewalt gegeben hatte, nach dem Dickicht führen und setzte sich hier nieder, und da es ihm als das Wahrscheinlichste erschien, daß der ganze Humbug nur darauf angelegt war, ihm sein Pferd zu stehlen, so hielt er den Buben beim Kragen, fest entschlossen, ihn zur Geißel für sein Pferd zu machen.

»Nun lauscht scharf auf,« sagte Dickie,, »bald werdet Ihr den Schlag eines Hammers hören, der nicht aus irdischem Eisen geschweißt, denn der Stein, auf dem er gemacht ist, ist vom Monde herniedergefallen.«

Und in der Tat hörte gleich darauf Tressilian den leisen Schlag eines Hammers, wie wenn ein Nagelschmied bei der Arbeit wäre. Der Ton klang an diesem einsamen Platze so sonderbar, daß er unwillkürlich zusammenfuhr. Aber er blickte auf den Jungen und erkannte an dem boshaften Ausdruck seines Gesichts, daß der Bengel sein vorübergehendes Entsetzen bemerkte und sich daran ergötzte, und er nahm sich fest vor, zu ergründen, von wem oder in welcher Absicht dieses Possenspiel getrieben wurde.

Die ganze Zeitlang, während der Hammer klang, blieb er daher ganz ruhig sitzen, aber kaum verstummte das Klappern, so wartete Tressilian nicht die Zeit ab, die sein Führer ihm angeraten hatte, sondern sprang mit gezogenem Schwert auf, rannte um das Dickicht herum und stand nun einem Manne gegenüber, der die Lederschürze eines Schmieds trug, sonst aber phantastisch mit einer zottigen Bärenhaut bekleidet war.

»Zurück, zurück!« schrie der Junge Tressilian zu. »Ihr werdet in Stücke gerissen – es hat ihn noch kein Lebender gesehen!«

In der Tat hob der unsichtbare, jetzt ganz sichtbare Schmied den Hammer und schien bereit, dreinzuschlagen.

Aber als der Junge sah, daß weder seine Warnungen, noch die drohende Haltung des Schmieds Tressilian von seinem Vorhaben abzubringen vermochten, sondern daß dieser im Gegenteil dem Hammer mit dem blanken Degen entgegentrat, da rief er nun dem Schmied zu:

»Wieland, tu ihm nichts, sonst wird es Dir schlecht gehen! Der Herr ist ein echter Edelmann und ein tapfrer obendrein!«

»So hast Du mich doch verraten, Du Popanz?« sagte der Schmied. »Das sollst Du mir büßen!«

»Sei, wer Du willst,« sagte Tressilian, »Du hast von mir nichts zu fürchten, wenn Du mir sagst, was diese Gaukelei zu bedeuten hat und warum Du Dein Handwerk in so geheimnisvoller Weise treibst.«

Der Schmied wandte sich zu Tressilian und rief in drohendem Tone:

»Wer fragt den Insassen des kristallenen Schlosses des Lichts? Den Beherrscher des großen Löwen, den Reiter des roten Drachen? – Von hinnen! Hebe Dich weg, ehe ich Talpack mit der feurigen Lanze rufe, daß er Dich zermalme, zerschmettere, vernichte.«

Diese Worte begleitete er mit ungestümen Gebärden, das Maul aufreißend und den Hammer schwingend.

»Ruhe, Du alberner Gaukler, laß Dein Zigeunergewäsch!« versetzte Tressilian verächtlich, »komm mit mir zur nächsten Obrigkeit oder ich schlage Dir den Schädel entzwei.«

»Sei still, guter Wieland, ich bitte Dich,« sagte der Knabe. »Hier kommst Du mit Deiner Großmäuligkeit nicht durch, Du mußt schon klein beigeben.«

»Ich denke, ehrenwerter Herr,« sagte der Schmied und ließ den Hammer sinken, indem er einen sanftern und unterwürfigern Ton anschlug, »wenn ein armer Mann sein Tagewerk tut, dann kann es ihm auch vergönnt sein, es nach seinem eignen Geschmack zu verrichten. Euer Pferd ist beschlagen – das Geld habt Ihr bezahlt – was habt Ihr Euch nun noch zu kümmern? Steigt auf und reitet weiter.«

»Nein, Freund, Ihr irrt Euch,« antwortete Tressilian, »jedermann hat das Recht, einen Betrüger und Gaukler zu entlarven, und Eure Lebensweise erregt den Verdacht, daß Ihr beides seid.«

»Wenn Ihr dazu entschlossen seid, Herr,« sagte der Schmied, »so kann ich mir nur durch rohe Gewalt helfen, und das tät ich nicht gern Euch gegenüber, Herr Tressilian. Ich fürchte mich zwar nicht vor Eurer Waffe, aber ich weiß, daß Ihr ein würdiger, gütiger, hochbefähigter Edelmann seid, der lieber einem armen Kerl, der in der Klemme sitzt, hilft als ihm noch schadet.«

»Gut gesprochen, Wieland,« sagte der Junge, der den Ausgang des Gesprächs begierig erwartet hatte, »aber laß uns in Deine Höhle, Mann, denn es ist nicht gut für Deine Gesundheit, hier in der Abendluft zu stehen und zu schwatzen.«

»Da hast Du recht, Popanz,« erwiderte der Schmied, und er ging zu dem kleinen Ginstergestrüpp, das an der Seite zunächst dem Steinkreise gelegen war, gegenüber von dem, an welchem Tressilian gesessen hatte, und es zeigte sich hier eine sorgfältig mit Buschwerk bedeckte Falltür. Durch die stieg er in die Erde hinunter und verschwand vor ihren Augen. Trotz seiner Neugier zauderte Tressilian doch, dem Mann zu folgen, da das Loch leicht eine Räuberhöhle sein konnte, zumal als er die Stimme des Schmieds rufen hörte:

»Popanz, komm Du zuletzt und mach die Falltür fest hinter Dir zu!«

»Habt Ihr nun genug von Wieland, dem Schmied, gesehen?« flüsterte die Range Tressilian zu mit einem pfiffigen Grinsen, als durchschaue er die Unschlüssigkeit des Herrn.

»Noch nicht,« sagte Tressilian fest, und er schüttelte die zaghafte Anwandlung von sich und stieg die enge Treppe hinab. Dickie Schlamm folgte ihm und machte die Tür hinter sich zu, so daß nun auch nicht der leiseste Schimmer von Tageslicht mehr hereinfiel. Es ging jedoch nur ein paar Stufen hinunter, dann ging es durch einen ebenfalls nur wenige Schritte langen Gang, an dessen Ende der Schein eines grellroten Lichts erschien. An diesem Punkte, mit dem Schwerte in der Hand, angelangt, stand Tressilian nach einem Schritt nach links in einem kleinen, viereckigen Gewölbe, das als Schmiedewerkstatt eingerichtet war, ein mächtiges Kohlenfeuer brannte, dessen Dunst den Raum mit erdrückendem Qualm gefüllt hätte, wenn nicht durch ein verborgnes Luftloch die unterirdische Schmiede mit der Außenluft in Verbindung gestanden hätte. Bei dem Licht, das das Feuer und eine an einer Eisenkette hängende Lampe verbreiteten, sah man einen Ambos, Blasebälge, Zangen, Hammer, eine Menge fertiger Hufeisen und andre zum Handwerk eines Schmieds gehörige Gegenstände, außerdem aber auch Schmelztiegel, Destillierkolben, Retorten und andre Instrumente der Alchimie. Die groteske Gestalt des Schmieds und die häßlichen, bizarren Gesichtszüge des Knaben stimmten in der Beleuchtung des zuckenden, unvollkommenen Schmiedefeuers und der heruntergebrannten Lampe wunderbar zu all diesem mystischen Kram und hätten in diesem Zeitalter des Aberglaubens wohl manchen Mann mit Furcht und Grausen erfüllt. Aber Tressilian hatte von Natur eiserne Nerven, und seine an sich sorgfältige Erziehung und vorzügliche Bildung hatte er später durch anhaltendes Studium zu sehr vervollkommnet, als daß ihm irgend welcher Aberglaube etwas hätte anhaben können. Er warf einen Blick um sich her und fragte dann den Schwarzkünstler nochmals, wer er wäre und durch welchen Zufall er seinen Namen erfahren hätte, mit dem er ihn vorhin angeredet habe.