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»Das ja,« erwiderte Tressilian. »Ist Euch Cumnorplace bekannt in der Nähe von Oxford?«

»Allerdings,« versetzte der Geistliche, »es war ein Zufluchtsort für die Mönche von Abingdon.«

»Die Wappen der Mönche habe ich,« bemerkte Meister Michael, »über einem steinernen Kamin in der Halle gesehen ... ein gezacktes Kreuz zwischen vier Hämmerchen.«

»Dort hat,« sagte Tressilian, »dieses unglückliche Mädchen seinen Aufenthalt genommen, und zwar in Gemeinschaft mit dem schurkischen Varney. Aber hatte nicht ein seltsames Mißgeschick obgewaltet, so hätte mein Schwert all unsre Schmach, wie auch die ihrige, an seinem unwürdigen Haupte gerächt.«

»Sei Deinem Gott im Himmel dankbar, daß er Deine Hand von Blut reingehalten, Du unbesonnener, junger Mann,« antwortete der Pfarrer. »Die Rache ist mein, spricht der Herr, ich will vergelten. Besser, wir sinnen, wie sie aus den schimpflichen Netzen dieses Schufts befreit werden könne.«

»In der Heraldik heißen diese Netze Laquai Amoris oder Lacs d'amour!« sagte Mumblazen.

»Hierbei, Freunde, rechne ich auf Eure Hilfe, auf Euren Beistand,« erklärte Tressilian. »Ich bin entschlossen, diesen Bösewicht direkt am Fuße des königlichen Thrones der Falschheit, und Hinterlist, der Verführung und des Bruchs der Gastfreundschaft anzuklagen. Die Königin wird mich hören, wenn auch der Earl von Leicester, der Gönner dieses Schurken, ihre rechte Hand ist.«

»Ihre Majestät hat ihren Untertanen ein erhabenes Beispiel von Enthaltsamkeit gegeben und wird ganz ohne Zweifel an diesem Verbrecher gegen das heilige Recht der Gastfreundschaft ein Exempel statuieren. Möchte es nicht aber besser sein, Du wendetest Dich zuerst an den Earl of Leicester, damit er selbst seinen Untertan in Strafe nehme? Gewährt der Earl of Leicester Dir recht, so ersparst Du Dir die Gefahr, Dir einen machtvollen Feind zu schaffen, was gar wohl der Fall sein könnte, wenn Du so ohne weiteres seinen Stallmeister und Günstling bei der Königin verklagst.«

»Mein Gemüt empört sich gegen Euren Rat,« erwiderte Tressilian, »ich kann es nicht über mich bringen, die Sache meines edlen Beschützers, die Sache der unglücklichen Amy, vor einer andern Instanz als meiner Königin anhängig zu machen. Leicester ist edel, das willst Nu sagen, nun, magst Du recht haben . , . aber er ist ein Untertan wie wir selbst, und ich mag nicht vor ihn die Klage bringen, da ich Besseres zu tun imstande bin. Dennoch will ich dessen, was Du mir gesagt, eingedenk bleiben. Vorderhand muß ich Euch bitten, daß Ihr mir beisteht, den lieben Sir Hugh zu überreden, mich zu seinem Beauftragten und Vertrauten in dieser Sache zu machen, denn nicht in meinem Namen, sondern in dem seinigen muß ich das Wort führen. Seitdem sie soweit gesunken ist, daß sie ihre Liebe diesem hohlen, lüderlichen Höfling schenkt, soll er ihr wenigstens diejenigen Rechte zuteil werden lassen, die in seinem Vermögen stehen.«

»Besser, sie stürbe coelebs und sine prole,« sagte Mumblazen, mit höherm Feuer, als sonst in seiner Rede zu finden war, »als daß das edle Wappenschild der Robsart mit demjenigen eines solchen Bösewichts per pale sich einte!«

»Falls es, wie mir nicht fraglich sein kann, Eure Absicht ist,« sagte der Geistliche, »den Ruf dieses unseligen, jungen Weibes wieder zu reinigen, so muß ich Euch von neuem ermahnen, Euch zu allererst an den Earl of Leicester zu wenden. Er ist in seinem Hause ganz ebenso unbeschränkter Gebieter und Herr, wie die Königin in ihrem Königreich, und wenn er dem Varney bedeutet, daß das und das zu geschehen habe, so wird doch die Ehre des Mädchens nicht so öffentlich breitgetreten.«

»Ihr habt recht, Ihr habt recht,« erwiderte Tressilian hastig, »und ich bin Euch dankbar, daß Ihr mich aufmerksam macht auf etwas, was ich in meiner Hast übersehen habe. Hätte ich doch nie im Leben gedacht, Leicester um eine Gunst angehen zu müssen; aber knien könnte ich vor diesem stolzen Dudley, wenn dadurch die Ehre dieses unglücklichen Mädchens um einen Schatten heller würde. Ihr wollt mir also beistehen, die nötigen Vollmachten von Sir Hugh Robsart zu erlangen?«

Der Geistliche versicherte ihn seines Beistandes, und der Heraldiker nickte.

»Ihr müßt Euch auch bereit halten, falls Ihr darum angegangen werdet, die offenherzige Gastfreundschaft, die unser lieber Gönner diesem verräterischen Bösewicht erwiesen hat, und die schurkische List, die derselbe aufgewendet hat, seine unglückliche Tochter zu verführen, zu bezeugen.«

»Zuerst, so hat es mir scheinen wollen,« äußerte der Geistliche, »hat sie sich aus seiner Gesellschaft nicht sonderlich viel gemacht, dagegen habe ich sie später öfter zusammen gesehen.«

»Siant im Wohnzimmer, und passant im Garten,« bemerkte Meister Mumblazen.

»Ich habe sie einmal zufällig getroffen,« sagte der Priester, »an einem Frühlingsabend im Südwalde – Varney war eingemummt in einen dunklen Mantel, so daß ich sein Gesicht nicht gesehen habe... sie gingen schnell auseinander, als sie es rascheln hörten, und ich sah noch, wie sie den Kopf wandte und ihm lange nachblickte.«

»Regardant mit den Augen,« sagte der Heraldiker, »und am Tage ihrer Flucht, was ja am Sankt Augustinstage war, da habe ich Varneys Diener in seiner Livree hinter der Kirchhofsmauer halten sehen, an der Hand das Roß seines Herrn und den Zelter von Madam Amy, proper gezäumt und gesattelt.«

»Und nun ist sie ausfindig gemacht in ihrem geheimen Zufluchtsorte,« sagte Tressilian, »der Schurke ist in flagranti ertappt, und ich wünschte nur, er möchte sein Verbrechen leugnen, daß ich ihm den Beweis auf dem Wege durch seine falsche Kehle erbringen könnte! Aber ich muß mich rüsten zu meiner Reise. Suchet Ihr, meine Herren, meinen Gönner dahin zu beeinflussen, daß er mir alle nötige Vollmacht gebe, um in seinem Namen auftreten und handeln zu können.«

Mit diesen Worten schritt Tressilian aus dem Zimmer.

»Er ist zu hitzig,« sprach der Pfarrer, »und ich bitte unsern lieben Gott im Himmels, daß er ihm Geduld leihe, mit Varney zu handeln, wie es sich schickt.«

»Geduld und Varney,« sagte Mumblazen, »ist schlimmere Heraldik als Metall auf Metall. Denn er ist falscher als eine Sirene, räuberischer als ein Vogel Greif, giftiger als eine Viper und grausamer als ein kriechender Leu.«

»Und doch bezweifle ich sehr,« bemerkte der Pfarrer, »daß Sir Hugh Robsart in seinem dermaligen Zustande sein Vaterrecht über Madam Amy auf einen andern, sei es, wer es wolle, übertragen kann.«

»Euer Ehrwürden brauchen nicht daran zu zweifeln,« sagte Will Badger, der während dieser Worte eingetreten war, »denn mein Leben will ich einsetzen, daß er als ein andrer Mann erwachen wird, als er während dieser letzten dreißig Tage gewesen ist.«

»Ei, ei, Will,« meinte der Pfarrer, »hast Du denn solch festes Vertrauen zu, Doktor Diddleums Arznei?«

»Nicht im geringsten,« sagte Will, »denn der gnädige Herr hat niemals einen Tropfen davon eingenommen, hat doch die Hausmagd das Zeug ausgeschüttet. Aber ein Herr ist da, der mit Herrn Tressilian gekommen ist, der hat Sir Hugh eine Medizin gegeben, die ist zwanzigmal besser als jene. Ich habe mit ihm so unter der Hand geredet und muß sagen, ein besserer Viehdoktor oder einer, der von Pferds- und Hundskuren mehr versteht, als der, ist mir in meinem Leben noch nicht vorgekommen, und so einer tut auch niemals einem Christenmenschen Schaden ... nein, sicher nicht!«

»Ein Viehdoktor! Ihr frecher Kujon ... und mit wessen Ermächtigung, bitte?« sagte der Geistliche, erstaunt und entrüstet aufstehend; »oder wer will sich verbürgen für diesen neuen Doktor?«

»Was die Ermächtigung anbetrifft, wie Eure Ehrwürden wohl zu bemerken gestatten, so stammt sie her von mir; und was die Bürgschaft anbetrifft, so bin ich wohl nicht ein Vierteljahrhundert in diesem Hause gewesen, ohne mir ein Anrecht darauf erworben zu haben, beurteilen zu können, was einem Menschen oder einem Stück Vieh heilsam und von Nutzen sein kann ... kann ich doch auch selbst ein Rezept verschreiben und ein Klystier geben, zur Ader lassen und Schröpfköpfe setzen, auch, wenns gerade sein muß, ein Bein abschneiden, ohne studierte Hilfe.«