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»Ich bitte Dich, Walter,« sagte ein andrer aus der Gesellschaft, »laß Dein Gespött – es ist dazu jetzt weder die Zeit noch der Ort. Sag uns lieber, wer jetzt am Tor war.«

»Doktor Masters, Leibarzt Ihrer Majestät, von ihr selber mit dem ausdrücklichen Befehl gesandt, sich nach dem Befinden des Earls zu erkundigen,« antwortete Walter.

»Was!« rief Tracy. »Das wäre kein geringes Zeichen ihrer Huld. – Wenn der Graf mit dem Leben davonkommt, so wird er noch immer Leicester den Rang ablaufen. Ist Masters jetzt bei Mylord?«

»Nein,« erwiderte Walter, »er ist schon wieder halbwegs nach Greenwich und außer sich vor Wut.«

»Du hast ihm doch nicht etwa den Zutritt verweigert?« rief Tracy.

»So wahnsinnig bist Du doch nicht gewesen?« setzte Blount hinzu.

»Ich habe ihm den Zutritt verweigert, so rundweg, Blount, wie Ihr einem blinden Bettler einen Penny abschlagen würdet, so hartnäckig, Tracy, als Du je einem Gläubiger die Wege gewiesen hast.«

»Warum in des Teufels Namen hast Du ihn auch nach dem Tor gehen heißen?« sagte Blount zu Tracy.

»Er paßte dem Alter nach besser dazu als ich,« antwortete Tracy, »aber nun hat er uns alle ins Verderben gebracht. Ob nun Mylord am Leben bleibt oder stirbt, er wird nie wieder einen huldvollen Blick von Ihrer Majestät erhalten,«

»Und auch seine Anhänger werden nicht mehr ihr Glück in seinem Gefolge machen können,« sagte der junge Edelmann, verächtlich, lächelnd. »Da liegt der Hase im Pfeffer – das ist nicht wieder gut zu machen. Meine Herren, ich habe nicht so laute Klagelieder über Mylords Krankheit angestimmt, wie einige unter Euch, aber wo es gilt, ihm einen Dienst zu erweisen, da nehme ich es mit jedem unter Euch auf. Hätte dieser gelahrte Arzt hereingedurft, meint Ihr nicht, es wäre zwischen ihm und dem Doktor Tressilians zu einem solchen Krakehl gekommen, daß selbst ein Toter, geschweige denn ein Schläfer, hätte erwachen müssen! Ich weiß, wenn sich Doktoren in die Haare kriegen, da gehts toll her.«

»Und wer nimmt nun die Folgen auf sich, daß wir uns den Befehlen der Königin widersetzt haben?« fragte Tracy. »Denn ohne Zweifel kam Doktor Masters mit dem ausdrücklichen Befehl der Königin, den Grafen zu kurieren.«

»Ich, der ich das Unrecht begangen habe, werde auch die Folgen tragen,« fügte Walter.

»Na, dann schlag nur in den Wind, was Du von Hofgunst geträumt hast,« sagte Blount.

»Mit nichten,« sagte der junge Mann errötend, »mit nichten, so lange Irland und die Niederlande Krieg führen, so lange die See pfadlose Wege hat. Der reiche Westen hat noch ungeahnte Länder, und England hat kühne Herzen, die es wagen, sie aufzusuchen. Adieu einstweilen, meine Herren. Ich will in den Hof und die Posten revidieren.«

»Der Bursche hat Quecksilber in den Adern,« sagte Blount und sah Markham an.

»Er hat etwas im Blut und im Schädel,« sagte Markham, »was ihn entweder zum großen Mann machen oder zugrunde richten wird. Aber indem er dem Masters die Tür gewiesen hat, hat er einen kühnen und liebevollen Dienst getan, denn Tressilians Mann hat immer gesagt, den Lord erwecken, hieße ihn töten!«

Der Morgen war schon weit vorgeschritten, als Tressilian erschöpft und übernächtigt mit der freudigen Kunde herunterkam, daß der Graf von selber aufgewacht sei. Die innerlichen Schmerzen hätten sehr nachgelassen, er spreche mit einer Munterkeit und schaue sich mit einer Lebhaftigkeit um, die allein schon ein Beweis seien, daß eine wesentliche Besserung eingetreten sei. Tressilian befahl gleichzeitig, daß zwei Männer des Gefolges mitkommen sollten, um zu berichten, was in der Nacht vorgefallen sei, und ließ die Wache im Zimmer des Grafen ablösen.

Als die Nachricht von der Königin dem Earl of Sussex mitgeteilt wurde, lächelte er zuerst darüber, daß der Arzt von seinem übereifrigen Parteigänger abgewiesen worden sei, dann aber sammelte er sich sogleich und befahl, daß Blount sofort mit dem Boote nach dem Palast von Greenwich fahren und den jungen Walter und Tracy mitnehmen solle. Er solle der Landesherrin seinen untertänigen Tank abstatten und erklären, aus welchem Grunde er aus den Beistand des gelahrten Doktor Masters habe verzichten müssen.

»Hols der Henker!« brummte Blount. »Hätte er mich mit einer Herausforderung an Leicester geschickt, ich glaube, ich hatte seinen Auftrag mit Freuden ausgeführt. Aber zu unsrer allergnädigsten Landesherrin zu gehen, – vor der alle Worte mit Goldschaum oder mit Zucker lackiert werden müssen – potzblitz, das ist eine so kitzlige Sache, daß mein armes, altes Gehirn sich keinen Rat weiß. – Komm mit, Tracy, und Du auch, Meister Walter Naseweis, der an dem ganzen Rummel schuld ist. Laß doch sehen, ob Dein flinkes Köpfchen, das so manches puffende Feuerwerkchen schon angesteckt hat, einen geraden, schlichten Kerl durch irgend einen pfiffigen Kniff aus der Klemme ziehen kann.«

Sie glitten bald auf dem fürstlichen Busen der Themse dahin, die im Sonnenglanz in all ihrer Pracht dalag.

»Zwei Dinge gibt es, die auf der weiten Welt kaum ihresgleichen finden,« sagte Walter zu Blount, »die Sonne am Himmel und die Themse auf der Erde.«

»Die eine wird uns schon auf dem Wege nach Greenwich leuchten,« sagte Blount, »und die andre würde uns schneller hinbringen, wenn grade Ebbe wäre. Aber mich dünkt obendrein, unsre Botschaft ist vergebens, denn seht, die Barke der Königin liegt an den Stufen, als wollte Ihre Majestät eine Ausfahrt machen.«

So war es auch. Die königliche Barke, bemannt mit den Ruderern in den königlichen Livreen, das englische Banner am Steuer gehißt, lag in der Tat an der großen Schloßstiege, die vom Flusse emporführte, und neben ihr ein paar andre Boote, die für denjenigen Teil ihres Gefolges bestimmt waren, der nicht zum persönlichen Dienst der Majestät befohlen war. Die Yeomen von der Wache, die größten und hübschesten Männer, die England hervorbringen konnte, bewachten mit ihren Hellebarden den Durchgang vom Palast zum Fluß, und alles schien bereit zur Ausfahrt der Fürstin, obwohl es noch so sehr früh am Tage war.

»Meiner Treu, das verheißt uns nicht Gutes,« sagte Blount, »es muß eine gefährliche Sache vorliegen, daß Ihro Gnaden zu solcher Stunde schon auf den Beinen ist. Wenn ich uns einen Rat geben soll, so führen wir am besten wieder zurück und sagten dem Grafen, was wir gesehen haben.«

»Dem Grafen sagen, was wir gesehen haben!« rief Walter. »Ei, was haben wir denn weiter gesehen, als ein Boot und Leute in scharlachroten Kitteln mit Hellebarden in den Händen? Wir wollen unsern Auftrag ausrichten und ihm dann sagen, was die Königin uns antwortet.«

Mit diesen Worten ließ er das Boot anlegen an einem von der Hauptanlegestelle etwas entfernten Landungsplatze, sprang ans Ufer, und seine ängstlichen, zaghaften Gefährten folgten ihm mit Widerstreben. Als sie dem Tor des Palastes sich näherten, sagte ihnen einer der Türhüter, sie könnten jetzt nicht herein, da Ihre Majestät sogleich herauskommen werde. Der junge Edelmann nannte den Namen des Grafen von Sussex, aber auch damit erreichten sie nichts.

»Ich habe es Euch ja gesagt,« sprach Blount, »komm, mein lieber Walter, laß uns in unser Boot steigen und umkehren.«

»Nicht eher, als bis ich die Königin habe herauskommen sehen,« antwortete der junge Mann gelassen.

»Du bist von Sinnen, völlig von Sinnen,« versetzte Blount.

»Und Du bist zu einem Feigling verwandelt,« sagte Walter. »Ich habe Dich selber einem Dutzend krausköpfiger Iren, mit denen Du es aufgenommen hattest, keck ins Äuge schauen sehen – und jetzt willst Du Dich wieder wegstehlen und fürchtest Dich vor dem Blick einer schönen Dame!«

In diesem Augenblick öffneten sich die Tore, und Kammerherren kamen in voller Gala heraus, vor ihnen her und neben ihnen schritten die Herren von der königlichen Ehrenwache. Unter einer Menge von Herren und Damen, die aber so um ihre Person her geordnet waren, daß die Königin nach allen Seiten hin sehen und auch von allen Seiten her gesehen werden konnte, kam darauf Elisabeth selber, die damals in der Blüte der Weiblichkeit stand und für eine Königin sicher schön genannt werden konnte. Ihre Gestalt war edel und ihr Gesicht fesselnd und gebietend. Sie lehnte am Arme des Lord Hunsdon, der zufolge seiner Verwandtschaft mit ihr von mütterlicher Seite oft durch solche Zeichen der Vertraulichkeit von Elisabeth ausgezeichnet wurde.