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»Wir wollen diesem jungen Herrn ein wenig Ursache geben zur Verwunderung; wenn er zurückkommt, soll er seinen Vers also ergänzt finden, ohne daß es ihm Mühe gemacht hat.«

Nach diesen Worten setzte sie die selbstgefundne Zeile unter die andre. Darauf verließ sie den Pavillon, zog sich aber sehr langsam zurück und nicht, ohne sich öfters umzusehen; und da konnte sie wahrnehmen, daß der Junker auf Windesflügeln zu der Stelle hin eilte, wo sie eine kurze Weile gestanden.

»Bloß um zu sehen,« wie sie sagte, »ob das Manöver ihr geglückt wäre,« blieb sie ein Weilchen stehen und dann schlug sie, herzlich über den Vorfall lachend, mit ihrer Dame den Rückweg zum Palaste ein.

Unterwegs verbot Elisabeth ihrer Dame, über die Hilfe, die sie dem jungen Poeten geleistet, zu irgendwem etwas verlauten zu lassen, und Lady Paget gelobte unverbrüchliches Schweigen. Indessen möge nicht unbemerkt bleiben, daß sie zu gunsten Leicesters eine »resevatio mentalis«, einen Gedankenvorbehalt, machte und dem edlen Lord unverzüglich Kenntnis gab von dem Vorfall, so wenig er auch geeignet erschien, demselben zur Freude zu gereichen.

Raleigh hatte sich inzwischen an das Fenster geschlichen und las mit Entzücken die verblümte Ermutigung, die die Königin seinem Ehrgeize gegeben. Dann begab er sich zu Sussex, und dessen Gefolge zurück, das sich eben einschiffen wollte. Hoch schlug ihm das Herz vor Stolz über die Auszeichnung, die ihm winkte.

Die Ehrfurcht, die man vor dem Grafen im Herzen trug, wehrte jede Aeußerung, ja jede Betrachtung über die Annahme, die demselben bei Hofe geworden, bis man ans Land stieg und bis sich der gesamte Hofhalt des Grafen in der großen Halle von Says-Hof versammelte, wo der Lord, durch seine letzte Krankheit und durch die Anstrengungen erschöpft, sich in sein Zimmer zurückzog, um nach dem Beistande des Schmieds, seines unglücklichen Arztes, zu verlangen.

Aber Wieland der Schmied war nirgends zu finden, und während einige der gräflichen Mannen ungeduldig nach ihm suchten, scharten sich die andern um Raleigh, um ihm Glück zu den Aussichten, die er bei Hofe hatte, zu wünschen.

Walter Raleigh besaß Urteilskraft und Taktgefühl genug, um den Umstand mit dem Verse zu verschweigen, zu dem die Königin einen Reim zu suchen sich herabgelassen hatte. Indessen war manches andre bekannt geworden, das jeden Zweifel hob, daß er in der Gunst der Königin Fortschritte gemacht habe. Raleigh dankte jedem dieser Gratulanten auf das verbindlichste, machte indessen hierbei die Bemerkung, daß es noch lange nicht auf Gunst bei Hofe deute, wenn er einmal einen glücklichen Tag gehabt habe, so wie auch eine Schwalbe noch nicht den Sommer mache. Blount stimmte, wie er wahrnahm, nicht in die allgemeinen Glückwünsche ein, und einigermaßen empfindlich über diese anscheinende Teilnahmlosigkeit, fragte Raleigh nach dem Grunde.

Blount antwortete mit der an ihm gewohnten Höflichkeit:

»Mein lieber Walter, ich wünsche Dir alles Gute, wie sonst einer von all den Kumpanen, die sich um Dich scharen und Dir ihre Glückwünsche ins Ohr flüstern, wie wenn Du gut Wetter haben würdest; aber, Freund, ich habe Sorge um Dich!« bei diesen Worten trocknete er sich das redliche Auge; »recht große Sorge! Dergleichen Leben bei Hofe mit den ewigen Intrigen und Tänzen und Witzen aus Weiberaugen, dieses Haschen nach Weibergunst und so weiter, das sind die Kniffe und Pfiffe, durch die sich gutes Gold in schlechtes Kupfer verwandelt, die schönen Fratzen und witzigen Schädeln zur Bekanntschaft mit unheimlichen Blöcken und scharfen Beilen verhelfen.«

Mit diesen Worten stand Blount auf und verließ die Halle, während Raleigh ihm nachblickte mit einem Ausdruck, der auf einen Augenblick sein keckes, lebendiges Gesicht verdüsterte.

Ein Diener trat gerade ein in die Halle und sagte zu Tressilian:

»Mylord wünscht Euren Burschen Wieland zu sehen, und eben ist Euer Bursche Wieland in einem Kahne hergekommen und wünscht Euch zu sehen und will erst zu Mylord gehen, wenn er mit Euch gesprochen hat. Der Bursche sieht aus, als wenn er nicht recht gescheit wäre, so sieht es mir wenigstens aus . . . ich rate, sprecht gleich mit ihm!«

Tressilian verließ auf der Stelle die Halle, ließ den Schmied in ein angrenzendes Gemach führen und Lichter hinein tragen. Dann begab er sich selbst dorthin. Mit Erstaunen nahm er die Erregung wahr, die sich auf dem Gesicht des Mannes zeigte.

»Was ist denn los mit Euch, Wieland?« fragte er. »Habt Ihr etwa den Satan vor Augen gehabt?«

»Schlimmer, schlimmer,«, versetzte Wieland, »einen Basilisken habe ich gesehen! ... Gott sei gedankt, daß ich ihn zuerst gesehen habe, denn auf diese Weise und da er mich nicht gesehen, wird er weniger Unheil stiften.«

»Im Namen Gottes, redet, Schmied!« sagte Tressilian, »redet vernünftig und sagt, was Eure Worte bedeuten.«

»Ich habe meinen alten Prinzipal gesehen,« sagte der Schmied, »gestern nacht bin ich mit einem Freunde, den ich hier gefunden, weggegangen; er wollte mir die Uhr im Paläste zeigen, weil er meinte, ich sehe solches Kunstwerk gern ... und am Fenster eines Türmchens, unfern von der Uhr ... da habe ich ihn gesehen ... da habe ich meinen alten Meister gesehen!« »Du mußt Dich ganz gewiß getäuscht haben, Schmied,« entgegnete Tressilian.

»Ich habe mich nicht verguckt,« erwiderte Wieland der Schmied, »wer diese Züge nur einmal in seinem Leben gesehen hat, der kennte ihn heraus aus Millionen! Er hatte sich in eine uralte Tracht gesteckt, aber vor mir kann er sich nicht verkleiden, Gott seis gedankt, wie ich mich vor ihm. Indessen will, ich die Vorsehung nicht herausfordern dadurch, daß ich in seiner Höhle bleibe. Schauspieler Tarleton könnte sich so nicht verkleiden und verstellen, daß ihn Doboobie nicht früher oder später herausspintisierte. Ich muß morgen weg von hier, denn so wie ich mit ihm stehe, wäre es mein Tod, wenn ich im Bereich seiner Augen und Hände bliebe.«

»Aber der Graf von Sussex?« fragte Tressilian.

»Was er bisher genossen hat, wird ihm wenig mehr schaden, vorausgesetzt, daß er allmorgentlich so viel wie eine Bohne von dem Orvietan schluckt auf nüchternen Magen ... doch muß er sich hüten vor jedem Rückfall.«

»Und wie kann man ihn davor bewahren?« fragte Tressilian.

»Einzig und allein durch solche Vorsicht, wie man sie dem Teufel gegenüber anwenden müßte,« entgegnete Wieland. »Mylords Mundkoch muß jede Speise, die er für Mylord bereitet, selbst anrichten, muß jedes Tier, von dem er nimmt, selbst schlachten, darf kein anders Gewürz dazu verwenden als solches aus ganz sichern, verläßlichen Händen. ... Der Vorschneider muß die Speisen selbst auftragen, und der Haushofmeister muß darauf achten, daß beide, Koch und Vorschneider, von den Speisen, die der eine kocht, der andre austrägt, selbst zuvor kosten, ehe Mylord die Lippen daran rührt. Dann darf Mylord an nichts riechen, das nicht von ganz verläßlichen Leuten herrührt, darf keine Salbe, keine Pomade gebrauchen außer von durchaus bekannter Quelle. Mylord darf in keinem Falle mit Fremden trinken oder Obst bei Fremden genießen, gleichviel wann. Vor allen Dingen soll er die äußerste Vorsicht üben, wenn er sich nach Kenilworth begibt ... seine Krankheit, sowie der Umstand, daß er noch immer strenge Diät beobachten muß, wird und muß die Sonderbarkeit solches Verhaltens in den Augen der Welt entschuldigen.«

»Und Du, Wieland,« fragte Tressilian, »was soll aus Dir hinfort werden?« »Frankreich, Spanien oder Indien, gleichwohl ob Ost- oder Westindien, sollen mein Zufluchtsort werden,« erwiderte Wieland, »ehe ich mein Leben in Gefahr setze dadurch, daß ich in der Höhle dieses Doboobie oder Demetrius oder wie er sich gerade nennt, verbleibe.«

»Gut,« versetzte Tressilian, »es kommt mir nicht ungelegen ... ich hatte für Euch in Berkshire was zu besorgen; aber in dem entgegengesetzten Zipfel von dem, den Du kennst, und schon ehe Du diesen neuen Grund, Dich in Verborgenheit zurückzuziehen, gefaßt hast, war es meine Absicht, Dich mit einem geheimen Auftrag dorthin zu schicken.«